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Was kann Sprache auslösen? Ein Sprachphilosoph erklärt den Zusammenhang zwischen verbaler und physischer Gewalt. Bild: shutterstock

Interview

«In komplexen Gesellschaften gibt es komplexere Formen sprachlicher Gewalt»

Gendersternchen, Mohrenkopf-Debatte und die «Grenze des Sagbaren»: Der Kampf um die Sprache tobt. Aber führt Sprache zu körperlicher Gewalt, wie nach der Attacke auf einen AfD-Politiker behauptet wird? 



Herr Posselt, in welchem Zusammenhang stehen Sprache und physische Gewalt?
Gerald Posselt: Sprache und körperliche Gewalt werden in der Regel streng voneinander unterschieden. Aber es gibt Fälle, in denen Sprache selbst gewaltsam sein kann.

Wann?
Zum Beispiel im Fall von hatespeech, Propaganda oder Drohungen. Das liegt daran, dass wir mit sprachlichen Äusserungen nicht nur Dinge in der Welt beschreiben, sondern auch Handlungen vollziehen und Tatsachen schaffen, etwa wenn wir ein Versprechen geben.

Der sogenannte performative Charakter der Sprache.
Genau. Sobald wir Aussagen tätigen, vollziehen wir immer auch Handlungen, und sei es die Handlung des Behauptens. Sprechen hat dann einen Handlungscharakter und als eine solche Handlung kann Sprechen gewaltsam und verletzend sein, aber natürlich auch tröstend, heilsam und ermutigend.

«Es gibt einen Spalt zwischen dem Sprechakt, der vollzogenen Handlung und der erzielten Wirkung, und genau hier wird es häufig kompliziert und unscharf.»

Gerhard Posselt

Gerald Posselt ist Senior-Lecturer am Institut für Philosophie der Universität Wien und Forschungsleiter des FWF-Projekts «Language and Violence». Bild: zvg

Sprache ist also nicht einfach laute Ausformulierung unserer Gedanken?
Nein, Sprache ist niemals einfach nur ein Mittel zum Austausch von Gedanken, sondern besitzt eine soziale und politische Dimension. Beleidigungen und Drohungen zum Beispiel können unter bestimmten Umständen eine strafbare Handlung darstellen. Sprechen ist mehr als einfach nur etwas zu sagen, man schafft mit jeder Äusserung auch ‹Fakten›. Was einmal gesagt ist, kann oft nicht wieder einfach aus der Welt geschafft werden.

«Sprache ist ein subtiles Mittel der Gewaltausübung.»

Wie weit ist es denn von «Nazis auf den Müll» einerseits, und von einer «Jagd auf Merkel» anderseits zu einem Mordversuch?
Es gibt keine direkte Linie zwischen Sagen und Handeln, was man auch schon daran sieht, dass eine Entschuldigung misslingen kann oder ein Befehl missachtet wird. Der kausale Zusammenhang zwischen Sprache und Wirkung hängt von vielen Faktoren ab.

Zum Beispiel?
Man muss die genauen Umstände kennen, die Machtpositionen der Beteiligten, ob eine Äusserung vor einer grösseren Öffentlichkeit getätigt wird, ob sie sich weitverbreiteter Stereotypen bedient usw. Wenn ein Offizier seinen Soldaten einen Schiessbefehl erteilt, dann wird das offensichtlich eine sehr viel unmittelbarere Wirkung haben, als wenn jemand «Nazis raus» ruft. Es gibt einen Spalt zwischen dem Sprechakt, der vollzogenen Handlung und der erzielten Wirkung, und genau hier wird es häufig kompliziert und unscharf.

«Ich würde nicht nur von einer Verrohung der politischen Rhetorik sprechen, sondern auch von einer Bürokratisierung oder Technokratisierung.»

Wie ist es zu erklären, dass physische Gewalt zwar in modernen westlichen Gesellschaften seit Jahrzehnten rückläufig ist, wir aber in der Politik eine Verrohung der Kommunikation erleben?
Körperliche Gewalt ist in unseren Gesellschaften zunehmend tabuisiert. Denken Sie etwa an den in den 1990er-Jahren eingeführten Straftatbestand der Vergewaltigung in der Ehe. Sprache ist dagegen ein subtiles Mittel der Gewaltausübung. Ich würde daher nicht nur von einer Verrohung der politischen Rhetorik sprechen, sondern auch von einer Bürokratisierung oder Technokratisierung.

