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Zehntausende Kinder in Australien missbraucht – «die genaue Zahl werden wir nie wissen»



In Australien sind über einen Zeitraum von Jahrzehnten hinweg mehrere zehntausend Kinder in kirchlichen und staatlichen Einrichtungen sexuell missbraucht worden. Eine Untersuchungskommission machte über 400 Vorschläge, die Missbräuche verhindern sollen.

Die genaue Zahl von Opfern ist nicht bekannt, wie aus dem am Freitag vorgestellten Abschlussbericht der offiziellen Ermittlungskommission hervorgeht. Geschätzt wird, dass etwa 60'000 Menschen Anspruch auf Entschädigung geltend machen können.

Wörtlich heisst es in dem Bericht: «Zehntausende Kinder in vielen australischen Einrichtungen wurden sexuell missbraucht. Die genaue Zahl werden wir nie wissen.» Die Kommission war 2012 von der damaligen Premierministerin Julia Gillard eingerichtet worden, nachdem eine Reihe von schweren Missbrauchsfällen bekannt geworden waren. Ihr Nachfolger Malcolm Turnbull sprach von einer «nationalen Tragödie».

epa06390568 A handout photo made available by the Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse shows the volumes of the Final Report of the Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse sitting on the table before the signing ceremony of the release of the papers at Government House in Canberra, Australian Capital Territory, Australia, 15 December 2017. The royal commission has released on the day its final report delivering recommendations after five years inquiry into child sexual abuse in Australia.  EPA/JEREMY PIPER/ROYAL COMMISSION INTO INSTITUTIO HANDOUT  AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Für den Report wurden mehr als 1.2 Millionen Dokumente gesichtet. Bild: EPA/AAP/ROYAL COMMISSION INTO INSTIT

Geistliche und Lehrer als Täter

Insgesamt berichtet die Kommission von Missbrauchsfällen in 4000 verschiedenen Einrichtungen, zum Beispiel in staatlichen und kirchlichen Schulen, bei Pfadfindern oder katholischen Jugendgruppen. Vielfach waren Geistliche und Lehrer die Täter. Kommissionschef Philip Reed sagte, es gebe «keine einfache Erklärung» dafür, wie es dazu kommen konnte.

Die Kommission machte auch mehr als 400 Vorschläge, mit denen verhindert werden soll, dass sich Fälle in einem solchen Ausmass wiederholen. Dazu gehört, dass sich künftig strafbar macht, wer von Sexualvergehen an Kindern weiss und diese nicht anzeigt. Zudem soll eine nationale Behörde zum Schutz von Kindern eingerichtet werden. An Kindergärten und Grundschulen soll künftig früher gewarnt werden.

Die Kosten der Untersuchung werden auf insgesamt umgerechnet etwa 380 Millionen Franken (500 Millionen australische Dollar) geschätzt. Insgesamt wurden mehr als 1.2 Millionen Dokumente gesichtet.

Kirche bittet um Entschuldigung

Australiens katholische Kirche entschuldigte sich bei den Opfern. Der Erzbischof von Melbourne, Denis Hart, versprach am Freitag, dass die Schlussfolgerungen einer offiziellen Ermittlungskommission zum Missbrauch von Kindern «sehr ernst» genommen würden. «Im Namen der katholischen Bischöfe und religiösen Führer erneuere ich unsere uneingeschränkte Entschuldigung an die Betroffenen für dieses Leid.»

Die Forderung der Kommission, das Beichtgeheimnis zu lockern, damit Priester Fälle sexuellen Missbrauchs anzeigen können, von denen sie im Beichtstuhl erfahren, lehnte der Erzbischof jedoch ab. Für die katholische Kirche sei das Beichtgeheimnis von grosser Bedeutung, sagte Hart. Falls Geistliche dagegen verstiessen, drohe ihnen die Exkommunikation, also der Ausschluss aus der Kirche.

Etwa ein Drittel der Täter sollen Geistliche gewesen sein. Australiens konservativer Premierminister Malcolm Turnbull berief unterdessen eine Arbeitsgruppe ein, die die Umsetzung der Kommissionsvorschläge prüfen soll. (sda/dpa)

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gummibär 16.12.2017 08:37
    Highlight Highlight Hier eine Zusammenfassung , die es sich lohnt zu lesen:
    https://www.theguardian.com/australia-news/2017/dec/15/child-sexual-abuse-royal-commission-recommendations-and-statistics-at-a-glance

