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«Familienfreundliche» Unternehmen: Meistens eine Enttäuschung. bild: shutterstock

Wir Eltern

Arbeitgeber, bitte seid nicht familienfreundlich!

Denn schon in der Formulierung wird klar, worum es geht. «Wir sind ‹freundlich› zu Familien.» Doch Freundlichkeit reicht nicht, es sollte eine Selbstverständlichkeit sein!

nathalie sassine-hauptmann / wir eltern



Ein Artikel von

Als es vor 2004 noch keinen Mutterschaftsurlaub gab, ging das so:

Du wurdest schwanger, hast gekündigt und hast dir nach einer selbstgewählten Babypause wieder einen Job gesucht. Aber meist nicht, da es schlicht unmöglich war, einen Krippenplatz zu finden, geschweige denn einen neuen Job.

Vieles hat sich verändert, ja gebessert. Mutterschaftsurlaub (ein paar Wochen), mehr Krippenplätze (wenn auch teure), mehr Tagesstrukturen an den Schulen (aber immer noch viel zu wenig), Väter, die mehr Präsenz zeigen (dochdoch).

«Freundlich», aber nicht mehr

Ich will also nicht sagen, es ist alles noch beim Alten, auf keinen Fall. Doch wenn ich von Unternehmen höre, sie wollten ab sofort «familienfreundlich» sein, werde ich jedes Mal enttäuscht. Denn zu oft höre ich Geschichten von Müttern, die nach dem Mutterschaftsurlaub degradiert wurden, unerfüllbare Pensen erreichen sollten oder denen gar gekündigt wurde.

Schliesslich könne eine Mutter einfach nicht mehr denselben Einsatz bringen und sei aus diesem Grund keine gute Arbeitskraft. Familienfreundlichkeit wird zur Floskel, denn sie besagt eben genau das: Man will nett sein. Und ein bisschen Eingeständnisse machen. Hie und da. Aber bitte nicht wirklich etwas an den Strukturen ändern.

Doch so funktioniert es eben nicht. Solange unsere Arbeitswelt an einer veralteten Präsenz-Zeit festhält, Job-Sharing als Handicap und Mütter als zu müde zum Arbeiten abgestempelt werden, bleibt es eben bei der Freundlichkeit.

Was mir vorschwebt: FamilienSELBSTVERSTÄNDLICHKEIT!

Denn Familienväter und -mütter sind keine Minderheit. Diese Arbeitskräfte bilden die Mehrheit und ihre Familien sind nunmal ein Teil ihrer Person. «Familie ist Privatsache» gilt eben nur solange es einem Land verdammt gut geht und ein Alleinverdiener reicht! Sobald die Wirtschaft kränkelt oder sich Unternehmen Arbeitskräfte aus dem Ausland holen müssen, ist sie das eben nicht mehr.

Zu viele Mütter bleiben lieber zu Hause

Familien sind eine gesellschaftliche Norm und Arbeitskräfte können nicht einfach ignoriert werden, bloss weil sie jetzt Kinder haben. Doch gerade gut ausgebildete Mütter bleiben immer öfter lieber zu Hause, weil es ihnen zu schwer gemacht wird, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.

Mir ist klar, dass nicht jedes Unternehmen nur Teilzeitstellen für berufstätige Mütter anbieten kann, die gerne auch von zu Hause arbeiten dürfen. Als wir unser Unternehmen gegründet haben, wussten wir, dass wir irgendwann auch Vollzeitler brauchen würden.

Als nächstes kommen deshalb die Fast-Rentner dran, welche niemand mehr haben will. Oder haben Sie schon mal von «Über-50-Jährigen-freundlichen» Unternehmen gehört? Ich auch nicht.

