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Es brodelt auf dem Balkan – könnten Grenzänderungen die Spannung lösen?



Wie Jugoslawien zerbrach: Vom Ende des Kommunismus bis Kosovo

Im Kosovo, in Bosnien-Herzegowina und in Serbien wird erneut Kriegsgefahr an die Wand gemalt. Wieder stehen Forderungen nach neuen Grenzen im Raum, ein eisernes Tabuthema für die USA und die EU.

Der frühere kroatische Staatschef Josip Josipovic sagt es ebenso wie der serbische Präsident in Bosnien-Herzegowina, Mladen Ivanic. Die Beziehungen der jugoslawischen Nachfolgestaaten auf dem Balkan sind so schlecht wie seit über 20 Jahren nicht.

Croatian president and presidential candidate Ivo Josipovic speaks after the unofficial results in the headquarters in Zagreb December 28, 2014. Josipovic faces a tight run-off next month to try to win a second five-year term as Croatia's president after failing to secure a majority from voters frustrated by the country's economic malaise.  REUTERS/Antonio Bronic (CROATIA - Tags: POLITICS ELECTIONS)

Der Kroate Ivo Josipovic sorgt sich wie ... Bild: ANTONIO BRONIC/REUTERS

Mladen Ivanic, a newly elected Serb member of Bosnia's tripartite inter-ethnic presidency, speaks during the presidency inauguration ceremony in Sarajevo November 17, 2014. REUTERS/Dado Ruvic (BOSNIA AND HERZEGOVINA - Tags: POLITICS)

... der Bosnier Mladen Ivanic um die Stimmung auf dem Balkan. Bild: DADO RUVIC/REUTERS

In den letzten Wochen führen viele Politiker wieder die Kriegsgefahr im Munde. Serbiens Staatsoberhaupt Tomislav Nikolic will im Falle eines Falles selbst an der Spitze der Armee im Kosovo einmarschieren, weil dort die Kosovo-Albaner angeblich Krieg gegen die serbische Minderheit planen.

Mit Grenzänderungen Krieg verhindern

Und weil überall in diesen südosteuropäischen Staaten die nationalen Minderheiten unzufrieden sind, machen wieder Gedankenspiele über Grenzänderungen die Runde. Ein Artikel in der US-Fachzeitschrift «Foreign Affairs» Ende des vergangenen Jahres befeuerte noch solche Überlegungen.

Der frühere britische Diplomat Timothy Less erklärt darin die Politik Washingtons und der EU zur Aussöhnung und Aufrechterhaltung von multiethnischen Staaten für gescheitert. Nur Grenzänderungen könnten sonst unausweichliche neue bewaffnete Konflikte verhindern.

Schützenhilfe kommt vom einstigen französischen Geheimdienstler Pierre-Henri Bunel, der die Probleme in der Region als «typisches Beispiel eingefrorener Konflikte» bezeichnet. Im Belgrader Magazin «Nedeljnik» kam der frühere Balkanexperte der CIA, Steven Meyer, zu Wort. Er schlug einen Gebietsaustausch vor, um das bisher für unbeherrschbar gehaltene Kosovo-Problem zu lösen.

Der Norden mit seiner lokalen serbischen Mehrheit solle sich der Republik Serbien anschliessen, die serbische Minderheit im übrigen Kosovo solle mit UNO-Hilfe umziehen dürfen. Im Gegenzug müsse Serbien die Unabhängigkeit seiner früheren Provinz anerkennen.

Schwere Unruhen in Bosnien

Bereit zum Sterben?

In diesem Fall will der Albanerführer in Südserbien, Jonuz Musliju, die Region um Presevo und Bujanovac, wo seine Landsleute regional die Mehrheit bilden, an das benachbarte Kosovo anschliessen. Diese Gedankenspiele beflügeln auch Politiker in der Republik Albanien. Der früher langjährige Regierungschef Sali Berisha verlangte im Parlament in Tirana dann die Vereinigung Kosovos mit der «Mutterrepublik» Albanien.

