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Journalistenmord in der Slowakei: Jetzt soll die EU ermitteln

04.03.2018, 13:5704.03.2018, 16:37

Eine EU-Delegation soll einem Bericht zufolge Ermittlungen zum Doppelmord an dem slowakischen Investigativ-Journalisten Ján Kuciak und seiner Verlobten aufnehmen. Acht Vertreter des EU-Parlaments reisen demnach am Mittwoch in die Slowakei und sammeln Informationen über die Tat und deren Hintergründe.

Auch Gespräche der Parlamentarier mit dem slowakischen Premierminister Robert Fico, mehreren Ministern und regierungskritischen Journalisten seien geplant, schrieb die «Welt am Sonntag» unter Berufung auf EU-Kreise.

Laut Bericht gehört der deutsche Grünen-Politiker Sven Giegold zur Delegation. Das EU-Parlament dürfe «dem Verfall von Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit» in Mitgliedstaaten «nicht tatenlos» zusehen, zitierte ihn das Blatt.

Nach dem Mord an Jan Kuciak stehen slowakische Politiker unter Druck: Er hatte über den Filz zwischen Politik und Geschäftemacherei recherchiert. Dabei war er möglicherweise in den sogenannten Panama-Papers auf Verbindungen zwischen italienischen Mafia-Clans sowie slowakischen Politikern und Regierungsmitarbeitern gestossen.

Kerzen für den ermordeten Journalisten Kuciak und seine Verlobte.
Kerzen für den ermordeten Journalisten Kuciak und seine Verlobte.Bild: EPA/NEWS AND MEDIA HOLDING

Ende Februar wurden der 27-Jährige und seine Verlobte Martina Kusnirova tot in ihrem Haus aufgefunden. Das Paar wurde laut Polizei durch Schüsse in Kopf und Brust getötet.

Am Wochenende liess die slowakische Polizei sieben zwischenzeitlich festgenommene Verdächtige wieder frei. Laut Medienberichten handelte es sich um Italiener, die in den Recherchen des Ermordeten vorgekommen waren. Einer von ihnen soll in der unvollendeten letzten Reportage Kuciaks als wichtigster Drahtzieher eines mutmasslichen italienischen Mafia-Netzwerks in der Slowakei auftauchen.

Polizei und Ermittler am Tatort.
Polizei und Ermittler am Tatort.Bild: EPA/NEWS AND MEDIA HOLDING

Peter Bardy, Chefredaktor von Kuciaks Arbeitgeber «aktuality.sk», appellierte an die EU, demokratische Institutionen in der Slowakei zu schützen. Er wolle «alle politischen Führer der Europäischen Union» dazu aufrufen, «die Ereignisse in der Slowakei noch genauer» zu beobachten, sagte Bardy der «Bild am Sonntag».

«Wenn es das Ziel dieses furchtbaren Verbrechens war, uns einzuschüchtern, dann ist das auf gewisse Weise gelungen», befand er. «Denn falls sich bestätigen sollte, dass Jan für seine Arbeit ermordet wurde, wäre das auch eine Botschaft an uns: Dass es sehr gefährlich sein kann, in der Slowakei als Journalist zu arbeiten. Und nicht nur in der Slowakei.»

Bei der Beerdigung Kuciaks und seiner Verlobten am Samstag mahnte der Vorsitzende der slowakischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislav Zvolensky, den Schutz der Pressefreiheit an. Wer einen Journalisten angreife, attackiere auch die Freiheit der Slowakei, zitierte ihn die Zeitung «Pravda».

Hunderte Menschen nahmen demnach an der Trauerfeier in der Gemeinde Stiavnik teil. Am Vorabend hatten Zehntausende Menschen bei Trauerkundgebungen im ganzen Land des toten Journalisten und seiner Verlobten gedacht. (sda/dpa)

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