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Demonstrators with

Für den Tag nach dem Referendum war in Katalonien ein Generalstreik angekündigt. Rund 300'000 Personen beteiligten sich daran. Bild: AP

Diese 5 Fakten zeigen dir, warum Katalonien seit 300 Jahren unabhängig sein will

Wie geht es weiter in Katalonien? Nach dem Unabhängigkeitsreferendum sind die Fronten auf allen Seiten verhärtet. Wie es soweit kommen konnte, zeigt der Blick in die Vergangenheit. 



Es heisst, der Streit zwischen Katalonien und der spanischen Zentralregierung, sei vor allem finanzieller Natur. Die Katalanen wollten frei sein, weil sie alleine finanziell besser dastehen würden. Auch heisst es, bei dem Streit gehe es um eine alte Rivalität zwischen Spaniens grössten Städten Barcelona und Madrid. In Wahrheit sitzt der Konflikt aber viel tiefer. Kataloniens Zerwürfnis mit der Zentralregierung von Spanien ist über 300 Jahre alt. 

Der unabhängige Staat Katalonien

Bis ins 15. Jahrhundert waren die Staaten Kastilien und Katalonien die dominierenden Mächte auf der iberischen Halbinsel. Die zwei Länder legten schon damals Wert auf ihre Unterschiedlichkeit. In Kastilien galt das königliche Wort als Gesetz. In Katalonien hingegen sagte man, sei der König eher etwas abstraktes, wichtiger seien die Institutionen. Ab dem 15. Jahrhundert teilten sich die zwei Staaten dieselbe Monarchie. Sie blieben aber in ihren Zuständigkeiten autonom.

Nach dieser Vereinigung begann sich die Rivalität zuzuspitzen. Die spanische Kolonialisierung von Amerika war Sache der Kastilier. Die Katalanen kämpften ausserhalb Europas nicht. Das wurde ihnen übel genommen. Kastilien bezeichnete sie als unsolidarisch. Während dieser Zeit entstand das Feinbild Katalonien. Deren Bevölkerung wurde als seltsam wahrgenommen, die Sprache als urchig. Der Katalane – so sagte man – sei eine durchtriebene, egoistische Kreatur. 

Mit dem spanischen Erbfolgekrieg endete die katalanische Unabhängigkeit. Ein Jahr lang kämpfte Barcelona gegen die kastilische Belagerung. Am 11. September 1714 musste die Stadt kapitulieren. 

Der 11. September, der «Diada» gilt heute als katalanischer Nationalfeiertag. Gefeiert wird nicht der Sieg, sondern man gedenkt der Kapitulation von damals. Es war der Beginn einer Zeit der Repression. Die katalanischen Institutionen wurden abgeschafft, Universitäten geschlossen, die eigene Sprache wurde verboten und kastilisch als Amtsprache eingeführt. 

Katalonien unter der Diktatur von Franco

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Katalonien industrialisiert. Die erste Eisenbahnstrecke Spaniesn wird 1848 zwischen Barcelona und Mataró eröffnet. Eine Arbeiterbewegung entstand, der Gedanke eines unabhängigen Nationalstaats gewann wieder an Stärke. 

Während der «Zweiten Republik Spaniens», einer Epoche ab 1931, wurde Katalonien eine provisorische Autonomie gewährt. Diese endete mit dem Beginn des spanischen Bürgerkriegs. Unter der Führung von Francisco Franco putschte das spanische Militär gegen die republikanische Regierung. Darauf folgte ein drei Jahre andauernder Krieg. Katalonien wurde während dieser Zeit Schauplatz einer anarchistischen Revolution.

1939 marschierte Franco in Barcelona ein. Die Jahre der Diktatur begannen. Franco befahl: «Wenn du Spanier bist, sprich Spanisch!» Wieder wurde die katalanische Sprache verboten. Katalanische Namen wurden abgeändert. Bücher oder Zeitungen durften nicht mehr in der eigenen Sprache erscheinen. Viele Katalanen flohen ins Exil. Geschätzte 4000 wurden während der Diktatur hingerichtet. Die Gefängnisse füllten sich mit Gefangenen des Franco-Regimes.