Bild

Bosnien und Montenegro auf einer Karte aus dem «Brockhaus»-Lexikon von 1911. bild: gemeinfrei

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Österreich Ungarn mit den Balkan-Ländern auf einer Karte aus der Zeit der Jahrhundertwende. bild: gemeinfrei

Während der Gebietstausch rund um Kosovo theoretisch machbar erscheint, sind die Probleme in Bosnien-Herzegowina deutlich komplizierter. Hier streben die Serben in ihrer heute schon fast selbstständigen Landeshälfte seit Jahren nach einer Trennung vom Gesamtstaat, in dem die muslimischen Bosniaken die knappe Mehrheit besitzen.

Die katholischen Kroaten, mit etwa 15 Prozent die kleinste Bevölkerungsgruppe, sind schon heute mehr mit dem jüngsten EU-Mitglied Kroatien als mit der bosnischen Hauptstadt Sarajevo verbunden.

Es gibt nur wenige Stimmen wie den früheren serbischen Reformpolitiker Zarko Korac, die vor neuer Grenzziehung warnen. Angesichts der sozialen Misere und der massenhaften Auswanderung der jungen und gut ausgebildeten Leute, formulierte er in der jüngsten Ausgabe des Nachrichtenmagazins NIN einen Appell.

«Willst Du Krieg führen (für ein Grossserbien) und sterben oder die bestehenden Grenzen akzeptieren und dafür kämpfen, dass Serbien doch irgendwann einmal ein Ort für das Leben wird?».

(sda/dpa)

Das erste Heimspiel des Kosovo findet auf fremdem Boden statt

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52Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Pitsch Matter 09.02.2017 00:16
    Highlight Highlight Die Inhaber von Bondsteel bestimmen ob es Frieden oder Krieg gibt und wem welches Land zusteht, so wie überall auf der Welt. That's true.
  • Maett 08.02.2017 22:13
    Highlight Highlight Da kann man sich bei Tito bedanken. Schliesslich war es seine Idee, die verschiedenen Völker auseinanderzureissen und wild über Jugoslawien zu verteilen, so dass man jetzt überall linguistische und religiöse Minderheiten hat, die den Aufstand proben und Frieden wohl für lange Zeit verunmöglichen.
  • pachnota 08.02.2017 20:44
    Highlight Highlight Es gibt nun nur noch eines!
    Unbedingt den Kosovo wieder seinen rechtmässigen Besitzer zurückgeben.
    Wenn man einen Fehler gemacht hat, soll man auch dazu stehen.
    • Scenario 08.02.2017 22:35
      Highlight Highlight und wer ist der rechtmässige Besitzer? Der Staat Serbien oder sind es doch die Kosovaren? Das mit der Rechtmässigkeit ist keine so einfache Sache ;)
    • Enzasa 08.02.2017 22:40
      Highlight Highlight Wer ist denn der rechtmäßige Besitzer?
    • pachnota 08.02.2017 23:18
      Highlight Highlight Die Serben
      Die sich dort erfolgreich auf den Amselfelder gegen die Osmanen gewehrt haben.
    Weitere Antworten anzeigen
  • The Destiny // Team Telegram 08.02.2017 16:49
    Highlight Highlight Und ein Amerikanischer Kongress abgeordneter giesst Öl ins Feuer... "'Macedonia not a country – sorry’: Skopje furious after US Congressman suggests partitioning "

    https://on.rt.com/82mp
    http://www.b92.net/eng/news/region.php?yyyy=2017&mm=02&dd=08&nav_id=100450

