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epaselect epa06723419 French President Emmanuel Macron (L) poses for a selfie with National Winners of the European Charlemagne Youth Prize on the eve of the Charlemagne Prize in Aachen, Germany, 09 May 2018. The European Charlemagne Youth Prize awards projects run by and for youth showing an active participation in the development of Europe. Macron was named to receive the prestigious Charlemagne Prize on 10 May 2018. Annually since 1950, the 'Karlspreis' has been awarded to people who contributed to the unity of Europe and is given by the German city of Aachen.  EPA/RONALD WITTEK

Emmanuel Macron erinnert in vielem an Barack Obama. Bild: EPA/EPA

Zu viel der Ehre: Wird Macron der neue Obama?

Gunda Windmüller / watson.de



Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron empfängt heute den Karlspreis der Stadt Aachen. Ehrwürdig und weihevoll wird es dabei zugehen, Angela Merkel hält die Laudatio.

epaselect epa06725179 French President Emmanuel Macron (L) and German Chancellor Angela Merkel (R) greet on stage after the Charlemagne Prize (Karlspreis) ceremony at the town hall in Aachen, Germany, 10 May 2018. The International Charlemagne Prize of the German City of Aachen is awarded annually since 1950 to people who have contributed to the ideals upon which Europe has been founded.  EPA/RONALD WITTEK

Bild: EPA/EPA

«Die Karlspreisgesellschaft ehrt mit Emmanuel Macron einen mutigen Vordenker für die Erneuerung des Europäischen Traums.»

Begründung der Preisverleiher

So heisst es in der Begründung des Direktoriums. 

Der Karlspreis

Der Preis wird seit 1950 jährlich an Personen des öffentlichen Lebens verliehen, die sich in besonderer Weise um Europa verdient gemacht haben. Preisträger der letzten Jahre waren der britische Historiker Timothy Garton Ash, Papst Franziskus sowie SPD-Politiker und ehemaliger Präsident des europäischen Parlaments Martin Schulz.

Eine grosse Ehre für einen Mann mit grossen Visionen. Denn die sind es, mit denen Macron bislang vor allem aufgefallen ist.

Schon während des Präsidentschaftswahlkampfes im Jahr 2017 hatte Macron in seinen Reden die Bedeutung von Europa betont. Dabei hatte er nichts anderes als eine «Neugründung» Europas gefordert:

«Wir müssen heute ein neues Kapitel der Geschichte Europas schreiben, wenn wir es nicht gar wirklich neu gründen müssen. Und genau das ist es, was wir zusammen machen werden.»

Wahlkampfrede 2017

Doch bislang werden Macrons Ideen für eine Neuordnung Europas eher mit Skepsis bedacht. Vor allem von deutscher Seite. Ein gemeinsames EU-Budget oder ein EU-Finanzminister, für deren Einrichtung Macron geworben hat, wird er mit Deutschland nicht durchsetzen können.

Vor dem EU-Parlament hatte er vor wenigen Wochen für mehr Demokratie, Debatten und eine «europäische Souveränität» plädiert und damit fortgeführt, womit er schon im Wahlkampf den Nationalisten die Stirn geboten hatte. Mehr Europa, statt mehr Abschottung.

Wichtige Worte, nur richtig etwas vorzuweisen hat er bislang nicht in puncto «Neugründung» Europas. Und so werden erste Stimmen laut, die vor einem Macron-Hype warnen. 

«Macron läuft Gefahr, ein europäischer Obama zu werden. Überall bereitet man ihm die Bühne für grosse Reden, vor kurzem in Washington, jetzt in Aachen. Doch dabei steigt das Risiko, dass den Worten keine Taten folgen.»

Dominique Moisi, Berater des Französischen Instituts für Internationale Beziehungen (IFRI), Der Spiegel

Denn ähnlich wie Obama nach seinem Amtsantritt wird auch Macron mit viel Vorschusslorbeeren bedacht. Dem US-Präsidenten war bereits ein Jahr nach seiner Wahl der Friedensnobelpreis verliehen worden. Für viele Beobachter damals eine verfrühte Ehrung, der Präsident habe sich den Preis noch nicht verdient. Und es zeigte sich auch in Folge, dass Obamas friedenspolitische Ambitionen wenig praktische Wirkung zeigten.

Macron, der auch in seinem jugendlichen und zupackenden Auftreten sehr an Obama erinnert, könnte nun ein ähnliches Schicksal ereilen. Grosse Zustimmung für seine inhaltlichen Visionen, aber zähes Voranschreiten in der Praxis.

Nicht ganz unschuldig daran sind die Deutschen. Mitglieder der Regierungskoalition, wie CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, äusserten sich bislang zum Teil skeptisch gegenüber Macrons Plänen zu einer EU-weiten Arbeitslosenversicherung oder einer europäischen Währungsreform.

Kanzlerin Merkel und Macron seien durch «Komplizenschaft und Rivalität» verbunden, schreibt die französische Tageszeitung Le Monde. Mit auch ein Grund, wie französische Medien spekulieren, dass Macron in diesem Jahr den Karlspreis erhält.

Als eine Art Rückversicherung für die gegenseitige Verbundenheit. Aber damit auch als Erinnerung, dass europäische Einigung eine gemeinsame Anstrengung ist. Und noch im Werden.

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • AJACIED 10.05.2018 22:00
    Highlight Highlight Ja nicht mit Obama vergleichen.
    Macron ist viel intelligenter als viele meinen.
    Und Obama ist nicht so sehr intelligent wie viele meinen.
  • rodolofo 10.05.2018 18:48
    Highlight Highlight Hollande hat jedenfalls besser zu Merkel gepasst...
    Was ich an Macron sehr schätze, ist seine menschlichen Offenheit und Herzlichkeit bei gleichzeitiger Standfestigkeit in der Sache!
    Das sind genau die Eigenschaften, die ein Präsident einer grossen Nation wie Frankreich haben sollte!
    Ich bin jedenfalls froh, dass wir Macron haben und nicht Le Pen, was aber noch werden könnte, wenn Frankreich dem Beispiel der USA weiter folgt...
    • Luca Brasi 11.05.2018 09:48
      Highlight Highlight Ja genau, wie herzlich er sich doch über französische Gewerkschaftler lustig macht, dass sie doch bitteschön mal einen anständigen Anzug tragen sollten.
      So herzlich elitär und abgehoben, dieser Herr Investmentbanker. Aber zum Glück konnten sich maman et papa einen Rhetorikkurs für den jungen Macron leisten, damit er so "tolle" Reden halten kann.
  • Roman Stanger 10.05.2018 18:18
    Highlight Highlight Nun ja, Macron hätte den Friedensnobelpreis aber auch verdient, genau so wie Obama. Denn seit Henry Kissinger damals den Friedensnobelpreis erhalten hat, könnte man eigentlich Muldenkipper mit Friedensnobelpreisen füllen und sie mit der Schaufel verteilen, die Chance dass es einen Unpassenden trifft ist gering.

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