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ARCHIV: Eine deutsche Urlauberin telefoniert auf Mallorca am Strand von Platja (Playa) de Palma mit einem Handy (Foto vom 15.06.09). Die EU will mehr Wettbewerb im europaeischen Roaming-Markt. Dazu legte die EU-Kommission am Mittwoch (06.07.11) in Bruessel einen Vorschlag fuer langfristige Massnahmen vor. (zu dapd-Text) Foto: Joerg Koch/dapd

In den Ferien mit dem Handy zu telefonieren, kann nach wie vor in einer teuren Überraschung enden.  Bild: AP dapd

Mit diesem Roaming-Trick kassieren Schweizer Telekomfirmen 120 Millionen

Unter dem Strich verdienten die Telekomanbieter 2016 immer noch über eine halbe Milliarde Franken mit Roaming im engeren Sinn. Sie wehren sich vehement dagegen, dass diese Einnahmequelle nun versiegen soll.

Lorenz Honegger / Nordwestschweiz



Roaming-Gebühren? Ein alter Zopf, sagen die drei grossen Schweizer Mobilfunkfirmen: «Heute gibts Datenpakete für den Preis einer Tasse Kaffee», frohlockt die Sunrise-Pressestelle auf Anfrage. Die Swisscom zeigt sich überzeugt, dass Roaming für viele Kunden «heute kein Thema mehr» sei. Und Salt stellt fest: «Der Wettbewerb spielt sehr gut, und die Preise wurden und werden immer günstiger.»

Bild

Tatsächlich nehmen die Schweizer Telekomanbieter heute weniger Geld ein, wenn ihre Kunden im Ausland telefonieren, im Internet surfen oder SMS verschicken (siehe Grafik). Das hängt mit dem politischen Druck der letzten Jahre zusammen, der die Anbieter zum Senken der Roaming-Tarife zwang. Aber auch damit, dass die Firmen die immer beliebter werdenden Bündel-Abos mit inbegriffenen Ausland-Datenpaketen nicht mit den Roaming-Einnahmen verbuchen.

Im Fahrwasser der Europapolitik

Unter dem Strich verdienten die Telekomanbieter 2016 immer noch über eine halbe Milliarde Franken mit Roaming im engeren Sinn. Sie wehren sich vehement dagegen, dass diese Einnahmequelle nun versiegen soll. Im Ausland ist dies bereits Realität. Die EU hat diesen Sommer Nägel mit Köpfen gemacht und das Roaming verboten.

Elisabeth Schneider-Schneiter, NR/CVP, waehrend der Pressekonferenz zum

Elisabeth Schneider-Schneiter, Nationalrätin (CVP/BL) Bild: KEYSTONE

Heute in einer Woche diskutiert die Fernmeldekommission des Nationalrates über eine parlamentarische Initiative der Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter, welche das gleiche Ziel verfolgt: Der Bundesrat soll die maximale Marge beschränken können, die etwa die Swisscom ihren Kunden bei der Benutzung eines ausländischen Netzes in Rechnung stellt. «Nachdem die EU konsequent war und die Roaming-Gebühren abgeschafft hat, sollten wir versuchen, das gleiche Level zu erreichen», sagt Schneider-Schneiter. Klingt simpel, ist aber in der politischen Umsetzung kompliziert.

In ihrem Vorstoss verlangt Schneider-Schneiter nämlich auch, dass sich die schweizerischen und die europäischen Anbieter gegenseitig nur die effektiven Kosten verrechnen sollen. Genau hier liegt der Haken. Der Bundesrat kann den Mobilfunkanbietern aus dem EU-Raum nicht vorschreiben, wie viel diese von den Schweizer Kollegen für die Benutzung ihrer Netze verlangen. Dazu bräuchte es ein neues bilaterales Abkommen zwischen Bern und Brüssel.

Wann kommen tiefere Preise?

Einen solchen Roaming-Vertrag will die EU nur eingehen, wenn die Schweiz ihrerseits bereit ist, einen institutionellen Rahmenvertrag abzuschliessen. Und dieser ist aufgrund des Widerstands von Christoph Blochers SVP höchst umstritten. Die Schweizer Handykunden geraten damit unfreiwillig ins Fahrwasser der Europapolitik. So unterstützt die Zürcher SVP-Nationalrätin Natalie Rickli Ratskollegin Schneider-Schneiter zwar in ihrem Bestreben, die Roaming-Kosten für die Konsumenten zu senken. Aber: «Ein Vertrag mit der EU in diesem Bereich ist unrealistisch.»