Gen. Francisco Franco returns a salute as he leaves his headquarters following a reception he gave to members of a diplomatic corps in Burgos, Spain, Oct. 10, 1938, in celebration of the anniversary of his appointment as generalissimo of the insurgent forces. (AP Photo)

Francisco Franco 1938. Bild: AP

Übergang zur Demokratie

1975 starb Franco im Alter von 82 Jahren. Die Menschen in Katalonien feierten seinen Tod zu Hause hinter zugezogenen Vorhängen. Noch immer war die Angst vor der Militärpolizei Guardia Civil zu gross.

Doch nur ein Jahr später versammelten sich bereits wieder 1,5 Millionen Menschen auf den Strassen, um die die Unabhängigkeit zu demonstrieren. Das Wir-Gefühl hatte die Franco Diktatur überlebt.

Es folgt die Zeit der «Transicion», dem Übergang der Diktatur zur Demokratie. Die neue Verfassung sah vor, dass auf die kulturellen Eigenheiten der einzelnen autonomen Gemeinschaften verstärkt eingegangen werden musste und diese nicht mehr unterdrückt werden durfte. Katalonien und das Baskenland sind die ersten Regionen in Spanien, denen ein Autonomiestatut anerkannt wird. Sie dürfen ihr eigenes Parlament und einen eigenen Präsidenten wählen. In Bereichen wie Bildung, Kommunalverwaltung, Polizei, Tourismus und Stadtplanung dürfen sie mitentscheiden. Katalanisch ist wieder Amtssprache. 

epa02556656 A worker helps during the removal of a statue that commemorates the victory of Francisco Franco in the Spanish Civil War, Barcelona, northeastern Spain, 30 January 2011, to observe the Historic Memory Law, which orders the removal of all pro-Franco monuments erected in any Spanish town or village.  EPA/TONI GARRIGA

Eine Statue, die an den Sieg von Franco erinnert, wird 2011 entfernt.  Bild: EPA

Verfassungsgericht kippt Autonomiestatut

Die politischen Institutionen von Katalonien beruhten noch immer auf dem Statut von 1979. Verschiedene katalanische Parteien verlangten 2005 nach einer Reform der alten Richtlinien. Denn damals seien noch ehemalige Politiker des Franco-Regimes mit am Verhandlungstisch gesessen. Nach langen und emotionalen Verhandlungen wurden rund die Hälfte der Artikel im Statut-Entwurf verändert.

2006 stimmte das Spanische Parlament dem Statut schliesslich zu. Auch in Katalonien wurde das neue Statut mit 74 Prozent angenommen. Doch die «Partido Popular» – eine konservativ-liberale Partei, die aus der Franco nahen «Alianza Popular» hervorging – reichte beim Verfassungsgericht eine Klage gegen neu abgesegnete Autonomiestatut ein.

Nach vier Jahren Beratung verkündete das Gericht im Juni 2010 sein Urteil: Es sah das Statut teilweise als verfassungswidrig an. Einzelne Artikel wurden daraufhin gestrichen. Für die katalanische Selbstverwaltung bedeutete dies ein herber Schlag und eine Rezentralisierung in Richtung Mardrid. 

Es kam zu Massenprotesten. Unter dem unter dem Schlagwort «Som una nació. Nosaltres decidim!» («Wir sind eine Nation. Wir entscheiden!») gingen in Barcelona über eine Million Katalanen auf die Strasse.

Demonstrators shout slogans during a protest to mark the anniversary of the beginning of the

Demonstrationen in Barcelona 2012. Bild: AP

Die Protestbewegung wächst

2012 lehnte es Ministerpräsident Mariano Rajoy ab, weniger Geld aus Katalonien an den spanischen Zentralstaat abzuführen. Die Stimmung kippte endgültig. Der Wunsch nach Unabhängigkeit wurde mehrheitsfähig. In einer nicht verbindlichen Volksbefragung sprachen sich vier Fünftel der Katalanen für eine Loslösung von Spanien aus. 

Die separatistischen Parteien gewinnen 2015 die Regionalwahlen. Sie peitschen das Gesetz zur Durchführung eines Referendums gegen die Opposition durch. Das Verfassungsgericht verbot es, die Regierung in Madrid war entschlossen, eine Abstimmung in Katalonien zu verhindern.

Trotz grosser Polizeigewalt stimmten vergangenen Sonntag 2,26 Millionen Katalenen über das Unabhängigkeitsreferendum ab. Das entsprach einer Wahlbeteiligung von 42,3 Prozent. Eine Mehrheit von 90 Prozent sprach sich für eine Abspaltung aus. 

