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Rücktritt? Kein Rücktritt? Die Ereignisse um Seehofer in 5 Akten



Vorgeschichte

Bundeskanzlerin Merkel und Innenminister Seehofer kommen zu keinem Konsens im Asylstreit. Beim Gipfel in Brüssel hatte sich die EU auf weitere Verschärfungen der Migrationspolitik verständigt. So sollen Bootsflüchtlinge in zentralen Sammellagern in der EU untergebracht werden. Merkel erhielt nach eigenen Angaben zudem Zusagen mehrerer Länder, über schnellere Rückführungen von Migranten zu verhandeln. Ausserdem wurden am Samstag überraschend weitgehende zusätzliche Asyl-Vorschläge Merkels bekannt.

FILE - In this Sept. 22, 2017 file photo German Chancellor and Christian Democratic Union (CDU) party chairwoman Angela Merkel waves after her speech at an election campaign rally besides Bavarian state governor Horst Seehofer in Munich. (AP Photo/Matthias Schrader, file)

Bundeskanzlerin Merkel und der deutsche Innenminister Seehofer sind sich in der Asylfrage uneins.  Bild: AP/AP Files

Seehofer nannte die EU-Beschlüsse kein «wirkungsgleiches Surrogat» (keinen gleichwertigen Ersatz). Er widersprach damit direkt Merkel. Die Kanzlerin hatte bei der Aufzeichnung eines Sommerinterviews der ZDF-Sendung «Berlin direkt» zur Frage, ob die Forderungen der CSU erfüllt seien, gesagt: «In der Summe all dessen, was wir insgesamt beschlossen haben, ist das wirkungsgleich. Das ist meine persönliche Auffassung. Die CSU muss das natürlich für sich entscheiden.»

Seehofer bietet Rücktritt an

Nach dem EU-Gipfeltreffen will Innenminister und CSU-Chef Horst Seehofer im erbitterten Streit mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel beide Ämter aufgeben. Das sagte er am Sonntag an einer CSU-Sitzung. Seehofer habe seinen Rücktritt in einer persönlichen Erklärung am Ende der Beratungen der CSU-Spitzengremien bekanntgegeben. 

CSU lehnt Rücktritt ab

Die engste CSU-Parteiführung hatte Seehofer gebeten, nicht zurückzutreten. «Das ist eine Entscheidung, die ich so nicht akzeptieren kann», sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt nach Angaben von Teilnehmern in der Sitzung des CSU-Vorstands. Dobrindt habe dafür lang anhaltenden Applaus erhalten.

Die Sitzung wurde unterbrochen, die engste Parteispitze zog sich mit Seehofer zu Beratungen zurück. Der CSU-Vorstand hatte seit dem Nachmittag über den Asylstreit mit der CDU diskutiert. Dabei hatten Seehofer und seine Parteifreunde sich mehrheitlich gegen die Linie der Kanzlerin gewandt.

Drei Optionen nach Seehofer

Kern des Streits mit der Bundeskanzlerin sind Pläne Seehofers, in anderen EU-Ländern registrierte Asylbewerber notfalls im Alleingang an der deutschen Grenze zurückzuweisen. Merkel lehnt einseitige Aktionen Deutschlands ab und pocht auf ein europäisch abgestimmtes Vorgehen.

Seehofer sagte am Sonntag nach fast achtstündigen Beratungen laut Teilnehmern, es gebe drei Optionen: Entweder die CSU beuge sich dem Kurs von Merkel in der Asylpolitik. Oder er ordne als Innenminister die Zurückweisung bestimmter Migranten an der deutschen Grenze an – mit allen damit verbundenen Gefahren für den Fortbestand der Koalition. Und die dritte Option sei, dass er als Parteichef und Minister zurücktrete.