Der Bundesrat möchte es zumindest versuchen und sich im neuen Fernmeldegesetz die Kompetenz geben lassen, internationale Vereinbarungen – etwa mit der EU – zur Eindämmung der Roaming-Tarife einzugehen. Ziel ist es, die Preise zu beschränken, welche sich die europäischen und Schweizer Anbieter gegenseitig verrechnen. Swisscom, Salt und Sunrise würden in der Folge verpflichtet, die tieferen Preise an die Konsumenten weiterzugeben.

Aufrunden wird verboten

Gleichzeitig versucht die Landesregierung, mit punktuellen Massnahmen den Druck auf die Roaming-Tarife zu vergrössern. So will sie den Telekomfirmen vorschreiben, Ausland-Telefonate in Zukunft sekundengenau abzurechnen. Derzeit runden die Anbieter jeweils auf die nächste volle Minute auf. Das kostete die Konsumenten alleine im Jahr 2015 zusätzliche 120 Millionen Franken. Den gleichen Trick verwenden die Firmen bei der Abrechnung des Datenverbrauchs.

Kunden sollen nach dem Willen des Bundesrates auch die Möglichkeit erhalten, im Ausland Roaming-Dienstleistungen von lokalen Drittanbietern in Anspruch zu nehmen. Das soll den Wettbewerb beleben. Gleichzeitig will er die Anbieter verpflichten können, vermehrt Abos mit inbegriffenen Datenpaketen zu verkraftbaren Preisen anzubieten.

Insbesondere die staatlich kontrollierte Swisscom wehrt sich gegen die Offensive: «Eine Regulierung der Roamingpreise erachten wir als unnötig.» Bereits in seiner Vernehmlassungsstellungnahme warnte der Konzern: «Auch wenn der Anteil des Roamings am Gesamtumsatz bescheiden ist, trägt es einen beachtlichen Anteil an den Unternehmensgewinn bei.» Das Roaming soll bleiben, und das um jeden Preis. 

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43Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Karl Marx 05.02.2018 20:24
    Highlight Highlight ich wechsle zu www.schisscom.ch
  • Peter79 05.02.2018 16:09
    Highlight Highlight „Bescheidener Anteil am Umsatz, aber beachtlichen Anteil am Gewinn!“ Was heisst das nun? Klarer Fall, auf Roaming-Gebühren haben sie eine saftige Marge!
    Kommt noch dazu: Wer ist mehrheitlicher Anteilseigner an der Swisscom? Der Bund. Und wer könnte dem ganzen ein Riegel schieben? Der Bund. Man sägt ja nicht am Ast, auf welchem man sitzt. Schweinerei auf dem Buckel der Bürger!
  • nukular 05.02.2018 15:49
    Highlight Highlight Roaming existiert aber auch für die EU länder noch.. so ist es z.b all noch sehr teuer, wenn man z.b von österreich (heimat) nach deutschland telefoniert...
  • Urs457 05.02.2018 14:58
    Highlight Highlight Keine schlechte Lösung: https://surfroam.com – und die Tarife sind in vielen Ländern günstiger, als die Roaming-Packages der Schweizer Telco-Anbieter!
  • Triumvir 05.02.2018 11:23
    Highlight Highlight Ja liebe Swisscom ihr tut was für eure Kunden und zockt sie weiterhin kräftig ab. Und die anderen zwei - beinahe Monopolisten - sind diesbezüglich auch nicht besser. Im Ausland surfe ich grundsätzlich nur mit lokalen Anbietern, denn ich bin doch nicht blöd ;-P
  • Le_Urmel 05.02.2018 11:15
    Highlight Highlight Es ist billiger mit einem deutschen Handyvertrag in der Schweiz zu telefonieren und zu surfen als mit einem schweizerischen, dies sagt alles.

    Viele Kollegen haben 2 Verträgen, den schweizerischen meist nur um telefonisch erreichbar zu sein.
  • Midnight 05.02.2018 08:40
    Highlight Highlight Der Witz ist ja, dass man grade bei der Swisscom Roaminggebühren bei ausländischen Mobilfunkanbietern bezahlt, die schon seit Jahren im Besitz der Swisscom sind (z.B. Fastweb in Italien). Hä?

    https://www.swisscom.ch/de/about/unternehmen/portraet/profil.html
  • Josef K 05.02.2018 08:39
    Highlight Highlight Komme ich mit einem österreichischen Handy in die Schweiz, erhalte ich eine SMS, die mir folgende Roamingkosten in Aussicht stellt:
    Gespräche EUR1.49/Min., angenommene Anrufe EUR0.59/Min., Datendienste EUR12/MB.
    Es gäbe bessere Willkommensgrüsse an Touristen.


