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Donald Trump: Der US-Präsident begibt sich soweit auf fremdenfeindliches Terrain vor wie noch nie. 
Donald Trump: Der US-Präsident begibt sich soweit auf fremdenfeindliches Terrain vor wie noch nie. Bild: EPA/EPA

Wie der 29. November zum bisher dunkelsten Trump-Tag wurde – in 3 Schritten

Donald Trump hat mit drei Retweets eine Welle der Empörung ausgelöst. Sogar die britische Regierung distanziert sich davon – und «Fake News» sind sie auch.
29.11.2017, 22:4430.11.2017, 08:29

Die Retweets

Immer, wenn man denkt, der Tiefpunkt sei erreicht, setzt Trump nochmals einen obendrauf. Einen Tag nachdem sich der Präsident der Vereinigten Staaten respektlos gegenüber Navajo-Indianern verhalten hat, holt er zum nächsten Schlag aus: Auf Twitter verbreitet der US-Präsident drei Videos mit anti-muslimischer Propaganda. 

Der Inhalt der Clips ist teilweise so brutal, dass wir darauf verzichten, sie zu zeigen. 

Zunächst werden die Videos von der rechtsextremen Britin Jayda Fransen vertwittert. Fransen ist Vizechefin der Gruppe «Britain First», die ein umfassendes Verbot des Islams in Grossbritannien fordert. Bisher kaum über die Grenzen der Insel bekannt.

Doch dann betätigt Donald Trump den Retweet-Button. Statt einige Tausend Personen bekommen die Clips nun über 43 Millionen Menschen zu sehen. So viele Twitter-Follower hat der US-Präsident momentan.  

Bild: AP/Twitter

Trump lässt die Tweets unkommentiert, ruft auf seinem Twitter-Kanal stattdessen zum Boykott von CNN auf. Der News-Sender verbreite «Fake News». 

Die «Fake News»

Doch während der Präsident «Fake News CNN» schreit, stellt sich heraus, dass er gerade selber falsche Informationen verbreitet hat. 

«Muslim migrant beats up Dutch boy on crutches!» – heisst es in einer der drei Video-Überschriften. Ein muslimischer Migrant soll also einen holländischen Jungen verprügelt haben. 

Doch das stimmt nicht. 

Der Vorfall hat zwar tatsächlich stattgefunden, doch die Religion des angreifenden Jungen wurde in keinem Polizeirapport oder dergleichen notiert.

Auch stellen die holländischen Behörden einige Stunden nach Trumps Retweet klar, dass der junge Mann in Holland geboren und aufgewachsen sei. Es handelt sich also nicht um einen Migranten. 

Die Reaktionen

Am Nachmittag dann der nächste Hammer: Sarah Huckabee Sanders, die Sprecherin von Donald Trump, wird gefragt, ob es eine Rolle spielt, dass die Videos «fake» seien. Darauf antwortet sie: 

«Ich will jetzt nicht über die Videos sprechen. Sie konzentrieren sich auf die falsche Sache. Die Bedrohung ist echt, und das ist das, was der Präsident anspricht.» 

Es mag tatsächlich sein, dass sich Trump von der muslimischen Welt bedroht fühlt, dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass er «Fake News» verbreitet hat.

Falsch-Nachrichten, mit denen der Präsident der Vereinigten Staaten einen Keil zwischen das Christentum und den Islam treibt. Falsch-Nachrichten, mit denen der Präsident der Vereinigten Staaten sein fremdenfeindliches Gesicht so deutlich zeigt wie noch nie. 

Das geht selbst der konservativen Regierung in London zu weit. Ein Sprecher von Premierministerin Theresa May lässt am Nachmittag verlauten, es sei falsch gewesen, was Trump getan habe. Auch Brexit-Turbo Boris Johnson distanziert sich am Abend in aller Deutlichkeit von der Gruppierung «Britain First».

Starjournalist Piers Morgan findet derweil noch weitaus deutlichere Worte. In einem viel beachteten Artikel der «Daily Mail» schreibt er: «Mr. Trump, das ist das Schlimmste, was Sie bisher als Präsident getan haben.» Gerade so gut hätte Trump aus dem Oval Office mit einem Hut des Ku-Klux-Klans zum amerikanischen Volk sprechen können, so Morgan. «Ich kann nicht glauben, was Sie getan haben.»

Hier sei angemerkt: Morgan war Trump bisher ziemlich wohlgesonnen. 

Morgan – und viele andere auch – fordern Trump nun dazu auf, die Retweets wieder zu löschen. Getan hat es der Präsident der Vereinigten Staaten bisher noch nicht. 

Und das geschah tags zuvor: Trumps «Pocahontas»-Witz kam bei den Indianer nicht so gut an

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