Schweiz
Gesellschaft & Politik

Sommaruga präsentiert 5-Punkte-Plan gegen Stalking und häusliche Gewalt

Ein Electronic Monitoring Sender, umgangssprachlich eine Fussfessel, fotografiert am Montag, 31. Oktober 2016, im Massnahmenzentrum Uitikon. Nach dem Abschluss des Pilotbetriebs "Electronic Monit ...
Dank elektronischer Überwachung sollen die Behörden potenzielle Gewalttäter im Auge behalten können..Bild: KEYSTONE

Sommaruga will Stalker und prügelnde Partner in Fussfesseln legen

Rund zwanzig Menschen starben letztes Jahr in der Schweiz wegen häuslicher Gewalt. Mithilfe von elektronischen Fussfesseln und dank neuer Regeln für Gerichtsverfahren will Justizministerin Simonetta Sommaruga (SP) diese Zahl senken.
11.10.2017, 14:3011.10.2017, 16:03

Stalking und häusliche Gewalt sind in der Schweiz weit verbreitet. Davon zeugen folgende Zahlen:

17'685 Straftaten

im Bereich häusliche Gewalt wurden letztes Jahr von der Polizei registriert. Darunter fallen Tätlichkeiten genauso wie Drohungen.

19 Menschen

starben letztes Jahr an den Folgen von häuslicher Gewalt. Bis auf eine Ausnahme handelte es sich um Frauen oder Mädchen. Zusätzlich sind in der Statistik 52 versuchte Tötungen verzeichnet.

Bundesraetin Simonetta Sommaruga bei einem informellen Austausch mit Medienschaffenden in Bern am Donnerstag, 10. August 2017. (KEYSTONE/Thomas Hodel)
Wird aktiv: Simonetta Sommaruga.Bild: KEYSTONE

Nun handelt der Bundesrat. An einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag schlug Justizministerin Simonetta Sommaruga folgende Massnahmen vor, um Opfer besser zu schützen:

Elektronische Fussfessel

Bereits heute kann ein Gericht zum Schutz gegen Gewalt, Drohungen oder Stalking eine Person mit einem Rayon- oder Kontaktverbot belegen. Um künftig besser überwachen zu können, ob potenzielle Gewalttäter den vorgeschriebenen Abstand auch einhalten, sollen die Richter sie künftig zum Tragen eines elektronischen Armbands oder einer elektronischen Fussfessel verpflichten können. «Damit kann deren Aufenthaltsort fortlaufend ermittelt und aufgezeichnet werden», begründet der Bundesrat die Massnahme.

Keine Gerichtskosten für die Opfer

Wer wegen Gewalt, Drohungen oder Stalking vor Gericht zieht, soll keine Angst davor haben müssen, am Ende auf den Prozesskosten sitzen zu bleiben. Der Bundesrat schlägt deshalb vor, dass den Opfern generell keine Gerichtskosten mehr auferlegt werden sollen.

Bessere Kommunikation zwischen Behörden

Das Gericht soll seinen Entscheid in Fällen von häuslicher Gewalt oder Stalking künftig «allen zuständigen Stellen» mitteilen. So soll die klagende Person wirksamer geschützt und die Koordination von Massnahmen verbessert werden.

Opfer soll Verfahren nicht mehr einfach abblasen können

Häusliche Gewalt ist in der Schweiz ein Offizialdelikt. Das heisst, die Behörden müssen auf jeden Fall ein Verfahren einleiten, wenn sie von einem Vorfall Kenntnis haben. Bisher konnte das Opfer das Verfahren allerdings wieder einstellen lassen. In vielen Fällen passiert das auch – der Verdacht liegt nah, dass die Opfer dabei teilweise von der beschuldigten Person unter Druck gesetzt werden. Darum soll künftig die Strafbehörde entscheiden können, ob ein Verfahren eingestellt wird oder nicht. «Bei Verdacht auf wiederholte Gewalt in der Paarbeziehung soll das Verfahren nicht mehr sistiert werden können», schlägt der Bundesrat vor. 

Bedrohungs-Management in den Kantonen

Der Bundesrat erwähnt lobend, dass heute die meisten Kantone bereits über ein Bedrohungsmanagement verfügen oder sich zumindest damit auseinandergesetzt haben. Er empfiehlt den Kantonen, in dem Bereich künftig noch besser zusammenzuarbeiten. 

Mit den Massnahmen reagiert die Regierung auf Vorstösse von SP-Nationalrätin Yvonne Feri. In zwei Postulaten hatte sie den Bundesrat dazu aufgefordert, zu untersuchen, wie Opfer von Stalking und häuslicher Gewalt in der Schweiz besser geschützt werden können.

(jbu)

SP-Nationalraetin Yvonne Feri nach der verlorenen Wahl in den Aargauer Regierungsrat, am Sonntag, 23. Oktober 2016, in Aarau. (KEYSTONE/Walter Bieri)
Die Massnahmen sind ein Erfolg für Yvonne Feri (SP/AG). Bild: KEYSTONE

Mit dem Smart Straw vor sexuellen Übergriffen schützen

Video: srf/SDA SRF
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Über diese fünf Vorlagen stimmt die Schweiz Ende Februar ab
Die Schweizer Stimmbevölkerung wird am 28. Februar 2027 über fünf Vorlagen entscheiden können. Darunter sind umstrittene Vorlagen wie die geplante Aufhebung des AKW-Neubauverbots oder das Freihandelsabkommen mit Malaysia.
Der Bundesrat hat fixiert, welche Vorlagen am ersten von nur zwei Abstimmungsterminen im Wahljahr 2027 an die Urne kommen, wie er am Mittwoch mitteilte. Es sind dies die Stopfleber-Initiative, die Demokratie-Initiative, das Freihandelsabkommen mit Malaysia, die Aufhebung des AKW-Neubauverbots sowie die Vorlage zur Allgemeinverbindlicherklärung von Mindestlöhnen, die unter kantonalen Mindestlöhnen liegen.
Zur Story