Das erwartet uns am Montag

CSU-Chef Horst Seehofer hat sein politisches Schicksal in die Hände der CDU gelegt: In einem Spitzengespräch will der deutsche Innenminister die Schwesterpartei an diesem Montag zum Einlenken im dramatischen Asylstreit bewegen.

Erst danach will er endgültig über seinen angekündigten Rücktritt von beiden Ämtern, also den Ministerposten und den CSU-Vorsitz, entscheiden. Die engste Parteiführung hatte ihn gebeten, nicht zurückzutreten.

Wann das Treffen konkret stattfinden soll, war zunächst offen. Um 14 Uhr ist ohnehin eine Sitzung der Unionsfraktion, also von allen Abgeordneten von CDU und CSU im Bundestag geplant.

(sda/dpa/afp/reu/vom)

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32Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • dorfne 02.07.2018 08:37
    Highlight Highlight Seehofer tritt zurück, Merkel stellt die Vertrauensfrage, ihr wird daraufhin das Vertrauen ausgesprochen. Und dann darf man gespannt darauf sein, ob der Gipfelei der vergangen Wochen wirklich Taten folgen werden.
    Bin pessimistisch. Wie soll die Politik ein Problem lösen, von dem sie selber den grössten Teil ausmacht?
    • Ueli der Knecht 02.07.2018 09:53
      Highlight Highlight Das Problem ist gar kein Problem. Nur allerhöchstens ein klitzekleines Problemli, welches du und deinesgleichen Extremisten mit allerhand Fakenews und mit eurer radikalen Fremdenfeindlichkeit aufbläst, und zur Migranten-Sintflut aufbauscht, damit ihre eure Ängste kultiveren und Panik zu schüren könnt.

      Fakt:
      Im Schnitt kommen 1.2 Migranten pro 1000 Einwohner und Jahr. Das sind 1.2‰. Eins komma zwei Promille! Praktisch nichts. Und das hat längefristig gesehen erst noch deutlich positive Effekte.
      https://de.statista.com/statistik/daten/studie/156549/umfrage/asylbewerber-in-europa-2010/
      Benutzer Bild
    • Watson - die Weltwoche der SP 02.07.2018 10:41
      Highlight Highlight @Ueli der Knecht

      klitzekleines Problemli?

      https://www.merkur.de/politik/chronologie-schreckens-islamistischer-terror-in-deutschland-zr-8940749.html

      PS: "Im Schnitt kommen 1.2 Migranten pro 1000 Einwohner und Jahr. " Schön redest auch du mittlerweile von "Migrant" und nicht mehr "Flüchtling".
    • Ueli der Knecht 02.07.2018 11:42
      Highlight Highlight Roterriese: Schön gibst du deinen Euphemismus zu. Es geht bei den Migranten aus Afrika nicht um syrische Flüchtlinge und auch nicht um islamistischen Terror, wie du Angst- und Panikmacher Brand stiften willst. Ganz abgesehen davon flüchteten die Syrer doch genau von diesem Terror.

      Das UNHCR spricht von Migration, stellt aber gleichzeitig klar, dass ⅓ dieser Menschen Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention sind. Diese haben Anspruch auf Schutz (http://bit.ly/2tabrtA).