    Die katholische Kirche ist eindeutig am meisten impliziert.
    Wohl deshalb, weil ihr die wehrlosen Kinder geradezu zugeschoben werden und sie sich dank des gegenseitigen Abdeckens für Päderasten als Schutz-Organisation geradezu anbietet.
  • DWO 15.12.2017 17:14
    Highlight Highlight Überall wo Macht gelebt wird, ist der Macht-Missbrauch nich weit. Alle Compliance-Bemühungen werden nie zu hundert Prozent eingehalten werden. Manchmal könnte ich an uns Menschen verzweifeln!
  • öpfeli 15.12.2017 08:48
    Highlight Highlight und dann werde ich erstaunt angeschaut wenn ich sage, dass ich mein Kind nie in eine christliche Gruppe schicken werde.
    • Wilhelm Dingo 15.12.2017 10:33
      Highlight Highlight @öpfeli: passiert auch in Sportvereinen
    • öpfeli 15.12.2017 11:22
      Highlight Highlight Die Missbrauchsfälle sind das Tüpfchen uf dem "i" wieso ich mein Kind nicht schicken würde.
    • Gummibär 16.12.2017 10:30
      Highlight Highlight @Wilhelm Dingo Ich bitte Dich, "Passiert auch anderswo" ist die billigste Entschuldigung.
  • Queen C 15.12.2017 08:31
    Highlight Highlight Solche Verbrechen verschlagen mir die Sprache, nicht die Geschichten dieser Ladies, die sich freiwillig ins Hotelzimmer eines windigen Produzenten im Bademantel begeben und dann jammern, er hätte Annäherungen gemacht.
    • who cares? 15.12.2017 09:06
      Highlight Highlight Uhm ich sehe hier den Zusammenhang nicht. Dann sind naive junge Frauen selbst schuld wenn sich Mann nicht im Griff hat?
    • Queen C 15.12.2017 12:49
      Highlight Highlight Man muss schon seeeehr naiv sein, ins Hotelzimmer eines im Bademantel bekleideten Typen zu gehen und das Gefühl haben, er wolle bloss Verträge verhandeln.
      Und Nein, sie sind nicht selbst schuld, aber sie hätten es in der Hand gehabt, es gar nicht so weit kommen zu lassen.
    • who cares? 15.12.2017 17:32
      Highlight Highlight "Sie hätten es in der Hand gehabt" = sie sind verantwortlich = sie sind selbst schuld. Darum ist dein Kommentar inhaltlich nicht logisch.

      Ausserdem ist "Annäherungen" ein ganz schön weit hergeholter Euphemismus für sexuelle Belästigung/Nötigung/Vergewaltigung. Solch schreckliche Worte will man ja nicht benutzen, sonst müsste man sich ja vielleicht überlegen, dass die billigen Schauspielflittchen es vielleicht gar nicht wollten und Weinstein tatsächlich unmoralisch/strafbar gehandelt hat.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Lamino 420 15.12.2017 07:35
    Highlight Highlight Die Aussage des Erzbischofs bezüglich Beichten ist erschreckend!
    • lilas 15.12.2017 08:33
      Highlight Highlight Erschreckend und menschenverachtend! Seine Entschuldigungen sind für mich so erst recht nicht ernst zu nehmen.
    • Sageits 15.12.2017 08:59
      Highlight Highlight Ganz ohne Partei ergreifen zu wollen: was bringt die Aufhebung des Beichtgeheimnisses wirklich?
      Ich habe immer gedacht, dass im Beichtstuhl gelogen wird bis sich die Balken biegen.
    • Caturix 15.12.2017 10:55
      Highlight Highlight Wenn es angezeigt wird geht sowieso keiner mehr beichten also würde es auch nichts bringen. Das Beste ist sowieso das abschaffendes beichtens und das modernisierens der Katolischen Kirche, die anderen Kirchen sind aber nicht besser dran.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ökonometriker 15.12.2017 06:59
    Highlight Highlight Dass es strafbar sein soll, keine Anzeige zu machen, wenn man etwas weiss, finde ich extrem heikel. Was wenn man keine Beweise hat? Was wenn man selbst ein Kind war und sich nicht mehr sicher ist, ob man fantasiert hat? Was wenn man nicht anzeigt, weil man Angst vor sozialer Ächtung hat - besonders wenn die Anzeige nicht beweisbar ist und der Beschuldigte freigesprochen wird?
    • Hierundjetzt 15.12.2017 09:49
      Highlight Highlight Wenn 10‘000ende sexuell Missbraucht wurden, ist es vielleicht mal gar nicht so schlecht, da mal mit dem juritischen Vorschlaghammer vorzugehen. Sonst hört das nie auf.

      Da besteht insgesamt ein Gesellschaftliches Problem. Und oh Wunder, die Katholische Kirche ist wiedermal mittendrin.

      Ich denke mir hingegen nicht, dass das Wort „Anzeigen“ in Australien die gleiche Bedeutung wie in der Schweiz hat und tippe eher auf einen Übersetzungsfehler

Die letzte Oase der Menschheit – stille Tage in St. Helena

Hier lebt das älteste Landtier der Welt, hier verbrachte Napoleon seinen Lebensabend. Sankt Helena ist ein wundersames Paradies im Südatlantik. Die Zeit ist stehengeblieben, Internet braucht fast niemand. Dafür gibt's den teuersten Kaffee der Welt.

Kein Netz. Das ist schon mal erfreulich. Später werden wir erfahren, dass auch das Privat-Handy des Gouverneurs nicht funktioniert. Die grossen internationalen Telekommunikationsfirmen beteiligen sich nicht am «Hosentelefon»-Business, das hier erst 2015 begonnen hat. Der Umsatz ist zu gering. Ich müsste eine SIM-Karte des lokalen Anbieters kaufen. Die ist mir viel zu teuer. Auch der Gouverneur verzichtet darauf. Er hat ja noch sein Diensthandy. Und das funktioniert.

Ich habe in den zwei Wochen …

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