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Der kleine Julen – ein Opfer des spanischen Dürre-Dramas



Der Tod von Julen wirft viele Fragen auf. Arbeiteten die Retter gut genug, schnell genug? Die Meinungen gehen auseinander. Eines steht fest: Der tragische Unfall, der die Welt bewegt, bringt ein grosses Problem schonungslos ans Licht.

Den kleinen Julen kannten die wenigsten Menschen persönlich. Wie er war, wie er aussah. Dennoch: Das Schicksal des Jungen, der in der Nacht zum Samstag im Süden Spaniens in einem tiefen Loch tot aufgefunden wurde, hatte knapp zwei Wochen sein ganzes Heimatland und auch die halbe Welt in Atem gehalten. Die spanischen Notfalldienste und andere Rettungskräfte bekamen Solidaritätsbekundungen und Aufmunterungen aus allen Ecken Europas, aber auch aus so entfernten Ländern wie Argentinien oder Costa Rica.

Eines steht aber schon länger fest: Julen und auch die Eltern und die Nachbarn des Kleinen, die durch eine schier unendliche Hölle der Gefühle getrieben wurden, sind neue, ganz besondere Opfer des spanischen Dürre-Dramas. Der 107 Meter tiefe Brunnenschacht, in den das Kind am 13. Januar bei einem Familienausflug stürzte, wurde nach Behördenangaben auf der Suche nach Wasser ohne Genehmigung gegraben.

Offene Löcher

In Spanien ist das keine Seltenheit. Im Gegenteil: Nach Schätzung der Umweltorganisation Greenpeace gibt es im ganzen Land über eine Million solcher illegaler Löcher. Die Zeitung «El Mundo» schrieb, in Wirklichkeit seien es viel mehr. Und «diejenigen Bohrungen, die nicht zum Erfolg führen, werden mehr schlecht als recht zugedeckt».

Seit Jahren regnet es in Spanien aufgrund des Klimawandels zu wenig. Flüsse trocknen aus, vor allem im Süden und im Landesinneren gibt es immer mehr steinwüstenähnliche Landschaften. Besitzer von Grundstücken und Fincas beauftragen deshalb sogenannte «Poceros», erfahrene «Löchergräber» mit Bohrungen, die oft in wahren Nacht- und Nebelaktionen, nur nachts und bei Mondbeleuchtung, gegraben werden. Im Volksmund heissen diese Schächte deshalb «Mondscheinlöcher».

Der erfahrene «Pocero» Antonio Jesús Perálvarez, der für seine Arbeit 2000 bis 4000 Euro kassiert, nahm im Gespräch mit «El Mundo» kein Blatt vor den Mund. «Meine Aufgabe ist es, das Loch zu bohren. Um die Abdeckung kümmert sich auch bei legalen Bohrungen der Auftraggeber. Zumal der oft nach einigen Tagen wieder schauen will, ob Wasser herauskommt.» Normal sei es, die Öffnung des Loches «mit einem grossen Stein zuzudecken, den ein Kind nicht hochheben kann».

Durch Sicherung gerutscht

Julens Vater, der arbeitslose Marktverkäufer José Rosello, räumte ein, dass das Unfall-Loch mit der nur 25 Zentimeter breiten Öffnung auf dem Grundstück des Freundes einer seiner Cousinen wohl nicht ausreichend gesichert war: «Es war mit einigen Steinen zugedeckt, die sie (die Cousine und der Freund) draufgelegt haben.» Niemand habe diese Steine entfernt. «Aber die Steine waren wohl nicht ganz fest. Julen ist wohl drauf getreten und durchgerutscht.» Der Kleine war den Angaben zufolge sehr schlank, er wog nur elf Kilo.

epa07316796 Jose Rosello (L) and Vicky Garcia (R), parents of two-year-old Julen, who fell down a 110-meters-well, react during a vigil in Totalan, Malaga, Spain, 24 January 2019. The excavation works have reached the depth where the kid is believed to be. Now, miners involved in the rescue operation will have to manually perforate four meters tunnel to reach the boy. The hardness of the ground has delayed the rescue operation during last days. The difficulty and magnitude of the works makes this rescue operation unprecedented in Spain.  EPA/DANIEL PEREZ

Die Eltern von Julen trauern um ihren Sohn. Bild: EPA/EFE

Auch wenn die spanischen Behörden bereits Ermittlungen einleiteten: Die Frage nach dem oder den Schuldigen beschäftigte die Spanier und die Welt zunächst eher weniger. Journalisten und Kamerateams aus aller Welt hielten in grosser Entfernung zu der von der Polizei völlig abgeriegelten Unfallstelle am Hügel Cerro de la Corona Wache. Die spanische Bischofskonferenz rief zum Beten für das Kind auf. Regierungschef Pedro Sánchez und andere Persönlichkeiten ermunterten die Eltern und die Helfer zum Durchhalten.

