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epa08362590 Paramedics bring a patient into the emergency room at Elmhurst Hospital Center in Queens, New York, USA, on 14 April 2020. The number of confirmed COVID-19 patients continues to rise in the United States as countries around the world try to deal with the coronavirus outbreak.  EPA/JUSTIN LANE

Die Spitäler in New York sind am Limit. Bild: EPA

Bericht von New Yorker Arzt: «Würden sie uns immer noch Helden nennen?»

New York steht still. Die Strassen sind menschenleer, die Intensivstationen überfüllt, das Personal überfordert. Die Stadt ist das Epizentrum des Coronavirus in den Vereinigten Staaten. Ein Tweet eines Doktors auf der Intensivstation eines New Yorker Spitals beschreibt, wie das Leben auf einer COVID-19-Intensivstation aussieht.



Craig Spencer ist Direktor für globale Gesundheit in der Notfallmedizin am New Yorker «Presbyterian / Columbia University Medical Center». Als Arzt war er bereits in Westafrika im Kampf gegen Ebola aktiv und hat sich dann selbst mit dem Virus infiziert. Er war der erste bestätige Fall von Ebola in New York. Heute hilft er auf der Intensivstation im Kampf gegen den neuen Gegner: das Coronavirus.

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In einem viel beachteten Twitter-Thread beschreibt er, wie die Situation auf der Intensivstation aussieht. Nachfolgend findest du die Übersetzung.

Wenn du aufstehst, wunderst du dich:
Würden sie uns immer noch Helden nennen?
Wenn sie wüssten, wie hilflos wir uns fühlen?
Wir dachten, wir könnten uns daran gewöhnen.
Es dauert nun ein Monat, aber es fühlt sich an wie eine Ewigkeit.
Zurück zur Intensivstation. Du springst auf eine leere U-Bahn um 7:30 Uhr morgens. Die Strassen sind ruhig.
Du betrittst das Spital.

Die düstere Symphonie der Monitore ist der einzige Ton, den du hörst.
Ihre Frequenz ist perfekt und vorhersehbar.
Beep.
Beep.
Beep.
Einer wirkt beruhigend.
Aber jetzt sind es Duzende. Jedes im eigenen Rhythmus.
Ein See voller monotonen Lauten.

Es trifft dich beim Eintreten. Seit deiner letzten Schicht hat sich der ganze Ort verändert.
Das Königreich des Hustens wurde gestürzt.
Weil sie nicht husten können, wenn sie intubiert sind.
Jetzt stehen zwei Betten mit zwei Patienten in Räumen, welche nur für einen bestimmt wären.

Du prüfst jeden Patient, jedes Bett. Viele an Infusionen angeschlossen - Sedierung, Kochsalzlösung, Blutdruckunterstützung.

1a: 72 Jahre, weiblich. Intubiert.
1b: 84 Jahre, weiblich. Intubiert.

2a: 64 Jahre, männlich. Sauerstoffmaske. Atmet schnell.
2b: 67 Jahre, männlich. Sauerstoffmaske. Besser als sein Nachbar.

3a: 54 Jahre, männlich. Intubiert.
3b: 48 Jahre, männlich. Intubiert.

4a: 42 Jahre, männlich. Schnelle Herzfrequenz. Niedriger Blutdruck.
4b: 57 Jahre, männlich. Intubiert.

5a: Du kennst sie gut. Sie war schon oft hier. Jetzt ist sie intubiert.
5b: 63 Jahre, weiblich. Sauerstoffmaske. Am Smartphone. Schwer atmend.

Du bist noch nicht mal in der Hälfte. Alle COVID.
Beim Herumlaufen trifft dich ein Flashback.
Seit der Behandlung von Ebola in Westafrika hast du nicht mehr so viele kranke Menschen gesehen.
So viele, die sterben werden, egal, was du für sie tust.

Du hast dich damals gefragt. Du fragst dich jetzt:
Tun wir das Richtige?
Haben wir einen Einfluss?

«Drehen wir sie um. Vielleicht hilft das?»
«Drehe den Sauerstoff auf. Vielleicht hilft das?»
«Drehe die Tropfen runter. Vielleicht hilft das?»
«Versuchen wir diese neuen Medikamente. Vielleicht hilft das?»
«Versuchen wir die alten Medikamente. Vielleicht hilft das?»
Wir zögern. Weil wir nicht wissen, was hilft.