    jaja ich weiss, es ist russia today ...
  • AdiB 08.02.2017 15:11
    Highlight Highlight In bosnien ist auch das problem das z.bsp. bei den serben viele leute wahlrecht haben, aber keine bosnische staatsbürgerschaft besitzen sondern die serbische. Und nicht einmal bosnien als land akzeptieren. Dazu kommt noch das die faschistischen serben (cetniks) jedes jahr märsche in bosnien abhalten und dabei das massaker von srebrenica feiern. Den leuten und der regierung sind dabei die hände gebunden, da diese faschos immer mit krieg drohen falls man ihnen das wahlrecht wegnihmt und die märsche verbietet.
    • Milsen Plasen 09.02.2017 09:02
      Highlight Highlight Tut mir leid AdiB, aber Tschetniks sind keine Faschisten, sondern Königstreue, die sich im 2. Weltkrieg mit den Faschisten verbündet haben. Das sind zwei Paar Schuhe. Die Ideologie dahinter ist eine andere. Welche Tschetniks in Bosnien drohen mit Krieg? Hast Du verlässliche Quellen dazu?
    • AdiB 09.02.2017 12:57
      Highlight Highlight Das glaubst du ja selbst nicht was du hier schreibst. Du weist genau was für gesinnung diese leute haben und was sie wollen.
      Aber hier mal etwad zu lesen
      http://mobile2.tagesanzeiger.ch/articles/57e94e50ab5c3722a3000001
    • Milsen Plasen 10.02.2017 13:58
      Highlight Highlight In dem Fall glaubst Du, was Enver Robelli (der übrigens aus dem Kosovo stammt...) sagt und im Tagi immer wieder gebetsmühlenartig die Serben dämonisiert. Mir soll es recht sein. Doch kommen wir wieder zum Thema zurück. Wo in dem Artikel steht, dass Tschetniks Faschisten sind oder mit Faschisten gleichzusetzen wären? Die Tschetnikbewegung enstand schon lange vor dem Faschismus und kann als volkstümlich und - betrachtet man das 20. Jht. - antikommunistisch bezeichnet werden, eben Königstreu im Kampf um ein monarchistisches Jugoslawien.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Thinktank 08.02.2017 15:02
    Highlight Highlight Alles was die westlichen Mächte versuchen zu organisieren, geht schief. Jahrzehntelang wurde Geld in Kosovo, Serbien etc. gepumpt und die Immigranten als Vorzeigeschweizer gefeiert. Es gibt nichts Nationalistischeres als der ganze muslimische Balkan.
    • JaneDoe 08.02.2017 15:48
      Highlight Highlight Die Christen auf dem Balkan sind etwa nicht Nationalistisch?
    • Alf 08.02.2017 16:12
      Highlight Highlight Welcher muslimische Balkan?
    • Neversober 08.02.2017 16:18
      Highlight Highlight @Thinktank

      "ganze muslimische Balkan"

      Nicht ganz! Auf dem Balkan leben verschiedene Religionen, darum auch der Konflikt.

      Nationalistisch veranlagt ist der ganze Balkan, da gebe ich dir recht!
      Was die Story mit mit Immigranten in der Schweiz zu tun hat, kapiere ich nicht!
      Bitte um Aufklärung.

      LG
      Vorzeigeschweizer
    Weitere Antworten anzeigen
  • Kaliki 08.02.2017 14:19
    Highlight Highlight Mich macht es immer wieder traurig, wie es unten im Balkan abläuft. Bei einigen Orten herrscht Frieden und Bewohner sind sehr sozial, schätzen alles Gute im Leben.
    Geht man aber ein paar Kilometer weiter herrscht da wieder dieser perverser Patriotismus und Stolz, welches uns nur noch mehr zerreissen wird.

    Ich als Albaner habe auch serbische Freunde in der Schweiz, weil wir schlussendlich auch nur Menschen sind und den Frieden wollen.
  • Majoras Maske 08.02.2017 14:08
    Highlight Highlight Eine neue Grenzziehung käme doch einer geöffneten Büchse der Pandorra gleich. Es gibt ja auch noch die ungarisch sprechende Minderheit in Serbien oder die albanischsprechende Minderheit in Mazedonien.
    Es wäre für die Balkanstaaten viel besser friedlich und eng zu kooperieren, statt auf Gebiete der jeweils anderen zu schielen.
    • leu84 08.02.2017 17:03
      Highlight Highlight Ein Modell Schweiz. Auch bei uns herrschte 1847 ein konfessioneller Krieg. Unsere Vorfahren haben sich zusammengerauft, zwar auch mit Zwang, aber heute sehen wir wo wir stehen. Ein Land voller "Teilrepubliken". Die moderne Schweiz hätte sich 1914 - 1918 mit General Wille auch spalten können.
    • Fabio74 08.02.2017 17:33
      Highlight Highlight Wir wären wieder 1919 wo es um die Nachkriegs-Grenzziehungen ging. Hab ein interessantes Buch dazu gelesen wie es in Paris lief
    • Scenario 08.02.2017 18:55
      Highlight Highlight Ja klar käme das einer geöffneten Büchse der Pandorra gleich, jedoch läuft es auch nach 20 Jahren immer noch nicht rund dort unten... vielleicht wären neue Grenzen ja genau die Chance um neu anzufangen... natürlich müssten die Grenzen im gegenseitigen Einverständnis passieren, was vermutlich einfacher gesagt ist...
      Es ist leider nicht so einfach auf dem Balkan.
    Weitere Antworten anzeigen
  • penetranz 08.02.2017 13:15
    Highlight Highlight «Willst Du Krieg führen (für ein Grossserbien) und sterben oder die bestehenden Grenzen akzeptieren und dafür kämpfen, dass Serbien doch irgendwann einmal ein Ort für das Leben wird?».

