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Tim Cook vor dem am meisten unterschätzten Apple-Produkt.
Tim Cook vor dem am meisten unterschätzten Apple-Produkt.Bild: KEYSTONE
Kommentar

Die Apple Watch ist genial – ein Leitfaden für Hater 😱

Rund um das «Wearable» von Apple kursieren falsche Annahmen und gefährliches Halbwissen. Es ist Zeit, einige Dinge klarzustellen.
29.11.2016, 17:1410.02.2022, 16:26

«Überteuert», «bringt nichts», «braucht niemand».

Wenn ich solche Kommentare höre, muss ich den Kopf schütteln.

Selbstverständlich kann man sich dem technischen Fortschritt verschliessen. Kein Problem.

Die Technikverweigerer sollten aber besser schweigen, wenn es um Dinge geht, die sie nicht kennen.

Bei der Apple Watch ist das leider nicht der Fall: Je weniger die Leute wissen, desto lauter brüllen sie:

«Muss ein Flop sein!»

Zu ergründen, woher die Abwehrhaltung gegenüber der neuen Technik kommt, wäre sicher aufschlussreich. Ich bin aber kein Psychologe – und dieser Beitrag dreht sich nicht um die Motive der Hater, Zweifler und Besserwisser.

Viele Kollegen können (oder wollen) sich nicht von vorgefassten Meinungen lösen. Wenn sie dann im Internet lesen, dass die Apple Watch nichts bringe, sehen sie sich bestätigt – Willkommen in der Echokammer!

Animiertes GIFGIF abspielen

Ein abschreckendes Beispiel lieferte kürzlich das Schweizer Wirtschaftsmagazin «Bilanz». Der stellvertretende Chefredaktor, Marc Kowalsky, hat die zweite Generation der Apple Watch ausprobiert und kommt zu folgendem Urteil:

«Der Hauptnutzen der Uhr besteht noch immer darin, im Auto oder in der Sitzung schnell und unauffällig eingehende Nachrichten zu checken. Über diese Funktion als Zweitdisplay für das iPhone (das es zwingend braucht) kommt auch die Apple Watch Series 2 nicht hinaus.»

Das führt – Entschuldigung, geschätzter Kollege! – unbedarfte Leserinnen und Leser in die Irre. Denn:

Smartwatches haben viel zu bieten. Letztendlich sind sie das, was man aus ihnen macht.

Wer eine neuartige Technologie mit einer vorgefassten Meinung ausprobiert und nicht bereit ist, alte Verhaltensmuster zu ändern, wird zwangsläufig scheitern. In Anlehnung an Angela Merkel könnte man sagen: Das Neuland muss erobert werden.

Transparenz-Box
Der watson-Redaktor ist ein Apple-Watch-User der ersten Stunde. Er besitzt privat die Sport-Ausführung der ersten Generation und hat ein Edelstahl-Modell als Leihgabe des Herstellers getestet. Zurzeit testet er die Apple Watch 2, und zwar in der Spezial-Ausführung «Nike+». Auch dabei handelt es sich um ein kostenlos abgegebenes Testgerät, das nach der Testphase zurückgegeben wird. Die wichtigsten Erkenntnisse? Siehe Bildstrecke unten.

Damit kommen wir zur ersten öfters gehörten Behauptung...

Niemand braucht die Apple Watch

Nun ja. Der Mensch braucht Wasser und Nahrung, ausreichend Schlaf und Luft zum Atmen.

Alles Weitere ist Luxus. Irgendwie.

Der folgende Kommentar eines Users (leider ist mir die Quelle entfallen) bringt es perfekt auf den Punkt:

«Die Apple Watch ist ein Gadget, das niemand wirklich braucht! ... ähnlich, wie 2007 ein Smartphone oder 2010 ein Tablet.»
quelle: web

Womit wir bei der Apple Watch 2 wären...

