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Men shout during a far-right protest in Chemnitz, Germany, Monday, Aug. 27, 2018 after a man has died and two others were injured in an altercation between several people of

Neonazis, Wutbürger, AfD-Wähler: Eine gefährliche Mischszene wächst heran. Bild: AP/AP

Interview

«Neonazistische Parolen werden heute von ganz normalen Bürgern mitgebrüllt»

Kaum eine kennt die rechte Szene in Deutschland so gut wie Andrea Röpke. Die Vorfälle in Chemnitz haben für sie eine neue Qualität. Im Interview erklärt sie wieso.



Frau Röpke, Sie forschen seit den 1990er-Jahren investigativ in der rechtsextremen Szene in Deutschland. Überrascht Sie, was in Chemnitz passiert ist?
Andrea Röpke: Das Ausmass an Gewalt und die Bereitschaft dafür überraschen mich nicht. Auch die Konstellation der Leute auf der Strasse, also Hooligan-Schläger gemeinsam mit rechten AfD-Wutbürgern. Überraschend finde ich den Anlass. Der tödliche Angriff auf einen 35-jährigen Deutsch-Kubaner, der eigentlich gegen Nazis ist, wird für eine Mobilisierung genutzt. Schockiert bin ich über den hohen Grad dieser Mobilisierung. Innerhalb von 24 Stunden haben die knapp 10'000 Menschen auf die Strasse bekommen. Das ist heftig und alarmierend.

In Deutschland kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Neonazi-Aufmärschen. Was ist jetzt anders?
Neonazistische Parolen werden heute von ganz normalen Bürgern mitgebrüllt. Unscheinbare Wutbürger tragen Galgen für Politiker bei Aufmärschen oder fordern das Ende der Pressefreiheit. Rassismus und Demokratiefeindlichkeit konnten sich in der Mitte der Gesellschaft verankern. Dank dem Phänomen Pegida in Dresden tarnt sich der Hass als Widerstandsbewegung. Die rechte Szene ist immer noch heterogen, aber sie konnte sich enorm professionalisieren und hat mit den Sozialen Netzwerken eine eigene Gegenöffentlichkeit aufbauen können. 

Bild

bild: L. Schmidt

Andrea Röpke

Seit den 1990er-Jahren schreibt Andrea Röpke investigativ zum Thema Rechtsextremismus. Sie recherchiert in Neonazi-Strukturen, wurde vom Verfassungsschutz ausgespäht und von Rechten zusammengeschlagen. Der deutsche Südwestfunk SWR nennt Röpke «die Journalistin mit den meisten Feinden in Deutschland». Sie ist Autorin des «Jahrbuch rechte Gewalt 2018», in dem sie vor Hooligangewalt und der heterogenen rechten Mischszene warnt.

Sie sprechen von einer heterogenen rechten Szene, die sich professionalisiert hat. Was meinen Sie damit?
Diese Bewegung hat viele Facetten und Gesichter und wächst seit 2014 stetig. Pegida in Dresden konnte sich einen hohen Organisationsgrad aneignen und weit über Sachsen hinaus etablieren. Gefordert wird eine nationale antidemokratische Revolte. Die AfD propagiert dazu das Ideal einer homogenen deutschen «Volksgemeinschaft». Die rechte Szene arbeitet bewusst mit rechten Kampfsportlern, Hooligans, Türstehern oder Waffenfreaks zusammen. Die Neonazis haben seit Jahren propagiert, sie seien eine Kampfgemeinschaft. Nun soll es anscheinend in die Tat umgesetzt werden. Das Erstaunliche dabei ist: Bürgerliche, Gewalttäter und ideologische neurechte Vordenker gehen Hand in Hand ohne sich bislang zu zerstreiten. 

«Viele fühlen beim Gang auf die Strasse ein Gemeinschaftsgefühl.»

