International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
A woman waits for the arrival of Juan Guaido at a public plaza where he is expected to speak in Caracas, Venezuela, Friday, Jan. 25, 2019. Guaido is an opposition leader who declared himself interim president on Wednesday. (AP Photo/Fernando Llano)

Die Menschen in Venezuela: Die einen träumen vom Aufbruch, die anderen fürchten den grossen Knall. Bild: AP/AP

Im Land der zwei Präsidenten: Venezuela zwischen Hoffnung und Sorge



Der Machtkampf zwischen dem jungen Herausforderer und dem erfahrenen Machthaber hält den südamerikanischen Krisenstaat Venezuela in Atem. Die einen träumen vom Aufbruch, die anderen fürchten den grossen Knall.

«Die Leute erwarten ein neues Kapitel. Dieser junge Mann, der seinen Eid als Übergangspräsident abgelegt hat und mit seinem weissen Hemd, hochgekrempelten Ärmeln und Krawatte an Kennedy oder Obama erinnert, hat mich aufgeweckt», sagt Doris Orozco. «Ich habe grosse Erwartungen.»

epa07319409 Head of the Venezuelan Parliament, Juan Guaido (C) speaks at a public event in the east of Caracas, Venezuela, 25 January 2019. Guaido, who two days ago announced that he assumed executive powers as interim president, asked on Friday for a minute of silence for the victims of 'the brutal repression'.  EPA/Miguel Gutiérrez

Bild: EPA/EFE

Die 72-Jährige sitzt in einer der wenigen geöffneten Bäckereien in Altamira und trinkt einen Kaffee. In der Oppositionshochburg im Osten von Caracas haben viele Geschäftsleute aus Angst vor Plünderungen ihre Läden geschlossen gelassen. In der venezolanischen Hauptstadt herrscht angespannte Ruhe.

Weitere Proteste geplant

Seit der bis vor Kurzem völlig unbekannte Parlamentspräsident Juan Guaidó sich am Mittwoch vor einer jubelnden Menschenmenge zum Übergangsstaatschef erklärt und den sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro offen herausgefordert hat, belauern sich die beiden Kontrahenten. Während der junge Herausforderer auf die Unterstützung der USA und zahlreicher lateinamerikanischer Staaten sowie zumindest das Wohlwollen Europas zählen kann, verlässt sich der autoritäre Machthaber auf das Militär und regierungstreue Milizen.

Bei den Protesten gegen die Regierung kamen in den vergangenen Tagen mindestens 29 Menschen ums Leben. Rund 370 Demonstranten wurden festgenommen. Trotzdem wollen die Regierungsgegner wieder auf die Strasse gehen. «Venezuela ist aufgewacht, um seinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen», ruft Gegenpräsident Guaidó seinen Anhängern bei einer Kundgebung auf dem Bolívar-Platz in Chacao zu. «Hier ergibt sich niemand.»

Leere Regale in Supermärkten

Selbst in Catia, einer Hochburg der regierungstreuen Chavisten im Westen von Caracas, scheppert es jetzt ordentlich. Mit dem Cacerolazo – dem Trommeln auf leeren Töpfen und Pfannen - protestieren die Venezolaner gegen die dramatische Versorgungskrise in dem einst reichen Land. In den Supermärkten bleiben die Regale leer und selbst in den von der Regierung verteilten Lebensmittelpaketen finden sie nur Reis, Linsen und Öl.

epa07315378 (FILE) - A person browses through nearly empty supermarket shelves in Caracas, Venezuela, 12 September 2018 (reissued 24 January 2019). Venezuela has fallen into a new deep political crisis after National Assembly leader Juan Guaido declared himself interim president of Venezuela 23 January and promised to guide the country toward new election as he consider last May's election not valid. Many Heads of State and governments have recognized Guaido as president, among them US President Donald Trump, Canadian Government and Brazil President Jair Bolsonaro. Nicolas Maduro became president in 2013 after the death of Hugo Chavez and was sworn in for a second term on May 2018. Venezuela has been facing an economic and social crisis where the inflation, according to the document of the National Assembly, has reached 80.000 per cent per cent in 12 months and the shortages of basic items have lead millions of people into poverty while according to reports up to three million Venezuelans have left the country since 2014.  EPA/MIGUEL GUTIERREZ *** Local Caption *** 54621638

