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Unfassbare Mordserie in Deutschland: Angeklagter gesteht 100 Patienten getötet zu haben



epa07130564 Former male nurse Niels Hoegel (R) and his lawyers Ulrike Baumann (C) and Kirsten Huefken (L) at the Higher Regional Court of Oldenburg, northern Germany, 30 October 2018. Hoegel is accused of having murdered about 100 patients of hospitals in Delmenhorst and Oldenburg between 1999 and 2005. He is already convicted in six cases. The trial takes place at the Weser-Ems-Halle event center as there are more than 120 joint plaintiffs.  EPA/FOCKE STRANGMANN

Bild: EPA/EPA POOL

Mit einem Geständnis hat der Prozess um die beispiellose Mordserie des früheren Krankenpflegers Niels Högel begonnen. Der 41-Jährige räumte am Dienstag vor dem Landgericht in norddeutschen Oldenburg ein, die ihm vorgeworfenen 100 Taten begangen zu haben. Der Prozess begann zuvor mit einer Schweigeminute für die Toten.

Högel soll zwischen 2000 und 2005 Intensivpatienten in Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst getötet haben. Um Einzelheiten der Taten ging es zunächst nicht, das Gericht befragte Högel hauptsächlich zu seinen früheren Lebensumständen und seinem Weg in den Beruf.

Der bereits wegen sechs Taten zu lebenslanger Haft verurteilte Angeklagte muss sich wegen 100 weiterer mutmasslicher Morde verantworten, die bei späteren systematischen Ermittlungen aufgedeckt wurden.

Mehr als 120 Nebenkläger

Für den Prozess sind Termine bis Mai 2019 angesetzt. Mehr als 120 Angehörige nehmen als Nebenkläger an dem Verfahren teil, das aus Platzgründen in einer Veranstaltungshalle stattfindet. Sie kritisieren die zögerlichen Ermittlungen der Justiz und das Wegschauen der Kliniken in dem Fall scharf.

Allein die Verlesung der umfangreichen Anklageschrift dauerte weit mehr als eine Stunde. Högel habe «aus niederen Beweggründen sowie heimtückisch» getötet, um seinen Fähigkeiten zur Wiederbelebung von Patienten gegenüber seinen Kollegen und Vorgesetzten «zu präsentieren» und «seine Langeweile zu bekämpfen», fasste Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann zusammen.

Högel soll Patienten während seiner Dienstzeiten auf Intensivstationen jahrelang ohne ärztliche Anordnung verschiedene Medikamenten verabreicht haben, um lebensbedrohliche Herz- oder Kreislaufkomplikationen auszulösen und sie anschliessend wiederzubeleben. Viele der Opfer im Alter von 34 bis 96 starben.

Auf frischer Tat ertappt

2005 wurde er entlassen und kurz darauf festgenommen, weil ihn eine Kollegin bei einer Tat auf frischer Tat beobachtete. In einem ersten Prozess wurde er dafür 2008 verurteilt, ein zweites Verfahren wegen fünf weiterer Fälle folgte 2014 bis 2015. Dabei gestand er überraschend weitere Morde.

Erst danach kamen systematische Ermittlungen in Gang, drei Jahre lang nahm eine Sonderkommission alle Todesfälle während seiner Tätigkeit an den beiden Kliniken unter die Lupe. Zahlreiche Verstorbene wurde exhumiert und auf Medikamentenrückstände untersucht. Das Ergebnis der Ermittlungen ist der nun beginnende dritte Prozess.

Weitere Spitalangestellte angeklagt

Ob Högel eventuell noch weitere Morde beging, lässt sich nach Einschätzung der Ermittler nicht abschliessend sagen. Viele verstorbene frühere Klinikpatienten wurden feuerbestattet. Trotz interner Verdachtsmomente konnte Högel lange ungehindert weiter töten. Mehrere Verantwortliche der Krankenhäuser sind deshalb inzwischen separat angeklagt.

Vertreter der Angehörigen reagierten überrascht auf Högels erstes öffentliches Geständnis und dessen Aussagen zu seiner Gemütsverfassung während seiner beruflichen Anfangszeit, die seinen Angaben nach bereits schnell von hohem Stress auf den Intensivstationen gekennzeichnet war. «Heute sieht er wie ein kleiner verletzlicher Massenmörder aus», sagte deren Sprecher Christian Marbach.

Der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann, der bereits in den ersten beiden Prozessen gegen Högel verhandelt hatte, versprach den Angehörigen Aufklärung. Das Gericht werde alles dazu tun, was es könne. Ob angesichts des komplexen, lange zurückliegenden Geschehens die vollständige Wahrheit gefunden werde könne, sei ungewiss. «Aber wir werden danach suchen, das verspreche ich.» (aeg/sda/afp/dpa)

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