Diese E-Autos fahren bei extremer Kälte am weitesten
Eisige Kälte ist ein Feind von Akkus. Das war schon immer so – und jeder Smartphonebesitzer kennt es: Bei niedrigen Temperaturen leisten die Zellen in den Batterien weniger, entsprechend sinkt auch die Betriebsdauer.
Bei E-Autos ist das nicht anders. Vor 15 Jahren, als die Batterietechnik noch nicht ausgereift war und die maximalen Reichweiten selbst im Sommer bei nur 250 Kilometern lagen, bedeuteten winterliche Temperaturen teils einen Verlust um gut 50 Prozent – längere Touren waren kaum möglich. Und heute? Da sind die Verluste teilweise immer noch hoch, angesichts besserer Technik und grösserer Akkus jedoch im Verhältnis lange nicht mehr so dramatisch wie früher.
Nachdem zuletzt schon der deutsche ADAC einen Reichweitentest bei winterlichen Temperaturen durchgeführt hatte, folgte nun auch der norwegische Automobilclub NAF (Norges Automobil-Forbund) Ende Januar mit seinem legendären Elektroauto-Wintertest «El Prix». Wie das Fachmagazin «motor.no» berichtet, führte die Route wie alljährlich von Oslo über Lillehammer weiter nach Norden.
Die Rahmenbedingungen waren in diesem Jahr jedoch aussergewöhnlich hart: Zeitweise sanken die Temperaturen auf bis zu minus 30 Grad Celsius – deutlich kälter als in den Vorjahren, wo die niedrigsten Temperaturen bei –10 Grad Celsius lagen. Entsprechend stark fielen bei den 24 teilnehmenden Elektrofahrzeugen die Reichweitenverluste aus. Dabei ist zu beachten, dass die offizielle Herstellerreichweite nach dem einheitlichen WLTP-Testverfahren bei 23 und 14 Grad ermittelt wird, was in fast allen europäischen Ländern weit realistischer als minus 30 Grad ist.
Hier sind die Ergebnisse.
Wichtig zu wissen: Der Opel Grandland startete aufgrund eines Fehlers mit einem Ladezustand von 94 Prozent. Beim Zeekr 7X und dem Smart #5 wurde nach einer Pause vor der bergigen Etappe nach Donbås beschlossen, die Fahrzeuge aufgrund von rapide fallenden Restreichweiten aus Sicherheitsgründen aus dem Test zu nehmen.
Das waren die grössten Reichweiten – und höchsten Verluste
Rang 1: Lucid Air Grand Touring
Die grösste absolute Distanz legte der Lucid Air Grand Touring AWD zurück. Mit seinem 117-kWh-Akku kam das US-Modell auf 520 Kilometer. Gegenüber der WLTP-Reichweite von 960 Kilometern entspricht das einem Minus von 46 Prozent. Damit zählt der Lucid zugleich zu den Fahrzeugen mit den höchsten relativen Einbussen. Gleichauf liegt der Opel Grandland, der statt 484 nur 262 Kilometer schaffte, also ebenfalls einen Verlust von 46 Prozent einfuhr.
Rang 2: Mercedes CLA 350 4Matic
Die zweitgrösste Reichweite erzielte der Mercedes CLA 350 4Matic (Allrad). Der 85-kWh-Stromer kam auf 421 Kilometer statt der nach WLTP angegebenen 709 Kilometer, was einer Einbusse von 41 Prozent entspricht. Bei einem anderen unabhängigen Test bei Plus-Temperaturen erreichte ein CLA 250+ mit Heckantrieb indes exakt den offiziellen WLTP-Verbrauchswert von 12,2 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Für den Alltag ist dieses Ergebnis weitaus wichtiger.
Rang 3: Audi A6 Sportback E-Tron
Auf Rang drei folgte der Audi A6 Sportback E-Tron Quattro mit 95-kWh-Akku. Er erreichte 402 Kilometer gegenüber 653 WLTP-Kilometern, ein Minus von 38 Prozent.
Der Verlierer: Suzuki e Vitara
Das war die kürzeste gefahrene Distanz
Am unteren Ende des Feldes landete der neue Suzuki e Vitara mit Allradantrieb. Mit seinem 61-kWh-Akku waren statt der versprochenen 396 Kilometer lediglich 224 Kilometer möglich, was einem Verlust von 41 Prozent entspricht und zugleich zur kürzesten gefahrenen Distanz im gesamten Test führte. In unserem Test zeigte der Japaner eine weitere Schwäche – und zwar beim Laden.
Der Effiziente: Hyundai Inster
Hier gab es die geringsten Verluste
Ein Reichweitenzwerg war zwar auch der Hyundai Inster, doch mit seinem 49-kWh-Akku erzielte er immerhin 256 Kilometer und blieb damit bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt lediglich 29 Prozent unter der WLTP-Angabe von 360 Kilometern. Damit zählt der Inster zu den Modellen mit den geringsten relativen Reichweitenverlusten.
Ebenfalls positiv schnitt der MG6S EV AWD (77 kWh) ab, der 345 statt 485 Kilometer erreichte und ebenfalls nur 29 Prozent einbüsste. Für die Tester ist er der eigentliche Gewinner. Knapp dahinter folgt der MG IM6 AWD mit 100-kWh-Akku, der 352 von 505 Kilometern schaffte und somit 30 Prozent unter dem WLTP-Wert blieb.
Verwendete Quellen:
- Mit Material der Nachrichtenagentur SP-X
- motor.no: Den brutale kulda ga ekstreme avvik (Norwegisch)
- motor.no: Derfor ble to biler stanset før bakkene (Norwegisch)
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