Im armen Málaga-Vorort El Palo, wo die Familie wohnt und wo der Kleine immer mit seinem grünen Dreirad rauf und runter unterwegs war, sind die Menschen untröstlich. «Ich wache nachts auf und sage mir: Mein Gott, wie ist das möglich», sagte eine ältere Frau. Man weiss dort: Die Eltern hatten 2017 einen Sohn verloren, der mit drei Jahren einem Herzversagen erlag. Noch am Donnerstagabend hatte in Totalán eine Nachtwache für die Familie stattgefunden, Julens Eltern José und Vicky konnten dabei die Tränen nicht zurückhalten.

«Nichts wurde dem Zufall überlassen. Eine vergleichbare Aktion hat es noch nie gegeben.»

Präsident des Feuerwehrverbandes

Während sich die Bergarbeiter durch den harten Felsen bis zu Julen durchkämpften, war der Kleine derweil in Kneipen, Cafés und Büros Gesprächsthema Nummer eins. Dabei wurden oft Zweifel an der Arbeit und den Einschätzungen der Retter und der Behörden laut. «Und wenn der Kleine nicht im Loch ist? Man hat ihn dort unten doch nie gesehen», fragte zum Beispiel der Rentner Manuel (85) noch wenige Stunden vor der Bergung des Kindes in einer Madrider Kneipe in die Runde. Ein anderer warf ein: «Und findet ihr nicht, dass man für die Rettungslöcher zu lange gebraucht hat?»

Die an der Suche beteiligten Experten und Politiker hatten aber stets alle Zweifel und jede Kritik zurückgewiesen. Und schlechte, zu langsame Arbeit? «Nichts wurde dem Zufall überlassen. Eine vergleichbare Aktion hat es noch nie gegeben», sagte der Präsident des Feuerwehrverbandes von Málaga, Francisco Delgado Bonilla. Man habe «eine sehr anspruchsvolle Arbeit, für die man eigentlich Monate braucht, in Tagen geschafft». (sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • critico 27.01.2019 12:01
    Highlight Highlight tragisch was da passiert ist, aber, wasserknappheit/bodenerosion hat ihren ursprung schon viel viel früher,nicht erst seit der intensivierten landwirtschaft; als fast die ganzen wälder abgeholzt und schiffe damit gebaut wurden, um dann u.a. in südamerika einheimische zu massakrieren um an deren gold zu kommen. aufforstung wäre angesagt gewesen, das würde aber die erträge schmälern, also bewässert man einfach erodierte böden wie verückt.
  • DemonCore 26.01.2019 22:05
    Highlight Highlight Gemüse und Früchte aus Spanien hier zu essen, bedeutet Wasser weg von da nach hier zu fahren!
  • luegeLose 26.01.2019 17:07
    Highlight Highlight Und jeden Winter wenn Mandarinen und Clementinen Zeit ist, wird einfach konsumiert. Habe keine Lösung aber es macht nachdenklich.
  • Lisbon 26.01.2019 14:02
    Highlight Highlight Furchtbare Geschichte. Zweimal ein Kind zu verlieren. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie das sein mag.
  • iNDone 26.01.2019 13:54
    Highlight Highlight Indirekt hat das schon mit der Dürre zu tun aber ein bisschen mehr Dummheit war schon noch nötig um das Bohrloch nicht anständig zu sichern.
  • Joe Smith 26.01.2019 10:44
    Highlight Highlight Im Artikel fehlt ein Hinweis darauf, dass die zunehmende Wasserknappheit in Südspanien nicht einfach nur eine Folge der Klimaveränderung, sondern auch eine Folge der intensiven Landwirtschaft ist. Darauf weisen Umweltschützer schon seit über 30 Jahren hin.
  • Bandit One 26.01.2019 10:32
    Highlight Highlight Im Nachhinein ist man schlauer. Über die Retter, die bestimmt ihr allerbestes getan haben, zu wettern hilft jetzt niemandem, speziell aus der Ferne zu urteilen ist immer einfach. Ausserdem - so traurig das sein mag - hätte auch eine sofortige und / oder schnellere Hilfe wohl kein anderes Ergebnis gebracht, da der arme Junge wohl beim Sturz bereits ums Leben kam.
  • Mokka Sofi Scout 26.01.2019 10:28
    Highlight Highlight Wie dem auch sei........

    Eifach fürchterlich truurig!

