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Vor fünf Jahren wurde Janukowitsch gestürzt – die Ukraine bleibt zerrissen



Der Ukraine-Konflikt

In seinem russischen Exil hat der aus seinem Land geflohene ukrainische Ex-Präsident Viktor Janukowitsch ganz andere Sorgen als die grosse Politik. Bei einem Tennismatch habe er sich am Knie verletzt, sagt der 68-Jährige bei einem Auftritt in Moskau Anfang des Monats.

Former Ukraine President Viktor Yanukovych speaks during a news conference in Moscow, Russia, Wednesday, Feb. 6, 2019. Ukraine's exiled former president, who was found guilty of fueling a deadly separatist conflict in the east, on Wednesday claimed there could be possible vote rigging in the country's upcoming presidential election. (AP Photo/Pavel Golovkin)

Bild: AP/AP

Weit weg sind die dramatischen Ereignisse vor exakt fünf Jahren, als er am 21. Februar 2014 fliehen musste. Grund dafür waren die blutigen Proteste proeuropäischer Ukrainer auf dem Maidan, die weg wollten von Janukowitschs Russland-Hörigkeit in eine Zukunft in der EU.

Mehr als 100 Menschen starben damals auf dem Unabhängigkeitsplatz, dem Maidan, in Kiew. An den Bäumen der Allee der «Helden der Himmlischen Hundertschaft», die zum Maidan führt, hängen noch immer mit Klebeband befestigte Fotos von toten Demonstranten.

ARCHIV - ZUM 5. JAHRESTAG DER EUROMAIDAN, DER BUERGERPROTESTE IN DER UKRAINE, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES THEMENBILD ZUR VERFUEGUNG -A Femen activist stands on a poster of Ukrainian President Viktor Yanukovych during a protest against the President outside the Ukrainian embassy, in Paris, Sunday Dec. 1, 2013. The protest was in response to President Viktor Yanukovych backing away from an agreement that would have established free trade and deepened political cooperation between Ukraine and the EU. He justified the decision by saying that Ukraine could not afford to break trade ties with Russia. (AP Photo/Thibault Camus)

Bild: AP

Provisorische Gedenksteine mit stilisierten Kosaken-Säbeln, Stapel mit Pflastersteinen und Windlichtern erinnern an die dreimonatigen Proteste, die mit blutigen Auseinandersetzungen zwischen Regierungsgegnern und Sicherheitskräften endeten. Der Bau eines Gedenkkomplexes lässt weiter auf sich warten. Eine provisorische Ausstellung zum Jahrestag soll Besuchern der Hauptstadt die Ereignisse näher bringen.

Leben in Selbstzufriedenheit

Indessen sieht sich Janukowitsch in Sicherheit – eine Auslieferung wegen Hochverrats in seine frühere Heimat muss er nicht fürchten. Der russische Präsident Wladimir Putin garantiert seinen Schutz.

Janukowitsch lebt nach russischen Medienberichten in Luxus, trifft sich mit Geschäftsleuten, wird bei Pressekonferenzen hofiert. Dabei ist sein Land, die Ukraine, zerrissen. Krieg, Armut und Vertreibung bestimmen für viele Menschen in der Ostukraine den Alltag.

Andere Bilder aus der Ukraine: Lebensfreude statt Gewalt und Zerstörung

Dass Janukowitschs Nachfolger Petro Poroschenko, ein auch mit einem Schokoladenimperium zu Reichtum gekommener Oligarch, um seine Wiederwahl fürchtet, kommentiert der gefallene Politiker beinahe genüsslich. «Das ist alles wie in einem schrecklichen Traum für alle Beteiligten», sagte Janukowitsch unlängst vor Journalisten.

Eine Zukunft mit ihm wäre die bessere Option für das Land gewesen, ist er sich sicher. Die Halbinsel Krim wäre nicht an Russland gefallen in einem vom Grossteil der Welt nicht anerkannten Referendum; in der damals recht gut aufgestellten Ostukraine, woher Janukowitsch stammt, wäre Frieden, glaubt er.

Wenig Lichtblicke

Fünf Jahre später hat das Land zwar die von der EU versprochene Visafreiheit und das Assoziierungsabkommen, das Janukowitsch zu Gefallen Russlands nicht unterzeichnen wollte. Aber sonst gibt es wenig Lichtblicke.

epa07380706 Ukrainian President Petro Poroshenko speaks to lawmakers during an extraordinary session of Ukrainian Parliament in Kiev, Ukraine, 19 February 2019. Poroshenko signed a law on amending the Constitution on the strategic course of the state to acquire full membership of Ukraine in the EU and NATO, which was voted for by Parliament on 07 February 2019. European Council President Tusk took part in that session of Ukrainian Parliament.  EPA/SERGEY DOLZHENKO

Petro Poroschenko. Bild: EPA/EPA

In Kiew gibt es zum Jahrestag des Blutbades auf dem Maidan Glockengeläut, Kerzen, Nelken und Rosenblätter. Das Trauma ist nicht aufgearbeitet. Ob Janukowitsch damals Scharfschützen den Schiessbefehl gab, ist noch immer nicht geklärt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen der tödlichen Schüsse, noch wurde jedoch niemand verurteilt.