Letzte Woche kümmerte sich ein Kollege um eine Frau mit Herzstillstand infolge COVID. Und um ihre Tochter. Gleichzeitig.
Heute hat einer von deinen Patientinnen Schwierigkeiten, zu atmen.
Du versuchst, mit ihr zu sprechen.
Aber sie beobachtet ihre intubierte Mutter an einem Beatmungsgerät in einem Bett auf der anderen Seite der Notaufnahme.

Die Chef-Krankenschwester kommt zu dir. Ein neuer Patient. Schwer krank.
Er ist in Bett 9. Gleiche Sache. Wenig Sauerstoff.
Du versuchst dich zu konzentrieren, aber deine Gedanken werden von den Durchsagen unterbrochen:
BEATMUNG ZUR NOTAUFNAHME.
NARKOSE ZUR NOTAUFNAHME.
Auf Wiederholung. Wie ein Alarm. Jeden Tag.

Du untersuchst den neuen Patienten. Es ist sofort klar, wie schlimm es ist.
Er atmet 40 Mal pro Minute. Kann kaum sprechen.
Sein Sauerstoff sinkt. Schliess ihn an eine Sauerstoffmaske an. Es steigt langsam wieder.
Du legst deine Hände auf ihn. Aber die Handschuhe fühlen sich so kalt an, so fern. Besser also nicht?

Du willst, dass er sich wieder besser fühlt. Aber das wird er wahrscheinlich nicht.
Du willst ihm sagen, dass du ihm helfen wirst. Aber er kann dich nicht hören. Die Maske dämpft deine Stimme.
Das Zischen von Sauerstoff, das aus den Masken strömt, übertönt deine Worte.
Du versuchst, ihm in die Augen zu schauen, aber deine Brille beschlägt sich.

«Hey, gibt es da jemanden, den ich für Sie anrufen kann?»
Du rufst seine Frau per FaceTime an.
Sie sieht Ihren Mann, der seit 47 Jahren an ihrer Seite ist. Schnell atmend. Kämpfend. Alleine.
Sie hört die Alarme der anderen Patienten an lebenserhaltenden Maschinen im Hintergrund, kämpfend, um am Leben zu bleiben.
Sie sieht dich mit Maske, Schutzanzug und Handschuhen.

Flashback.
Du erinnerst dich.
19 Tage in Isolation, als du mit Ebola infiziert warst.
19 Tage, und alles, was du gesehen hast, waren Masken. Alles, was du gefühlt hast, waren Handschuhe.
Du hast dich giftig gefühlt.
Unabhängig davon, was sie sagten. Unabhängig davon, was sie taten.
Du hast dich giftig gefühlt.
Das ist das, was sie sehen. Das ist das, was sie fühlen.

Also versuchst du, eine Beziehung herzustellen. Du willst sie beruhigen.
Aber wie willst du eine Beziehung herstellen, wenn du sie nicht berühren kannst?
Wie kannst du sie beruhigen, wenn sie dich durch deine angelaufene Schutzbrille kaum sehen können?
Oder wenn die Maske jedes deiner Worte dämpft?
Du wunderst dich:
Tun wir das Richtige?
Haben wir einen Einfluss?

Du beendest deine Schicht.
Du läufst im Notfall umher.
So viele haben immer noch Mühe, zu atmen.
So viele sind immer noch an lebenserhaltenden Maschinen angeschlossen.
Du kannst nicht anders, du wunderst dich:
Würden sie uns immer noch Helden nennen?
Wenn sie wüssten, wie hilflos wir uns fühlen? (cki)

