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Republican presidential nominee Donald Trump votes at PS 59 in New York, New York, U.S. November 8,  2016.   REUTERS/Carlo Allegri

Donald Trump bei der Abgabe seiner Stimme an der Polling Station 59 in New York.  Bild: CARLO ALLEGRI/REUTERS

Kommentar

Scham und Schamlosigkeit lassen Trump alle Regeln ausser Kraft setzen

Nur sein Unvermögen Scham zu empfinden hat Donald Trump den Wahlkampf durchstehen lassen. Und die Scham seiner Wähler hat ihm letztlich den Sieg ermöglicht. 



Nate Silver mit seiner Fivethirtyeight.com, die New York Times, ABC und wie sie alle heissen – sie lagen samt und sonders falsch. Nicht Hillary Clinton wird das neue Oberhaupt der Vereinigten Staaten von Amerika, sondern Donald Trump

Die datenreichste und ausgeklügeltste Pollster-Industrie der Welt, die täglich in Live-Interviews, Telefon- und Online-Umfragen den Puls der wählenden Bevölkerung misst, hat sich getäuscht. Die Zahlenfixer haben versagt.  

Ebenso versagt haben die prosaischen Politexperten, die Trumps Wahlkampf kontinuierlich und seit dessen Beginn zu Ende reden und schreiben wollten und ihn nach jeder seiner Skandaläusserungen für erledigt erklärt haben. 

Kein Skandal und keine Umfrage konnten Trump stoppen und sein Sieg hat viel mit Scham zu tun.    

Verfügte Trump über die Fähigkeit, überhaupt Schamgefühle zu entwickeln, dann wäre er allerspätestens nach der Veröffentlichung seines Gesprächs mit Billy Bush zum Thema Frauen mindestens abgetaucht, wenn nicht ausgewandert. Er hat es ebenso wenig getan, wie zu all den Gelegenheiten zuvor, in denen er sich Fauxpas geleistet hat, die jeden psychisch einigermassen normal aufgestellten Kandidaten unter dem öffentlichen Druck hätten aufgeben lassen. 

Mehr Scham hatten ganz offensichtlich die Wähler, die die Pollsters über ihre Absichten, Trump zu wählen, belogen haben. Bis zu einem gewissen Grad berechnen die Demoskopen solche Effekte zwar mit ein, aber die Scham, zuzugeben, diesen schamlosen Kandidaten wählen zu wollen, war offenbar grösser als bei allen anderen wenig salonfähigen Kandidaten zuvor.  

So haben sich dank der für Trump schlechten Umfragewerte alle in falscher Sicherheit gewiegt, während dieser seinen Wahlkampf allen vermeintlich fatalen Skandalen zum Trotz unbeirrt weiterführte und so die Stimmen derjenigen holte, die «mal ein Zeichen setzen» wollten, aber nie damit rechneten, mit ihrer Stimme dem unverbesserlichen Narzissten tatsächlich den Weg ins mächtigste politische Amt der Welt ebnen. 

Möglich, dass die verarmten weissen Arbeitersegmente im deindustrialisierten Rustbelt von Pennsylvania, Ohio und Michigan von den Demokraten enttäuscht sind. Möglich auch, dass die demokratischen Fans von Bernie Sanders die unbeliebte Hillary Clinton im Stich gelassen haben. Und möglich, dass viele Afroamerikaner, mit denen die Demokraten fest gerechnet haben, nach Jahren grassierender Polizeigewalt und ohne Obama auf dem Ticket den Urnen ferngeblieben sind. 

Erst die Nachwahlbefragungen werden zeigen, welche Wählersegmente in welchen Regionen von den Demokraten abgefallen sind oder welche bisherigen Nichtwähler Trumps Kampagne mobilisieren konnte.

Für die nächsten vier Jahre spielt das alles erst Mal keine Rolle. 

Das politische Establishment in den USA muss zur Kenntnis nehmen, dass ein Outsider mit unmöglichem politischem Programm und ohne schlagkräftige Kampagnenorganisation, der sich dazu noch unmöglich benimmt, darin aber konstant authentisch ist, alle Berufspolitiker mitsamt ihren Spindoctors geschlagen und sämtliche Regeln des Wahlkampfs und der empirischen Meinungsforschung ausser Kraft gesetzt hat.  

Und die Welt muss sich darauf einstellen, dass die nächsten vier Jahre ein Präsident im Oval Office sitzt, der sich für nichts, was er tut, schämt.

Die USA halten den Atem an

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