Katalonien in Aufruhr

Wahllokal in Katalonien gewaltsam gestürmt

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Video: srf

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63Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Natalia Imfeld 05.10.2017 20:07
    Highlight Highlight Ich finde den Artikel super, weil es überhaupt der einzige Pro-Katolonien Artikel ist, weit und breit. Es kann ja wohl nicht sein, dass alle Zeitungen das gleiche schreiben wo hauptsächlich nur darum geht, dass das Referendum illegal war, total einseitige Berichterstattung. Alle sind irgendwie auf Seite von Madrid und befinden sogar Gewalt von Polizei als notwendig und akzeptabel. Also wenn man im Recht ist, tut man defintiv nicht alte Leute krankenhausreif dafür zusammenschlagen, so sehe ich das.
  • FrancoL 04.10.2017 16:55
    Highlight Highlight Der unrühmliche Akt der Guardia ist vorbei, von der Mehrheit verurteilt, mit vollem Recht.

    Jetzt können wir uns auch einmal der Gesamtsicht Spaniens mit der Verfassung, den daraus erwachsenden Rechten und Pflichten zuwenden.
    Viele bemängeln, dass man nicht einfach ein Land verlassen kann. Ist das ein Mangel? Nein weil:
    Die Verfassung verlangt + garantiert gleichzeitig, sie garantiert zB Schutz im Krieg oder Hilfe im Fall eines Erdbebens usw.
    Wenn man nach Gutdünken austreten könnte, würde man auch akzeptieren dass Spanien obige Leistungen nach Gutdünken sistieren kann? Wohl kaum!
  • dä dingsbums 04.10.2017 16:16
    Highlight Highlight Hallo Watson,

    Wenn wir Leser Euch auf Fehler in Artikel hinweisen, Ihr die Artikel anschliessend korrigiert und Euch für die Hinweise bedankt, wieso löscht Ihr dann einen halben Tag später die ganzen Kommentare?

    Das ist irgendwie nicht die feine Art.

    Jetzt bin ich wirklich gespannt ob dieser Kommentar freigeschaltet wird und Ihr Stellung dazu nehmt.
    • corsin.manser 04.10.2017 18:26
      Highlight Highlight Das ist wirklich nicht die feine Art. Normalerweise bedanken wir uns hier.

      Ich hole das hiermit nach: Merci :)

    • Gramedo 04.10.2017 19:00
      Highlight Highlight Im Artikel wurde nichts korrigiert. Dass Katalonien je ein unabhängiger Staat war ist schlicht falsch und peinlich für die Autorin. Bin gespannt, ob es auch einen Watson-Beitrag geben wird über Fakten, warum die Mehrheit der Katalanen nicht die Unabhängigkeit nicht wollen.
    • dä dingsbums 04.10.2017 20:16
      Highlight Highlight @Gramedo: Der Artikel wurde seit Aufschaltung mehrmals korrigiert.

      Zuerst wurden meine Kommentare mit Hinweisen auf Fehler im Artikel aufgeschaltet. Ein Redaktor von Watson hat sich dafür bedankt und die Fehler korrigiert. Das ist die feine Art.

      Nun sind plötzlich alle Kommentare die auf Unstimmigkeiten hinwiesen einfach gelöscht worden und das ist eben nicht die feine Art.

      Fehler passieren und Korrekturen man muss das nicht verstecken.
  • Luca Brasi 04.10.2017 15:53
    Highlight Highlight Ein sehr katalanisch geprägter Artikel mit einigen Ungenauigkeiten. Schade!
  • Gender Bender 04.10.2017 13:31
    Highlight Highlight Die Mehrheit ist wohl im Busch aufgewachsen hier. Die Polizei hat ausdrücklich das Recht und auch die Pflicht Gewalt anzuwenden wenn die Souveränität in Frage gestellt wird. Dieses Recht/Pflicht wurde dieser "Organisation" bewusst und demokratisch übgegen. Vom Volch!!!!!! Wenns bei der Ausübung zu Exzessen kommt, schreitet der Rechtsstaat in Form einer unabhängigen Justiz ein und korrigiert.
  • kupus@kombajn 04.10.2017 08:11
    Highlight Highlight Warum Katalonien unabhängig sein will? Will es das? 90% der Abstimmenden sprach sich für die Unabhängigkeit aus. Bei einer Wahlbeteiligung von 42%entspricht das knapp 38% der katalonischen Bevölkerung. Wenn wir nun davon ausgehen, dass auch 90% der verbliebenen 58% die Abstimmung boykottierende Sezessionsgegner sind, sind wir bei rund 52% der katalonischen Bevölkerung, welche keine Sezession wünschen.

