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epa07306446 People demonstrate in the vicinity of a members of the Bolivarian National Guard command, in Caracas, Venezuela, 21 January 2019. Dozens of policemen cordoned off the Caracas neighborhood of Cotiza before a uprising of members of the Bolivarian National Guard (GNB, militarized police) against the Government of Nicolas Maduro. The Bolivarian National Armed Forces informed that the military who had rebelled have already been captured.  EPA/MIGUEL GUTIERREZ

In Caracas flammen seit Tagen immer wieder schwere Krawallen auf.  Bild: EPA/EFE

So erlebt ein Berner die Hölle von Caracas

Polizisten schiessen auf Demonstranten, Gangster-Banden ziehen durch die Gassen: Wegen des Machtkampfes in Venezuela läuft die Situation völlig aus dem Ruder. Der Berner Fotograf Ronald Pizzoferrato ist mittendrin. Und erzählt, wie sehr die Bevölkerung leidet.  



Zuerst fliegen Molotov-Cockails, dann ertönen Gewehrsalven. Polizei und Demonstranten liefern sich in den Strassen der venezoleanischen Hauptstadt Caracas blutige Strassenschlachten. Dutzende Personen sind dabei in den letzten Tagen gestorben.

Am Mittwoch hat sich der 35-jährige Oppositionsführer Juan Guaidó vor Zehntausenden Anhängern zum Interimspräsidenten ernannt. Wie der Machtkampf zwischen ihm und Nicolás Maduro ausgeht, ist derzeit völlig ungewiss. 

Ronald Pizzoferrato lebt eigentlich in Bern. Für ein Fotoprojekt dokumentiert der gebürtige Venezuelaner seit Monaten die Unruhen in seiner Heimat. Am Telefon schildert er die dramatischen Momente in Caracas.

Unmittelbar neben deiner Wohnung gab es Explosionen. Wie geht es dir?
In der Nacht ist die Situation in den Quartieren ausser Kontrolle: Polizisten schiessen auf Leute, die zurückballern. Es sind viele Waffen im Umlauf. Gangster und Demonstranten ziehen durch die Gassen und werfen Molotov-Cocktails. Die Szenen erinnern an Bürgerkrieg. Dann herrscht auf einmal plötzlich wieder Ruhe.

Während des Tages bin ich mit meinem Töff in der Stadt unterwegs, die Lage ist aber völlig unvorhersehbar. Bei einer Kundgebung haben Polizisten die Geduld verloren und einfach Leute erschossen, um Demonstranten einzuschüchtern. Es ist furchtbar. 

Die Venezuela-Krise in Bildern

Was treibt die Menschen wirklich auf die Strasse?
Egal ob Maduro oder Guaidó: Die Politik ist den meisten Leuten mittlerweile ziemlich egal, sie sind völlig zermürbt.  Denn es geht ums nackte Überleben: Die Demonstranten verlangen Essen, Wasser und medizinische Versorgung. Jeden Tag starben Leute, weil sie nicht richtig behandelt werden können. 

Wo kriegen die Leute ihr Essen her? 
Die Nahrungsmittel sind knapp und wegen der Hyperinflation extrem teuer. Eine Flasche Cola kostet beispielsweise umgerechnet drei Dollar, das ist mittlerweile ein Drittel eines Monatslohns! Mit dem Minimal-Monatslohn kann man sich wegen des dramatischen Wertverlustes nicht einmal mehr eine Mahlzeit kaufen. Viele Leute ernähren sich fast nur noch von den Food-Boxen, welche die Regierung herausgibt.  Doch die Verteilung ist chaotisch und ineffizient. So müssen viele Menschen in Abfallkübeln nach Nahrung suchen. 

Stehen die Leute hinter Oppositionsführer Juan Guaidó? 
Für den Durchschnittsbürger ist er kein Held, dies ist er nur für die Reichen und  ausländischen Medien. Manche sehen ihn als Marionette der USA an. Doch er ist derzeit die einzige Möglichkeit,  Maduro loszuwerden.

Juan Guaidó erklärt sich zum Staatschef Venezuelas

abspielen

Video: srf

Was denkst du: Kann sich Diktator Maduro an der Macht halten?
Man hört viele Gerüchte. Bei der Bevölkerung hat Maduro den Rückhalt verloren. Für ihn gehen nur noch wenige Tausend Leute auf die Strasse. Guaidó hingegen kriegt nun wohl von den USA Geld und kann sich so zumindest Teile der Armee kaufen. Geld ist Macht! Wie die Sache ausgeht, ist aber völlig offen. 