Bild: EPA/EFE

Trotzdem halten noch viele Menschen in den Elendsvierteln zu Maduro. Unter seinem verehrten Vorgänger Hugo Chávez erlebten sie einen Aufschwung. Mit den damals noch sprudelnden Öleinnahmen finanzierte die Regierung üppige Sozialprogramme. Sie verschenkte Wohnungen und schickte die jungen Leute zur Universität. Vor allem aber erfuhren die Armen in dem von krassen sozialen Unterschieden geprägten Land erstmals Wertschätzung. Das vergessen die Menschen nicht so schnell.

«Das hier ist nicht mehr der glücklichste Ort auf der Erde. Ich weiss nicht, was passieren wird.»

Doch Maduro hat das Land dermassen heruntergewirtschaftet, dass selbst seiner treuesten Klientel langsam Zweifel kommen. «Die Ärmsten haben den Schuldigen ausgemacht. Sie protestieren jetzt nicht mehr, weil es kein Kochgas gibt, sondern gegen den Verantwortlichen für dieses ganze Desaster», sagt Oscar González. «Das hier ist nicht mehr der glücklichste Ort auf der Erde. Ich weiss nicht, was passieren wird.»

Soledad Rodeton hat von Guaidó und seinen Ambitionen gehört. Doch dessen Hochburg Chacao mit den eleganten Wohntürmen, Einkaufszentren und Parks ist für sie weit weg. «Er ist noch jung und hat andere Meinungen», sagt sie. «Bei mir in der Gegend gibt es viele Chavisten, die in der Miliz sind.»

Das Vertrauen in Maduro sinkt

Nur 20 Prozent der Venezolaner sollen noch hinter Maduro stehen. Der ehemalige Busfahrer hat es aber verstanden, die richtigen Leute an sich zu binden. Die Generäle sitzen an den wichtigen Schaltstellen, kontrollieren das Ölgeschäft, den Import von Lebensmitteln, Banken und Bergbaufirmen. Viele sind wohl in Korruption und Drogenhandel verwickelt. Für ihre Loyalität lässt Maduro sie gewähren.

epa07319367 Venezuelan president, Nicolas Maduro, speaks during a press conference from Miraflores Palace, in Caracas, Venezuela, 25 January 2019. Maduro said that the international media that have covered the crisis in the country have 'invisibilized' the Chavista 'force' that has supported him in what he considers a 'coup d'état' led by the president of Parliament, Juan Guaido -who has clained the interim Presidency of the country - and who he said is an 'agent of the yankees'.  EPA/Cristian Hernandez

Nicolas Maduro. Bild: EPA/EFE

Auch die «Colectivos» - bewaffnete Motorradgangs im Dienste der Regierung - wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Die Gruppen beherrschen ganze Stadtviertel, kontrollieren die Verteilung subventionierter Lebensmittel und gehen unbehelligt von der Polizei ihren illegalen Geschäften nach. Im Gegenzug erledigen sie die Drecksarbeit und prügeln bei Protesten gegen die Regierung auf die Demonstranten ein. Sollte Maduro seine Kettenhunde jetzt von der Leine lassen, droht ein Blutvergiessen.

