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Bild: EPA/EFE

Kolumbien wählt einen neuen Präsidenten – das sind die 2 Favoriten

28.05.2018, 01:2428.05.2018, 03:29

Der konservative Kandidat Iván Duque hat die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Kolumbien gewonnen. Der Bewerber der rechten Partei Centro Democrático kam auf 39.1 Prozent, wie das Wahlamt am Sonntag nach Auszählung von fast allen Stimmen mitteilte.

An zweiter Stelle lag Gustavo Petro von der linken Bewegung Colombia Humana mit 25.1 Prozent. Die beiden Bestplatzierten treten bei einer Stichwahl am 17. Juni gegeneinander an.

Bei der Abstimmung ging es vor allem um die Zukunft des historischen Friedensabkommens mit der linken Guerillabewegung Farc. Der international bejubelte Friedensprozess ist in dem südamerikanischen Land selbst äusserst umstritten. Duque will den Vertrag in wesentlichen Punkten ändern und könnte die Ex-Rebellen damit zurück in den Untergrund treiben. Petro will hingegen an dem Abkommen festhalten.

Iván Duque: Muttersöhnchen oder Marionette?

Iván Duque steht gleich vor zwei Herausforderungen: Er will Präsident von Kolumbien werden und aus dem Schatten seines Förderers, des Ex-Präsidenten Álvaro Uribe, heraustreten. Den meisten Kolumbianern gilt der bis vor Kurzem noch völlig unbekannte Anwalt als Marionette des früheren Staatschefs.

Iván Duque.
Iván Duque.Bild: AP/AP

Sollte Duque die Stichwahl am 17. Juni gewinnen, würde der einflussreiche Senator und Ex-Präsident Kolumbiens Uribe im Hintergrund die Strippen ziehen, glauben viele. «Die wirkliche Macht in Kolumbien würde vom Präsidialamt in den Senat wandern», sagte etwa der Vorsitzende der Abgeordnetenkammer, Rodrigo Lara.

Duque war nach seinem Studium in Kolumbien und den USA zunächst Berater im Finanzministerium. Später arbeitete er bei der Interamerikanischen Entwicklungsbank in Washington. Seit 2014 sass der Jurist für Uribes rechte Partei Centro Democrático im Senat. Den umstrittenen Friedensvertrag wollte Duque zunächst «in Stücke reissen», während des Wahlkampfs hat er sich etwas gemässigt und schlägt nun Änderungen bei einigen Punkten vor.

Selbst unter seinen Gegnern gilt der stets gut gelaunte 41-Jährige als sympathischer Typ. Viele trauen ihm das höchste Staatsamt allerdings noch nicht zu. Gerüchten zufolge soll er sich sogar die Haare grau gefärbt haben, um erfahrener zu wirken

«Er ist ein guter Junge», sagte zuletzt der frühere Vizepräsident Germán Vargas Lleras etwas herablassend. «Aber er sollte nicht zum Präsident gewählt werden, denn er ist nur ein Hühnchen ohne jegliche Erfahrung.»

Gustavo Petro: Von Comandante Aureliano zum Präsidenten?

Als «Comandante Aureliano» kämpfte Gustavo Petro einst gegen den kolumbianischen Staat, jetzt will er Präsident des lateinamerikanischen Landes werden. Dem bewaffneten Kampf hat der frühere Guerillero der Bewegung M-19 aber schon lange abgeschworen. Heutzutage steht der frühere Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá für einen gemässigten linken Kurs.

Petro stammt aus dem Department Córdoba an der Karibikküste und trat bereits mit 19 Jahren in die Guerillagruppe M-19 ein, die 1985 mit der Besetzung des kolumbianischen Justizpalastes von sich reden machte. Anfang der 1990er Jahre zog der Ökonom in die Abgeordnetenkammer ein und verbrachte dann einige Jahre als Diplomat an der Botschaft in Belgien, nachdem er Morddrohungen erhalten hatte.

Gustavo Petro.
Gustavo Petro.Bild: EPA/EFE

Ab 2006 trieb er als Senator die Untersuchungen über Kontakte von Parteifreunden des konservativen Präsidenten Álvaro Uribe zu den rechten Paramilitärs voran. 2011 wurde Petro zum Bürgermeister von Bogotá gewählt, später allerdings wegen Unregelmässigkeiten bei der Vergabe öffentlicher Aufträge des Amtes enthoben.

Als Präsident Kolumbiens will Petro an dem Friedensabkommen mit den Farc-Rebellen festhalten und die soziale Ungleichheit bekämpfen. «Vielfalt bedeutet Reichtum, deshalb sollte der Weg Kolumbiens zu einer vielfarbigen Demokratie führen», sagte er. Auch wenn er dem bewaffneten Kampf und radikalen Vorstellung schon lange abgeschworen hat, gilt er seinen Gegnern noch immer als gefährlicher Kommunist. (sda/dpa)

Kolumbien: Kampf dem Drogenkrieg - mit Kaffee gegen Koka

Video: srf
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