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Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London.
Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London.
Bild: AP/Sunshine Press/Wikileaks

Warum Assanges Botschafts-Asyl in Gefahr ist und er nun mit den Russen flirtet

Wikileaks-Gründer Julian Assange bangt um seinen Verbleib in der ecuadorianischen Botschaft in London. Er sucht einen neuen Zufluchtsort und hält sich mit knackigen Enthüllungen im Gespräch.
09.03.2017, 09:4909.03.2017, 16:55

Die Enthüllungsplattform Wikileaks sorgt wieder einmal für Furore. Sie hat Dokumente veröffentlicht, die belegen sollen, dass der US-Geheimdienst CIA über ein umfangreiches Hacking-Arsenal verfügt. Er kann damit in Smartphones, Computer und andere elektronische Geräte eindringen und die Verschlüsselung von Messengern wie WhatsApp und Signal knacken.

Wirklich überraschen können diese Enthüllungen nicht. Spätestens seit Edward Snowdens NSA-Scoop ist es amtlich, dass die US-Nachrichtendienste jede Möglichkeit ausnützen, um echte oder vermeintliche Feinde auszuspionieren. Experten halten die als «Vault 7» bezeichneten Dokumente für authentisch. Die Quelle ist unklar, vermutet werden ehemalige CIA-Insider.

Damit bringen sich Wikileaks und ihr schillernder Gründer Julian Assange erneut ins Gespräch. Lange war es still um ihn, seit er im Sommer 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet war. Er wollte sich damit der Auslieferung nach Schweden entziehen, wo ihn zwei Frauen sexueller Übergriffe bezichtigen. Assange fürchtet, dass die Skandinavier ihn in die USA überstellen werden, wo ihm ein Prozess wegen Verrats von Staatsgeheimnissen droht.

Clinton-Mails veröffentlicht

Im letzten Jahr mischte sich Julian Assange mit Wikileaks in die US-Präsidentschaftswahl ein. Er veröffentlichte zahlreiche E-Mails aus dem Account von John Podesta, dem Wahlkampfmanager der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton. Sie wurden vermutlich von russischen Hackern «erbeutet», was Assange dementierte. Bekannt allerdings ist seine tiefe Abneigung gegen Clinton, die ihn nach den Wikileaks-Enthüllungen von 2010 als Aussenministerin heftig kritisiert hatte.

Rasch kamen Spekulationen auf, Assange wolle sich mit den Clinton-Mails bei ihrem republikanischen Rivalen Donald Trump einschmeicheln. Denn für den 45-jährigen Australier könnte es bald eng werden. In Ecuador wird ein neuer Präsident gewählt. Der linke Kandidat Lenin Moreno, der ihm wohl weiterhin «Asyl» gewähren würde, verpasste den Sieg im ersten Wahlgang knapp. Am 2. April muss er in die Stichwahl gegen den Konservativen Guillermo Lasso.

Seit Sommer 2012 verschanzt sich Assange in der Botschaft.
Seit Sommer 2012 verschanzt sich Assange in der Botschaft.
Bild: WILL OLIVER/EPA/KEYSTONE

Dieser will Assange «höflich» dazu auffordern, die Botschaft in London zu verlassen. Umfragen geben Lasso gute Chancen auf den Wahlsieg, weshalb Assange sich nach neuen Optionen umschauen muss. Ankündigungen, er werde sich den britischen Behörden stellen, hat er nie wahr gemacht. Auch das Versprechen, sich im Falle der Begnadigung von Wikileaks-Informantin Chelsea Manning an die USA ausliefern zu lassen, bleibt uneingelöst.

Kehrtwende gegen Trump

Bei Donald Trump kam er mit seiner Anti-Clinton-Kampagne durchaus an. «Ich liebe Wikileaks!» rief der Republikaner bei einem Wahlkampfauftritt. Eine «Bombe», die Clinton «zerstört» hätte, fand sich in den Mails jedoch nicht, obwohl Assange wiederholt brisante Veröffentlichungen ankündigte, unter anderem bei einer Live-Übertragung nach Berlin Anfang Oktober.

Falls Assange auf eine «Begnadigung» durch Donald Trump gehofft hat, so wurde er bislang enttäuscht. Seine Tonalität jedenfalls hat sich geändert. Kurz nach der Vereidigung des neuen Präsidenten rief Wikileaks potenzielle Whistleblower via Twitter auf, Trumps Steuerunterlagen zu veröffentlichen. Die neuen CIA-Enthüllungen dürften Trump ebenfalls schaden, auch wenn die Praktiken auf seinen Vorgänger Barack Obama zurückgehen.

Assanges Hoffnungen scheinen sich nun auf Russland zu konzentrieren, wo bereits Edward Snowden Zuflucht gefunden hat. Seit Monaten flirtet er mit Moskau, etwa indem er sich auf Twitter über ein Putin-kritisches Cover des «Economist» beklagte und dabei latent antisemitische Anspielungen machte. Anfang Februar sagte er im Interview mit der russischen Zeitung «Iswestija», er habe «interessante Informationen» über den französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron.

Es ist kein Geheimnis, dass die russische Regierung bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich auf einen Sieg von Marine Le Pen oder François Fillon hofft, die als Moskau-freundlich gelten, während Macron ein überzeugter Pro-Europäer ist. Dieser soll unter anderem mit Anspielungen auf seine angebliche Homosexualität diskreditiert werden, mit wenig Erfolg. Auch Julian Assange hat seinen grossspurigen Worten wie so oft keine Taten folgen lassen.

Neue Botschaft gesucht

Mit seinem paranoiden und sprunghaften Verhalten hat der Australier viele einstige Freunde und Anhänger vor den Kopf gestossen. Der ehemalige Wikileaks-Mitarbeiter James Ball hat auf Buzzfeed ein wenig schmeichelhaftes Assange-Porträt veröffentlicht. Trotzdem könnte er sich einmal mehr aus der Affäre ziehen. Der ecuadorianische Präsidentschaftskandidat Guillermo Lasso hielt gegenüber dem «Miami Herald» fest, man wolle alle notwendigen Schritte unternehmen, damit «eine anderen Botschaft» ihn aufnimmt.

Wie man ihn dorthin bringen will, ist unklar. Die britischen Behörden haben stets betont, sie würde Assange auf der Stelle festnehmen, sobald er die Botschaft Ecuadors verlässt.

Whistleblower

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Whistleblower
quelle: x00303 / philippe wojazer
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