Was macht diese Mischung so gefährlich?
Dass sich so viele zu offenem Rassismus hinreissen lassen und sich ihre Aggression erhöht. Weil dem zu wenig entgegengesetzt wird, stärkt sich diese manipulierte «Widerstandsbewegung». Viele fühlen beim Gang auf die Strasse ein Gemeinschaftsgefühl. Gewalt wird als Macht empfunden. Sie halten den Staat für schwach. Öffentlichkeit und Medien nehmen sich kaum Zeit für vernünftige Analysen. Es herrscht zum Teil Kopflosigkeit.

Wie schätzen Sie die Rolle der AfD ein?
Die Alternative für Deutschland hat am Montag rechte Hooligans auf die Strasse mobilisiert. Als es dann zu Gewaltexzessen kam, haben sie sich eilig distanziert. Die Partei bringt eine gefährliche antidemokratische Stimmung ins Lodern und ringt sich dann gerade so weit raus, dass sie ihre Unterstützer nicht verliert. Letztlich gelingt es der AfD so, Profit aus der rechten Gewalt zu schlagen. Ihr gelingt es Tabus zu brechen, den Diskurs des Sagbaren zu erweitern, Gewalt zu schüren – aber keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Im kommenden Jahr sind Landtagswahlen in Sachsen. Sie haben gute Chancen, die stärkste Partei zu werden und in die Regierung einzuziehen.

Bei den Bildern aus Chemnitz werden Erinnerungen an die rassistischen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen 1992 wach. Sehen Sie Parallelen?
Rostock-Lichtenhagen stand für die gefährlichen rassistischen 1990er-Jahre. Heute wissen wir, dass Neonazis aus Westdeutschland damals bewusst Ausschreitungen forciert haben. Es wurden Randalierer nach Rostock gekarrt, die das Sonnenblumenhaus angegriffen und angezündet haben. Währenddessen hat die Bevölkerung heimlich applaudiert und gegrölt. Was jetzt in Ostdeutschland passiert, ist schlimmer als Rostock-Lichtenhagen. Es geht professioneller zu, die Hintermänner und -frauen rechter Ausschreitungen haben es bis in die Parlamente geschafft.

27.08.2018, Sachsen, Chemnitz: Demonstranten der rechten Szene zuenden Pyrotechnik und schwenken Deutschlandfahnen. Nach einem Streit war in der Nacht zu Sonntag in der Innenstadt ein 35-jaehriger Mann erstochen worden. Die Tat war Anlass für spontane Demonstrationen, bei denen es auch zu Jagdszenen und Gewaltausbruechen kam. (KEYSTONE/DPA/Jan Woitas)

Rechte Gewalt eskaliert. Bild: dpa

Die sächsische Polizei wird massiv kritisiert. Obwohl sie von der Mobilisierung wusste, war sie mit ihrem kleinen Aufgebot kaum handlungsfähig.
In Chemnitz hat die Polizei nicht nur an einem Tag, sondern auch am darauf folgenden total versagt. Wenn man es mit einem Aufmarsch von rechten Hooligans, also sogenannten Gewalttätern aus dem Sport, zu tun hat und denen nur mit rund 300 Polizisten gegenübersteht, dann kann da etwas nicht stimmen mit der Polizeitaktik.

«Immer wieder zeigt sich, dass im Sicherheitsapparat viele eine rechte Einstellung haben. Das ist symptomatisch.»

Bewusst?
Erst vor einer Woche wurde ein ZDF-Filmteam auf einer Pegida-Demonstration in Sachsen eine Stunde lang von der Polizei festgesetzt. Grundlos und rechtswidrig. Der rechte Mann mit dem Deutschlandhütchen, der die Kollegen angegangen war, entpuppte sich anschliessend als Mitarbeiter des sächsischen Landeskriminalamtes. 2017 hat das Bundeskriminalamt Polizisten und Bundeswehroffiziere als Mitglieder rechte Verschwörungskreise enttarnt und hochgenommen. Diese Zellen planten Anschläge und horteten Waffen. Immer wieder zeigt sich, dass im Sicherheitsapparat viele eine rechte Einstellung haben. Das ist symptomatisch.

