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Völkermord von Srebrenica: Lebenslange Haft für Ex-Serbenführer Karadzic

Gut 20 Jahre nach dem Völkermord von Srebrenica ist der politisch Hauptverantwortliche, Ex-Serbenführer Radovan Karadzic, zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das entschieden die Richter des Uno-Tribunals im Berufungsverfahren am Mittwoch in Den Haag. In erster Instanz war Karadzic noch zu 40 Jahren Haft verurteilt worden. Dieses Urteil wurde nun verschärft, es ist endgültig.

epa07450691 Former Bosnian Serb leader Radovan Karadzic (R) enters the court room of the Former Bosnian Serb leader Radovan Karadzic (R) enters the court room of the International Residual Mechanism for Criminal Tribunals in The Hague, Netherlands, 20 March 2019. Nearly a quarter of a century since Bosnia's devastating war ended, Karadzic is set to hear the final judgment on whether he can be held criminally responsible for unleashing a wave of murder and destruction. United Nations appeals judges will on Wednesday rule whether to uphold or overturn Karadzic's 2016 convictions for genocide, crimes against humanity and war crimes, as well as his 40-year sentence.  EPA/PETER DEJONG / POOL

Ex-Serbenführer Radovan Karadzic vor dem Uno-Tribunal im Berufungsverfahren am Mittwoch in Den Haag. (whr/sda/dpa) Bild: EPA/AP POOL

Die Verbrechen seien so «extrem schwerwiegend», dass eine 40-jährige Haftstrafe «unangemessen und ungerecht» sei, sagte der Vorsitzende Richter. Der 73-jährige Karadzic, gekleidet in einen dunklen Anzug, reagierte äusserlich nicht, sein Blick war starr auf die Richter gerichtet. Auf der Tribüne brach lauter Applaus aus.

«Endlich Gerechtigkeit»

Die Richter verurteilten den früheren Psychiater für Völkermord, Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Balkan-Krieges in den 1990er Jahren. Er sei schuldig wegen Mordes, Verfolgung und Zwangsvertreibung bosnischer Muslime. Ausserdem habe er die 44 Monate dauernde Belagerung der bosnischen Stadt Sarajevo sowie den Völkermord von Srebrenica zu verantworten.

Angehörige von Opfern jubelten im Gerichtssaal, als die Richter das Urteil verkündet hatten. «Endlich Gerechtigkeit», sagte Munira Subasic von der Organisation «Mütter von Srebrenica». Eine lebenslange Haftstrafe sei die einzig gerechte Strafe für Karadzic. «Die Wahrheit und die Gerechtigkeit haben gesiegt.»

Karadzic beteuerte seine Unschuld

Karadzic hatte während des Prozesses immer wieder seine Unschuld beteuert. Die Vorwürfe seien «haltlos», er sei kein Kriegstreiber, sondern im Gegenteil der «Friedenstifter des Balkans» gewesen. Er hatte Freispruch gefordert.

1995 hatten serbische Einheiten unter dem serbischen General Ratko Mladic die damalige Uno-Schutzzone überrannt und dann rund 8000 muslimische Männer und Knaben ermordet. Karadzic war erst 2008 nach 13 Jahren auf der Flucht in Serbien als alternativer Heiler entdeckt und an das Gericht ausgeliefert worden. (whr/sda/dpa)



