International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Thailändischer König will nicht, dass seine Schwester als Premierministerin kandidiert 



epa07351687 (FILE) - Princess Ubolratana Mahidol of Thailand applauds during her visit to the Expo Zaragoza 2008, in Zaragoza, Aragon, Spain, 19 August 2008 (reissued 08 February 2019). According to media reports on 08 February 2019, Princess Ubolratana Mahidol of Thailand was nominated as a candidate for Prime Minister of Thailand by the Thai Raksa Chart political party.  EPA/JORGE ZAPATA

Prinzessin Ubolratana: Einen echten Titel hat sie nicht mehr. Jetzt will sie Premierministerin werden. Bild: EPA/EFE

In Thailand hat die Politik wenige Wochen vor der geplanten Parlamentswahl eine völlig überraschende Wendung genommen. Die älteste Schwester des Königs, Prinzessin Ubolratana, kündigte am Freitag ihre Kandidatur für das Amt der Premierministerin an.

Das gab es in der langen Geschichte des südostasiatischen Königreichs noch nie. Die 67-Jährige ist im Volk sehr populär.

Mit ihrer Bewerbung stellt sich die Prinzessin gegen Thailands Generäle, die seit einem Militärputsch 2014 an der Macht sind. Getragen wird die Kandidatur von einer Partei, die aus dem Umfeld der damals gestürzten Regierungschefin Yingluck Shinawatra kommt. Thailändische Medien sprachen von einer «Sensation».

Am Abend (Ortszeit) ging ihr Bruder, König Maha Vajiralongkorn, jedoch klar auf Distanz zu seiner Schwester. In einer Erklärung, die im Fernsehen verlesen wurde, bezeichnete der 66-Jährige die Bewerbung als «unangemessen». Sie stehe auch im Widerspruch zur Verfassung. Das Königshaus stehe «über der Politik».

Wenn es trotzdem bei der Kandidatur bleibt, ist die Prinzessin direkte Konkurrentin des amtierenden Regierungschefs Prayut Chan-o-Cha. Der Putsch-General hatte einst versprochen, sich nach getaner Arbeit aus der Politik zurückzuziehen. Am Freitag gab er - wie erwartet - jedoch bekannt, dass er Premierminister bleiben will, künftig allerdings für eine zivile Partei.

Schritt Richtung Demokratie

Die Wahl zum neuen Parlament ist nach wiederholter Verschiebung nun am 24. März geplant. Für das 68-Millionen-Einwohner-Land wäre dies ein wichtiger Schritt wieder in Richtung Demokratie. Verlässliche Umfragen gibt es bislang nicht. Weltweit wäre es ein Novum, wenn die Schwester eines amtierenden Königs demokratisch gewählte Regierungschefin würde.

Thailand wird seit 1782 von der Chakri-Dynastie beherrscht. Seit 1932 ist das Land eine konstitutionelle Monarchie. Das Königshaus hat nicht nur wegen seines enormen Reichtums grossen Einfluss. Der alte König Bhumibol wurde bis zu seinem Tod 2016 - nach sieben Jahrzehnten auf dem Thron - gottesähnlich verehrt.

Heute steht Ubolratanas Bruder Maha Vajiralongkorn an der Spitze. Der 66-Jährige ist allerdings noch nicht offiziell gekrönt. Dies soll Anfang Mai geschehen - sechs Wochen nach der Wahl.

Parteipräsident: «Beste Wahl»

Über eine Kandidatur der Prinzessin war seit einigen Tagen spekuliert worden. Viele glaubten nicht daran. Schliesslich bestätigte die Partei Thai Raksa Chart - gegründet von Anhängern der Shinawatras - die Gerüchte. Ubolratana sei die «beste Wahl» für das Amt der Ministerpräsidentin, sagte Parteichef Preechapol Pongpanich. Sie sei «gebildet und geschickt».

Die Prinzessin selbst verbreitete auf Instagram die Botschaft: «Wir werden zusammen vorangehen. An alle Bürger Thailands Danke für Eure Liebe und Unterstützung.»