Ist rechte Gewalt ein Problem von Ostdeutschland?
Nein, aber dort ist sie ausgeprägter. Es ist ein bundesdeutsches und auch ein europäisches Problem. Bis zu fünf Gewalttaten von rechts finden statistisch jeden Tag statt und doch ist rechte Gewalt kaum präsent in den Köpfen. Mit «Combat 18» hat sich ein europäisches Terrornetzwerk auch wieder hierzulande ausgebreitet. Es bilden sich verstärkt kampferprobte Männerbünde, wie in den USA. Reichsbürger und Prepper horten Waffen und Sprengstoff – und doch weiss kaum jemand etwas über deren Hintergründe. Es gibt weder ausreichend Aufklärung, noch langfristige Prävention.

«Ostdeutschland ist eine wichtige Homebase rechter Gewalt.»

Warum lodert diese rechte Gewalt nun ausgerechnet in Chemnitz so aus?
Chemnitz in Sachsen ist einfach ein prädestinierter Ort, um einen gewollten nationalen Umsturz gegen die Demokratie mit Unruhen zur Eskalation zu bringen. Es gibt anscheinend eine Polizeiführung, die eher zögerlich gegen Rechtsextreme vorgeht und ausser in Leipzig kaum antifaschistische Strukturen. Es war wohl kein Zufall, dass das mordende rechte Terrornetzwerk, der Nationalsozialistische Untergrund, ausgerechnet in Sachsen 13 Jahre lang unbehelligt leben konnte. Ostdeutschland ist eine wichtige Homebase rechter Gewalt.

Was muss jetzt getan werden?
Politik, Gesellschaft und Medien sollten sich nicht von den Rechten die Themen diktieren lassen, sondern zu den eigenen Idealen und Zielen finden. Aber vor allem braucht es Aufklärung. Rechte Gewalt muss so thematisiert werden, wie sie es bedarf, auch wenn es weh tut. Natürlich gibt es andere Bedrohungen, wie die Angriffe, die von radikalen Islamisten ausgehen. Doch es sind der Rassismus und völkischer Nationalismus, die uns an den Abgrund treiben.

Rechtsextreme in Chemnitz bedrohen Journalisten

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Video: watson/felix huesmann, lia haubner, marius notter

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64Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ManuelSeiz 29.08.2018 23:00
    Highlight Highlight Bin gespannt wie es mit Deutschland, der EU und auch in der Schweiz weitergeht. Dies soll keine bewertende Aussage sein.
  • DomKi 29.08.2018 22:41
    Highlight Highlight Ich denke solange wir Gewalt nach links oder rechts kategorisieren, werden wir das Problem nicht in den Griff bekommen. Gewalt ist ein Problem eines jeden Menschen, ist nicht verarbeiteter Frust. Die einen gehen gegen den Staat, die anderen gegen Ausländer und Sonstige. Abet die Basis des Problems ist dieselbe...
  • Kramer 29.08.2018 17:51
    Highlight Highlight Leider noch immer aktuell:
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  • Makatitom 29.08.2018 12:12
    Highlight Highlight Wer Naziparolen mitbrüllt ist alles, aber ganz sicher kein "normaler Bürger".
  • Ökonometriker 29.08.2018 07:12
    Highlight Highlight Die Politik hat die missliche soziale Lage der Leute jahrzehntelang vernachlässigt, steigende Hartz-IV-Zahlen ignoriert, akzeptiert dass in der Region 25 Prozent der Kinder in Armut aufwachsen - und jetzt soll die Polizei schuld sein?
    Ostdeutschland muss ökonomisch vorwärts kommen, es müssen gezielt Jobs für Hartz-IV Bezüger (statt für Osteuropäer) geschaffen werden. Die Leute brauchen eine Perspektive. Dann kommen sie nicht auf solche Ideen...
    • häxxebäse 29.08.2018 13:10
      Highlight Highlight Die ostdeutschen, die fleissig waren nach der wende, die haben es zu was gebracht. Alle anderen die auf ein wunder gewartet haben, die blieben auf der strecke... da sind nicht die ausländer schuld daran. Ich jammere auch nicht rum, dass deutsche meinen job weggenommen haben, sondern habe mich einfach weitergebildet und dann war ich wieder konkurrenzfähig... exkommunistische einwohner möchten von gesetzes wegen anrecht auf einen job haben - das funktioniert nicht im kapitalismus
    • DomKi 29.08.2018 22:45
      Highlight Highlight @häxxebäse: bin teilweise mit Ihnen einverstanden. Aber: nicht alle Menschen können konkurrenzfähig sein, ich denke das ist ein großes Problem unserer Gesellschaft: mehr, besser, grösser. Es gibt viele Menschen die möchten einfach nur leben und ihre Familie haben, aber können nicht weil sie ständig unter Druck sind.
    • Ökonometriker 30.08.2018 10:09
      Highlight Highlight @Unangemeldeter Nutzer: mit diesem Argument können wir den Sozialstaat und weite Teile des Rechtsstaats gleich begraben.
      Wenn man Leute in die Verzweiflung treibt, muss man sich einfach nicht wundern, wenn diese Wütend werden.
  • let,s go 28.08.2018 23:33
    Highlight Highlight Vielen Dank.
    Und Jetz möchte ich gerne auch mal ein Interview lesen, in dem der interviewte nicht alles nur so eindimensional sieht, und sich vielleicht sogar kritisch mit der Zuwanderung auseinandersetzt.