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Video: srf/SDA SRF

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29Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • AquaeHelveticae 20.03.2019 19:36
    Highlight Highlight Gute Sache!
    Wie damals von Carla del Ponte gefordert sollten nun aber auch noch die anderen Kriegsparteien sauber durchleuchtet werden. Da wird es noch etliche in hohen politischen Ämtern geben.
    Übrigens sind auch del Pontes Aussagen zu Syrien durchaus interressant. Wenn mann sich ein wenig mit ihrer Geschichte beschäftigt wird einem schnell klar, dass in den wenigsten Konflikten so einfach zwischen gut und böse unterschieden werden kann.
  • Draxler 20.03.2019 16:31
    Highlight Highlight Soweit eine gute Nachricht, peinlich ist nur das gewisse Organhändler und Massenmörder ganz offiziel ein Staatsposten übernommen haben, teilweise mit Unterstützung von den westlichen Länder. In der Politik gibt es keine Gerechtigkeit.
  • nem1307 20.03.2019 16:05
    Highlight Highlight Sehr einseitig sind die Berichterstattungen, wenn es um solche Themen geht. Bei jedem einzelnen Fall zu behaupten, die Serben seien Schuld ist alles andere als richtig. Das Tribunal von Den Haag steht für nichts anderes als die Serben zu verurteilen, was wir leider schon an vielen Fällen gesehen haben. Kroatische, bosnische und andere Anführer wurden freigesprochen, obwohl diese noch schlimmere Taten ausgeübt haben während der Kriege in Ex-Jugoslawien. Watson bitte ich die Berichterstattung etwas sachlicher zu machen und nicht immer die Serben an den "Pranger" zu stellen.
    • wasps 20.03.2019 16:29
      Highlight Highlight Ja, klar. Es werden nur Serben in Den Haag verurteilt. Und Srebrenica hat nie stattgefunden. Ich kann mich noch sehr gut an die Bilder erinnern. Die Herren Mladic, Karadzic und Milosevic in Siegerpose, während im Hintergrund Frauen, Männer getrennt und in Bussen davon gekarrt worden sind!
      Was für ein Schwachsinn. Solche Statements zeugen von totaler Verblendung! Der Krieg ist vorbei, es wird Zeit, dass ihr euch versöhnt, speziell auch hier in der Schweiz!!
    • Chili5000 20.03.2019 16:36
      Highlight Highlight Die einzigen die daran zweifeln sind Serben und Russen... Man muss schon komplett blind sein auf beiden Augen um das nicht zu sehen...
    • Freedom Fighter 20.03.2019 17:21
      Highlight Highlight Na ja, Geschichte nach Belieben umgedeutet. Lass mich raten, du bist Serbe. Anders kann ich mir diesen Kommentar nicht erklären. Die Kriegstreiber waren definitiv die Serben. Ohne Wenn und Aber.
      Das wissen alle. Die Serben WOLLEN das natürlich nicht mehr wissen. Ich stamme übrigens nicht aus dem Balkan und habe serbische, kroatische, bosnische und slowenische Freunde in meinem sozialen Umfeld. Die sind alle gleicher Meinung. Auch die Serben unter ihnen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • fabsli 20.03.2019 15:39
    Highlight Highlight Wieso hat das 11 Jahre gedauert?
    • Juliet Bravo 20.03.2019 15:47
      Highlight Highlight Weil es relativ komplex ist, die wahren Befehlshaber zu verurteilen. Die haben meistens nicht selber am Abzug gezogen.
    • Xonco 20.03.2019 15:52
      Highlight Highlight Viele Serben feiern den Typen als Helden.

      Also wird sich eine Kooperation dementsprechend schwierig gestaltet haben.

      Der Politiker der sich dafür einsetzt ihren "Helden" auszuliefern wird dann auch schnell auf der Suche nach einer anderen Bleibe & Arbeit sein.

  • Juliet Bravo 20.03.2019 15:27
    Highlight Highlight Unbedingt sicher stellen, dass der sich nicht auch das Leben nehmen kann und tatsächlich im Gefängnis schmort!
    • Bangarang 20.03.2019 16:13
      Highlight Highlight Wieder Rachegelüste?

      Wichtig ist, dass Recht gesprochen wurde. Leider wird er in Serbien als Held gefeiert, dies zu ändern wird schwierig.
    • Juliet Bravo 20.03.2019 16:24
      Highlight Highlight Wieso Rachegelüste. Er soll sich nur nicht durch Freitod zum Märthyrrer machen dürfen und statt dessen seine Strafe absitzen.
    • Draxler 20.03.2019 16:35
      Highlight Highlight von wievielen wird er als Held angesehen? 5% 3%?? ich kenne niemanden in meinem Umfeld der diesen Typen als Held sieht. Wo waren den die Demos in Serbien als er verurteilt wurde? Ach ja stimmt, es gingen etwa 100 Leute auf die Strassen.
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