Der «Bilanz»-Kolumnist räumt ein, dass Apple mit der zweiten Generation die grössten Schwachpunkte der Uhr beseitigt habe. Der Minicomputer am Handgelenk sei nun «ganz praktisch». Doch dann greift er zum Totschlag-Argument: Einen «zwingenden Kaufgrund» gebe es weiterhin nicht.

Das Problem: Solche Pauschal-Urteile verunmöglichen jede sinnvolle Diskussion. Man sollte einem neuen Produkt nicht den praktischen Nutzen absprechen, weil man ihn in der eigenen (begrenzten) Tech-Welt nicht entdecken konnte.

Schon heute kann die Apple Watch das Leben erleichtern und bereichern. Ob man das zulässt, ist eine persönliche Entscheidung.

Technikverweigerung ist ok (siehe oben). Sicher ist aber auch: Hinter dem Horizont geht's weiter 😉

Die Apple Watch bietet zu wenig Nutzen

Wer das behauptet, hat schlicht keine Ahnung – und sich vermutlich zu wenig intensiv mit den Möglichkeiten der neuen Technologie beschäftigt. Ich nenne nur vier konkrete Beispiele, was (mir) die Apple Watch im Alltag bringt:

  • Schnell und sicher mit Apple Pay bezahlen, ohne dass ich Bargeld oder eine Bankkarte dabei haben muss. Auch das iPhone kann zuhause bleiben. Zum Beispiel wenn ich nach dem Joggen bei der Bäckerei vorbei schauen will.
  • Den Mac automatisch entriegeln.
  • Keine wichtige Nachricht und keinen Termin verpassen, und dabei das Handy bewusst links liegen lassen.
  • Gesünder leben, weil die Uhr sanft, aber beharrlich, zu regelmässiger und mehr Bewegung animiert.

«Der erste Billettautomat am Handgelenk»

Informationen zur Fairtiq-App gibt es hier.Video: YouTube/FAIRTIQ

Ganz zu schweigen von den Fitness-Funktionen!

Ein oft gehörtes Argument war bei der ersten Generation, dass die Apple Watch kein richtiges Killerfeature biete. Der Hersteller bewirbt nun die zweite Generation konsequent als Fitness-Tracker und weniger als Lifestyle-Produkt.

Das bietet die Apple Watch 2

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Die Apple Watch 2 (mit Nike+) im Test
quelle: watson / daniel schurter
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Die Apple Watch ersetzt nicht das iPhone

Richtig. Das behauptet hoffentlich auch niemand, der noch bei Trost ist. Zutreffend ist: Die Apple Watch hilft, den Umgang mit dem Suchtmittel Handy ein bisschen zu entspannen.

Wer ist schon gern ein Smartphone-Zombie?

«Die Uhr ist ein Zweitbildschirm. Sachen, die man in 5 Sekunden besser machen kann als auf dem Telefon, dafür ist die Uhr da.»
Phil Libin, Evernote-Chefquelle: tages-anzeiger

Statt bei jeder eintreffenden Push-Mitteilung das Gerät hervorzuklauben, genügt ein kurzer Blick aufs Handgelenk. Unwichtiges lässt sich im Vornherein blockieren.

Das reduziert die Ablenkungsgefahr massiv. Denn wenn man nicht zum Handy greift, entfällt auch die Versuchung, nur ganz kurz zu schauen, was bei Facebook läuft. Und bei Twitter. Und dann ist da noch die App des Lieblings-Newsportals (wobei ich diesen Reflex keineswegs verteufeln möchte 😂)

Als 2007 das iPhone lanciert wurde, konnte man Tech-Laien verständlich machen, dass es sich um ein verbessertes Mobiltelefon mit Touch-Display und Internet-Verbindung handelt. Die Apple Watch ist eine Weiterentwicklung der Armbanduhr und kein Handy-Ersatz, auch wenn dieses Missverständnis immer noch weitverbreitet zu sein scheint.

Wie leider auch die folgende Behauptung...

Die Apple Watch ist ein Flop

Zum jetzigen Zeitpunkt über den wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg zu diskutieren, macht nur für Spekulanten Börsianer Sinn. Für seriöse Einschätzungen ist es zu früh.