    Wäre doch mal etwas anderes.
    • Fly Baby 29.08.2018 10:05
      Highlight Highlight Klar doch, mit der eigenen Bildung hat es nichts zu tun, wenn man den rechten Arm hebt oder Naziparolen rausbrüllt. Es muss also etwas mit den Zuwandereren zu tun haben. Vor allem in Sachsen, da hat es ja so viele Ausländer.
    • Dong 29.08.2018 11:16
      Highlight Highlight @nathaliaseska: Der Artikel von Ruth Berger auf Telepolis ist das bei weitem intelligenteste, sachlichste und best-recherchierte, was ich zu dem Thema bisher gelesen habe:
      https://www.heise.de/tp/features/Freie-Einwanderung-ein-Menschenrecht-3376245.html
      (zwar saulang, aber es lohnt sich)
  • derEchteElch 28.08.2018 23:18
    Highlight Highlight Ja.. diese Entwicklung macht so geschildert auch mir sorgen. Einfach wird dies nicht in den Griff zu bekommen sein.

    Eine konservative, patriotische Einstellung ist nicht falsch, aber wenn es gegen Völker und Ethnien geht muss Schluss sein.
  • geissenpetrov 28.08.2018 22:36
    Highlight Highlight Wehret den Anfängen!

    Jeder kann helfen. Am Arbeitsplatz, im Verein, in der Beiz und auch in den Kommentarspalten.
    Jedes mal, wenn sich jemand rassistisch äussert sollte man Gegenwehr geben. Hier die offizielle Empfehlung des Bundes, wie es gemacht wird: https://www.srf.ch/radio-srf-3/aktuell/rassisten-im-internet-das-koennen-wir-gegen-sie-tun

