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Ludmila Balkanovic

Eine Jugo-Mittdressigerin und die Verkupplungs-Versuche ihrer Mutter

Ludmila Balkanovic

Wenns um die Liebe geht, kennt Mama «-ic» keine Gnade

23.03.2017, 15:3605.05.2017, 08:03

Zuerst die Fakten: Ich bin eine Single-Mittdreissigerin. Dann die gute Nachricht: Mir geht es wunderbar dabei. Und jetzt die schlechte Nachricht: meiner Mutter nicht. Sie leidet nicht nur aus Empathie unter Torschlusspanik, nein, sie befürchtet, dass ich ihr keine Enkel mehr schenken werde.

Ludmila Balkanovic
Unsere neue Kolumnistin Ludmila wuchs zwischen Mani Matter, Kettenraucher, harten Schweizer Schulregeln und einer «Fuck the System»-Kultur auf. Hier erzählt die Mittdreissigerin aus ihrem Leben zwischen Schweizer Bünzli- und dem Jugotum.

Während ich mich entspannt zurücklehne – immerhin habe ich gerade erst meine letzte Trennung überwunden – beschäftigt sich meine Frau Mama längst damit, den Einen für mich und ihre Enkel zu finden. Dabei ist sich die Gute für nichts zu schade. 

Der Sohn des Cou-Cosuins des Arbeitskollegen von Papa

So wie neulich. Wir waren gerade zusammen beim Optiker, um ihre Brille abzuholen. Ihre ältere Tochter sei schon verheiratet und habe ein Kind, sagte sie. Diese «sexy Kurven hier» – sie zeigte auf mich – wären aber noch zu haben.

Dass der Optiker und ich ziemlich sicher null gemeinsame Interessen haben – er Anzug, ich Chucks, er Typ Seefeld, ich Kreis 4 –, bemerkt meine Mutter nicht. Warum auch? Solchen Nichtigkeiten schenkt sie keine Beachtung.

Als wir den Laden verlassen, weise ich meine Mutter zum achtmillionsten Mal in meinem Leben zurecht und bitte sie ganz bestimmt, sich nicht in mein Liebesleben einzumischen. Sie ist jetzt beleidigt.

Partys und Polyamorie sind einfach mehr sein Ding als Monogamie und Kinder.

Nur um mich nach 30 Sekunden erneut an den Rand des Wahnsinns zu treiben: «Erinnerst du dich an den Sohn des Cou-Cousins des Arbeitskollegen von Papi?» Natürlich erinnere ich mich nicht, was ihr natürlich schnurzpiepegal ist.

«Er ist im Fall wieder Single. Arzt, kinderlos, 38. Ich habe ihm letztens ein Foto von dir gezeigt. Hat er dich schon auf Facebook geaddet?» Hat er, lüge ich. Mama strahlt. Ich solle ihn doch zum Znacht einladen. Sie koche uns was Schönes. Brauche ihm ja nicht zu sagen, dass sie dahinter steckt.

«Kind, kennst du Tinder!?!»

Die richtig harte Keule trifft mich aber, als ich mich überreden lasse, eine Ikea-Tour mit meiner Mutter und ihrer Schwester zu machen. Jetzt attackieren sie mich zu zweit. Meine Tante erklärt mir, dass die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft ab dem 35. Lebensjahr massiv abnimmt.

Und schon ist die Tante den Tränen nah. Nicht wegen mir, sondern wegen ihres Sohnes, meines Cousins. Er ist 41. Und Single. Partys und Polyamorie sind einfach mehr sein Ding als Monogamie und Kinder.

Das weiss die Tante natürlich nicht. Ich halte zu meinem Lieblingscousin und nehme uns beide in Schutz. Bis ich mich von ihm verraten fühle ...

«Kind, du kennst doch Tinder bestimmt auch!?!», fragt mich meine Tante. Der Cousin hat sie von der Dating-App unterrichtet. Und davon, dass er schon viele Frauen getroffen hat und sicher ist, dass die Eine auch bald kommt. Bluffer!

Nun kommt meine Mutter in Fahrt. Ein Leben ohne Tinder kann sie sich für mich nicht mehr vorstellen. Sie weiss auch schon, wie ich mich auf der Dating-App anpreisen soll: «Schreib, dass du klug, schön, lustig und eloquent bist. Und dass du super kochen und backen kannst. Und dass du Kinder liebst. Und dass deine Mutter immer für dich da ist.»

Eure Ludmila!

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