    Natürlich ist das nicht repräsentativ, aber von den 9 Katalanen, welche ich persönlich kenne, ist keiner ein Unabhängigkeitsbefürworter.
    • opwulf 04.10.2017 08:46
      Highlight Highlight In Theorie ja, aber es gibt so gut wie nie eine 100% Stimmbeteiligung. Daher sind solche Aussagen, sowohl die welche die Mehrheit den Seperatisten zusprechen, so als auch die jenigen welche die Mehrheit bei den Traditionalisten sehen, immer mit Vorsicht zu geniessen. Antwort darauf könnte wohl nur eine offizielle, anerkannte Abstimmung geben! Was ich aber vermehrt gehört habe, ist, dass viele welche gegen eine Abspaltung waren, nach dem harten Durchgreifen der GC aus Protest jetzt dafür sind! Aber ich weiss auch nicht wie repräsentativ diese TV Interviews, welche gezeigt wurden, waren...
    • Peedy 04.10.2017 09:32
      Highlight Highlight Wer nicht wählen geht soll im Nachhinein auch nicht "hätte, wäre, wenn" -Spiele durchführen. Eine Wahlbeteiligung von 42% ist durchaus nicht schlecht und ist vergleichbar mit der Wahlbeteiligung in der Schweiz.
    • Gramedo 04.10.2017 11:28
      Highlight Highlight Ist abr ein Unterschied wenn man aus Desinteresse nicht abstimmt oder es nicht tut, weil die Abstimmung vom eigenen Verfassungsgericht für illegal erklärt wurde und von Anfang an klar war, dass die Abstimmung mehr eine Propaganda-Guerilla-Aktion der Sezessionisten wird.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Bongalicius 04.10.2017 07:19
    Highlight Highlight Bei einer Wahlbeteiligung von 42% frage ich mich ob die Abspaltung mehrheitsfähig ist. Kann mir gut vorstellen dass ein Grossteil der übrigen 58% aus Protest nicht an der Abstimmung teilgenommen hat.
  • rodolofo 04.10.2017 07:17
    Highlight Highlight Der Konflikt hat also sehr dicke, historisch gewachsene Wurzeln...
    Ich frage mich allerdings, ob die Katalanen wirklich so uneigennützig sind, wie sie das gerne von sich selber glauben wollen!
    Schliesslich könnte ihnen ja auch daran gelegen sein, GANZ SPANIEN endgültig von der Fuchtel des Faschismus zu befreien!
    Wenn Katalonien einen eigenen Staat bekommt, dann ist Rest-Spanien Rajoy und seinen Brutalo-Schergen hilflos ausgeliefert!
    Im schlimmsten Fall wird dann dieses Rest-Spanien wieder zur Militär-Diktatur...
  • Wilhelm Dingo 04.10.2017 07:05
    Highlight Highlight Interessante aber heute nich relevante Fakten! Wichtig wäre es zu klären worunter die Katalanen heute leiden und darum unabhängig sein wollen.
    • just sayin' 04.10.2017 10:54
      Highlight Highlight geeeenau!
      wir schaffen den kanton jura auch nicht ab, weil es ihn vor 40 jahren auch nicht gab.
  • Iliem 04.10.2017 06:41
    Highlight Highlight Schade, dass der Artikel nicht ausgewogen ist und verschiedene Aspekte (sog. Fakten) zu einseitig darstellt. Auch wenn ich gewisses Verständnis für den Unabhängigkeitswunsch habe: #1 Katalonien war nie ein eigener Staat oder ein eigenes Königreich. Es gehörte als Grafschaft bis zum 16 Jh. dem Königreich Aragon. Nachher dem vereinten Spanien. #2 Die Zahl der Befürworter einer Abspaltung Kataloniens von Spanien lag in den vergangenen Jahren zwischen knapp 40 und 50 Prozent. Ich erinnere u.a. an die Wahlen vom September 2015. Schade, dass der Artikel dies nicht beleuchtet.
    • Samy Kulturattentat D 04.10.2017 07:08
      Highlight Highlight Doch nach der ersten Militärdiktatur.
    • Liselote Meier 04.10.2017 18:25
      Highlight Highlight 1# doch, die Krone von Aragon war nämlich eine Personalunion.

