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epa05137662 Cows look for something to graze in a dry field on the West Coast of Cape Town, South Africa, 31 January 2016.  According to the South African Crop Estimates Committee, maize growers are expected to produce twenty five percent less harvest than in the previous season. In 2016, South Africa will reap its smallest harvest since 2007 following the lowest rainfall figures in recorded history. The global El Nino weather pattern is the cause for this severe draught in Southern Africa.  EPA/NIC BOTHMA

Kühe auf der Suche nach etwas Essbarem auf einem ausgetrocknetem Feld in der Nähe von Kapstadt.  Bild: EPA/EPA

Interview

«Da kommt kein Wasser aus dem Hahn» – Schweizerin berichtet von der Dürre in Kapstadt

Kapstadt verdurstet. Wenn es nicht bald regnet, droht Ende April die «Stunde Null». Die Schweizerin Gina Canal befindet sich derzeit in der Stadt und erzählt wie es ist, nur zwei Minuten zu duschen und nach dem Toilettengang auf das Händewaschen zu verzichten. 



Die bei Touristen sehr beliebte südafrikanische Provinz rund um Kapstadt erlebt gerade die schlimmste Dürre seit 1904. Pro Tag dürfen lediglich 87 Liter Wasser pro Kopf verbraucht werden – und das zum Trinken, Kochen, Waschen, Putzen und Klospülen. Als Vergleich: In der Schweiz werden pro Tag durchschnittlich 160 Liter Wasser pro Person verbraucht.  

watson: Gina, wann hast du dir das letzte mal die Haare gewaschen?
Gina Canal: Das war an Silvester (lacht). Schon ein bisschen eklig, aber es ist so schön hier und die Bewohner sind wunderbare Menschen, dass ich das gerne in Kauf nehme. 

Wie muss man sich die Wasserknappheit in Kapstadt vorstellen?
Es ist echt heavy. Man muss sich schon ziemlich anders verhalten und auf viele Dinge achten. Zum Beispiel, dass man die Kleider mehrere Tage trägt und nicht zu oft wäscht. Auch die zwei Minuten-Dusche geniesst schon beinahe Kultstatus und auch die gibt es nicht mehr täglich. Eine Bewohnerin aus einem Vorort von Kapstadt meinte kürzlich: «Wenn wir alle etwas stinken, riechen wir es auch weniger.» 

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Gina Canal in einem Weinkeller in Südafrika. bild: zvg

Wie gehen die Bewohner Kapstadt mit der Situation um?
Not macht ja bekanntlich erfinderisch. Um Wasser zu sparen wird zum Beispiel das Spülwasser der Waschmaschine zum Bewässern der Bäume wiederverwendet. Wer sein Grundstück mit Grundwasser aus einem Bohrloch bewässert, schreibt das an der Hausmauer an, um wegen des grünen Gartens nicht als Wasserverschwender beschimpft zu werden. 

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Hinweisschild, das besagt, dass die Weinfarm mit recyceltem Wasser bewässert wird. bild: zvg

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«Der Unterschied zwischen den bewässerten Reben und dem staubtrockenem Brachland ist gut erkennbar,» schreibt Gina zu diesem Foto.  bild: zvg

Kriegt man die Dürre auch als Tourist zu spüren?
Ja, klar. Ich bin selbst auf Reisen hier und bin davon betroffen. Bereits am Flughafen hängt ein riesiges Plakat, das auf die Wasserknappheit aufmerksam macht. «Verschwende keinen einzigen Tropfen», heisst es da. Zudem hängen in zahlreichen Restaurants Hinweise auf den Toiletten. Bei einigen Lavabos kommt gar kein Wasser aus dem Hahnen. 

«Diese Toilette bitte nicht spülen»: Auch Touristen werden auf die Wasserknappheit aufmerksam gemacht und gebeten, sparsam mit der knappen Ressource umzugehen. 

Schreckt das die Touristen ab?
Momentan ist eigentlich Hochsaison in Kapstadt. Die Mitarbeiter der Weinfarm, auf der ich zur Zeit wohne, glauben, dass es wegen der Wasserknappheit weniger Touristen haben könnte, als in den letzten Jahren. 

Wer ist Schuld an der enormen Dürre?
Ich denke, es gibt verschiedene Ursachen. Natürlich ist da einerseits das Klima, das sich verändert. Die Menschen hier tun aber öfter auch ihren Unmut über die Regierung kund und nennen grobe Planungsfehler in der Wasserversorgung der Stadt als Ursache für die Wasserknappheit. Wissenschaftler haben die Regierung schon lange gewarnt, dass das Wasser aufgrund des rasanten Bevölkerungswachstums auf Dauer nicht ausreichen wird. Doch die Stadtverwaltung hat das Geld an anderen Orten investiert. 

Eigentlich ist es ja absurd. Die Stadt ist umgeben von Wasser. Und trotzdem herrscht eine enorme Dürre.
Ja, das ist es. Aber auch hier spielt die Fehlplanung der Regierung eine Rolle. Soweit ich gehört habe, plane die Stadtverwaltung zehnjährige Verträge mit privaten Firmen abzuschliessen, die Meerwasserentsalzungsanlagen betreiben. Diese Firm können dann horrende Preise für das Trinkwasser verlangen. Meiner Meinung nach eine bedenkliche Entwicklung. Ähnlich ist es mit dem Strom. Auch hier sind die Preise enorm angestiegen. Viele wohlhabendere Einwohner haben eigene Solaranlagen, um vom städtischen Stromnetz unabhängig zu sein.  

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Das fast ohne Wasser zubereitete Frühstück von Gina auf trockenem Boden. bild: zvg

Wenn es nicht bald regnet, droht Ende April die «Stunde Null», in der die Stadt das Wasser abstellen muss. Dann müssten sich die rund 4,5 Millionen Einwohner ihr Wasser unter Aufsicht von Militär und Polizei an 200 Verteilungspunkten abholen. Wie reagieren die Bewohner auf dieses Szenario?
Ich glaube es ist den Leuten nicht wirklich bewusst, was das bedeuten würde. Zudem ist die Mentalität hier ganz anders als in der Schweiz. Man lässt die Dinge eher auf sich zu kommen, geht gelassener damit um – ein bisschen nach dem Motto: «es kommt, wie es kommt und wir werden das schon irgendwie meistern».  

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Trockener Boden und kaum Wolken am Himmel: Die Aussicht vom Rande des Weinbergs, auf dem sich Gina Canal derzeit befindet. Ganz hinten ist Robben Island zu erkennen.   bild: zvg

Darum verlieren die Korallen ihre Farben und sterben

Video: srf

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