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EDA verlangt Aufklärung: 5 Fakten zum «IS»-Anschlag auf Schweizer in Tadschikistan

Bei einem Angriff auf Touristen in Tadschikistan ist am Sonntag ein Schweizer getötet und eine Schweizerin verletzt worden. Das bestätigte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Montag.

31.07.18, 04:13 31.07.18, 07:26


Opfer und Täter

Bei dem Angriff wurden am Sonntag insgesamt mindestens vier Radfahrer getötet. Einer davon war ein Zürcher, wie der Blick berichtet. Bei den weiteren Todesopfern handelt es sich um zwei Velofahrer aus den USA und einen Niederländer. Je nach Quellen wurden zwei oder drei weitere Touristen, darunter die Partnerin des Schweizers, verletzt.

Amateur-Aufnahmen vom Tatort. screenshot youtube/euronews

Die Touristen waren mit dem Fahrrad auf der bei Urlaubern beliebten Pamir-Route nahe der Grenze zu Afghanistan unterwegs. Ein Auto sei auf einer Landstrasse in die Gruppe mit Ausländern gerast, ein Velofahrer zusätzlich mit Messerstichen verletzt worden, teilte das Innenministerium der Ex-Sowjetrepublik mit.

Die tadschikische Polizei fahndete mit einem Grossaufgebot in der Region Danghara – rund 130 Kilometer von der Hauptstadt Duschanbe entfernt – nach den Tätern. Nach Behördenangaben wurden drei Männer bei der Festnahme getötet, unter ihnen der 21-jährige Halter des Tatfahrzeugs. Vier weitere Verdächtige seien festgenommen worden. Die Angreifer hätten Messer und Schusswaffen bei sich gehabt.

Reaktion der Schweiz

Das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) rief in einer ersten Reaktion Tadschikistan auf, «alle Anstrengungen zu unternehmen, um diesen ernsten Vorfall zu klären». EDA-Sprecherin Silvia Müller sagte auf Anfrage weiter: «Sollte sich der Verdacht auf einen Terroranschlag bestätigen, wird sich dies in den Reisehinweisen für Tadschikistan niederschlagen.»

Das EDA leistet laut eigenen Angaben in dem Fall konsularischen Schutz. Es stehe in Kontakt mit der verletzten Schweizerin, den Angehörigen sowie den lokalen Behörden.

«IS»-Miliz bekennt sich zu Attentat

Am Montagabend reklamierte die Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS») das Attentat für sich. Die «IS»-Miliz erklärte, eine «Abordnung von Soldaten des Kalifats» habe das Attentat begangen, wie das auf die Auswertung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen SITE mitteilte. Der Angriff habe «Bürgern der Kreuzfahrer-Staaten» gegolten.

Der tadschikische Innenminister Rahomsoda hatte zuvor gesagt: «Wir ermitteln in alle Richtungen. Wir können nicht sagen, ob es sich um einen Terrorakt handelt.» Die Polizei hatte zunächst von einem Verkehrsunfall mit Fahrerflucht gesprochen. Dann verdichteten sich aber die Hinweise auf eine gezielte Attacke.

Augenzeuge: Alle unter Schock

Der belgische Radfahrer Nicolas Moerman, der kurz nach dem Angriff zum Tatort kam, schilderte seine Eindrücke im flämischen Radiosender VRT. 

«Einer von ihnen hat mir gesagt, dass sie von einem Auto angefahren wurden und dass die Leute, die im Auto sassen, dann auf sie eingestochen hätten. Mehrere Fahrer lagen auf dem Boden, sie standen vollkommen unter Schock.»

Nicolas Moerman

Das mehrheitlich muslimische Tadschikistan ist die ärmste der ehemaligen Sowjetrepubliken und wird seit 1992 autoritär von Präsident Emomali Rachmon regiert. Die Behörden gehen hart gegen religiösen Fundamentalismus vor. 2015 machte Tadschikistan mit strengen Massnahmen wie erzwungenen Bartrasuren und Einschränkungen für die Pilgerreise nach Mekka von sich reden.

«Jahr des Tourismus»

Der mutmassliche Angriff auf die Touristen könnte Tadschikistans Tourismusstrategie empfindlich treffen. Die Regierung hatte 2018 zum «Jahr des Tourismus» ausgerufen. Die Visa-Vergabe für Ausländer wurde erleichtert, und die Regierung drohte Beamten in dem notorisch korrupten Land mit harten Strafen, falls sie von Urlaubern Bestechungsgelder eintreiben.