Was meinen Sie damit?
Wenn man von ‹Anlandeplattformen› statt von ‹Flüchtlingslagern› spricht, handelt es sich beispielsweise um eine technokratisierende Rhetorik. Sicher ist, dass sich in komplexen Gesellschaften eben auch komplexere, ausgefeiltere Formen von sprachlichen Aggressionen und Gewalt manifestieren, die vielleicht auf den ersten Blick nicht als solche zu erkennen sind.

Teile der AfD führen den Angriff auf den Bundestagsabgeordneten Frank Magnitz auf «linksextreme Hetze» zurück. Auch die Polizei geht bislang von einem «politisch motivierten» Angriff aus. Hat eine vergiftete Rhetorik diesen Angriff erst möglich gemacht?
Zuerst muss man festhalten, dass die Aufarbeitung dieser Tat im Moment von der Polizei ermittelt wird. Der mediale Diskurs um diesen Fall zeigt aber exemplarisch gewisse rhetorische Mechanismen und Strategien auf.

Welche Mechanismen?
Dass gerade jene, die in den letzten Jahren wesentlich dazu beigetragen haben, Feindbilder aufzubauen und die Gesellschaft zu polarisieren, nun schnell dabei sind, wenn es darum geht, sich selbst als Opfer zu stilisieren. Das entschuldigt den Angriff auf einen Bundestagsabgeordneten natürlich in keiner Weise.

Wie hat die AfD die rhetorische Polarisierung vorangetrieben?
Indem sie immer wieder bewusst Tabubrüche vollzieht und dann wieder zurückrudert, um sich selbst als Opfer medialer Kampagnen zu inszenieren. Mit diesem Spiel versuchen sie, die Grenzen auszuloten und den politischen Diskurs gezielt zu verschieben. Ein anderes Mittel ist das sogenannte dog whistling.

Dog whistling?
Aussagen, die für eine breite Masse unverfänglich klingen, die aber inhaltliche Botschaften enthalten, die für eine Zielgruppe klar erkennbar sind.

«Wenn Politiker sich antisemitisch, rassistisch oder den Nationalsozialismus verharmlosend äussern, dann gilt es, diese Dinge klar beim Namen zu nennen.»

Zurück zum Fall Magnitz: Müssen AfD-Vertreter damit rechnen, Ziel von Attacken zu werden aufgrund ihrer provokativen politischen Äusserungen?
Ich hoffe nicht! Eine demokratische Gesellschaft muss auch mit Provokationen produktiv umgehen können. Der Fall zeigt aber auch, wie eine solche Tat politisch instrumentalisiert werden kann und wie sich eine Empörungsspirale zu drehen beginnt. Unabhängig davon, wer hinter der Attacke auf Magnitz steckt: Etwas finde ich an dem Fall Magnitz sehr interessant ... 

Und was?
Die AfD räumt ja nun indirekt ein, dass sprachliche Äusserungen eben doch eine Wirkung haben können. Zuvor hiess es ja immer: «Man wird das ja wohl noch sagen dürfen.» Das gilt – zumindest in diesem Fall – plötzlich nicht mehr.

Die ZDF-Journalistin Nicole Diekmann wurde nach einem «Nazis raus»-Tweet heftig angefeindet. Was ist da passiert?
Nun, Nazi-Vergleiche sind selten hilfreich, da sie die öffentliche Diskussion polarisieren und moralisieren. Aber wenn Politiker sich antisemitisch, rassistisch oder den Nationalsozialismus verharmlosend äussern, dann gilt es, diese Dinge klar beim Namen zu nennen.  

Leben wir, ganz allgemein formuliert, in einer sprachlich härteren, gewalttätigeren Zeit?
Ich wäre vorsichtig mit pauschalen Erklärungen, aber zweifellos erleben wir derzeit eine Verschärfung und Polarisierung des politischen Diskurses – nicht nur in Deutschland. Aus diskurstheoretischer Sicht arbeiten rechtspopulistische Parteien wie die AfD mit einem Freund-Feind-Schema, das keine Differenzierungen und Zwischentöne zulässt, und das ‹färbt› auf die anderen Parteien wiederum ab. Sprache ist aber nicht einfach ein Abbild der Wirklichkeit.