    Wie immer, überall und unter allen Umständen in denen Kinder sterben.
  • I_am_Bruno 26.01.2019 09:53
    Highlight Highlight Auch wenn es für die Eltern, die schon das zweite Kind verloren haben und sich bestimmt massive Selbstvorwürfe machen brutal ist, aber die Diskussion um die Ursachen muss sachlich geführt werden um das in Zukunft zu verhindern.
    Öffentliche Kritik an den Rettungskräften ist völlig unangemessen. Es war eine sehr komplexe Rettungsaktion und gleichzeitig ging es auch darum, nicht das Leben der Retter aufs Spiel zu setzen für den Jungen, der mit grösster Wahrscheinlichkeit bereits nicht mehr lebt. Gleichzeitig so sorgfältig vorzugehen, dass dem Jungen nichts passiert, falls er noch lebt.
  • Mutbürgerin 26.01.2019 09:51
    Highlight Highlight Die Bohrlöcher als Gefahr sind ja offensichtlich seit Jahren bekannt. Wenn man einen 2-jährigen alleine herumlaufen lässt, muss man ihm halt erklären, dass es Strassen, Flüsse, Seen, giftige Schlangen, elektrische Steckdosen und halt tiefe Löcher gibt, die gefährlich sind.
    • bokl 26.01.2019 12:48
      Highlight Highlight Genau. Und Zweijährige befolgen ja alle Anweisung von Anfang an und jederzeit.

      Sie haben kaum Kinder und sind einfach erbärmlich.
    • Fabio74 26.01.2019 13:23
      Highlight Highlight deine Welt ist schon simpel.
      Ein 2-jähriger wird wohl kaum verstehen was du damit meinst und die Gefahren kaum einschätzen können
    • JaneSodaBorderless 26.01.2019 13:32
      Highlight Highlight Ein 2-jähriges Kind auf Gefahren hinweisen, wie soll das funktionieren? Das kann ein Kind in diesem Alter kognitiv noch gar nicht erfassen.
      Kinder zwischen 0 und 4 Jahren haben zudem auch noch kein Gefahrenbewusstsein.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Natürlich 26.01.2019 09:50
    Highlight Highlight In meinen Augen komplett unglaublich solche lächerlichen Sicherheitsvorkehrungen (paar Steine drauflegen, wtf?).
    Ich hoffe der bzw die Schudigen für dieses Fesaster werden zur Rechenschaft gezogen.
    Macht den Jungen zwar auch nicht wieder lebendig aber trotzdem
    • Rabbi Jussuf 26.01.2019 16:14
      Highlight Highlight Steht doch deutlich oben, dass die Klimaerwärmung schuld ist!

      Nicht etwa der schlampige Freund der Cousine des Vaters....
    • Natürlich 27.01.2019 07:14
      Highlight Highlight Was gibts hier zu blitzen?
      Findet ihr das also völlig ok oder wie?
  • Scaros_2 26.01.2019 09:42
    Highlight Highlight Jaja, die Stammtischpolterer. Alles hinterfragen, keine Ahnung von der Materie aber alles besser wissen oder wissen zu glauben.

    Ich verachte solche Menschen wirklich. Ich glaube Rettungskräfte und all jene die dort gearbeitet haben, haben das nicht aus Spass gemacht sondern weil sie ein Ziel verfolgt haben. Keine schindet bei sowas Zeit. Das wäre in der heutigen Medien ein Super-Gau wenn es offensichtlich wäre, das niemand interesse daran hat das Kind zu retten.
    • MilfLover 26.01.2019 11:09
      Highlight Highlight Gibts bei uns leider auch. SVP-Stammtischrunde. Die wissen alles besser, nicht Kompromissbereit und gegen Alles und Jeden.
    • G. Samsa 26.01.2019 12:34
      Highlight Highlight Bin absolut deiner Meinung!
      Als ob die Retter nicht alles in Ihrer Macht stehende getan hätten.
    • Selbstverantwortin 26.01.2019 13:29
      Highlight Highlight @Milflover: und dann gibt es noch die Stammtischpolterer mit SVP-Phobie, die jedes Thema dorthin führen und ihnen alle Schuld geben.
      Sie sind auch selten kompromissbereit mit der SVP und gegen alle SVP-Meinungen...
      Gsehsch dich im Spiegel...
  • tolgito 26.01.2019 09:28
    Highlight Highlight So schrecklich 🙁😢
  • Cosmopolitikus 26.01.2019 09:16
    Highlight Highlight Liebe Watson Redaktion
    Irgendwie habe ich denselben (oder sehr, sehr ähnlichen) Artikel heute Morgen schon auf einem anderen News Portal gelesen... habt ihr abgekupfert???
    • SaraSera 26.01.2019 12:40
      Highlight Highlight @Cosmopolitikus: Der Artikel kommt von der SDA (Schweizerische Depeschenagentur). Das ist so im Artikel gekennzeichnet. Leider können wir nicht alle Texte selber schreiben und sind auf die Arbeit der Agenturen angewiesen. Das macht die SDA sozusagen zu unserem wichtigsten freien Mitarbeiter.
    • Cosmopolitikus 26.01.2019 12:42
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