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24Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ManCan 15.04.2020 17:36
    Highlight Highlight 3. Kommentar: Und Ihr von watson, die glauben die kriegstreibende USA, welche seit Jahrzehnte Millionen von Kriegsopfern gefordert hat, ohne wirklichen Nutzen. Die mit dem "patriot act" die Rechte der US Bürger immer noch außer kraft gesetzt haben. Die mehr Armut generiert haben als die meisten Industriestaaten. Die einen vollkommen durchgeknallten Präsidenten ernennt haben. Die Nationen wie Russia, China und islamische Staaten penetrant herausfordern. Was glaubt Ihr wird geschehen, wenn die USA durch diese Krise so geschwächt werden, dass die provozierten Nationen die Gunst der Stunde nutzen.
    • JohnDoe 16.04.2020 07:18
      Highlight Highlight Glaube eher, dass die USA wieder mal mit einem Krieg ihre Wirtschaftskrise überdecken zu versuchen. Damit ihre Bürger nicht noch auf die kommunistische Idee kommen ein Sozialsystem zu fordern. Trump ist eh nur ein Pressesprecher für den Amerikanischen Geldadel, der die Steuersenkungen und den Abbau von Schutz für Arbeitnehmer und Umwelt dem Average Joe und Hillybilly Jack andreht.
      Befürchte der 3. Weltkrieg wird nichtehr zu lange auf sich warten lassen. Wer startet, USA oder Deutschland, das ist wohl die einzige Frage
    • Enzasa 16.04.2020 12:44
      Highlight Highlight Wieso Deutschland?
    • Grohenloh 16.04.2020 20:18
      Highlight Highlight Deutschland? Hä?
      Völlig verwirrt?
  • ManCan 15.04.2020 17:19
    Highlight Highlight 2. Kommentar: In Süditalien sterben viele, weil es einfach keine Hilfe gibt. Marode zu Tode gesparte Krankenhäuser. Aus der Not gezauberte Behelfs Intensivstationen und Beatmungssysteme. Wie in den ach so wundervollen USA. Hier sterben viele Menschen weil sie einfach arm sind! Die USA sind nicht viel weiter als unsere Süd italienischen Nachbarn.
    Müssten die USA ein Sozial- und Gesundheitssystem aufbauen wie wir es in Europa haben, wären sie doch schon lange bankrott. Die USA funktioniert nur auf den vielen Millionen Menschen die wegen ihres tiefen Lohnes und Armut unbedingt zur Arbeit müssen.
    • Grohenloh 16.04.2020 21:17
      Highlight Highlight Also falls Sie Putinversteher sind (wie man aus dem anderen Kommentar vielleicht schliessen könnte):
      In Russland ist das Gesundheitssystem noch viel kaputtgesparter als in Italien.
  • Pasionaria 15.04.2020 16:48
    Highlight Highlight Und ob Ihr Helden seid - mehr als je zuvor!
    Bis zu Tränen berührendes Protokoll. Authentischer könnte es man nicht herüberbringen. Danke.
    Der Beweis ein Held zu sein, liegt nicht im Gewinnen des Kampfes gegen das tödliche Virus, sondern im Durchhalten und Ertragen der 'Niederlage' in dieser teilweisen hoffnungslosen, aber aufopfernden Auseinandersetzung mit dessen Folgen.
    Grossen Respekt an alle Ärzte und das Pflegepersonal.
    Zum Glück gibt es Euch noch!
  • bbelser 15.04.2020 14:10
    Highlight Highlight Danke für dieses beeindruckende und bedrückende Protokoll der Realität von Menschen, die im Gesundheitswesen bis zur Erschöpfung im Einsatz stehen. Besonders bemerkenswert in diesen Tagen: kein einziges Wort über Schuldzuweisungen an andere, kein einziger Gedanke der Selbstbeweihräucherung!
    Warum nur sind in den USA so viele Menschen so viel kompetenter, empathischer und fokussierter als ihr derzeitiger Präsident?
    • Pasionaria 16.04.2020 02:14
      Highlight Highlight Hallo bbelser
      .....und kein einzig Wort von GOD, der uns 'empathischerweise' dieses verheerend-tödliche Virus beschert hat.
      Nicht selbstverständlich in den USA.
    • bbelser 16.04.2020 08:43
      Highlight Highlight Richtig, Pasionaria, auch das unterscheidet diesen Arzt wohltuend vom bigotten Präsidenten-Darsteller.
    • Pasionaria 17.04.2020 00:18
      Highlight Highlight bbelser
      Ich glaube, dieser grossartige Arzt braucht sich weder vom kranken DT zu unterscheiden, noch weniger mit ihm zu vergleichen.
      Hoechstens, koennte man einem empathischen, dem 'Himmel nahen' Menschenfreund einem widerlichen, opportunistischen Teufelsbraten gegenueber stellen.
  • homo sapiens melior 15.04.2020 13:57
    Highlight Highlight Held ist, wer allen Widrigkeiten zum Trotz nicht aufgibt, für das Gute zu kämpfen.
    Also JA! Ihr seid Helden. Gerade in solchen Situationen mehr als je zuvor.
  • M.aya 15.04.2020 13:53
    Highlight Highlight Ja! Ich nenne sie immer noch Helden! Warum? Genau darum. Trotz der immensen Hilflosigkeit nicht aufgeben, das ist mutig und ja, heldenhaft!
  • Basti Spiesser 15.04.2020 13:30
    Highlight Highlight Die Intensivstationen sind überfüllt? Was ist mit diesem Schiff im Hafen, taugt das was? Bringt man die Patienten dorthin?
    • Conflux 15.04.2020 13:58
      Highlight Highlight Das Schiff ist nicht für Covid Patienten bestimmt.
    • Imfall 15.04.2020 14:07
      Highlight Highlight da werden nur ein paar wenige Patienten behandelt, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Aber auf keinen Fall Covid19 Patienten.
    • Samurai Gra 15.04.2020 14:26
      Highlight Highlight Auch dieses Schiff hat nur Begrenzt Normale Betten und auch nur Begrenzt Intensivstationsbetten und Geräte.