Sondern?
Sprache hat performativen Charakter und ist demzufolge ein Handeln, das auf die Welt, unser Denken und unsere Wahrnehmung einwirkt. Rechte politische Gruppierungen versuchen nun, bestimmte Begriffe aus einem bestimmten Bereich herauszunehmen und politisch umzudeuten. Und sie tun das derzeit sehr erfolgreich.

Wie begegnet man verbaler Gewalt im öffentlichen Diskurs?
Ich habe kein Patentrezept, aber ich glaube, es ist unter anderem Aufgabe der Medien und der Zivilgesellschaft, genau auf diese rhetorischen Strategien der Umdeutung aufmerksam zu machen. Der Begriff «Festung Europa» zum Beispiel ist ein Ausdruck, der ursprünglich von den Nazis geprägt wurde und im Zug der Flüchtlingskrise 2015 wieder Eingang in den politischen Diskurs gefunden hat. Inzwischen wird er sogar von liberalen Journalisten positiv verwendet. Das wäre vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen.

«Sprache dient immer auch dazu, Gewalt zu rechtfertigen oder zu verurteilen.»

Aber gerade der Begriff «Festung Europa» wurde und wird doch auch von den Linken gebraucht, um die Abschottung und die Einwanderungspolitik der Europäischen Union zu kritisieren.
Ja, richtig. In linken Kontexten geht man davon aus, dass die historische Herkunft des Begriffs klar ist. Das ist aber offensichtlich mittlerweile nicht mehr der Fall. Das ist ein sehr gutes Beispiel für die erfolgreiche Aneignung und Umdeutung eines ideologisch hochbelasteten Ausdrucks durch die Rechte.

Asian Dub Foundation sangen schon 2003 dagegen an: «Fortress Europe»

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Video: YouTube/doretu

Dass die Sprache ein Machtmittel darstellt, wissen nicht nur Rechte.
Nein, der Versuch zur Umdeutung der Sprache war lange Zeit eher eine Strategie der Linken und diskriminierter Minderheiten. Das sehen wir bei Begriffen wie ‹queer› oder der Verwendung des N-word im Rap. Beides sind Versuche, negativ besetzte Wörter affirmativ anzueignen. Sprache erlaubt immer Umdeutungen in beide Richtungen, und natürlich hat gerade die Sprache in der Politik sehr viel mit Deutungshoheit zu tun.

Der Kampf um die Bedeutungen von Worten ist also ein Kampf um das gesellschaftspolitische Pendel, das momentan eher nach rechts ausschlägt?
Ja, die Polarisierung und Zuspitzung der Rhetorik, die wir derzeit beobachten, konnten wir mit umgekehrten Vorzeichen auch in den 1960er- und 70er-Jahren beobachten. Solche Vergleiche sind natürlich immer mit Vorsicht zu geniessen, aber man kann sagen, dass es in Zeiten sozialer und ökonomischer Umbrüche, wie wir sie aktuell erleben, auch zu stärkeren Formen der Polarisierung kommt.

Wie der Duden aussähe, wenn er ehrlich wäre

Nochmals zur Ausgangsfrage: Der französische Soziologe Pierre Bourdieu schrieb, Sprache sei auch ein Herrschaftsmittel. Gewalt ist also schon in der Sprache angelegt?
Sprache dient immer auch dazu, Gewalt zu rechtfertigen oder zu verurteilen. Wer über sprachliche Deutungshoheit verfügt, kann nicht nur die öffentliche Meinung beeinflussen, er kann ganz handfest Einfluss nehmen, etwa indem etwas als Gewalt benannt wird oder nicht, indem Strafrechts-Paragraphen eingeführt oder abgeschafft werden. Auch bei politischen Diskussionen zeigt sich die Bedeutung der Sprache immer wieder, das sehen wir auch im privaten Gespräch.

Zum Beispiel?
Es macht einen Unterschied, ob Sie in einem Gespräch über den Palästina-Konflikt den Begriff ‹Befreiungskampf› oder den Begriff ‹Terrorismus› verwenden. Oder denken Sie etwa an die diplomatische Krise, die die Armenien-Resolution des Deutschen Bundestages vom 2. Juni 2016 ausgelöst hat.

