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Mehr Arbeit würde Mütter glücklicher machen

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Mehr Arbeit würde Mama glücklich machen!

Teilzeitarbeit dominiert bei den Müttern in der Schweiz. Warum das nicht der Weg zum Glück ist, erklärt Bloggerin Nathalie Sassine.
02.05.2016, 06:38
nathalie Sassine-hauptmann / wir eltern
Ein Artikel von
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In meinem Bekanntenkreis gibt es kaum Mütter, die mehr als 60% arbeiten. Die einzigen, die das tun, haben studiert und dachten sich wohl, das hätten sie ja eben nicht umsonst getan. Ausserdem arbeiten sie einfach gerne in ihrem Job. Alle anderen arbeiten Teilzeit.

Wieso?

«Weil ich mehr Zeit mit meinem Kind verbringen will», heisst es dann. Aber auch «Ich habe keine Lust auf diese Doppelbelastung. Ausserdem arbeitet mein Mann soviel, das ginge gar nicht».

So geht es in der Schweiz knapp 30% der Mütter. Weitere 30% sind gar nicht erwerbstätig. Wir stehen im OECD-Vergleich an zweithinterster Stelle, was das Arbeitsvolumen anbelangt.

Glücklicher mit höherem Pensum

Das Ding mit der Doppelbelastung ist aber gemäss Pasqualina Perrig-Chiello, Professorin für Psychologie an der Uni Bern, dass Frauen mit einem höheren Pensum auch glücklicher wären. Nicht alle natürlich, aber jene, die gerne ausser Haus arbeiten, sollten sich ernsthaft überlegen, dies vermehrt zu tun.

So meinte sie in der letzten «Sonntagszeitung»

«Einer der Hauptgründe ist, dass je mehr eine Mutter ausser Haus arbeitet, desto mehr Haus- und Familienarbeit übernimmt der Mann. Die Korrelation ist eindeutig. Die Männer ziehen viel mehr mit, wenn die Frauen ebenfalls in einem höheren Pensum erwerbstätig sind.»

Klingt irgendwie logisch, nicht? Ich erlebe das selber in meinem Unternehmen, in dem ich zur Zeit ausschliesslich Mütter angestellt habe: Anfangs müssen sich diese ziemlich durchsetzen, damit ihre Männer sie unterstützen und nicht trotz Anstellung auch noch der gesamte Haushalt an ihnen hängen bleibt. Die Männer gewöhnen sich dann aber dran und sind eben doch froh, wenn die Frau wieder etwas Geld verdient und nicht die gesamte finanzielle Verantwortung an ihnen hängen bleibt. Bis dann haben wir auch hier fast nur Teilzeitpensen, aber je nach Alter der Kinder wird das Pensum angepasst.

Mehr Verantwortung, mehr Anerkennung

Glücklich macht übrigens auch das Mehr an Verantwortung und Anerkennung, wenn das Pensum höher ist. Die Kollegen nehmen einen ernster, der Chef sowieso und so steigt auch das Selbstbewusstsein. Persönlich denke ich auch, eine Frau mit Verantwortung im Job ist für ihren Mann ebenfalls interessanter.

Doch ich erlebe auch viele Mütter, für die es einfach normal ist, dass Papa die finanzielle Last trägt. Über Jahre hinweg. In vielen Fällen haben die Männer den besseren Lohn und keine guten Aussichten, Teilzeit zu arbeiten. Auch ist der Wiedereinstieg nach einer – oft zu langen – Babypause ein Problem.

Dennoch scheint die Meinung vieler zu sein, dass das einfach Papas Aufgabe ist, egal, ob Mama ja auch mal einen richtigen Job hatte. Eine Bekannte ging gar soweit, einfach zu kündigen, weil sie keine Lust mehr auf die Doppelbelastung hatte.

Was, wenn der Vater einfach so kündigen würde, weil er keine Lust mehr hat? Eben.

Bloss: Wie soll das gehen?