    Es braucht manchmal etwas Mut sich zu äussern, der Effekt tritt aber sehr rasch ein. 1-2 mal Gegenwehr und die Leute überlegen sich bereits, wie weit sie gehen wollen oder lassen es ganz bleiben.
    • Vio Valla 29.08.2018 11:23
      Highlight Highlight Ist aber nicht immer so einfach. Auf Facebook tummeln sie sich in eigenen Gruppen und wenn du da kritisch wirst, wirst du sofort aus der Gruppe geworfen. Dazu kommt, dass gewisse grössere Onlinemedien selber massiv am rechten Rand fischen und ich es schon so oft erlebt habe, dass ich mit meiner eher linken Meinung gar nicht durchgelassen werde... Es ist also eine sehr zermürbende Angelegenheit dagegen vor zu gehen. Die Effekte sind sehr gering, sogar dann wenn man sich in grössere Gruppen zusammenschliesst... Aber trozdem, aufgeben sollten wir nicht.
  • Posersalami 28.08.2018 22:21
    Highlight Highlight Wer neonazistische Parolen brüllt ist KEIN normaler Bürger.
    • Saasi 29.08.2018 10:24
      Highlight Highlight Linksextrem ist auch nicht normal. Gehe aber jede Wette ein dass dieses nicht so schön geschriebene bei vielen Linkswutbürgern nicht gut ankommen wird. Ich hasse Extremisten bis aufs Blut, egal ob rechts, links oder IS, schlechte Politik usw. Alles ist krank und hat in der Gesellschaft nichts zu suchen. Aber gewisse Seiten werden geschützt und die rechte bekämpft. System?
    • Posersalami 29.08.2018 14:24
      Highlight Highlight War ja klar, das einer gleich wieder mit den bösen Linken kommt, wenn man die Rechten anprangert.

      Wohl ein Nerv getroffen worden nehme ich an?
  • Angelo C. 28.08.2018 20:43
    Highlight Highlight Wenn man das so liest und an all die möglichen Konsequenzen denkt, die sich aus diesen wachsenden gesellschaftlichen Divergenzen, sowohl in Deutschland wie auch in anderen europäischen Ländern ergeben, dann scheint durchaus Anlass zu mancherlei Befürchtungen gegeben zu sein 🤔.

    Was sich bei einem Auseinanderdriften der EU, oder gar deren mittelfristigen Ende, weiter verstärken könnte.
    Dies zumal Brüssel nebst der Migrationsproblematik noch andere Baustellen, wie u.a. die des oekonomischen Nord/Süd-Gefälles zu bewältigen hat.

    Es fällt jedenfalls relativ schwer, da Optimist zu bleiben 🙃

  • Jol Bear 28.08.2018 20:27
    Highlight Highlight Tatsächlich ist es alarmierend, wenn offenbar "ganz normale Bürger" Naziparolen mitbrüllen. Die notwendige Diskussion, welche endlich begonnen werden sollte, beginnt mit der Frage "warum?". Da muss in jüngster Vergangenheit etwas falsch gelaufen sein. Die Verantwortung auf das Symptom AfD abzuschieben taugt als Lösungsansatz nicht.
    • aglio e olio 28.08.2018 23:12
      Highlight Highlight Die Frage nach dem Warum beantwortet weniger die jüngste Vergangenheit, die Ursachen liegen weiter zurück. Derartige gesellschaftliche Verwerfungen treten nicht nach 5 Jahren auf so eine Art zutage. Die schlechten wirtschaftlichen Aussichten, die ja oft in hohem Masse lebensgestaltend sind, sind meist der Hauptgrund für solch eine Entwicklung. Die Basis dafür war m.M.n. die Abkehr von der Sozialen Marktwirtschaft hin zu aggressiveren Formen des Kapitalismus. Beispielhaft dafür ist u.a. der 3. Weg der Sozialdemokratie.
      Die Rattenfänger, egal welcher Coleur erledigen dann den Rest.
    • EvilBetty 28.08.2018 23:34
      Highlight Highlight Wenn «ganz normale Bürger» Neonaziparolen brüllen sind sie halt Neonazis. Ende.

      Oder man nennt es Massenhysterie. Was glauben denn alle? Das wir den Reichtum für uns gepachtet haben? Logisch wollen das andere auch. Solange Globalisierung nur bedeutet, dass man andere Erdteile ausbeuten kann wird es so weitergehen. Aber das ist so ein dickes Brett zu bohren, dass es niemand anfängt weils in einem Leben nicht zu schaffen ist.
    • Enzasa 29.08.2018 02:26
      Highlight Highlight Die AFD gießt Öl ins Feuer, welches Populisten auf ihrer Seite entfacht haben. Z.b Sarrazin mit seinen Parolen, endlich sagen, was man vorher nicht sagen durfte. D war und ist eine Demokratie, jeder durfte seine Meinung sagen.
      Ein Tabu waren rassistische Äußerungen, man sagte z.b. nicht einfach Spanier sind faul oder Afrikaner sind dumm. Mit diesem Tabu hat Sarrazin gebrochen, in dem er ganz klar rassistische Äußerungen machte in dem er sagt Araber sind aggressiv oder Muslime nicht integrierbar.