Was passiert eigentlich mit uns, wenn wir immer und immer wieder mit Äusserungen von hatespeech und verbaler Gewalt konfrontiert werden?
Was das beim Einzelnen bewirkt, kann ich Ihnen als Sprachphilosoph nicht beantworten, das müssen Psychologen erklären. Aber was wir sagen können, ist, dass jede Äusserung stark an den spezifischen Kontext und die jeweiligen Machtpositionen gebunden ist, sowie dass viele Äusserungen ihre Wirkung erst langsam und durch ständige Wiederholung entfalten.

«Wenn wir die verletzende Kraft sprachlicher Äusserungen verstehen wollen, müssen wir auch über die historischen Traumata und Verletzungen nachdenken.»

Haben Sie Beispiele?
Denken Sie etwa an systematisches Mobbing oder die #Metoo-Debatte. Deshalb gibt es auch eine Grauzone im Bereich des Sprachlichen, wobei es zwischen zwei zentralen Rechtsansprüchen abzuwägen gilt: dem Recht auf freie Meinungsäusserung einerseits und dem Recht auf Gleichbehandlung und Nicht-Diskriminierung andererseits. Strafbar ist jedenfalls das Wenigste, deshalb ist es auch nur in seltenen Fällen Aufgabe der Justiz, darüber zu urteilen.

«Der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten ging eine radikalisierende, Minderheiten ausgrenzende und verrohende Sprache voraus.»

Sie sprechen auf die von Rechten unermüdlich attackierte politisch korrekte Sprache an. Der Sprachwissenschafter Anatol Stefanowitsch plädiert dafür, bei Ungewissheit über die Folgen eines ausgesprochenen Begriffs die «goldene Regel» anzuwenden. Wenn man sich in die betroffene Person hineinversetze, könne man nachvollziehen, warum ein Wort wie «Mohrenkopf» verletzend sein kann. Was halten Sie davon?
Ich halte das für einen guten Vorschlag, auch wenn er vermutlich noch zu kurz greift. Wenn wir die verletzende Kraft sprachlicher Äusserungen verstehen wollen, müssen wir auch über die historischen Traumata und Verletzungen nachdenken (wie Kolonialismus, Rassismus und Nationalsozialismus), die sich in unserer Sprache abgelagert haben, ohne dass wir uns dessen immer bewusst sind.

Wir sollten uns also – im Idealfall – der Sprache wie Geologen nähern und Schichten historischen Unrechts freilegen?
Ja, und das zeigt eben auch, dass es nicht allein auf die bewusste Intention beim Sprechen ankommt. Oft ist es gerade das historische Erbe sprachlicher Ausdrücke, aus dem sie ihre verletzende Kraft beziehen, wie etwa im Fall von rassistischen, antisemitischen oder sexistischen Ausdrücken.

Sie haben vorhin die 1960er- und 70er-Jahre in der Bundesrepublik erwähnt. Auch die 1930er-Jahre werden immer wieder als Vergleich herangezogen. Ist da etwas dran?
Wir sind weit entfernt von Zuständen wie in der Weimarer Republik, das gilt es klar festzuhalten. Aber aus einer sprachwissenschaftlichen Perspektive entdeckt man in der politischen Sprache der frühen 1930er-Jahre gewisse Parallelen zur Gegenwart. Der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten etwa ging eine radikalisierende, Minderheiten ausgrenzende und verrohende Sprache voraus. Einen ähnlichen Verlauf konnte man auch vor dem Völkermord in Ruanda 1994 beobachten.

Was für ein Verlauf?
Dem Völkermord selbst ging eine jahrelange Propaganda-Kampagne voraus. Ein wichtiger Aspekt dabei war die dehumanisierende Rhetorik, mit der der Feind, in diesem Fall die Tutsi, systematisch dehumanisiert und als minderwertig dargestellt wurde.

Der Untermensch.
Genau. Wem das Menschsein abgesprochen wird oder wer, wie im Nationalsozialismus, als ‹Untermensch› bezeichnet wird, der ist schnell weniger wert als ein Tier, das man straflos töten kann. Damit sinkt die Hemmung, Gewalt auszuüben. Auch die Geschichte des Kolonialismus ging mit einer entmenschlichenden Rhetorik einher.