Und jetzt: 86 Gründe, warum Mütter vielleicht doch besser selber zu ihren Kindern schauen sollten ... ;-)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Hirnwinde 15.09.2016 19:12
    Highlight Highlight Der Grund in dieser Misere liegt in der Bequemlichkeit und in der Machtgeilheit aller grossen und kleinen Chefs und Chefinnen in den Firmen.
    Wenn der Lohnsklave schön brav 7 x 24h abruf- und einsetzbar ist, dann ist die Arbeitsplanung und die betriebsinterne Koordination ein Kinderspiel. Und jedesmal wenn die Chefin eine Untergebene, die kompetenter ist, als sie selbst, mit unmöglichen Überstunden und Einsatzzeiten schickanieren kann, hüpfen ihre Eierstöcke vor Vofreude auf die Frustkündigung der Geplagten.
    Alle Firmen haben einfach viel zuviele und viel zu inkompetente sog. Führungskräfte.
  • Thomas Bollinger (1) 15.09.2016 17:22
    Highlight Highlight Catchy Headline. Öder Artikel. Übrigens, es gibt keine teiten Krippenplätze, nur falsche Pensen und Berufe dafür.
  • dracului 15.09.2016 16:46
    Highlight Highlight Bravo! Kann nur zustimmen! Die Schweiz ist ganz besonders familienfremd unterwegs. Immer noch fährt ein Paar am besten, wenn die Frau zu Hause bleibt und irgendwann noch ein Teilzeitjöbbli zur Selbstverwirklichung wählt, während der Mann Karriere macht und implizit auf Familie verzichtet. Ein Blick über die Grenzen könnte den Politikern neue Welten erschliessen. Heute sollten flexible Arbeits- und Familienmodelle immer mehr zur Selbstverständlichkeit werden und sollten nicht mühsam politisch erkämpft werden müssen.
  • Talli 15.09.2016 16:39
    Highlight Highlight Meine mutter war vor 30 jahren schon alleinerziehend karrierebewusst 100% berufstätig. Die tage verbrachte ich bei "mami brunner", einer netten dicken alten frau aus der nachbarschaft, zusammen mit ca 3 anderen kleinen hosenscheissern. Muss ganz schön gewesen sein, meine schlimmste erinnerung daran sind verkehrt angezogene wollstrumpfhosen und der damit verbundenen unbequemen scham.

    Wo sind die ganzen "mami brunners" hin?
    • Hirnwinde 15.09.2016 19:01
      Highlight Highlight Im Kanton ZH sind sie der Regulierungswut zum Opfer gefallen. Die gesetzlichen Anforderungen an die bezahlte Betreuung von Kindern sind derart hoch, dass keine Mama Brunner mehr Kinder hüten darf und kann (z.B. weil man geschlechtergetrennte WC für die Kleinen haben muss). Das dürfen nur studierte Spezialistinnen tun, die zehn Mal mehr kosten als Mama Brunner. Das verdanken wir den SP-Frauen.
      Vorher gab es in jedem Dorf Müttervereine, die Hütedienste vermittelten. Sie mussten sich vor gut 18 Jahren auflösen. Damals kam unser Ältester zur Welt. Er hatte gerade noch eine Mama Brunner.
  • localhost 15.09.2016 14:32
    Highlight Highlight Nach solchen Artikeln fühle ich mich meist unzufrieden: die Unzufriedenheit, die dieser Artikel verströmt, steckt mich an. Ist das Empathie? Egal ... der Geruch der Unzufriedenheit überlagert das Denken, den Inhalt.

    Mit dem Verbreiten von Unzufriedenheit wird nichts, aber auch gar nichts besser.

    Diese gelebte Unzufriedenheit verhindert Entwicklung, Freude, Denken, Fortschritt ... im Kleinen wie im Grossen.

    Ich wünsche von ganzem Herzen , dass diese Unzufriedenheit überwunden werden kann.

    Dann macht das Lesen von Watson auch bei unangenehmen Themen Spass!!!
    • smoenybfan 15.09.2016 16:01
      Highlight Highlight Das Lesen von unangenehmen Themen soll doch nicht Spass machen? Unangenehmen Themen sollen unangenehm sein, damit wir uns dazu bewegen, etwas daran zu ändern. Wenn wir nicht mit etwasem unzufrieden wären würden wir nie etwas daran ändern.
    • localhost 15.09.2016 16:41
      Highlight Highlight @smoenybfan

      Danke für Ihre Antwort. Das Wort "Spass" ist ungeschickt gewählt:

      Das Lesen an sich (und nicht das unangenehme am Thema) soll Spass machen ...