      Personalunion = 2 selbständige Staaten mit dem selbem Staatsoberhaupt.



  • frodo67 04.10.2017 06:20
    Highlight Highlight Die Mauren herrschten während ca. 800 Jahren -bis zum Ende der Reconquista 1492- auf der iberischen Halbinsel. Das ist länger, als das heutige Spanien überhaupt existiert. Gibt dieser Umstand den Arabern heute das "historische Recht", sich "Spanien" zurückzuholen, wie es gewisse extremistische Kreise wollen? Die Geschichte ändert sich, die Menschen und die Gesellschaft ändert sich
    Wenn Cataluña ein historisch begründetes "Recht" auf Unabhängigkeit haben soll, warum denn nicht auch andere Autonomien...?
    • Wilhelm Dingo 04.10.2017 07:05
      Highlight Highlight Guter Punkt!
    • Posersalami 04.10.2017 08:30
      Highlight Highlight Gemäss einigen hier ja, wenn es in einer "arabischen" oder "maurischen" Verfassung stehen würde, wenn es denn eine solche geben würde. Schliesslich darf da jeder Diktator alles in die Verfassung schreiben und das ist dann einfach sakro sankt für alle Zeit!

      Es ist aber klar dass zB. die EU die Katalanen nicht unterstützen kann, bzw. deren Anerkennung wohl recht schwer werden würde. Schliesslich geht dass nur wenn man selbst gegen Recht verstösst (Kosovo), alle anderen dürfen das nicht.
  • Upsi 04.10.2017 01:04
    Highlight Highlight Punkt 1 ist schlecht recherchiert. Wie schon erwähnt wurde, gab es Katalonien im 15. Jh. als “Staat” (anachronismus) nicht, das Gebiet gehörte zum Königreich von Aragon. Der Spanische Erbfolgekrieg bedeutete das Ende der regionalen Freiheitsrechte für Katalonien, diese sind nicht mit einer Unabhängigkeit gleichzusetzen. Dabei kämpften die Anhänger der franz. Erblinie (Frankreich = zentralistisch), d.h. Franzosen und Verbündete gegen Habsburg-Österreich, GB und die Niederlande. Belagert wurde Barcelona nicht von Kastilien sondern mehrheitlich von franz. Truppen Philipp von Anjous.
    • El Vals del Obrero 04.10.2017 13:03
      Highlight Highlight Dann wären aber heute auch Kanada oder Australien kein eigener Staat, sondern bestenfalls britische Gebiete mit regionalen Freiheitsrechten.

      Beide haben ja das selbe offizielle Staatsoberhaupt wie Grossbritanien.
    • Upsi 05.10.2017 00:15
      Highlight Highlight @mein senf: Wenn ich mich richtig erinnere, war es im Falle Kanadas bis 1982 ja tatsächlich so (Canada Act).
  • Caligula 04.10.2017 00:25
    Highlight Highlight Die dominierenden Mächte auf der Spanischen Halbinsel neben dem Königreich Portugal waren die Königreiche Kastilien und Aragon. Katalonien war teil des Aragonesischen Reiches als ein Fürstentum. Durch die Hochzeit von Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon wurden die beiden Reiche verbunden. Nach dem Tod Ferdinands 1516 wurden beide Reiche dann von Karl regiert, welcher später noch das Erzherzogtum Österreich erbte und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation wurde. Ab dann kann quasi von Spanien geredet werden. Bitte das nächste mal genauer recherchieren.
  • Posersalami 04.10.2017 00:03
    Highlight Highlight Die Gründe können uns eigentlich egal sein. Wenn sie meinen in einem eigenen Staat besser dazustehen, dann soll man ordentlich darüber abstimmen lassen! 2014 hat man das ja schon mal getan, nur gingen da auch weniger als 50% an die Urne. http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-11/referendum-spanien-katalonien
    Ist es der anderen Hälfte egal, hat sie Angst oder ist das ein Boykott weil sie nichts davon wissen wollen? So ist es natürlich schwer, das Ergebnis richtig zu interpretieren da jeder herausliest, was ihm in den Kram passt.