Was aber leider in der Sonntagszeitung mit keinem Wort erwähnt wird ist das «wie». Wie bitteschön soll Mama mehr arbeiten, wenn unser Land immer noch keine vernünftigen Strukturen zur Verfügung stellt? Am Wohnort meiner stellvertrenden Geschäftsführerin gibt es gerade mal einmal pro Woche einen Mittagstisch! Und das ausgerechnet an dem Tag, an dem die Tochter nachmittags frei hat. Arbeiten geht dann also nur bis spätestens 13.30 Uhr.

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Dass wir in unserem Unternehmen alle im Remote Office (also von überall) arbeiten können, ist für die meisten Mütter die einzige Möglichkeit, ihrem Beruf nachzugehen, gerade wenn sie auf dem Land leben. So geht es vielen in der Schweiz und das ändert sich leider nicht so schnell.

Will heissen: Wir müssen sowohl unsere Mentalität, als auch die Infrastrukturen anpassen. Sonst wird diese Generation Mütter weiterhin in Minipensen verharren und nebst Teilzeitjob die gesamte Hausarbeit und Kinderbetreuung übernehmen. Ausser sie wollen das so. Denn diese ewige Bevormundung von uns Müttern müsste endlich aufhören. Man sollte doch meinen, im 2016 könne man uns Frauen zutrauen, selber zu entscheide, was für uns und unsere Familien das Richtige ist. Oder was meint ihr?

Was meinst du? Sollten Mütter in der Schweiz höhere Arbeitspensen haben?

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7 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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dracului
02.05.2016 08:54registriert November 2014
Habe viel im Ausland gearbeitet und finde die Schweiz und ihr Rollenmodell massiv rückständig. In Bezug auf Gleichberechtigung ist der Weg für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Staat noch sehr lang und der allgegenwärtige Neokonservatismus macht es noch schwieriger. Liegt wohl am überalterten Parlament, wo meist die Männer Haushalt und Kinder der Frau delegiert haben. Uns fehlen Mittagstische, Kinderkrippen und vor allem eine offene Einstellung zu diesem Thema! Frauen können wenigstens Teilzeit arbeiten. Kümmerte sich jedoch ein Mann um Kinder, ist ein Wiedereinstieg praktisch unmöglich.
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Toerpe Zwerg
02.05.2016 08:47registriert Februar 2014
Hier in der Stadt Zürich ist das Betreuungsangebot komplett flächendeckend sichergestellt ab dem 4. Monat, inklusive Subventionen. Dasselbe anzubieten, kann in kleinen Landgemeinden natürlich eine enorme Herausforderung sein. Es stellt sich auch die Frage, ob der Fokus auf Mehrprozente bei den Frauen der Richtige ist - eigentlich alle meiner Mitväter wünschen sich kleinere Pensen. Zwei 60% Stellen in einer Famile wären m.E. ideal.

Ein Seitenhieb an die Befürworter des bedingten Grundeinkommens muss an dieser Stelle sein: Sie fördern mit ihren Vorschlägen zur Finanzierung Einverdienerhaushalte
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«Zieh was an, dann können wir die Heizung runterdrehen!»
Energietechnisch richtig ideal in Sachen Heizen und Lüften läuft das bei mir nicht, sagt der Experte. Vor allem die ständig gekippten Fenster in fast allen Räumen sind ihm ein Dorn im Auge. Schaffen es die Teenager und ich, uns an seine Empfehlungen zu halten?

Aber fangen wir mal mit dem in meinen Augen einfacheren Thema an. Heizen. 20 Grad im Wohnzimmer, sagt der Experte. Ich bin eh die Einzige, die sich länger hier aufhält, im Homeoffice ziehe ich bei Bedarf einen Pulli und Socken an, beim Fernsehen liegt eine Decke bereit. Check. 23 Grad im Bad. Vom warmen Wasserstrahl zum kuscheligen Handtuch reicht eine Armlänge, da erfriert man nicht zwischendurch. Check. 17 Grad in Schlafräumen. In meinem Schlafzimmer bin ich eh nur zum Schlafen, ich nenne zwei Decken und gefühlte zwölf Kissen mein Eigen, also null Problem. Check.

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