Die Apple Watch wurde am 24. April 2015 als erstes Produkt in einer damals neuen Produkte-Kategorie lanciert. Keine zwei Jahre später wollen uns «Fachleute» bereits weismachen, dass Apples Wearable gefloppt sei. Und dies, wohlgemerkt, ohne die Verkaufszahlen zu kennen.

Wie viele Uhren müsste Apple in einem Geschäftsquartal verkaufen, damit die Kritiker nicht mehr von einem Misserfolg reden?

3 Millionen Exemplare? 5 Millionen? 10, 20 oder 100?

Niemand vermag eine Antwort zu liefern, weil es diverse Akteure, Perspektiven und Erwartungen gibt. Die Apple-Führung hat denn auch bewusst entschieden, zumindest vorläufig überhaupt keine Verkaufszahlen zu kommunizieren. Wohlwissend, dass das Schweigen die Spekulationen weiter anheizt.

Kennst du Noomoon? Diese Schweizer Firma lanciert ein raffiniertes Armband für die Apple Watch

Die Kickstarter-Kampagne läuft noch bis Dezember.Video: YouTube/Noomoon Swiss

Natürlich gibt es Schätzungen von Marktforschern, die herausgefunden haben wollen, dass Apple von Geschäftsquartal zu Geschäftsquartal weniger schlaue Uhren verkauft. Was die Schlaumeier gern unter den Tisch fallen lassen: Solche Vergleiche sind nicht aussagekräftig bzw. unsinnig.

Ein Beispiel: Im Sommer 2015 war die Apple Watch noch brandneu und verkaufte sich – gemäss inoffiziellen Zahlen, respektive Schätzungen – sehr gut. Ein Jahr später, im Sommer 2016, verkaufte sich die Uhr vergleichsweise schlecht. Das ist auch logisch, denn mittlerweile war die erste Hardware-Generation bereits über ein Jahr alt. Interessenten warteten mit dem Kauf, weil sie wussten, dass Apple im Herbst die zweite Generation auf den Markt bringt.

Im Weihnachtsquartal 2015 verkaufte sich die erste Generation sehr gut. Nun warten wir mal ab, wie das Weihnachtsquartal 2016 mit der zweiten Generation läuft.

Aber egal, wie viele Uhren über den Ladentisch gehen: Man muss kein Prophet sein, um die negativen Berichte im nächsten Frühjahr vorherzusagen. Wenn Apple nach neuerlichen Rekord-Weihnachtszahlen gesunkene Umsätze (Hallo Januarloch!) kommuniziert, geht das Geheule von vorn los.

Die Apple Watch ist also aus Sicht des watson-Redaktors perfekt?

Nein, natürlich nicht. Vieles ist verbesserungswürdig.

Und wir stehen ganz am Anfang – oder will jemand ernsthaft behaupten, mit dem Smartphone hätten wir die Spitze der technischen Evolution erreicht?

Smartwatches sind gekommen, um zu bleiben. Das Handgelenk ist auf absehbare Zeit der perfekte Ort für ein «Wearable».

Daran ändert auch nichts, dass Microsoft wegen einer halbherzigen Strategie den Wearables-Start verpennt hat. Eine Surface-Smartwatch ist nicht in Sicht, das «Microsoft Band» wurde für tot erklärt. Die dritte Generation des Fitness-Armbandes wurde angeblich eingestellt, weil Microsoft es nicht schaffte, Windows 10 darauf laufen zu lassen.

Uhren-Liebhaber und Chefdesigner: Jony Ive hat die Apple Watch massgeblich geprägt.
Uhren-Liebhaber und Chefdesigner: Jony Ive hat die Apple Watch massgeblich geprägt.Bild: BECK DIEFENBACH/REUTERS

Hingegen zeichnet sich Apples langfristige Strategie immer deutlicher ab. Offensichtlich will man die Watch Richtung Gesundheits-Überwachung («Health Monitoring System») weiterentwickeln: Ein Geschäftsbereich, der vom schwer an Krebs erkrankten Steve Jobs ausgemacht wurde.

