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Polizei stürmt australisches Flüchtlingslager in Manus



Nach der Besetzung eines seit Oktober geschlossenen australischen Flüchtlingslagers in Papua-Neuguinea hat sich die Polizei am Donnerstag Zutritt verschafft. Die rund 400 Bewohner wurden aufgerufen, das Lager umgehend zu verlassen.

Einige der Flüchtlinge, die das Lager in Manus seit drei Wochen besetzen, veröffentlichten in sozialen Netzwerken Fotos und Videos von dem Polizeieinsatz.

Der iranische Flüchtling Behrus Buschani schrieb im Kurzmitteilungsdienst Twitter, die Polizei habe im Camp «begonnen, die Unterkünfte und Wassertanks zu zerstören». Vor dem Lager seien Soldaten. «Wir sind jetzt in erhöhtem Alarmzustand», schrieb Buschani. «Wir werden angegriffen.»

Am 31. Oktober war das Lager offiziell geschlossen worden, nachdem ein Gericht in Papua-Neuguinea es als verfassungswidrig eingestuft hatte. Hunderte Bewohner weigerten sich aber, das bislang von Australien betriebene Camp zu verlassen. Sie äusserten die Befürchtung, dass Einheimische sie angreifen könnten. Ausserdem seien die Wasser- und Stromversorgung sowie die Sicherheitsvorkehrungen in den neuen Auffangeinrichtungen noch nicht ausreichend.

epa06344920 A handout photo made available by Abdul, a refugee on Manus Island, shows police reportedly entering the Manus Island detention centre on Manus Island, Papua New Guinea (PNG), 23 November 2017. Several asylum seekers have taken to Twitter describing high tension in the centre on 23 November, where about 400 men have been refusing to leave. The Manus Island immigration detention centre, formally closed on 31 October 2017, is one of Australia's offshore immigration detention facilities.  EPA/ABDUL, REFUGEE ON MANUS HANDOUT -- BEST QUALITY AVAILABLE -- AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Die rund 400 Bewohner wurden aufgerufen, das Lager umgehend zu verlassen. Bild: EPA/AAP/REFUGEE ON MANUS

Strom und Wasser abgestellt

In dem Lager in Manus sind die Lebensbedingungen allerdings nicht weniger prekär. Australien hat die Strom- und Wasserversorgung nach der offiziellen Schliessung abgestellt, auch Lebensmittel gelangen nur in geringem Masse in das Camp.

In Manus leben Flüchtlinge, die bei dem Versuch abgefangen wurden, nach Australien zu gelangen. Amnesty International warnte die Polizei in Papua-Neuguinea vor dem Risiko «ernsthafter Verletzungen, wenn die Behörden Gewalt anwenden». Die Menschenrechtsorganisation rief dazu auf, die Lagerinsassen nach Australien zu bringen.

Australien weigert sich, Flüchtlinge aufzunehmen, die versuchen, auf eigene Faust oder mit Hilfe von Menschenschmugglern per Boot nach Australien zu gelangen. Die Regierung fing die Boote auf hoher See ab und bezahlte das bitterarme Nachbarland Papua-Neuguinea dafür, auf der Insel Manus ein Auffanglager einzurichten.

epa06344922 A handout photo made available by Abdul, a refugee on Manus Island, shows disarrayed belongings of refugees and asylum seekers at the Manus Island detention centre on Manus Island, Papua New Guinea (PNG), 23 November 2017. Several asylum seekers have taken to Twitter describing high tension in the centre on 23 November, where about 400 men have been refusing to leave after police reportedly entered the center. The Manus Island immigration detention centre, formally closed on 31 October 2017, is one of Australia's offshore immigration detention facilities.  EPA/ABDUL, REFUGEE ON MANUS HANDOUT -- BEST QUALITY AVAILABLE -- AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Verwüstete Einrichtung nach dem Einsatz Bild: EPA/AAP/REFUGEE ON MANUS

Australiens Regierungschef verteidigt Einsatz

Der australische Regierungschef Malcolm Turnbull bekräftigte am Donnerstag aber, dass die Betroffenen keinen Fuss in sein Land setzen würden. «Sie denken, dass das eine Möglichkeit ist, die australische Regierung unter Druck zu setzen, sie nach Australien kommen zu lassen», sagte Turnbull in Canberra über die Besetzung des Flüchtlingslagers. «Wir werden uns aber nicht unter Druck setzen lassen.»

Australiens Immigrationsminister Peter Dutton bestätigte den Einsatz, der nach seinen Worten dem Umzug der Migranten in eine neue Unterkunft diene. Die australischen Steuerzahler hätten umgerechnet rund 7.5 Millionen Franken (zehn Millionen australische Dollar) für eine neue Unterkunft bezahlt. «Und jetzt möchten wir, dass die Leute umziehen», sagte er im Radio 2GB.

Australien hatte versucht, die Flüchtlinge aus Manus in Drittländern unterzubringen - allerdings mit wenig Erfolg. Trotz internationaler Kritik hält die australische Regierung an ihrer Politik fest, Asylbewerber gar nicht erst ins Land zu lassen. Sie argumentiert, nur so sei eine gefährliche Massenflucht über das Meer in Richtung Australien zu vermeiden. (sda/dpa/afp)

Sayed verlor vor drei Jahren seine Familie auf der Flucht

Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • Ferienpraktiker 23.11.2017 10:10
    Highlight Highlight Eigentlich mag ich das Land und seine Bewohner (und das kühle Bier -:))
    Aber diese völlige Abschottungspolitik ist schwer nachzuvollziehen und m.E. äusserst fragwürdig.
  • Enzasa 23.11.2017 07:47
    Highlight Highlight „Sie versuchten die Flüchtlinge in Drittländer unterzubringen- allerdings mit wenig Erfolg“
    Hallo hier ist Australien, wir haben keinen Bock auf Flüchtlinge - Könnt ihr Sie nehmen?

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