    Also liebe Spanier, macht mal eine ordentliche Abstimmung!
    • frodo67 04.10.2017 07:14
      Highlight Highlight @Posersalami: Wie oft denn noch: Die Spanische Verfassung lässt keine Abspaltung einer Region zu! Es wäre eine Verfassungsänderung nötig! Eine simple Abstimmung nützt logischerweise nichts.
    • Bienchen 04.10.2017 07:30
      Highlight Highlight @Posersalami
      An dieser Stelle würde ich gerne darauf hinweisen, dass die durchnschnittliche Wahlbeteiligung in der Schweiz seit 2011, gemäss Bundesamt für Statistik, bei 46.5% liegt.
    • Posersalami 04.10.2017 08:24
      Highlight Highlight @ pablo67: Ja und? Viele unrechte Dinge waren mal institutionalisiert. Gerade bei einem Land wie Spanien, dessen Verfassung und Institutionen teilweise auf Franco zurück gehen darf bzw. muss die Legitimität eines solchen Artikels angezweifelt werden. Es ist ganz einfach, wenn Madrid das Land geeint haben will müssen sie halt eine andere Politik machen, womit die Katalanen dann glücklich sind.

      Würden Sie denn auch sagen, dass zB. die Kurden keinen Staat haben dürfen weil in der türkischen oder irakischen Verfassung steht dass es keine Sezession geben darf?
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  • sowhatopinion 03.10.2017 23:49
    Highlight Highlight Sehr guter Beitrag, der die Wurzeln dieser demokratischen Bewegung aufzeigt. Diese Bewegung(en) stellen das Demokratie und Selbsbestimmungsrecht dieser Regionen/Völker in Bezug auf Europa auf die Probe. Europa darf diese Bewegungen nicht fürchten, will es in einigen Jahrzehnten nicht das gleiche Schicksal erleiden wie die Sowjetunion. Eine Klammer reicht nicht.
  • Senji 03.10.2017 23:39
    Highlight Highlight 2/2

    Diese Haltung ist schlicht arrogant und undemokratisch. Solche Haltungen stossen in ganz Spanien auf grosse Ablehnung und erklären teilweise die Reaktion aus Madrid. Die Gewalt war natürlich völlig übertrieben und wird Spanien weiter auseinander treiben.

    Es wäre aber schön, wenn Medien generell weniger Mitleid heucheln sondern auch der weniger lauten Mehrheit eine Stimme gäben. Für diese Mehrheit der Katalanen war der letzte Sonntag einfach ein sehr trauriger Tag und sie machen sich Sorgen um die Zukunft.
    • rauchzeichen 04.10.2017 10:24
      Highlight Highlight du befürwortest also, dass ein ganzes land über das schicksal einer region bestimmt und nicht die region selber? angenommen die mehrheit der katalanen will unabhängig sein (der verfassung sei dank wissen wir das ja immer noch nicht) würdest du es korrekt finden, dass jeder spanier über den austritt abstimmen kann, und so katalonien wieder bevormundet wird? findest dus korrekt, aus lauter verfassungstreue lösungen auszuschlagen, die das eigentliche problem angehn würden? anstelle offiziell abzustimmen, mit unterstützung der regierung versteckt diese sich hinter der verfassung.
    • Gramedo 04.10.2017 11:19
      Highlight Highlight In keiner westlichen Verfassung hat sich s ein n Selbsbestimmungsrecht für einzelne Regionen. In allen europäischen Staaten müssen die Regionen einReferendum mit natinalen Institutionen verhandeln. Der Rest des Staates muss nicht über die Unabhängigkeit abstimmen, sondern ob ei e Region darüber abstimmen darf. Das ist In Spanien so, aber auch in der Schweiz, Deutschland, Frankreich oder Grossbritannien so. Das schottische Referndum wurde ausgehandelt und nicht einseitig organisiert.
    • Senji 04.10.2017 13:21
      Highlight Highlight Ja klar würde ich das befürworten. Die demokratischen Prozesse sind nun mal einzuhalten. Nur schon um den eigenen Ansprüchen die Legitimität nicht zu entziehen. Rajoy - den ich nie wählen würde, damit wir uns richtig verstehen - hat diesbezüglich Gesprächsbereitschaft signalisiert. Man kann in einer Demokratie nicht nur den sturen, geraden Weg gehen. Die Separatisten machen das aber fortlaufend, aktuell zum Beispiel wenn sie der Welt die Resultate vom Sonntag allen ernstes als Votum von ganz Katalonien zu verkaufen versuchen.
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  • saugoof 03.10.2017 23:28
    Highlight Highlight Ich bin gerade letzten Monat mit dem Velo durch Spanien gereist (Baskenland, Kastilien und León, Madrid, Andalusien. In Katalonien war ich vor zwei Jahren). Was mich wirklich überrascht hat war wie unterschiedlich diese Regionen sind. Kultur, Architektur, Sprache, Essen, da gab es Riesenunterschiede. Früher hatte ich gedacht das die Regionen in Spanien etwa dasselbe sind wie die in Frankreich. Nachdem ich diese gesehen habe bin ich Ueberrascht das Spanien überhaupt ein Staat ist!
  • Senji 03.10.2017 23:28
    Highlight Highlight 1/2