    Der beste Satz in diesem Artikel!!!


    Leider siegen zu oft falscher Stolz und Dummheit.
  • Dingsda 08.02.2017 13:13
    Highlight Highlight "Der früher langjährige Regierungschef Sali Berisha verlangte im Parlament in Tirana dann die Vereinigung Kosovos mit der «Mutterrepublik» Albanien."
    Meint der etwa Grossalbanien? Das etwa einen gefühlten Wimpernschlag lang zu Kriegszeiten existierte und schlussendlich nicht mal von Enver Hoxha selbst anerkannt wurde?
    Schon traurig wenn man bedenkt das schlussendlich mehr Serben vom Kosovo vertieben wurden als Albaner.
    • Nonqi 08.02.2017 14:30
      Highlight Highlight Viel trauriger, dass bei jeder Unabhängigkeitserklärung Serbien stets mit Gewalt reagiert hat... Jugoslawien war in den Augen der Serben nichts anderes als Grossserbien...
    • unejamardiani 08.02.2017 15:05
      Highlight Highlight Informier dich doch bitte nochmal was nach dem ersten Weltkrieg für ein Kuhandel zwischen Serbien und der Türkei abgelaufen ist, danke!
    • Mikki 08.02.2017 19:15
      Highlight Highlight Da hat jemand ins schwarze getroffen 😉👌🏼
    Weitere Antworten anzeigen
  • ogi 08.02.2017 13:10
    Highlight Highlight Die einfachste Lösung wäre ein neues Jugoslawien. So sind alle Völker immer vereint. Dafür braucht es aber einen neuen besseren Tito, so dass der Frieden auch nach seinem Tod erhalten bleibt und die Extremisten in Zukunft ohne Einfluss bleiben.
    Auf den Bildern aus Tuzla sind im Hintergrund "Graffitis" zu sehen. Dort stehen Slogans wie "Tod dem Nationalismus", "Ein Volk", "STOP der Nationalen Aufteilung von BiH-Bürgern" also das völlige Gegenteil was die Politiker fordern.
    • Nonqi 08.02.2017 13:50
      Highlight Highlight Wäre das nur so einfach wie du sagst. Es hat Gründe gegeben wieso Jugoslawien zerbrochen ist. Es wird nie einen Staatenbund geben, in dem sich alle Volksgruppen gleich berechtigt fühlen werden. Da ist die EU nicht von ausgeschlossen. Wenn man zwei Personen gleich behandelt, so wird sich eine davon immer ungerecht behandelt fühlen.
    • Fabio74 08.02.2017 17:36
      Highlight Highlight Das hat aber nie funktioniert ausser einer hat mit eiserner Hand regiert. Die Interessen waren seit jeher ganz anders.
      Kroatien gehörte lange zu Österreich-Ungarn, Bosnien wurde von Ö annektiert. Die Serben im 19. Jh unabhängig vom osmanischen Reich. Albanien 1912 als Pufferstaat
    • El Vals del Obrero 08.02.2017 18:28
      Highlight Highlight @Cana5: Warum funktioniert es denn in der Schweiz?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Caturix 08.02.2017 12:47
    Highlight Highlight Ueberall fangen die Menschen an zu spinnen. Frage mich an was es liegt, zu viel Freizeit ? zu viel demokratie ? ungesundes Essen (Veganer) ? Virus ? Bernie Sanders ?
    • Firefly 08.02.2017 15:37
      Highlight Highlight haha, Putin?
    • JaneDoe 08.02.2017 15:51
      Highlight Highlight ...liegt an den SBB-Preiserhöhungen! #Pendelnderwutbürger ^^
    • Enzasa 08.02.2017 22:56
      Highlight Highlight Liegt am Nationalismus, an der Angst vor der Zukunft, an der Unfähigkeit eigene Fehler einzugestehen

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