Wenn man pauschal AfD-Mitglieder als Nazis bezeichnet läuft man doch auch Gefahr, eine Abwertung zu betreiben?
Ja, pauschale Zuschreibungen sind immer problematisch und gefährlich. Allerdings muss man die Dinge auch beim Namen nennen. Wenn sich Politiker, welcher politischen Gesinnung auch immer, beispielsweise antisemitischer oder rassistischer Stereotypen bedienen, dann muss man diese aufzeigen, analysieren und benennen, ohne vorschnelle Pauschalisierungen. Gerade dann, wenn solche Fälle nicht länger Einzelfälle sind, sondern systematisch auftreten oder einem bestimmten Muster folgen, wie etwa die «rechten Ausrutscher» österreichischer FPÖ-Politiker.

Sehen Sie angesichts der aktuellen Entwicklung Sprache in Gefahr?
Ich bin nicht so pessimistisch. Das Wissen um die Macht der Sprache und die Möglichkeiten politischer Propaganda ist grösser als noch vor 20 oder 30 Jahren. Ich glaube, man muss die Strategien aufzeigen, mit denen versucht wird, Diskurse zu lenken und zu bestimmen. Damit ist schon einiges gewonnen. Eine differenzierte Darstellung hilft ebenfalls, weil sie einer möglichen Instrumentalisierung vorbeugt. Ich habe da aber leicht reden.

Wie meinen Sie?
Als Philosoph, der an einer Universität forscht, kann ich mich auch mal wochenlang nur einem Thema widmen. Diese zeitliche und reflexive Distanz zu einem Thema ist Medienschaffenden und Politikern oft verwehrt.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Rabbi Jussuf 15.01.2019 12:01
    Highlight Highlight Wieso hat er etwas gegen Tabubrüche???
    Das ist doch genau die Aufgabe einer Opposition! Ganz besonders bei einer Regierung, die lange Zeit Tabus aufgebaut hat und vieles als alternativlos deklariert hat, ohne dass nennenswerter Widerspruch kam, oder dieser unterdrückt! (Auch eine Form der Gewalt) wurde.

    Wenn man schon darüber philosophieren will, dann bitte die ganze Situation betrachten, Herr Posselt! vor allem, wenn man noch für sich in Anspruch nimmt über "komplexe Gesellschaften" reden zu wollen!
  • Toni.Stark 15.01.2019 09:55
    Highlight Highlight Entmenschlichung sieht man auch bei Embryonen. Sind ja keine Menschen, sondern Zellklumpen. Also kann es problemlos beseitigt werden. Think about!
  • geissenpetrov 15.01.2019 08:34
    Highlight Highlight Die Feindbilder der Linken: Kapital, Bourgeoisie, Krieg, Faschismus und Religion. Je nach Auslegung auch Patriarchat, Spiessertum und Staatsgewalt.
    Stellt man die Feindbilder der Rechten dem gegenüber, folgen, Ausländer, Andersgläubige, sozial schwächer gestellte, Frauenbewegungen, Linke etc. Der Zeitgeist ist dabei ganz entscheidend. Mal sind es Juden, mal Moslems, mal dunkelhäutige, mal Fahrende, mal die Italiener und mal die Eritreer, denen die Gleichwertigkeit abgesprochen wird.

    Zwischen den beiden Polen gibt es demnach einen frappanten Unterschied, was die Feindbilder angeht.
    • Tobsol 15.01.2019 17:38
      Highlight Highlight Diese Einschätzung der Feindbilder hält keiner noch so kurzen Denkpause stand, sorry
    • geissenpetrov 15.01.2019 21:48
      Highlight Highlight Argumente?
    • Tobsol 16.01.2019 09:39
      Highlight Highlight Beispiel: sozial schwach gestellte sind kein Feinbild von rechts. Tatsächlich ist das ihre Basis.
  • Cédric Wermutstropfen 15.01.2019 00:36
    Highlight Highlight Der Begriff Festung Europa ist aber schon älter als die Nazi-Herrschaft.. nur so nebenbei.
  • Tobsol 14.01.2019 22:44
    Highlight Highlight ++++ Dass gerade jene, die in den letzten Jahren wesentlich dazu beigetragen haben, Feindbilder aufzubauen und die Gesellschaft zu polarisieren, nun schnell dabei sind, wenn es darum geht, sich selbst als Opfer zu stilisieren. ++++

    Das sehe ich ehrlich gesagt am Deutlichsten von linker Seite. Die Opferrolle nehmen die Rechten mWn nicht so gern ein, passt ja auch nicht zu deren Selbstbild von Stärke.

