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Bosnien-Herzegowina

Es brodelt auf dem Balkan – könnten Grenzänderungen die Spannung lösen?

Es brodelt auf dem Balkan – könnten Grenzänderungen die Spannung lösen?

08.02.2017, 12:3008.02.2017, 12:55

Wie Jugoslawien zerbrach: Vom Ende des Kommunismus bis Kosovo

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Wie Jugoslawien zerbrach: Vom Ende des Kommunismus bis Kosovo
22. Januar 1990: Ende des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens (BKJ/SJK) als einheitlicher Partei.
quelle: wikimedia
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Im Kosovo, in Bosnien-Herzegowina und in Serbien wird erneut Kriegsgefahr an die Wand gemalt. Wieder stehen Forderungen nach neuen Grenzen im Raum, ein eisernes Tabuthema für die USA und die EU.

Der frühere kroatische Staatschef Josip Josipovic sagt es ebenso wie der serbische Präsident in Bosnien-Herzegowina, Mladen Ivanic. Die Beziehungen der jugoslawischen Nachfolgestaaten auf dem Balkan sind so schlecht wie seit über 20 Jahren nicht.

Croatian president and presidential candidate Ivo Josipovic speaks after the unofficial results in the headquarters in Zagreb December 28, 2014. Josipovic faces a tight run-off next month to try to wi ...
Der Kroate Ivo Josipovic sorgt sich wie ...Bild: ANTONIO BRONIC/REUTERS
Mladen Ivanic, a newly elected Serb member of Bosnia's tripartite inter-ethnic presidency, speaks during the presidency inauguration ceremony in Sarajevo November 17, 2014. REUTERS/Dado Ruvic (BO ...
... der Bosnier Mladen Ivanic um die Stimmung auf dem Balkan.Bild: DADO RUVIC/REUTERS

In den letzten Wochen führen viele Politiker wieder die Kriegsgefahr im Munde. Serbiens Staatsoberhaupt Tomislav Nikolic will im Falle eines Falles selbst an der Spitze der Armee im Kosovo einmarschieren, weil dort die Kosovo-Albaner angeblich Krieg gegen die serbische Minderheit planen.

Mit Grenzänderungen Krieg verhindern

Und weil überall in diesen südosteuropäischen Staaten die nationalen Minderheiten unzufrieden sind, machen wieder Gedankenspiele über Grenzänderungen die Runde. Ein Artikel in der US-Fachzeitschrift «Foreign Affairs» Ende des vergangenen Jahres befeuerte noch solche Überlegungen.

Der frühere britische Diplomat Timothy Less erklärt darin die Politik Washingtons und der EU zur Aussöhnung und Aufrechterhaltung von multiethnischen Staaten für gescheitert. Nur Grenzänderungen könnten sonst unausweichliche neue bewaffnete Konflikte verhindern.

Schützenhilfe kommt vom einstigen französischen Geheimdienstler Pierre-Henri Bunel, der die Probleme in der Region als «typisches Beispiel eingefrorener Konflikte» bezeichnet. Im Belgrader Magazin «Nedeljnik» kam der frühere Balkanexperte der CIA, Steven Meyer, zu Wort. Er schlug einen Gebietsaustausch vor, um das bisher für unbeherrschbar gehaltene Kosovo-Problem zu lösen.

Der Norden mit seiner lokalen serbischen Mehrheit solle sich der Republik Serbien anschliessen, die serbische Minderheit im übrigen Kosovo solle mit UNO-Hilfe umziehen dürfen. Im Gegenzug müsse Serbien die Unabhängigkeit seiner früheren Provinz anerkennen.

Schwere Unruhen in Bosnien

Bereit zum Sterben?

In diesem Fall will der Albanerführer in Südserbien, Jonuz Musliju, die Region um Presevo und Bujanovac, wo seine Landsleute regional die Mehrheit bilden, an das benachbarte Kosovo anschliessen. Diese Gedankenspiele beflügeln auch Politiker in der Republik Albanien. Der früher langjährige Regierungschef Sali Berisha verlangte im Parlament in Tirana dann die Vereinigung Kosovos mit der «Mutterrepublik» Albanien.

Bosnien und Montenegro auf einer Karte aus dem «Brockhaus»-Lexikon von 1911.
Bosnien und Montenegro auf einer Karte aus dem «Brockhaus»-Lexikon von 1911.bild: gemeinfrei
Österreich Ungarn mit den Balkan-Ländern auf einer Karte aus der Zeit der Jahrhundertwende.
Österreich Ungarn mit den Balkan-Ländern auf einer Karte aus der Zeit der Jahrhundertwende.bild: gemeinfrei

Während der Gebietstausch rund um Kosovo theoretisch machbar erscheint, sind die Probleme in Bosnien-Herzegowina deutlich komplizierter. Hier streben die Serben in ihrer heute schon fast selbstständigen Landeshälfte seit Jahren nach einer Trennung vom Gesamtstaat, in dem die muslimischen Bosniaken die knappe Mehrheit besitzen.

Die katholischen Kroaten, mit etwa 15 Prozent die kleinste Bevölkerungsgruppe, sind schon heute mehr mit dem jüngsten EU-Mitglied Kroatien als mit der bosnischen Hauptstadt Sarajevo verbunden.

Es gibt nur wenige Stimmen wie den früheren serbischen Reformpolitiker Zarko Korac, die vor neuer Grenzziehung warnen. Angesichts der sozialen Misere und der massenhaften Auswanderung der jungen und gut ausgebildeten Leute, formulierte er in der jüngsten Ausgabe des Nachrichtenmagazins NIN einen Appell.

«Willst Du Krieg führen (für ein Grossserbien) und sterben oder die bestehenden Grenzen akzeptieren und dafür kämpfen, dass Serbien doch irgendwann einmal ein Ort für das Leben wird?».

(sda/dpa)

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