International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Die «IS»-Terrormiliz ist in Syrien besiegt – warum das trotzdem nicht das Ende ist



2014 überrannte der «IS» die irakische Millionenstadt Mossul und erreichte den Höhepunkt seiner Macht. Jetzt hat er sein Herrschaftsgebiet verloren. Doch ein Ende der Dschihadisten bedeutet das nicht.

Nach monatelangen Kämpfen haben Truppen unter kurdischer Führung die letzte Bastion der Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS») in Syrien eingenommen. Der Ort Baghus sei befreit und der militärische Sieg erzielt worden, teilte der Sprecher der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Mustafa Bali, am Samstag über Twitter mit. «Die Syrischen Demokratischen Kräfte erklären die vollständige Zerstörung des so genannten Kalifats und die territoriale Niederlage des ‹IS› zu 100 Prozent.»

U.S.-backed Syrian Democratic Forces (SDF) fighters celebrate their territorial gains over Islamic State militants in Baghouz, Syria, move to a camp Tuesday, March 19, 2019.  On Tuesday, a spokesman for U.S.-backed forces fighting IS in Syria says his fighters are in control of an encampment in the village of Baghouz where IS militants have been besieged for months. (AP Photo/Maya Alleruzzo)

Soldaten der Syrischen Demokratischen Kräfte mit einem Freudentanz in Baghus kurz vor der Eroberung am 19. März 2019. Bild: AP/AP

Damit erreicht der Krieg gegen den «IS» in Syrien und im Irak nach fast fünf Jahren sein vorläufiges Ende. Die Extremisten hatten im Sommer 2014 den Höhepunkt ihrer Macht erreicht, als sie die nordirakische Millionenstadt Mossul überrennen konnten. Kurz darauf rief die Terrormiliz ein «Kalifat» unter Führung von «IS»-Chef Abu Bakr al-Bagdadi aus, der sich in einer Moschee Mossuls bei einer Freitagspredigt das bisher einzige Mal öffentlich zeigte.

Der einzige Auftritt von Abu Bakr al-Bagdadi

epa04300526 A photograph made from a video released on 05 July 2014 by the jihadist affiliated group Furqan Media via their twitter account allegedly showing Islamic State (IS) leader Abu Bakr al-Baghdadi delivering a sermon during Friday prayers at a mosque in Mosul, Iraq, 04 July 2014. Abu Bakr al-Baghdadi, the ruler of the self-styled caliphate recently proclaimed by the jihadist Islamic State in Iraq and the Levant (ISIL), appears in a video said to be filmed inside a mosque in Mosul where he is delivering a sermon.  Abu Bakr al-Baghdadi declared an Islamist caliphate in the territory under the group's control in Iraq and Syria earlier this week.  EPA/FURQAN MEDIA / HANDOUT BEST QUALITY AVAILABLE. EPA IS USING AN IMAGE FROM AN ALTERNATIVE SOURCE AND CANNOT PROVIDE CONFIRMATION OF CONTENT, AUTHENTICITY, PLACE, DATE AND SOURCE. HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Das Foto wurde am 5. Juli 2014 veröffentlicht. Bild: EPA/FURQAN MEDIA

Die Dschihadisten kontrollierten damals eine riesige Region, die sich über grosse Teile Syriens und des Iraks erstreckte. Mit dem Beginn der internationalen Militärintervention unter US-Führung verlor der «IS» sein Herrschaftsgebiet jedoch nach und nach. Mit Unterstützung aus der Luft brachten es lokale Bodentruppen unter ihre Kontrolle.

Der Kampf um Baghus kurz vor der Befreiung

Im Sommer 2017 konnte die irakische Armee Mossul nach monatelangen heftigen Kämpfen vollständig befreien. Im Herbst desselben Jahres verloren die Dschihadisten die nordsyrische Stadt Al-Rakka, die inoffizielle Hauptstadt des «IS». Ende 2017 erklärte der Irak den militärischen Sieg über die Terrormiliz. Zurück bleiben zerstörte Städte und Regionen, deren Wiederaufbau Milliarden kosten wird.