      Unzufrieden sein und seine Unzufriedenheit öffentlich zu machen kann beides gut sein, sicher.
      Aber mir ging es halt so, dass ich einfach keinen Inhalt finden konnte, ausser "alles ist Scheisse". Und das finde ich dann einfach "unattraktiven Inhalt".

      Unzfriedenheit per se macht nix besser, macht aber unglücklich. Selbst etwas dagegen zu tun, das macht tatsächlich zufrieden und glücklich. Da stimme ich mit Ihnen überein!

      Danke!

  • Blitzmagnet 15.09.2016 12:44
    Highlight Highlight Nach Überschrift:
    Ist OK, dann bemühen wir uns eben gar nicht mehr, ist den meisten AG eh lieber.
    Nach Text: Ach wie enfach ist es doch, soch zu beschweren.
  • G-Man 15.09.2016 11:53
    Highlight Highlight Warum werden bei Watson nur immer solch pessimistische "Mimimiii" Artikel von im Job gescheiterten Müttern publiziert? Gibts bei WirEltern keine schlaueren Artikel?

    Wir als junge Eltern können uns gar nicht beklagen. Nach der Geburt konnten beide 60% weiterarbeiten, mit guten Arbeitsbedingungen und mit guten Jobs (Fachverantwortung/Führungspositionen). Klar wollen das nicht alle Firmen so. Wenn man aber bereits im Voraus sehr gute Arbeit geleistet hat und die Firma weiss was sie an einem hat, kann man sehr gut verhandeln... Und ansonsten gibt's genug andere Arbeitsgeber.
    • jjjj 15.09.2016 12:44
      Highlight Highlight deine Situation ist die Ausnahme. vom hohen Ross kann man locker mit "mimimi" umsichwerfen...
    • G-Man 15.09.2016 12:54
      Highlight Highlight Nein ist sie nicht, ich kenne auch weiter Familien wo es so geht (Auch wenn öfters 80 / 40). Und bei den anderen wurden keine bis wenige Anstrengungen unternommen, um für den Arbeitgeber attraktiv zu bleiben (Frau) oder das Gespräch gesucht mit der Firma um zu reduzieren (Mann). Aber sich im Nachhinein beschweren und die schuld an den Arbeitgeber abzuschieben ist schon einfacher.
    • Amboss 15.09.2016 13:28
      Highlight Highlight @G-Man: Gebe dir völlig recht. Mal wieder ein Artikel, wo von A bis Z gejammert wird.
      Wo ist das Selbstbewusstsein? Das Wissen, dass man etwas Wert ist? Dass Erwerbsarbeit ein fairer Tausch (Zeit+Wissen/Können gegen Geld) ist? Dass man auch Forderungen stellen darf. Und Konsequenzen ziehen (Kündigen), sollte er nicht darauf eintreten?

      Aber eben. Jammern über die bösen Arbeitgeber ist sooo einfach. Und vielleicht ist man ja ganz froh, muss man nicht weiterarbeiten. Man hat dann nicht selbst das Volllzeitmami-Modell gewählt, sondern wurde vom bösen, bösen Arbeitgeber dahin gedrängt/gezwungen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Charlie Brown 15.09.2016 11:41
    Highlight Highlight Mit vielem im Artikel stimme ich überein. Aber...

    Was mich gewaltig stört: Es ist nicht nur ein Mütterthema. Einerseits die hämische Bemerkung ("dochdoch") zu den Vätern, die ein wenig mehr Präsenz zeigen (ich fühle mich als Teilzeit arbeitenden und in der Familie engagierten Mann recht doof, wenn mein Engagement nur als "Präsenz zeigen" betitelt wird), andererseits muss ich als Mann auch in Kauf nehmen, mit meinen Teilzeitwünschen massiv weniger und weniger gute (gut bezahlte) Stellen zur Auswahl zu haben.

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