FIFA-Präsident Sepp Blatter hat bedauert, dass er nicht im Sommer 2014 zurückgetreten ist. «Ich hätte den Mut aufbringen und mich nach der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien zurückziehen sollen», sagte der Chef des Weltverbandes in einem Interview mit der russischen Nachrichtenagentur Tass. «Aber mich haben fünf von sechs Kontinentalverbänden angefleht zu bleiben (...). Sie hatten Angst, dass jemand aus Europa an die Macht kommt und die UEFA dann den gesamten Weltfussball kontrolliert», sagte Blatter.
Der Schweizer warf UEFA-Chef Michel Platini vor, den FIFA-Skandal provoziert zu haben. «Von Anfang an war ich das Ziel der Attacken. Und arrangiert hat das alles Michel Platini. Es ist etwas Persönliches.» Zudem war er seinem Widersacher «Neid» und «Eifersucht» wegen des kommerziellen Erfolgs der FIFA vor. Er beschied ihm auch, der einzige Kandidat für das FIFA-Präsidium zu sein, für den die Entwicklung des Fussballs in ärmeren Ländern keine Priorität sei.
Über seinen möglichen Nachfolger Gianni Infantino hatte Blatter wenig Gutes zu sagen. In Europa würde ihn niemand mögen. Und er selbst sollte ihn nur mögen, weil er aus demselben Dorf stamme.
Auch gegen England schoss Blatter scharf. Auf eine Frage, was er von Spekulationen in britischen Medien hält, dass Russland die Austragung 2018 aberkannt wird sagte er: «Schlechte Verlierer. (...) Sie wurden in der ersten Runde [der WM-Vergabe] eliminiert. Niemand wollte England.»
Dafür eine Liebeserklärung an Russland und dessen Präsidenten: «Ihr seid nicht gut, ihr seid die Besten». «Wladimir Wladimirowitsch» [Putin] sei «ein guter guter Freund von Josef Josefowitsch». Ihm gefalle, dass dieser auch in dieser Situation voll zu ihm halte. Er lerne fleissig Russisch, dass er anlässlich der WM «mit dem richtigen Akzent» sprechen könne. (whr/kri/si/dpa)