In this Monday, March 18, 2019, photo, Islamic State militant positions are ablaze in Baghouz, Syria as U.S-backed Syrian Democratic forces pound the group's remaining territory. On Tuesday, a spokesman for U.S.-backed forces fighting IS in Syria says his fighters are in control of an encampment in the village of Baghouz where IS militants have been besieged for months. (AP Photo/Maya Alleruzzo)

Kampf um Baghus am 18. März 2019. Bild: AP/AP

In Baghus nahe der Grenze zum Irak waren bis zuletzt noch «IS»-Anhänger auf engstem Raum am Ufer des Euphrat-Flusses in einem Zeltlager eingeschlossen, wo sie sich in Gräben und Tunnel eingegraben hatten. Bis zum Schluss leisteten sie Widerstand. Auch «IS»-Chef Abu Bakr al-Bagdadi soll Medienberichten zufolge in Baghus gewesen, vor Beginn der kurdischen Offensive aber in die umliegenden Wüstengebiete geflohen sein.

People walk inside Baghouz, the Islamic State group's last pocket of territory in Syria, Sunday, March 17, 2019. (AP Photo/Maya Alleruzzo)

Blick auf Baghus am 17. März 2019. Bild: AP/AP

In den vergangenen Wochen hatten Tausende «IS»-Kämpfer aufgegeben und sich den SDF-Truppen gestellt. Sie wurden in Gefangenenlager gebracht und verhört. Auch Zehntausende Zivilisten, darunter Angehörige der «IS»-Kämpfer, verliessen den Ort. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte warf den Extremisten vor, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.

This frame grab from video posted online Monday, March 18, 2019, by the Aamaq News Agency, a media arm of the Islamic State group, shows Islamic State fighters firing their weapons during clashes with the U.S.-backed Syrian Democratic Forces (SDF) fighters, in Baghouz, the Islamic State group's last pocket of territory in Syria. U.S.-backed Syrian forces fighting the Islamic State group announced Tuesday they have taken control over an encampment in an eastern Syrian village where IS militants have been besieged for months, refusing to surrender. (Aamaq News Agency via AP)

Die letzten Kämpfer des «IS» in Baghus auf einem Foto vom 18. März 2019. Bild: AP/Amaq News Agency

Mit dem Sieg über den «IS» wird auch ein baldiger Abzug der US-Truppen aus Syrien wahrscheinlicher, den US-Präsident Donald Trump im Dezember angekündigt hatte. Allerdings soll nach letzten Plänen des Weissen Hauses noch ein Truppenkontingent im Land bleiben.

Die Abzugspläne Amerikas haben international massive Kritik ausgelöst. Militärs und Beobachter warnen, der «IS» sei trotz der Niederlage noch nicht besiegt und könne wieder erstarken. In einem vor einigen Wochen vom Pentagon veröffentlichten Bericht heisst es, der «IS» bleibe aktiv und könne in sechs bis zwölf Monaten wieder aufleben.

Bei einem US-Abzug droht auch ein Angriff der Türkei auf die Kurdenmiliz YPG, die die SDF anführt. Die Regierung in Ankara sieht in der Miliz einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und hat sie als Terrororganisation eingestuft. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat einen Offensive gegen die YPG angekündigt.

Die Kurden kontrollieren in Nordsyrien ein grosses Gebiet an der Grenze zur Türkei und haben dort eine Selbstverwaltung errichtet. Die YPG ist der wichtigste Verbündete der USA in Syrien. Unter Führung der Miliz konnten die SDF die grössten Teile des «IS»-Gebietes in dem Bürgerkriegsland einnehmen, darunter wichtige Ölquellen. (sda/dpa)

Palmyra nach der Rückeroberung: Nicht so zerstört wie befürchtet

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

1128 neue Fälle in der Schweiz – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Coronavirus: Weniger gute Wetterprognosen

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen

Kommentar

Spielball der Mächte: Weshalb der Syrien-Konflikt in erster Linie ein Stellvertreterkrieg ist

Die westliche Berichterstattung über den Syrien-Konflikt sei einseitig, unreflektiert und spiegle die Interessen der Industriemächte, schreibt der langjährige SRF-Korrespondent Helmut Scheben. Dabei gehe oft vergessen, dass am Anfang des syrischen «Bürgerkriegs» ein Kampf um die Vormacht im globalen Energiemarkt stand.

Die Hauptakteure der ausländischen Parteien, die in Syrien Krieg führen, sind Gas-Exporteure mit Interessen in einem von zwei umkämpften Pipeline-Projekten. Dabei geht es um die Ausbeute der weltgrössten Erdgasreserven, nämlich des Gasfeldes South Pars/North Dome, welches auf dem Grund des Persischen Golfs liegt und zum Teil dem Iran, zum Teil Katar gehört. Beide Länder begannen 1989 mit der Förderung.

2009 schlug Katar vor, eine Pipeline zu bauen, die Erdgas durch Saudiarabien, Jordanien und …

Artikel lesen
Link zum Artikel