      Es ist wie es ist, zuviele sind zusammen Krank, das System vermag sie nicht mehr Abzufangen.

      Das ist COVID-19 Realität die von vielen nicht gesehen werden will
  • schwupsiwups 15.04.2020 12:59
    Highlight Highlight Selten so etwas bedrückendes und trotzdem berührendes gelesen. Ich habe selber keinen einfachen Job, der mich teilweise an Grenzen bringt. Aber was die Leute in den Krankenhäusern leisten ist absolut überwältigend. Umso mehr kann ich nicht nachvollziehen, wenn Leute sich nicht an die aktuellen Regeln halten und ihr Leben weiterführen, als wäre alles in Ordnung. Der Vergleich mit der normalen Grippe bringt mich immer noch zum Kochen.
  • lilas 15.04.2020 12:24
    Highlight Highlight Und gemäss Verschwörungstheorethikern alles Fake, es gibt sogar welche,die sich erdreisten zu behaupten, die Videos und Interviews seien gestellt und die Krankenschwestern auf müde geschminkt, ja, die Erde ist eine Scheibe und klebt ihnen als Brett vor ihrem Aluhutkopf . Liebe Verschwörer, was glaubt Ihr wie wir uns in der Pflege grad fühlen? Ich wünsche Euch ein von China gezüchtetes Virus via 5G als Überwachungsimpfung in den Allerwertesten gejagt!
    • Raber 15.04.2020 16:17
      Highlight Highlight Selber glaube ich nicht, dass solche Berichte gefaket sind, auch nicht die schrecklichen Bilder die wir aus Bergamo gesehen haben. Nur sind sie nicht aussagekräftig für die Schweizer Spitäler zurzeit. In der BZ vom letzten Samstag stand, dass die Berner Corona Abteilungen nicht mal zu 10% ausgelastet sind.
    • lilas 15.04.2020 19:51
      Highlight Highlight @Raber ja zum Glück ist das so aber das ganze Drumherum darf man nicht vergessen, 12 Stundenschichten um das Kommen und Gehen zu minimieren, in Vollmontur den ganzen Tag den eigenen Stickstoff teilweise zurückatmen, die Patienten moralisch unterstützen weil sie keinen Besuch mehr bekommen dürfen, die Kollegen ersetzen weil sie selber Risikomenschen sind, arbeiten gehen auch wenn man Kinder daheim hat. In den Pflegeheimen bei Verdacht der ganze Isozirkus, bei Neueintritt ebenfalls da jeder neue sicherheitshalber 10 Tage Isoliert wird..alles absolut machbar aber alles nicht sooo einfach 🤷‍♀️
  • Amateurschreiber 15.04.2020 12:23
    Highlight Highlight Wer sich in dieser Situation hilflos fühlt und zusammenbricht oder aufgibt, ist ein normaler Mensch.
    Wer sich aber hilflos fühlt und trotzdem weitermacht ist ein Held!
    • De-Saint-Ex 15.04.2020 13:08
      Highlight Highlight Danke 🙏🏻 . Dem schliesse ich mich, wenn ich darf, gerne an. Denn besser kann man‘s nicht formulieren.
    • fools garden 15.04.2020 21:03
      Highlight Highlight das sagst Du ganz schön

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