    Schön, dass auch mal über Hintergründe berichtet wird und nicht nur Schlagzeilen geschaltet werden vom weinenden Pique und von "90% für Unabhängkeit". Nur, diese Hintergründe werden auch als faktische Argumente missbraucht um zu rechtfertigen, dass man sich nicht an das Gesetz halten müsse.

    Letzte Woche hat mich hier in der Schweiz ein Katalane gefragt, wie denn das Prozedere in der Schweiz sei. Als ich antwortete, dass es für die Verfassungsänderung eine nationale Abstimmung bräuchte, rastete er aus und wir mussten das Thema wechseln.
  • Stachanowist 03.10.2017 23:18
    Highlight Highlight Inwiefern ist Punkt 3 ein Faktor für die Sezession? Danke für die Erläuterung im Voraus.
  • stan1993 03.10.2017 23:10
    Highlight Highlight Sehr guter Artikel. Bravo!
  • Gramedo 03.10.2017 23:06
    Highlight Highlight Zu Fakt 5: Die Separatisten haben eine Mehrheit im Parlament aber nur 48% der Stimmen erhalten, weil in ländlichen Gebieten weniger Stimmen für einen Sitz nötig sind. Mit dieser schwachen Legitimation haben sie im Parlament Entscheide getroffen, für die eine Zweidrittelsmehrheit nötig war.
    Und Resultate vom Referendum vom Sonntag sollten nicht ernst genommen werden. Da wurden keine Standards eingehalten. Die "Katalanen" haben nicht abgestimmt, weil für die Leute die gegen die Unabhängigkeit sind, das Referendum illegal war. Diese, vor zwei Jahren noch 52%, sind aber genau so Katalanen.
  • Gramedo 03.10.2017 23:04
    Highlight Highlight Zu Fakt 1: Katalonien war nie unabhängig. Im Mittelater war es eine Grafschaft vom Königreich Aragon, sodass eine Gleichstellung Kastilien-Katalonien einfach nur falsch ist.
    Zu Fakt 2: Franco war ein Diktator, der ganz Spanien unterdrückt hat. Hier die Leiden einer Region so zu unterstreichen ist nicht unbedingt korrekt.
    Zu Fakt 3: Die 1,5 Mill. Demonstranten konnten 1976 unmöglich für die Unabhängigkeit sein. Vor 2012 war die Diada ein regionaler Feiertag aller Katalanen (auch der Unionisten). Fakt ist eher dass im Verfassungsreferendum von 1978 90% der Katalanen dafür stimmten.
    • Elendil91 04.10.2017 13:57
      Highlight Highlight @Gramedo: Richtig!
      Und noch was zu 1714. Das war ein Erbfolgekrieg um Spanien, welcher zwischen allen europäischen Grossmächten ausgetragen wurde. Die Katalanen unterstützen zuerst den Bourbonen, dann wechselten sie die Seiten und unterstützen den Habsburger (versprach mehr), aber am Ende gewannen doch die Bourbonen. Tja die fanden das nicht so lustig. Es war ein Machtspiel das verloren ging und damit endete das die Franzosen Barcelona eroberten.
  • NureinBär 03.10.2017 22:50
    Highlight Highlight Aber wenn Kurden ihre Unabhängigkeit wollen ist das Terrorismus.
    • phreko 03.10.2017 23:42
      Highlight Highlight Das sagen bloss dieselben, die auch den Katalanen keine Unabhängigkeit gönnen.
  • Elendil91 03.10.2017 22:34
    Highlight Highlight Was, Katalonien bestand als Staat im 15. Jhd? Eher so wie die Schweiz damals ein Staat war...gar nicht, schon gar nicht im modernen Sinne. Das waren alles Königreiche, genauer das Königreich Aragón! Die hatten auch in Kastillen Stände und rivalisierende Adlige, keineswegs war der König dort zu dieser Zeit ein absoluter Herrscher.
    Es stimmt Kastillien hat Amerika kolonisiert und Aragón (Katalonien) Süditalien (Neapel und Sizilien) beherrscht.
    Man muss da schon genau sein, die waren eher gleichberechtigt.