    • Globidobi 05.02.2018 11:24
      Highlight Highlight Bei vielen europäischen Anbietern ist das Roaming in der Schweiz inklusive. Würde dir einen neuen Vertrag/Anbieter suchen.
    • Josef K 05.02.2018 12:37
      Highlight Highlight @Globidobi: innerhalb von EU Ländern ist roaming gratis. Es gibt jedoch Zusatzpakete nur für Island, Norwegen und die Schweiz. Dieses Zusatzpaket kostet fast soviel wie mein Grundabo inkl. EU-weit unlimitiertem Datenvolumen.

    • Simon 05.02.2018 12:38
      Highlight Highlight Bei meiner holländischen Sim gehört die Schweiz zur EU - dh. gleiche Preise wie in Holland für Anrufe & Daten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • trou 05.02.2018 07:40
    Highlight Highlight Nach jeder der letzten 4 Auslandreisen hatte ich das Vergnügen mit dem Salt Support Kontakt aufzunehmen um die Shadow-Roaming Einträge von der Rechnung zu streichen. Was auch jedes mal gemacht wurde.
  • azoui 05.02.2018 07:38
    Highlight Highlight "Für eine Tasse Kaffee" ein schönes Wortspiel, wenn man die Preise fr eine Tasse Kaffee in der CH, mit einer Tasse Kaffee z.B. in D oder F vergleicht.
  • Pachyderm 05.02.2018 07:33
    Highlight Highlight „Und Salt stellt fest: «Der Wettbewerb spielt sehr gut, und die Preise wurden und werden immer günstiger.»“

    Aha. Letzten Frühling hat Salt die Roamingpreise erhöht. Ziemlich heimlich, aber teils massiv. (https://www.verivox.ch/nachrichten/salt-preiserhoehung-roamingpreise-83/)
    • MSpeaker 05.02.2018 09:30
      Highlight Highlight Mich hats letzten September auch übel etwischt als ich in Deutschalnd war. Ich ging davon aus, das mein Saöt Konto 300MB Europa Föat inbegriffen hat, wie sich dann aber rausstellte hatte ich die nicht, da ich das Abo bei einer Aktion (50% für 2J) erworben hatte. Kostenpunkt 120CHF.
    • lucasm 05.02.2018 10:10
      Highlight Highlight Salt ist der absolute Abzocker mit einem Roamingstandartsatz von 2 Franken je MB Daten in der EU.
    • Pachyderm 05.02.2018 14:02
      Highlight Highlight Salt verrechnet übrigens auch gerne mal angebrochene MB-Pakete, obwohl Datenroaming am Handy ausgeschaltet war.

      Das wird zwar bei Reklamation problemlos rückerstattet, aber man muss dennoch selber die Rechnung überprüfen und reklamieren, nachdem man im Ausland war.
  • Ökonometriker 05.02.2018 06:24
    Highlight Highlight Das institutionelle Rahmenabkommen scheint wohl eher am institutionellen Rahmen der EU zu scheitern als an der SVP mit ihren 30% Wählern.
    Das Problem liesse sich unilateral lösen: die Schweiz könnte ihren Anbietern verbieten, innerhalb von Europa Roaminggebühren zu verlangen. Die Anbieter der Schweiz müssten dann nur einen einzigen Anbieter aus der EU finden, über welchen sie das europaweite Roaming routen (und ihm im Gegenzug auch gratis Roaming in der CH ermöglichen). Die anderen Anbietern aus Europa müssten in der CH weiterhin teure Gebühren bezahlen - bis eben ein Vertrag zu Stande kommt.
    • maddiepilz 05.02.2018 08:15
      Highlight Highlight Welcher EU-Anbieter deckt denn die ganze EU zufriedenstellend ab?
    • Mayo 05.02.2018 08:25
      Highlight Highlight Höchstens Vodafone (wobei Swisscom bereits Partner ist). Stellt sich nur die Frage weshalb Vodafone das machen sollte. Gratis Roaming in der CH für die eigenen Kunden scheint mir ein etwas zu tiefer Preis.
    • Midnight 05.02.2018 08:46
      Highlight Highlight Könnte mir vorstellen, dass eine solche Lösung gegen das Kartellgesetz verstösst. Tatsächlich zault man bei den meisten EU-Anbietern in der Schweiz bereits keine Extrakosten mehr. Was bedeutet, das ein EU-Anbieter mit denselben Leistungen in der Schweiz möglicherweise weit günstiger ist, als ein hiesiger Anbieter es in der Schweiz ist.