Die Lage ist brenzlig. Überlegst du dir, aus Caracas zu flüchten?
Das kommt für mich nicht infrage, es ist mein Land, meine Stadt. Wir erleben womöglich hier bald einen historischen Moment. Eigentlich hätte ich am 8. Februar in die Schweiz zurückkehren sollen. Wahrscheinlich bleibe ich aber nun länger hier. Es ist meine Aufgabe, den sozialen Kollaps zu dokumentieren.

(amü)

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Roterriese #DefendEurope 26.01.2019 10:31
    Highlight Highlight Lasst mich raten, es war wiedermal kein richtiger Sozialismus, oder?
    Benutzer Bild
    • rodolofo 26.01.2019 13:24
      Highlight Highlight - Ultraliberal capitalism hapens
      - Militärdiktatur collapses
      - But it wasn't real capitalism...
    • loquito 26.01.2019 15:26
      Highlight Highlight Also System kolabieren auch im Kapitalismus. Odet wie würdest di die Staatsbankrotte sonst nennen? Frag mal die Argentinier die haben erfahrung. Kapitalismus hat dort dazu geführt, dass heute wieder Tauschhandel herrscht
  • rodolofo 26.01.2019 09:26
    Highlight Highlight Ob in Venezuela, Philippinen, Syrien, Kongo, oder wo auch immer in Rohstoff-reichen "3.Welt-", oder "Beinahe Schwellen-Ländern":
    Immer beobachten wir die selben Grund-Tendenzen von Mafia, Korruption, neo-feudalem Staats-Kapitalismus, Militarisierung, Einmischung durch Regionalmächte und Imperialmächte, Raubbau durch Multinationale Konzerne mit Hauptsitz beispielsweise in der steuergünstigen Schweiz, Kapitalflucht, und so weiter.
    Das ist eben die Kehrseite unseres globalen Kapitalismus, die Schattenseite von "Reichtum" (kombiniert mit sozialer Kälte und Hartherzigkeit), eben die "Armut"...
    • neoliberaler Raubtierkapitalist 26.01.2019 15:07
      Highlight Highlight Mit Kapitalismus hat dies nichts zu tun. Hugo Chávez hat mit einem Ölschatz versucht die Ideen von Marx umzusetzen und es endet wieder einmal im Chaos.
  • Gelegentlicher Kommentar 26.01.2019 00:57
    Highlight Highlight Auf Instagram ist er unter @malandrophotos zu finden, reinschauen lohnt sich!
  • neoliberaler Raubtierkapitalist 25.01.2019 22:22
    Highlight Highlight Wieder müssen Tausende bei einem sozialistischen Experiment sterben. Wann begreifen die Menschen endlich, dass durch Umverteilung noch nie Wohlstand erschaffen wurde?
    • rodolofo 26.01.2019 09:30
      Highlight Highlight Das ist kein Sozialismus, sondern die Herrschaft einer "Roten Mafia".
      Den reinen Sozialismus gab und gibt es in der real existierenden Welt ebenso wenig, wie das reine Christentum!
      Frag mal den Parteipräsidenten der CVP, Pfister, was er vom Christentum hält!
      (Vielleicht kommst Du dann endlich auf die Welt.)
    • Roterriese #DefendEurope 26.01.2019 11:23
      Highlight Highlight Ach Quatsch, in Venezuela herrschte nie echter Sozialismus!
    • rodolofo 26.01.2019 13:26
      Highlight Highlight @ Roterriese
      Du könntest es begriffen haben, wenn Du nicht die Gewohnheit hättest, Fake News zu verbreiten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • DomKi 25.01.2019 22:20
    Highlight Highlight Ach, wieviele der Demonstrierenden wohl Chavez und sein Nachfolger Maduro gewählt haben?
  • loquito 25.01.2019 20:40
    Highlight Highlight Diktator Maduro? Segr neutral. Bin voll kein Freund des Maduros, aber was soll die Wortwahl? Und dann wird hier genau geschildert wie die USA die Finegger im Spuel haben und keiner schein parallelen zu sehen zu Chile, Panama, Kuba, den Contras in Nicaragua... Ich könnte noch weiterfahren....

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