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Terrorismus

Was wissen wir über die mutmasslichen Brüssel-Attentäter? – Die Fakten im Überblick

Die Verdächtigen: Ibrahim El Bakraoui (mitte) sprengte sich am Flughafen in die Luft. Die beiden anderen Männer sind nicht identifiziert. Der Mann mit dem Hut setzte die grösste Bombe – diese detonier ...
Die Verdächtigen: Ibrahim El Bakraoui (mitte) sprengte sich am Flughafen in die Luft. Die beiden anderen Männer sind nicht identifiziert. Der Mann mit dem Hut setzte die grösste Bombe – diese detonierte aber nicht.
Bild: BELGIAN FEDERAL POLICE

Was wissen wir über die mutmasslichen Brüssel-Attentäter? – Die Fakten im Überblick

Die belgische Polizei hat die Namen von drei Verdächtigen kommuniziert. Ein Brüderpaar ist für die Detonationen in der Metro-Station und im Flughafen verantwortlich. Der dritte Hauptverdächtige ist auf der Flucht. Was wissen wir über die drei? Der Überblick. 
23.03.2016, 11:3823.03.2016, 14:12
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Najim Laachraoui

  • Der 24-Jährige Najim Laachraoui, auch unter dem Namen Soufiane Kayal bekannt, ist ein Komplize von Salah Abdeslam. Der vergangenen Freitag verhaftete Abdeslam wird verdächtigt, die Paris-Anschläge mitgeplant zu haben. Im September reisten Abdeslam und Laachraoui gemeinsam nach Ungarn.
  • Die DNA-Spuren Laachraouis wurden in den Wohnungen gefunden, die damals von den Attentätern genutzt worden sind: In einem Haus in Auvelais, ausserhalb Brüssels, und in einer Wohnung im Stadtteil Schaerbeek, in der sich Abdeslam versteckt hatte. Auch auf Bomben-Material liess Laachraoui Spuren.
  • Laachraoui stand bereits im Fokus der Sicherheitsbehörden und auf deren Fahndungslisten. Spätestens seit der Verhaftung Abdeslams wird nach ihm gesucht.
  • Im Februar 2013 reiste Laachraoui nach Syrien und kehrte nach Belgien zurück. Das nächste und letzte Mal wurde er an der ungarischen Grenze kontrolliert.
  • Laachraoui kam in Marokko zur Welt und wuchs in Brüssel auf. Im belgischen Stadtteil Schaerbeek soll er an einer katholischen Schule Elektriker gelernt haben.
  • Laachraoui ist noch immer auf der Flucht. Die Medienberichte, wonach der Verdächtige in Anderlecht geschnappt worden war, stellten sich als falsch heraus. 

Die El-Bakraoui-Brüder

  • Ibrahim El Bakraoui, 30, und Khalid Bakraoui, 27, wurden als Attentäter identifiziert. Auf dem Überwachungsbild vom Flughafen sieht man Ibrahim El Bakraoui (in der Mitte). Er trägt eine Hand im Handschuh – möglicherweise um Bombenzündungen zu verstecken. Ibrahim sprengte sich am Flughafen in die Luft. Khalid war verantwortlich für die Explosion in der Metro-Station Maelbeek.
  • Beide Brüder waren der Polizei wegen mehreren Straftaten bekannt, wurden jedoch lange nicht mit terroristischen Aktivitäten in Verbindung gebracht.
  • Kürzlich ergaben sich aber immer mehr Verbindungen zu den Paris-Attentätern: So hatten die beiden mehrere Verstecke organisiert, die von mutmasslichen Terroristen benutzt wurden. Eines davon liegt in Charleroi, Belgien, wo sich zwei der Drahtzieher vor dem Attentat getroffen hatten.
  • Ein zweites war eine Wohnung im Stadteil Forest-Vorst. Das Apartment war unter Khalids Namen gemietet. Bei einer Razzia letzten Dienstag erschoss die Polizei darin einen Mann.
  • Einer der Brüder soll zudem die Paris-Attentäter mit Munition und Waffen versorgt haben, mit denen die Terroristen das Feuer auf die Konzertbesucher im Bataclan eröffneten.
Ibrahim El Bakraoui (rechts). Der zweite Mann auf dem Bild ist noch nicht identifiziert.
Ibrahim El Bakraoui (rechts). Der zweite Mann auf dem Bild ist noch nicht identifiziert.
Bild: HANDOUT/REUTERS

Die Tat

  • Zwei Explosionen haben kurz nach 8 Uhr die Abflughalle des Flughafen Zaventem in Brüssel erschüttert. Mindestens eine wurde von einem Selbstmordattentäter verübt. Eine dritte Bombe konnte von der Polizei entschärft werden.
  • Nur kurz nach den ersten Explosionen detonierte eine weitere Bombe in der Metrostation Maalbeek – eine Haltestelle entfernt von der Station, an der Gebäude von EU-Kommission und EU-Rat stehen. Eine fünfte Bombe wurde bei einer U-Bahn-Station an der Rue de Loi, an der auch die Schweizer Botschaft liegt, entschärft.
  • Der «IS» hat die Verantwortung für die Taten übernommen.
  • Die belgische Gesundheitsministerin Maggie De Block hat die Zahl der Brüsseler Anschlagsopfer am Mittwoch mit «ungefähr 31 Toten» und fast 260 Verletzten angegeben. Zuvor war von 34 Toten und 230 Verletzten die Rede gewesen.
  • Die belgischen Behörden haben die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Metro und Züge fahren wieder. Der Flughafen öffnet erst am Donnerstag wieder.

Offene Fragen

  • Wie hängen die Ereignisse am Flughafen und den Metrostationen zusammen? Die Behörden gehen in allen Fällen von Terrorattacken aus. Dass diese koordiniert waren, scheint wahrscheinlich. Offiziell gibt es dazu aber keine Angaben.
  • Hängen die Ereignisse mit der Festnahme des mutmasslichen Paris-Attentäters zusammen? In Brüssel war am vergangenen Freitag der einzige Überlebende, mutmassliche Attentäter von Paris, Salah Abdeslam, verhaftet worden. Ob es sich bei den Anschlägen um eine Vergeltungsaktion handelt ist möglich, aber noch unklar.
  • Wer sind die beiden Männer auf dem Fahndungsbild, rechts und links von Ibrahim El Bakaoui? An der Pressekonferenz hat sich die Polizei nicht dazu geäussert.

(dwi/meg)

Tote bei Terroranschlägen in Brüssel

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Tote bei Terroranschlägen in Brüssel
In Belgiens Hauptstadt Brüssel ist es am 22. März 2016 zu einer Anschlagsserie gekommen. Zunächst kam es zu zwei heftigen Explosionen in der Abflughalle des Flughafens Brüssel.
quelle: ap/rtl belgium via associated press television
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4 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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lobin
22.03.2016 17:52registriert Oktober 2015
Ohne unsere Medien, inklusive watson, wäre der IS-Terror nur halb so wirkungsvoll.
Es geht ja darum um Angst und Schrecken zu verbreiten, und da macht die Sensationsgeilheit noch so gerne mit.
Also, haltet Euch doch bitte etwas zurück. Informationen, aber keine Panikmache und dementsprechende Bilder.
Wenn täglich hunderte von Menschen bei gleichen Anschlägen im mittleren und nahen Osten sterben macht ihr es ja auch nicht. Oder?
Schliesslich ist das die natürliche Reaktion darauf wenn man jahrelang die Gegend mit Waffen vollstopft.
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