Die «Königliche Hoheit» - mit vollem Namen Thunkramom Ying Ubolratana Rajakanya Sirivadhana Barnavadi - hat enge Kontakte zu den Shinawatras, die Thailands Politik seit langem mitbestimmt. Familienoberhaupt Thaksin Shinawatra wurde 2006 als Premierminister vom Militär gestürzt. Acht Jahre später ereilte seine Schwester Yingluck das gleiche Schicksal. Beide leben inzwischen im Ausland.

Prayut will Ministerpräsident bleiben

Der Chef der Militär-Junta, Prayut, gab am Freitag seine Kandidatur für die Partei Phalang Pracharat bekannt, die der Armee nahesteht. Er sagte: «Ich bekräftige, dass ich keine Absicht habe, meine Macht im Amt zu verlängern. Ich will nur zum Wohl des Landes und der Menschen arbeiten.»

Die Kandidatur der Prinzessin macht die Dinge für Prayut und die anderen Militärs nun viel komplizierter. Thailands Königshaus ist durch ein sehr strenges Gesetz praktisch gegen jede Kritik geschützt. Prayut versicherte der Königsfamilie immer wieder seine Loyalität.

Am Freitag wurden aber auch Zweifel laut, ob die Prinzessin überhaupt kandidieren darf. Die Entscheidung darüber liegt bei einem staatlichen Wahlausschuss.

In Lausanne geboren

Ubolratana wurde 1951 in Lausanne geboren. Sie hat einen Abschluss der amerikanischen Elite-Uni MIT. Wegen ihrer Hochzeit mit einem bürgerlichen US-Amerikaner 1972 verlor sie viele Privilegien und verzichtete auf ihre königlichen Titel.

Ein Vierteljahrhundert lang lebte sie unter bürgerlichem Namen in den USA. Nach der Scheidung kehrte sie nach Bangkok zurück. Ihr einziger Sohn kam 2004 bei der Tsunami-Katastrophe in Südostasien ums Leben. Die schillernde Prinzessin ist in Filmen aufgetreten, singt, ist in den sozialen Netzwerken aktiv und Modeliebhaberin. (tam/sda/dpa/afp)

Rapsong bricht Tabus und führt Missstände in Thailand auf

abspielen

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Diese 9 Food Trucks aus New York wünschen wir uns in der Schweiz (weil absolut 🤤)

Link zum Artikel

Federer/Nadal necken sich wie ein altes Ehepaar und McEnroe will «ihre Karrieren beenden»

Link zum Artikel

«Kein Brexit ohne Parlament!» John Bercow sagt Johnson in Zürich den Kampf an

Link zum Artikel

St. Galler Polizist schiesst sich aus Versehen in den Oberschenkel

Link zum Artikel

Die lange Reise der Schiedsrichter-Pfeife an die Rugby-WM nach Japan

Link zum Artikel

Eins vor Tod will ich Sex und (eventuell) eine Ohrfeige

Link zum Artikel

CVP fährt grosse Negativ-Kampagne gegen andere Parteien – die Reaktionen sind heftig

Link zum Artikel

Wo du in dieser Saison Champions League und Europa League sehen kannst

Link zum Artikel

Migros Aare baut rund 300 Arbeitsplätze ab

Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Banking-Apps wie Revolut – so gehen die Betrüger vor

Link zum Artikel

YB droht Bickel mit Gericht, nachdem er als Sportchef 40 Mio. verlochte

Link zum Artikel

Warum wir bald wieder über den Schweizer Pass reden werden

Link zum Artikel

«Ich hatte Sex mit dem Ex meiner besten Freundin…»

Link zum Artikel

Die amerikanische Agentin, die Frankreichs Résistance aufbaute

Link zum Artikel

Matheproblem um die Zahl 42 geknackt

Link zum Artikel

Wie gut kennst du dich in der Schweiz aus? Diese 11 Rätsel zeigen es dir

Link zum Artikel

«In der Schweiz gibt es zu viel Old Money und zu wenig Smart Money»

Link zum Artikel

So schneiden die Politiker im Franz-Test ab – wärst du besser?