Während die Skeptiker jeglichen praktischen Nutzen bezweifeln, rettet die Apple Watch Leben. Bald auch in Kombination mit einem speziellen Armband, das hilft, Schlaganfälle frühzeitig zu erkennen. Interessanterweise steht hinter dem Projekt Vic Gundotra, ein ehemaliger Top-Manager von Google. Er selbst habe bei seinem Vater erlebt, wie wichtig es sei, solche Erkrankungen frühzeitig zu diagnostizieren.

Wem die bisherigen «Use Cases» nicht genügen, den erinnert Jony Ive an die ersten Generationen des iPhones oder iPods. Natürlich stellt Apples Chefdesigner für die Zukunft der Apple Watch ähnlich dramatische Veränderungen in Aussicht.

«It’s quite interesting that if you look back at the first generation of the iPod or the Phone — what happens in the next two, three, four years is dramatic. You’d be very surprised about some of the things you would absolutely assume that the first Phone did and it didn’t have. Of course, this is a new category for us, one that we think is such a natural one because we think in a very authentic way.»
Apple-Chefdesigner Jony Ivequelle: 9to5mac

2005 lanciert: Das iPod-Handy (fabriziert von Motorola) und der erste iPod Nano.

Bild: Getty Images

Das Ur-iPhone, 2007 lanciert.

Bild: Apple

Die erste Generation der Apple Watch, 2015 lanciert.

Bild: watson

PS: Ein Problem bleibt

Wer mit Apple und dem iPhone nichts anfangen kann will, bleibt aussen vor. Die Apple Watch funktioniert am besten im Zusammenspiel mit anderer Apple-Hardware.

Die Kundinnen und Kunden bezahlen Premium-Preise für den Zugang zu Apples «Walled Garden». Das mag für viele Leute störend sein, doch es ist nun mal die Geschäftsphilosophie der Kalifornier. Und sie zahlt sich immer stärker aus: Laut jüngsten Schätzungen hat Apple im letzten Quartal erstmals über 90 Prozent der Smartphone-Gewinne eingestrichen.

Ob man mehr als 400 Franken für eine Smartwatch ausgeben will, die nach wenigen Jahren bereits zum alten Eisen Aluminium gehört, ist eine Frage der persönlichen Prioritäten.

Zum Schluss eine Parodie:
Vorhang auf für die «Apple Watch Nike Swiss Cheese»

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So hat Spiegel Online die «Series 2» getestet

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Apples neue Smartwatch: Die Series 2 im Test
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122 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Electric Elephant
29.11.2016 17:54registriert Januar 2016
Oooommmm... Tief durchatmen! Jetzt ist man also ein Hater und ein Fortschrittsverweigerer, wenn man findet, dass es keinen zwingenden Kaufgrund für die Apple Watch gibt? Dann muss ich wohl mit diesem Etikett leben, denn ich finde im Moment noch für keine Smartwatch einen zwingenden Kaufgrund... Ist da jemand überempfindlich? Darum dieser Rechtfertigungsartikel mit leicht beleidigtem Unterton? Wenn ich verspreche, nie mehr was Böses über die Apple Watch zu sagen, muss ich dann kein Hater und digital zurückgeblieben sein?
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Raembe
29.11.2016 17:20registriert April 2014
Ich find halt eine schöne Tissot am Arm immer noch schöner als den kleinen Datenfresser am Arm.
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Awesomeusername
29.11.2016 18:48registriert Mai 2015
Auch wenn es der Autor anders sehen mag. Es gibt aktuell keinen wirklichen Kaufgrund für eine Apple Watch. Viele der beschriebenen Features bieten andere Fitnesstracker bereits ab 20 Stutz, nach "Uhr" sehen beide nicht aus und die Batterie hält auch länger. Aber für viele "muss" es einfach Apple sein. Aber ich sehe durchaus eine gewisse Zukunft für Wearables und da wird es noch spannende Dinge geben.
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