Auslöser der Proteste war eine Abkehr von Russland zugunsten eines proeuropäischen Kurses. Vor der Präsidentenwahl am 31. März erinnert Amtsinhaber Petro Poroschenko immer wieder daran, worum es damals ging, wofür es so viele Opfer gab. Er schwört die Ex-Sowjetrepublik auf einen Kurs in die EU und die Nato ein. Ein Zurück gibt es nicht.

Und Janukowitschs Erbe in der Heimat? Die einst regierende Partei der Regionen hat sich aufgelöst. Einige Gefolgsleute gründeten sich als Oppositionsblock neu, zerstritten sich aber bald wieder, sie spielen kaum eine Rolle in der Kiewer Politik.

Bei der Präsidentenwahl könnte vielmehr jemand das Rennen machen, der auch in Russland beliebt ist: der Komiker Wladimir Selenski, der zuletzt schon in einer Satire Präsident spielte und auch Poroschenko parodierte.

So unzufrieden wie noch nie

Zu lachen haben die Menschen in der Ukraine sonst nicht viel. Wirtschaftlich hat sich ihre Lage kaum verbessert: Aktuellen Umfragen zufolge sind die Menschen dort so unzufrieden wie noch nie zuvor.

epa04097504 Several hundred Polish people take part in a demonstration in the center of Warsaw, Poland, 23 February 2014, in support of anti-government protest in Kiev (Ukraine).  EPA/Grzegorz Jakubowski POLAND OUT

Bild: EPA/PAP

Mehr als 70 Prozent der Einwohner sind unglücklich über die Entwicklung des Landes. Doch sehnen sich nur wenige nach einem Leben unter Janukowitsch zurück. Viele Ukrainer wollen im EU-Ausland Arbeit finden, vor allem im benachbarten Polen.

Das Land, das nach einer Statistik des Internationalen Währungsfonds das ärmste in Europa ist, geht zudem bald in das sechste Kriegsjahr. Im Osten sind seither mehr als 13'000 Menschen in den Kämpfen der prorussischen Separatisten mit den Regierungssoldaten gestorben. Hunderttausende sind vor dem Krieg ins benachbarte Russland geflüchtet – und wollen auch nie wieder zurückkehren.

Entspannen auf Janukowitsch-Anwesen

The hunting home of ousted Ukrainian President Viktor Yanukovych's House in Zalissya, Ukraine, Thursday, April 3, 2014. Interim authorities in Ukraine on Thursday accused Yanukovych's government of using a network of hired killers, kidnappers and gangs of thugs to terrorize and undermine the opposition. (AP Photo/Efrem Lukatsky)

Bild: AP/AP

Dass Janukowitsch jemals wieder nach Kiew zurückkehren wird, ist unwahrscheinlich. Sein einstiges prunkvolles Anwesen Meschyhirja im Norden von Kiew steht leer, ist aber ein Besuchermagnet für Schaulustige. Bis zu 3000 Besucher kommen am Wochenende vorbei, das riesige Gelände ist vor allem für Picknicks oder Velotouren im Sommer beliebt.

Die Residenz mit goldenen Kronleuchtern, luxuriöser Ausstattung und ausgestopften Tieren ist dabei weniger interessant. Die Menschen wollten ja nicht zu Janukowitsch, sagt Denis Tarachkotelnik, der Verwaltungsleiter des gerichtlich beschlagnahmten Gebäudes. Sie wollten auf dem herrlichen Grundstück einfach vom harten Alltag abschalten. (aeg/sda/dpa)

Wie Putin-Kritiker Babtschenko seinen Tod inszenierte

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Video: srf/SDA SRF

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    Alle Leser-Kommentare
  • Liselote Meier 20.02.2019 14:24
    Highlight Highlight Ziemlich undifferenziert die Proteste auf dem Maidan als "pro-europäisch" zu betiteln.

    Das mag auf einige sicherlich zustimmen vor allem für die Studentenproteste zu Beginn, der "harte Kern" auf dem Maiden war aber sicherlich nicht "pro-europäisch", das waren Nationalisten, Slawa Ukrajini. Die halten gar nichts von einer Annäherung an die EU.

    Aber was erwartet man auch von einer dpa.
    • Brezel Hugger 20.02.2019 15:07
      Highlight Highlight Dein Slogan ist falsch wiedergegeben. Es heisst richtig "salo ukraini heroyam salo".
  • NikolaiZH 20.02.2019 14:01
    Highlight Highlight es war ein ruhiges und stabiles land ukraine. man lebte dort nicht ohne sorgen, aber auch nicht katastrophal besorgt.
    bis jemand auf die idee gekommen ist, dass freundschaft mit russland schlecht ist....
  • D(r)ummer 20.02.2019 13:34
    Highlight Highlight Immerhin sitzt einer derer, die Janukowitsch an die Macht halfen, im Knast.
    Heisst Manafort und lebt in den USA.
  • wiisi 20.02.2019 13:15
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