In diesem Land gehen E-Auto-Verkäufe durch die Decke und es ist weder Norwegen noch China
In Norwegen hat die Elektromobilität gewonnen. 98 Prozent der Neuwagenverkäufe sind E-Autos. Im Februar wurden im ganzen Land noch exakt 20 Benzin-Autos verkauft. Während in der EU über den richtigen Zeitpunkt für das Verbrenner-Aus gestritten wurde, sind im hohen Norden Benzin-Autos längst død.
Bei uns fast unbemerkt haben sich E-Autos in einem zweiten Land rasend schnell etabliert: In Dänemark lag ihr Anteil an den neu zugelassenen Personenwagen in den ersten beiden Monaten des Jahres bei 82,3 Prozent.
Private kaufen fast nur noch E-Autos
Noch eindrücklicher sind die Zahlen, wenn nur Privatkunden betrachtet werden: 94,4 Prozent der privaten Autokäufer entschieden sich im Februar für ein E-Auto. Die Däninnen und Dänen sind den Norwegern dicht auf den Fersen.
Bereits im Gesamtjahr 2025 entfielen 68,5 Prozent der Neuzulassungen in Dänemark auf E-Autos. Im neuen Jahr sind die Stromer-Verkäufe nochmals hochgeschnellt. Inzwischen sind in den monatlichen Verkaufsstatistiken auf den ersten zehn Rängen nur noch Elektroautos zu finden.
Dänemark lädt, die Schweiz tankt
Mit dem Stromer-Boom wächst in Dänemark auch der Bestand elektrischer Autos. Jedes fünfte Auto ist mittlerweile ein E-Auto. Konkret fahren derzeit 583'320 Autos rein elektrisch. Die Schweiz hat drei Millionen Einwohner mehr, aber nur halb so viele E-Autos im Verkehr.
Ein Zahlenbeispiel zur Verdeutlichung: 2022 waren in der Schweiz und in Dänemark jeweils rund 20 Prozent der verkauften Neuwagen Stromer. Heute sind es über 82 Prozent in Dänemark, bei uns dümpeln E-Autos weiterhin bei 20 Prozent herum.
Entwicklung E-Auto-Anteil Dänemark und Schweiz
bild: @electric_nick_
Der Geschäftsführer des Branchenverbandes der Automobilindustrie in Dänemark, Mads Rørvig, sagte:
In der Schweiz kann der Branchenverband der Autoimporteure von einer solchen Entwicklung nur träumen. Bund und Wirtschaft verfehlten ihr angestrebtes Ziel bei Weitem, dass bis 2025 jede zweite Neuzulassung ein elektrifiziertes Auto sein soll, sprich ein E-Auto oder zumindest ein teilelektrischer Plug-in-Hybrid.
So gelang das dänische E-Auto-Wunder
Laut Rørvig ist eine Steuerreform für den Siegeszug des E-Autos entscheidend. Sie macht den Kauf eines Benziners gegenüber einem Stromer unattraktiv. Beispielsweise erhält man in Dänemark dank weitgehender Steuerbefreiung den mittelgrossen Elektro-SUV VW ID.4 ab rund 40'000 Euro (umgerechnet 36'400 Franken). Das vergleichbare Verbrenner-Modell VW Tiguan gibt es erst ab 68'000 Euro (umgerechnet 62'500 Franken).
In der Schweiz und in zahlreichen anderen Ländern sind andersherum meist die Verbrenner-Modelle günstiger.
Hintergrund ist die sehr hohe Registrierungssteuer in Dänemark, die beim Kauf eines neuen Autos einmalig anfällt. Sie gehört zu den höchsten Fahrzeugabgaben weltweit. E-Auto-Kunden kommen in den Genuss hoher Freibeträge und zahlen nur einen Bruchteil der regulären Zulassungssteuer. Die Steuerreform hat den früheren Preisvorteil der Verbrenner folglich komplett zugunsten der Stromer gedreht.
Die Botschaft an die Konsumentinnen und Konsumenten ist unmissverständlich: Die Entscheidung für Elektrofahrzeuge ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sie macht sich auch im Portemonnaie bezahlt.
Schneller als die Norweger
Lange galt Norwegen mit seinem hohen E-Auto-Anteil als Sonderfall in Europa. In Dänemark erobern Stromer den Automarkt zwar ein paar Jahre später, dafür nun mit voller Wucht. Wer kann, kauft sich jetzt ein E-Auto, da die reduzierte Registrierungssteuer nicht für ewig bleiben wird. Nicht der Umweltgedanke, sondern handfeste finanzielle Vorteile bewirken das dänische Stromer-Wunder.
Entwicklung E-Auto-Anteil Norwegen und Dänemark
Norwegen benötigte rund 15 Jahre für die Umstellung hin zur umweltschonenderen Elektromobilität, in Dänemark vollzieht sich der Wandel voraussichtlich innerhalb eines Jahrzehnts.
Mit Schweden, Finnland und Island sind weitere nordische Staaten führend bei der Elektromobilität. Kalte und lange Winter sind offenbar kein stichhaltiger Grund gegen E-Autos.
Gegenüber der Schweiz haben skandinavische Länder aber einen entscheidenden Vorteil: Der höhere Eigenheimanteil erleichtert die Installation heimischer Ladestationen. Hierzulande stossen Elektroautos an Grenzen, weil die Schweiz international eine der höchsten Mieterquoten hat und das sogenannte Recht auf Laden für Mieter und Stockwerkeigentümer in Bundesbern lange keine Priorität genoss. Erst Mitte 2025 hiess der Ständerat einen Vorstoss von Jürg Grossen (GLP) gut, der fordert, dass Mietende und Stockwerkeigentümer den Zugang zu einer Ladestation haben sollen.
Bislang ist im Miet- und Stockwerkeigentümerrecht der Einbau von Ladestationen nicht explizit geregelt. Fehlende Heimlademöglichkeiten werden daher weiterhin von vielen als Hauptgrund genannt, warum sie trotz Interesses doch nicht aufs E-Auto umsteigen.