Tadschikistan ist ein landschaftlich reizvolles Gebirgsland mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Nach Angaben der Weltbank kamen 2015 rund 400'000 Ausländer zu Besuch. (sda/afp)

Jürgen Todenhöfer: Das ist kein  «Islamischer Staat»

Video: watson

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • whatthepuck 31.07.2018 10:49
    Highlight Was ist denn "ein solches" Land? Wie's aus dem Text den Eindruck macht, ist Tadschikistan unter der eisernen Faust von Rachmon ein durchaus sicheres Land, dass sich vehement gegen Banden wie den IS wehrt.

    Dass das oft in "solchen" Ländern passiert, hat doch auch viel mit deren Abgeschiedenheit und schwerer Kontrollierbarkeit zu tun, als nur mit einer grundsätzlich vergifteten politischen Situation.
    30 2 Melden
    • Echo der Zeit 31.07.2018 12:13
      Highlight Und mit einem Herscher der die Bevölkerung unterdrückt - was denken sie macht die Junge Bevölkerung wenn ihre Religion unterdrückt wird - sie Radikalisieren sich, haben ja sonst nichts - ausser vielleicht mal das Velo eines Westlichen Touristen zu Putzen.
      5 5 Melden
  • RalpH_himself 31.07.2018 09:29
    Highlight Schade, bisher galt tadschikistan als erstaunlich sicheres land :/
    Und von der landschaft her absolut zu empfehlen!
    41 3 Melden
  • TodosSomosSecondos 31.07.2018 08:39
    Highlight Echt jetzt.. als ich letztens mal ganz übel gefurzt hab, hat sich der IS auch dazu bekannt. Der IS ist in etwa so vorbei wie Boney M, man sollte den Affen nicht andauernd eine Plattform dienen, indem man jedes ihrer lächerlichen "Bekenntnisse" auch noch veröffentlicht..
    27 50 Melden
    • Fly Baby 31.07.2018 09:46
      Highlight Wow! Der IS Experte hat gesprochen.
      Bei solchen Kommentaren erwischt mich die Arroganz der Schweizer in ihrer ganzen Breite.
      44 17 Melden
    • TodosSomosSecondos 31.07.2018 11:58
      Highlight ich behaupte keineswegs, ein Experte zu sein und bin mir ziemlich sicher du bist erst recht keiner. Punkt ist aber - und um das zu erkennen, muss man kein Experte sein - ,dass der serbelnde IS mehr denn je auf die Sogwirkung seiner Propaganda angewiesen ist, da ihnen das Personal ausgeht.

      Ergo ist es nicht zielführend über den Haufen zu berichten, wenn sie es wollen (sprich bei jeglicher vorm von Bekenntnis zu irgendwas - ist sowieso kaum prüfbar). Wenn überhaupt davon berichten, wenn mal wieder einem paar von denen von kurdischen Milizen der garaus gemacht wird.
      5 2 Melden
  • Miikee 31.07.2018 08:04
    Highlight Wenn jemand in so ein Gebiet reist und dann etwas passiert, geht mir folgendes durch den Kopf:


    ¯\_(ツ)_/¯
    20 111 Melden
  • Rolf Meyer 31.07.2018 07:19
    Highlight Reisehinweise hin oder her, in diese Region reist man einfach nicht. Warum ist das einigen Leuten immernoch nicht klar? Ich verstehs nicht.
    35 104 Melden
    • Uli404 31.07.2018 09:13
      Highlight Das kann dir auch in Marroko, den USA oder Thailand passieren.
      Das ist nun einfach Pech das die am zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Jede Reise beinhaltet ein gewisses Risiko. Aber diese Reise war durchaus vertretbar.
      86 17 Melden
  • Nathaniel de Salis 31.07.2018 07:02
    Highlight Wenn man solche Länder bereist, muss man damit rechnen, nicht mehr zurückzukehren. Mir tun die Familien leid - Diese wurden von der Naivität ihrer Angehörigen hart getroffen.
    21 106 Melden
    • socialmushroom 31.07.2018 09:43
      Highlight Es reisten 2015 über 40000 Personen in das Land. 2018 wafuhrscheinlich deutlich mehr. Es ist das erste Mal, dass sowas passiert. Das EDA gab (gibt) für Tadschikistan keine spezielle Warnungen raus. Diesen Leuten Naivität vorzuwerfen, finde ich nicht richtig.
      80 10 Melden
    • Nathaniel de Salis 31.07.2018 11:14
      Highlight Für Italien gibt es auch keine Warnungen. Wenn sie nach Neapel reisen und mit dem Velo durch das Quartier Scampia fahren, sehen ihre Chancen lebend da rauszukommen auch nicht gut aus.
      10 4 Melden

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