Die prominente iranische Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh muss laut ihrem Ehemann zehn weitere Jahre in Haft. Resa Chandan widersprach damit am Dienstag einem Bericht der Nachrichtenagentur Isna, wonach Sotudeh wegen Verschwörung gegen das System und Beleidigung von Irans geistlichem Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde.
Er wisse nicht, worauf sich der Bericht beziehe, sagte Chandan. Die vom Europäischen Parlament mit dem Sacharow-Preis ausgezeichnete Anwältin war im Juni 2018 festgenommen worden. Damals wurde ihr gesagt, sie sei in Abwesenheit wegen Spionage zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.
Laut ihrem Ehemann wurde sie nun in Abwesenheit wegen sieben weiterer Anklagepunkte verurteilt, wobei das längste Strafmass wegen «Anstiftung zur Ausschweifung» zehn Jahre betrage.
Wie Chandan der Nachrichtenagentur AFP erklärte, beläuft sich die gesamte Haftstrafe auf 33 Jahre, doch müsse seine Frau nur die längste Einzelstrafe von zehn Jahren absitzen. Sotudeh sei ausserdem zu 148 Peitschenhieben verurteilt worden, insbesondere weil sie zu einer Anhörung ohne Kopftuch erschienen sei. Von den Vorwürfen, die am Montag die Nachrichtenagentur Isna genannt hatte, habe er keine Kenntnis, sagte Chandan.
Die 55-jährige Anwältin hatte bereits nach 2010 drei Jahre in Haft verbracht wegen «Aktivitäten gegen die nationale Sicherheit» und «Propaganda gegen das Regime». Damals hatte sie Demonstranten verteidigt, die 2009 an den Protesten gegen die umstrittene Wiederwahl des ultrakonservativen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad teilgenommen hatten. Auch ihr Ehemann Chandan wurde im Januar zu sechs Jahren Haft verurteilt. (aeg/sda/afp)