  • Quecksalber 03.10.2017 22:22
    Highlight Highlight Das wäre nicht das ersteMal, dass autoritäre Konservative ihr Land durch Ausgrenzung und Zuspitzung am Ende deutlich verkleinert haben.
    • Elendil91 04.10.2017 08:16
      Highlight Highlight Die Konservativen (PP) agieren vielleicht politisch nicht klug, aber sind doch weit entfernt einen autoritären oder diktatorischen Regime zu gleichen.
      Ein solches Regime kann man in Europa heute (fast) nicht mehr finden.
    • Sophia 04.10.2017 11:04
      Highlight Highlight Du hast völlig Recht, QS! Und wie man heute gut sehen kann, verstecken sich die Rechten gelegentlich unter einem linken Deckmantel! Rechte sind Menschen, welche immer die absolute Herrschaft anstreben, gleich unter welcher Farbe. Schon Stalin sah in den Nazis eher Verbündete als Feinde, was er nachher sehr bereuen musste. Seine Kommunisten mussten in Deutschland die Sozialdemokraten und nicht die NSADAP bekämpfen. Ostdeutschland ist dafür ein gutes Beispiel: Links zieht nicht mehr, also wählen wir jetzt recht, Hauptsache wir bekommen die Macht, was ihnen hoffentlich nie gelingt!
  • meglo 03.10.2017 22:19
    Highlight Highlight Lesenswerter Beitrag.
    Vielleicht versteht man die Beweggründe der Katalanen nun etwas besser. Wer sich auch nur ein wenig mit der Geschichte Spaniens und der Befindlichkeit der spanischen Minderheiten auskennt, kann wohl schwer nachvollziehen, weshalb die spanische Zentralregierung ausgerechnet die berüchtigte Guardia Civil vorgeschickt hat, um das Referendum zu verhindern. Es gibt wohl keine bessere Methode Öl ins Feuer zu giessen und den Konflikt noch mehr eskalieren zu lassen.
    • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 03.10.2017 22:42
      Highlight Highlight Nun ich denke die Guardia Civil wurde bewusst entsendet.
      Sie sollte das tun was sie am besten kann, Angst und Terror verbreiten.

      Das hat sie getan, nur ist 2017 und nicht mehr 1975, die Menschen lassen sich nicht mehr so leicht Einschüchtern.
    • Posersalami 04.10.2017 00:04
      Highlight Highlight Das lässt darauf schliessen, dass die Regierung in Madrid eine Eskalation wünscht. Warum auch immer.
    • Elendil91 04.10.2017 08:21
      Highlight Highlight Wieso assoziieren alle die Guardia Civil mit dem alten (und toten) Franco-Regime?
      Die heutigen Gardisten sind normale Polizisten, ähnlich der Gendarmerie in Frankreich oder den Carabinieri in Italien. Landpolizei für die kleinen Dörfer und Städte, sie wurden als Verstärkung der Nationalpolizei gebraucht, das sind Profis und machen ihre Arbeit.
      Btw. die Policia Armada und die Secreta (Geheimpolizei) waren bei Franco für die Unterdrückung zuständig, beide gibt es heute nicht mehr.
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  • Samy Kulturattentat D 03.10.2017 22:14
    Highlight Highlight Weiter zu erwähnen wäre sicher 23 F und die Tatsache, dass es eine Dreiviertelsmehrheit im spanischen Parlament braucht um wichtige Posten in Regierung und Justiz der Postfrancistischen PP zu entreissen.
    • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 03.10.2017 22:46
      Highlight Highlight Hoffentlich passiert das heute statt morgen. Bevor die Guardia Civil den Staatsterror den sie im Baskenland betrieb und noch immer betreibt, nach Katalpnien bringen kann

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