      Aber Leute wie du wollen das Völkerrecht und die Menschenrechte aushebeln, wo immer sie nur können.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Quacksalber 02.07.2018 08:00
    Highlight Highlight Wenn schon ein Surrogat, dann ist es die bayrische Politik. Pressewirksame Bilder von Polizisten die an „der Grenze“ stehen und den Verkehr aufhalten, bzw Ausländer wegschicken.
  • Sophia 02.07.2018 07:55
    Highlight Highlight Seehofer ist ein Egomane, er ist wichtiger als die Partei und Deutschland und die EU versteht er gar nicht. Die von ihm ungeliebte Kanzlerin Merkel, ist in Bayern beliebter als die gesamte CSU-Spitze.
    Wie kann man wegen ein paar tausend Aylanten die so eminent wichtigen EU-Vereinbarungen einfach ignorieren und so alle EU-Staaten zu desavouieren, wie kann man wegen einer Detailfrage eine jahrzehntealte Parteienfamilie einfach so wegblasen und Deutschland in einer derartige Regierungskriese führen, die niemandem nützt?
    Der Merkel bleibt doch gar keine andere Wahl, als den Seehofer zu entlassen.
  • Scaros_2 02.07.2018 06:43
    Highlight Highlight Diese Regierungskriese welche in DE seit Sept17 anherrscht zeigt eindrücklich das Demokratie ihre Grenzen erreicht wenn viele Parteien ähnlich viele Stimmen bekommen und jeder sein eigenes Ding dreht. Das Land wird auch nicht vorannkommen so. Keiner der Politiker kümmert sich um das Wohl des Volkes. Alles was sie tun sind Worthülsen und Aktivismus an den Tag legen der schlussendlich aber beim Bürger nicht ankommt und das nur weil keiner mehr die EIER hat auch einmal einen Fehler zu machen. Stattdessen politisiert man so, das die AFD stetig stärker wird. Sehr gefährliches Spiel
    • Ridcully 02.07.2018 08:37
      Highlight Highlight Richtig. Daraus sieht man auch, was unsere vielgeschmähte Konsens-Kultur für einen Wert hat. Ohne Konsens ist ein sachbezogenes Regieren unmöglich.
    • Enzasa 02.07.2018 08:39
      Highlight Highlight Die „Regierungskrise” ist ausgelöst von den populistischen Machtkämpfen und nicht von der gesellschaftlichen oder ökonomische Realität
    • henkos 02.07.2018 09:14
      Highlight Highlight Die Minderheitenregierung hatte Deutschland bereits - bis 1933. daher wurde sie 1945 auch abgeschafft.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Wilhelm Dingo 02.07.2018 06:26
    Highlight Highlight Die Deutschen sollten in einer Volksbefragung über die Zuwanderung abstimmen dürfen.
    • dorfne 02.07.2018 08:34
      Highlight Highlight Würde nichts bringen. Es gibt einfach zu viele internat. Gesetze und Vereinbarungen. Einige davon müssten jetzt offiziell gebrochen werden, um der Rechten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Inoffiziell hält sich sowieso kaum ein Land mehr an Schengen-Dublin, auch die Migranten nicht: Abgewiesene stellen im gleichen Land erneut einen Antrag, oder verlangen in ihr Wunschland gebracht zu werden, obwohl sie bereits anderswo registriert wurden, verschleiern ihre Identität usw.. Sollen die Bayern ihre Drohung doch endlich wahr machen, bin gespannt was dann passieren würde.
    • Enzasa 02.07.2018 08:37
      Highlight Highlight Über was genau sollen sie abstimmen?
      Aktuell handelt Deutschland gemäß Schengen und Genfer Flüchtlingskonvention.
      Soll darüber abgestimmt werden, die Verträge aufzukündigen?
      Eine Höchstgrenze widerspricht dem Grundgesetz, soll das Grundgesetz geändert werden?
    • Wilhelm Dingo 02.07.2018 09:57
      Highlight Highlight @Enzasa: Allenfalls ja, wir haben ja die gleiche Diskussion hier in der Schweiz.
    Weitere Antworten anzeigen
  • amore 02.07.2018 06:25
    Highlight Highlight Ein Fiasko sondergleichen sind diese Vorgänge zwischen CSU und CDU. D soll jetzt endlich mal zur Minderheitsregierung wechseln, damit ALLE politischen Kräfte jeweils die Entscheidungen zu den Sachgeschäften treffen können. Wer behauptet, dies funktioniere in D nicht, sollte heute sehen, dass der aktuelle Zustand ein Auslaufmodell ist. Was jetzt vorgeht ziemt sich nicht mal für eine Bananenrepublik.

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Jakob Fischbacher*. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

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