Link zum Artikel

Röstigraben im Bundeshaus: «Sobald ich auf Deutsch wechsle, sinkt der Lärm um 10 Dezibel»

Link zum Artikel

So erklärt das OK der Hockey-WM in der Schweiz die Ähnlichkeit zum Tim-Hortons-Spot

Link zum Artikel

Die Geschichte von «Ausbrecherkönig» Walter Stürm und seinem traurigen Ende

Link zum Artikel

«Informiert euch!»: Greta liest den Amerikanern bei Trevor Noah die Leviten

Link zum Artikel

Keine Angst vor Freitag, dem 13.! Diese 13 Menschen haben bereits alles Pech aufgebraucht

Link zum Artikel

Der Kampf einer indonesischen Insel gegen den Plastik

Link zum Artikel

«Ich bin … wie soll ich es sagen … so ein bisschen ein Arschloch-Spieler»

Link zum Artikel

Alles, was du über die neuen iPhones und den «Netflix-Killer» von Apple wissen musst

Link zum Artikel

15 Bilder, die zeigen, wie wunderschön und gleichzeitig brutal die Natur ist

Link zum Artikel

Shaqiri? Xhaka? Von wegen! Zwei Torhüter sind die besten Schweizer bei «FIFA 20»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

9
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ujay 09.02.2019 04:28
    Highlight Highlight Das wars dann mit der Polit Karriere der Prinzessin.
  • honesty_is_the_key 09.02.2019 00:06
    Highlight Highlight Ich wünsche mir sehr dass ihre Majestät Ubolratana Premierministerin wird.

    Leider sind einige Gesetze in Thailand sehr altmodisch, deshalb wurde der jetztige König überhaupt König, obwohl mehrere seiner Schwestern dafür besser geeignet gewesen wären. Wirklich schade, sie wären wirklich würdiger Nachfolgerinnen gewesen des verstorbenen und meiner Meinung nach wirklich tollen König Bhumibols gewesen.
    • balzercomp 09.02.2019 14:20
      Highlight Highlight Wenn, dann wäre es ihre königliche Hoheit. Majestät ist der König oder die Königin. Und da ihr der Titel, nach ihrer Hochzeit, aberkannt wurde, ist sie auch das nicht mehr.
  • Maranothar 09.02.2019 00:03
    Highlight Highlight Bin gespannt wie der Wahlausschuss das nicht vorhandensein eines königlichen Titels wertet.
  • welefant 08.02.2019 21:46
    Highlight Highlight ich denke sie könnten beruf und privat sicher gut trennen... in thailand😬
    • Fräulein Sarahs Gespür für den ISLAM 09.02.2019 16:38
      Highlight Highlight Hä ? Für Thailand wäre es ein Segen, wenn die Militärs endlich weg wären !
  • Scaros_2 08.02.2019 20:56
    Highlight Highlight Seine Denkweise für die heutige Zeit ist unangemessen.
    • zeromaster80 08.02.2019 21:09
      Highlight Highlight Die Denkweise, dass Monarchie nicht in die Politik eingreifen sollten ist unangemessen? Frauen dürfen sich bei Linken echt alles erlauben.
    • Herr Ole 08.02.2019 22:13
      Highlight Highlight Die Existenz von Monarchien ist für die heutige Zeit unangemessen.

Jeder Guantánamo-Häftling kostet 13 Millionen Dollar – pro Jahr

Das US-Gefangenenlager Guantánamo ist nach einer Erhebung der «New York Times» das wohl teuerste Gefängnis der Geschichte. Die Kosten für die Unterbringung der zuletzt 40 Insassen lagen im Jahr 2018 bei über 540 Millionen US-Dollar.

Das sind rund 13 Millionen Dollar pro Häftling, wie die US-Zeitung am Montag (Ortszeit) berichtete. Das Lager war nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 errichtet worden, um mutmassliche islamistische Terroristen ohne Prozess festzuhalten.

Im Lauf der Jahre …

Artikel lesen
Link zum Artikel