    Weitere Antworten anzeigen
  • Gar Manarnar 28.08.2018 20:20
    Highlight Highlight Leider ist es schon zu spät. Wenn man zu solchen Vorfällen immer noch dieselben billigen Whataboutismen, fadenscheinigen Rechtfertigungen von den Leuten liest, wird's sich auch leider nicht ändern. Rechtsaussen testet schon lange wie weit sie gehen können, und so wird's auch schrittweise weiter gehen. Dass es nicht mal 100 Jahre gegangen ist, zeigt das der braune Müll nie weg war. Er hat sich nur versteckt, um zu einer günstigen Zeit wieder ans Licht zu treten.
  • Repplyfire 28.08.2018 20:02
    Highlight Highlight Meiner Meinung nach hat das zu lange ignorieren und tabuisieren der Probleme mit Immigranten den enormen Zulauf nach Rechts zu verantworten. Wenn man nun wie Frau Rökpe verlangt vornehmlich die Rechte Szene bekämpft ist das Symptombekämpfung. Ohne die Ursachen zum rechten Zulauf klar zu benennen, die Probleme anzuerkennen und ernsthaft zu lösen versuchen wird der Kampf gegen Rechts zum Sisyphos
    • Matti_St 28.08.2018 21:26
      Highlight Highlight Migration ist ebenfallls ein Symptom. Genau wie im dritten Reich waren auch nicht die Juden schuld an Arbeitslosigkeit.
      Es sind Verlierer der heutigen Wirtschaft und ihre Machenschaften.
      Wenn man das begriffen hat, erkennt man auch, weshalb erst ein drittes Reich entstehen konnte.
      Also müsste die Wirtschaft wieder sozialer werden. Die Verlierer auffangen und einen Rahmen finden um die Menschen zu beschäftigen.
    • supremewash 28.08.2018 21:37
      Highlight Highlight Es ist ja nicht so als gäbe es diese Rechtsextremen Gruppen erst seit drei Jahren.
      Und selbstverständlich muss man gegen diese Gewalttäter vorgehen! Kann nicht nachvollziehen wie man diese Tatsache relativieren kann! Im Falle Deutschlands kommt hinzu dass diese Leute klar verfassungswidrig handeln. Da muss die Staatsgewalt aktiv werden.
    • äti 28.08.2018 21:39
      Highlight Highlight @repplyfire. Solche Nazigruppen und Anhänger benötigen einfach eine massiv schwächere Gruppe, die man verteufeln und auf die man losgehen kann. Das schaukelt sich dann hoch. Ob Rothaarige, Schwule, Migranten, etc etc ist egal. Wichtig ist, der 'Feind' muss möglichst wehrlos sein.
      Bei uns hat man solche manipulierbare Feindgruppen auch bei Sozialempfängern und IV-Bezüger geortet und macht Hatz auf diese. Niemals würden dieselben Rechtskrieger auf Reiche losgehen. Warum wohl?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Nino F. 28.08.2018 19:52
    Highlight Highlight Der Staat ist ganz offensichtlich kein Verbündeter im Kampf gegen den Faschismus. Antifaschismus müssen wir selbst an die Hand nehmen. "Mit Rechten reden" ist da nicht nur nutzlos, sondern kontraproduktiv. Vielmehr geht es darum, den Nazis und den nationalchauvinistischen Organisationen keine Deutungsmacht und keinen Raum zuzugestehen. Hut ab vor den Leuten, die in Chemnitz, Charlottesville etc. Courage zeigen und sich den rassistischen Mobilisierungen entgegenstellen!
    • Schlingel 28.08.2018 20:07
      Highlight Highlight Nein die Politik ist ungewollt der stärkste Verbündete. Denn genau diese entfacht den Hass, indem sie die Rechten nicht zur Sprache kommen lässt. Genau solche Aufmärsche sind das Resultat von Meinungsunterdrückung. Wenn beispielsweise ein AfD Abgeordneter im Bundestag keine Schweigeminute mehr einlegen darf, weil dies Frau Roth einfach persönlich gerade nicht passt (es aber selbst tut), dann ist das Zunder für den rechten Hass, welcher sich dann wie hier in Chemnitz entlädt. Es muss endlich ein vernünftiger Austausch her, sonst wird Chemnitz wohl leider kein Einzelfall bleiben.
    • swisskiss 28.08.2018 20:13
      Highlight Highlight Nino F.: Wo ist der Unterschied von Linken die staatliche Ordnung in Frage stellen, das Gewaltmonopol des Staates ignorieren und Rechtsdurchsetzung als legitimes Recht des Bürgers betrachten, von den Rechten, die mit denselben Argumenten die staatliche Rechtsordnung ablehnen?