      Sachen gibt's...
  • Denk-mal 05.02.2018 06:04
    Highlight Highlight ...kein erbarmen! Mein Handy, klingt unglaublich, es macht Ferien, wenn ich in den Urlaub fahre. Es gibt haufenweise Dinge, welche wir im Alltag nicht brauchen. Viel Zeugs boykottiere ich ganz einfach. Coop, Migros etc. machen ständig Aktionen, welche wir längst bezahlt haben, oder noch bezahlen werden. Runtergeschriebene Kleider, alles ein Bluff. Was bedeutet 100%? Wo/wieviel ist der Einstandspreis? Tausend Dinge gibts, welchen man aus dem Weg gehen kann. Meine Frau und ich sagen oft zueinander: "Die Wirtschaft würde Grounden, lebten alle wie wir beide.
    • walsi 05.02.2018 06:57
      Highlight Highlight 100% bedeuted gratis. 😉
    • Bruno S.1988 05.02.2018 08:23
      Highlight Highlight Was ist nun das Ziel ihres Kommentares? Ja, sie und ihre Frau sind brutal hammer mega unabhängig. Ist das Problem mit dem Roaming nun gelöst?
    • Midnight 05.02.2018 08:50
      Highlight Highlight Tut mir leid dich jetzt enttäuschen zu müssen, aber: Nicht jeder, der sich im Ausland befindet, macht da Ferien. Es soll nämlich tatsächlich auch Leute geben, die geschäftlich im Ausland sind. Diese sind vom Roaming genauso betroffen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Rectangular Circle 05.02.2018 06:02
    Highlight Highlight Auslandpackete für Roaming sind immernoch sehr teuer.

    Für eine Tasse Kaffee? Ja, vielleicht, wenn man zwei Minuten surfen will.
    • Henzo 05.02.2018 06:52
      Highlight Highlight Der Witz ist auch, dass das Paket automatisch aktiviert wird, wenn auch nur 10kb gesendet wurde ....ist dann ganz schön teuer.
    • Rectangular Circle 05.02.2018 07:33
      Highlight Highlight Ja, und was mich z.B. auch nervt, ist, das die Pakete zeitlich begrenzt sind. Wenn ich also ein 5 Giga Paket löse, läuft das nach irgendwie vier Wochen aus, auch wenn ich bis dann nur 2 Giga gebraucht habe.
  • Igo Netzschwarm 05.02.2018 05:49
    Highlight Highlight Dual-SIM Handy kaufen und zusätzliche Vodafone Karte aus DE rein. Pro längerem EU-Aufenthalt lade ich dann 20-40€ drauf für 3-6GB Daten für 30 Tage. Gesprächsminuten kriegt man damit auch. Spart zwar nicht das Geld, ist aber der fairere Preis. Gebe das Geld lieber der Vodafone direkt als der Swisscom (und Vodafone)
    • Wilhelm Dingo 05.02.2018 06:56
      Highlight Highlight Sprachraming hast Du immer noch wenn Du Deine Nummer benutzen willst.
  • Reto32 05.02.2018 05:41
    Highlight Highlight Da gebe ich (ausnahmsweise) der SVP recht: obwohl man diese Problematik auf gar keinen Fall ignorieren sollte (Attraktivitätsverlust des Standort Schweiz), ist ein Roamingabkommen mit der EU sowohl völlig unrealistisch als auch nicht prioritär. Man muss eine Lösung finden, und sie muss vom guten Wille Brüssels unabhängig sein. Z.B. in dem man Abos anbietet, die eine geschenkte EU-Simkarte beinhalten. Oder auch Technologien wie das Google Fi-Project, welches sämtliche Kommunikationen nahtlos auf Wi-fi wechselt wenn immer vorhanden, hätten hier Potenzial.
    • Bruno S.1988 05.02.2018 08:11
      Highlight Highlight Deine Vorschläge sind viel unrealistischer.
    • Midnight 05.02.2018 08:57
      Highlight Highlight Ist ja nicht so, als würde der überwiegende Teil der Sprachkommunikation bereits per VoIP laufen. Der Witz dabei ist ja: Über den Festnetzanschluss kann ich im Internet Ressourcen aus aller Welt beziehen: Ohne Roaming und ohne Extrakosten. Beim Telefon zahlt man für dieselbe Leistung aber drauf. Wieso? Im Internet brauche ich genauso die Infrastruktur anderer Dienstleister, da scheint das aber keinen zu interessieren. There's something strange in the neighborhood...
  • Lil'Ecko 05.02.2018 05:36
    Highlight Highlight Mobilekosten in der Schweiz (und natürlich als CH mit CH Abo im Ausland) sind einfach horrend und übertrieben darüber mötzlet quasi niemand aber wenns ums TV geht .... You know what i mean
    • maddiepilz 05.02.2018 08:17
      Highlight Highlight Was?

Bill Gates hat richtig gerechnet – und nichts dazugelernt

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