Miguel Eduardo Gómez traut sich nicht mehr auf die Strasse. Er tritt hinaus in seinen Garten und stellt ein Bildnis der Jungfrau von Coromoto auf, der Schutzpatronin von Venezuela. «Als der junge Mann die Hand erhoben hat, um den Amtseid zu schwären, haben wir alle die Hand erhoben. Deshalb wird es in diesem Land keinen Krieg geben», sagt er. «Nie wieder Krieg.» (sda/dpa)

Juan Guaidó erklärt sich zum Staatschef Venezuelas

abspielen

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Nach Maurers Englisch-Desaster: Jetzt nimmt ihn Martullo in die Mangel (You Dreamer!😂)

Link zum Artikel

13 Cartoons, die unsere Gesellschaft auf den Punkt bringen

Link zum Artikel

Super-GAU für Huawei? Das müssen Handy- und PC-User jetzt wissen

Link zum Artikel

Perlen aus dem Archiv: So (bizarr) wurde 1991 über den Frauenstreik berichtet

Link zum Artikel

Strache-Rücktritt: Europas Nationalisten haben einen wichtigen General verloren

Link zum Artikel

Steakhouse serviert versehentlich 6000-Franken-Wein – die Reaktionen sind köstlich

Link zum Artikel

Das Huber-Quiz: Dani ist zurück aus den Ferien. Ist er? IST ER?

Link zum Artikel

Instagram vs. Realität – 14 Vorher-nachher-Bilder mit lächerlich grossem Unterschied

Link zum Artikel

8 Gerichte, die durch die Beigabe von Speck unwiderlegbar verbessert werden

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

9
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Rumbel the Sumbel 27.01.2019 11:03
    Highlight Highlight Wie ging es diesem Land und den Menschen, bevor Maduro an das Ruder kam........Deutlich besser.
  • DerewigeSchweizer 26.01.2019 12:24
    Highlight Highlight Irgendwie erstaunlich, ...
    wie diese gar nicht unterernährten Umstürzler
    sich frei versammeln und zu Demonstrationen mit Sachbeschädigung und Sabotage der öff. Ordnung aufrufen.

    Es heisst ja seit Jahren, Chaves-Venezuela sei totalitär und Maduro ein Diktator.
    Aber in Nordkorea, China, Saudiarabien u.v.a.m. gibt es da keine ... Art ... Demonstrationen ... und Ausrufung eines Alternativpräsidenten.

    Der Diskurs dieser "Opposition" ist totalitär;
    alleine sie sind Venezolaner und das Volk.
    Hier soll die missbräuchliche rassistische katholische Ordnung von vor Chaves wiederhergestellt werden.
    • Pisti 26.01.2019 13:14
      Highlight Highlight Welche öffentliche Ordnung? Zumindest in Caracas gibt es so etwas seit Jahren nicht mehr. Gilt nicht unsonst als die gefährlichste Stadt der Welt.
    • atmo 26.01.2019 14:48
      Highlight Highlight Sie scheinen aber auch wirklich gar nichts zur Situation in Venezuela zu verstehen. Darum bitte ich sie höflich, auf diese Art ignoranter und dummer Kommentare zu verzichten.


    • atmo 26.01.2019 14:57
      Highlight Highlight wie wär's mit "zuerst informieren, dann posten"?
    Weitere Antworten anzeigen

Strache-Rücktritt: Europas Nationalisten haben einen wichtigen General verloren

Der Rücktritt von Heinz-Christian Strache ist ein schwerer Rückschlag für Viktor Orban, Matteo Salvini & Co.

Vor ein paar Tagen hat Steve Bannon in der NZZ grossspurig verkündet, Liberale und Linke würden bei den kommenden Europawahlen «ein Stalingrad erleben». Was immer er damit auch gemeint haben mag: Es könnte auch ganz anders kommen. Die neue Rechte Europa hat nämlich soeben einen ihrer wichtigsten Generäle verloren, den FPÖ-Chef und österreichischen Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache.

Strache musste seinen Hut nehmen nach einem Skandal, der so wahrscheinlich nur in Wien möglich ist. Er hatte …

Artikel lesen
Link zum Artikel