      "Mit Rechten reden" ist da nicht nur nutzlos, sondern kontraproduktiv."

      Als Alternative ist Gewalt die Lösung?

      Man sollte vorsichtig sein, wenn man Extremismus mit extremen Mitteln bekämpfen will.
      Man ist schnell in einer Situation, in der sich die Herkunft des Unrechts nur noch durch die Parolen unterscheiden lässt.
    • El Vals del Obrero 28.08.2018 21:02
      Highlight Highlight Ein Problem dabei ist, wenn niemand anderes mehr mit ihnen redet, versinken sie erst recht in ihrer Filterblase oder Gegenöffentlichkeit.

      Tatsächlich sollte man wohl nicht mit ihnen als Gruppe reden oder alle ihre Äusserungen aufgeregt debatieren (z.B. in dem Medien ihre Social Media-Posts in der Hoffnung auf Clickbaiting-Titel durchwühlen). Damit lässt man tatsächlich sie den öffentlichen Diskurs und die Themensetzung bestimmen.

      Aber wenn man im persönlichen Umfeld jemand kennt,der solchen Ideologien nachhängt,sollte man mit ihm noch privat reden.Zumindest wenn das noch sinnvoll möglich ist
    Weitere Antworten anzeigen
  • Juliet Bravo 28.08.2018 19:47
    Highlight Highlight Danke für das aufschlussreiche Interview!
    • roger.schmid 28.08.2018 21:02
      Highlight Highlight Vorallem der letzte Satz sollte nach gestern definitiv langsam ins Bewusstsein der Deutschen und allen Europäern zurückkehren..
    • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 29.08.2018 07:38
      Highlight Highlight "Wir sind nun mal nicht gleich und werden es nie sein" Es geht doch darum das alle die gleichen Rechte und Chancen haben und das für alle die selben Spielregeln gelten.

      Es geht nicht darum einen Uni-Menschen zu gestalten das ist die Maxime der ganz Rechten also Faschisten und (Neo)Nazis, dort soll alles Homogen sein.
      Das gilt nicht nur für die EU (bin kein Fan der EU wie sie ist) aber auch für die Schweiz.

      Gleich != Homogen sondern Gleichberechtigt.
      Ist den dieser Unterschied so schwer zu verstehen?
    • Anam.Cara 29.08.2018 08:00
      Highlight Highlight @Peter Sille: ich sehe das leider ähnlich. Die Teilschritte der EU waren vielleicht zu hastig, denn ein "wir"-Gefühl braucht sehr viel Zeit. Und auch nach Generationen wird dir empfundene Identität immer noch regional sein. Ich denke, dass es auch in der Schweiz lange gebraucht hat, bis sich die Leute als Schweizer gefühlt haben.
      Und das sage ich als Berner 😉
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