    Das passt eher zu modernen Feministen, Soy Boys, SJW, LGBTQ usw. Die prangern alles an, was nicht ihrer Ideologie entspricht, und klagen über ihre Unterdrückung.

    lol
  • chorax 14.01.2019 18:48
    Highlight Highlight Es gibt keine sprachliche Gewalt.
    Man kann keinem Menschen etwas allein mit Sprache antun.

    Wer sich beleidigt oder erniedrigt fühlt, ist immer ganz selber schuld, weil er nicht auf sein psychisches Gleichgewicht achtet.
    • Tobsol 14.01.2019 22:33
      Highlight Highlight Das mag hart klingen.. Ich seh es aber genauso, denn es gibt keinen Mittelweg, siehe Kanadas Bill 16 und ihre furchtbaren Folgen. Entweder für Redefreiheit oder dagegen. Da bin ich für Redefreiheit.

      PS: Das schliesst übrigens nicht Androhungen und Aufrufe zu Gewalt mit ein, die sind verboten und können es auch bleiben.
    • Schlafwandler 15.01.2019 08:48
      Highlight Highlight @chorax: Wollen wir ein Experiment machen? Ich schick dir jeden Tag mindestens einmal eine x-beliebige Beleidigung, die mir grad einfällt. Nach ein paar Wochen schauen wir mal ob Sprache immer noch keinen performativen Anteil hat.
      Würde wohl auch mit Komplimenten funktionieren.
    • chorax 15.01.2019 17:26
      Highlight Highlight @schlafwander
      Nur zu! Hättest hier und jetzt gleich damit beginnen können.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Rabbi Jussuf 14.01.2019 17:24
    Highlight Highlight Es stimmt zwar so einiges, was er sagt, aber sobald es politisch wird, driftet er links den Abhang hinunter und sieht nur noch, was die bösen Rechten alles verbrechen.
    Die politischen Auseinandersetzungen sind rauer geworden, das stimmt. Das hat aber nicht mit einer Verrohung der Sprache zu tun, sondern damit, dass es nach Jahren wieder eine Opposition gibt. Er sollte sich mal Bundestagsreden aus den 70ern anhören. Da wirkt das was jetzt läuft geradezu zahm.
    • FrancoL 14.01.2019 18:47
      Highlight Highlight Du erkennst nicht einen klaren Unterschied zwischen den sehr harten Reden die im Bundestag vor 30-40 Jahren gehalten wurden und den heutigen? Schade hätte Dir mehr zugetraut.
    • P. Silie 14.01.2019 18:59
      Highlight Highlight @ Franco....
      Play Icon
    • aglio e olio 14.01.2019 19:18
      Highlight Highlight Beispiele aus den 70ern?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Rabbi Jussuf 14.01.2019 17:20
    Highlight Highlight "Dass gerade jene, die in den letzten Jahren wesentlich dazu beigetragen haben, Feindbilder aufzubauen und die Gesellschaft zu polarisieren, nun schnell dabei sind, wenn es darum geht, sich selbst als Opfer zu stilisieren. Das entschuldigt den Angriff auf einen Bundestagsabgeordneten natürlich in keiner Weise."

    Da merkt man gleich aus welchem Kuchen der Herr Sprach-Philosoph kommt.
    Würde er wirklich wissenschaftlich arbeiten, kämen keine solche Aussagen, wie sie linken Politikern entfleuchen. Er hätte Distanz und könnte dadurch sehen, was in seinem eigenen Kuchen, der Uni, los ist.
    • aglio e olio 14.01.2019 18:13
      Highlight Highlight Ja was ist denn in der Uni los?
      Die Aussage trifft doch zu, oder siehst du das anders?
    • Rabbi Jussuf 14.01.2019 18:25
      Highlight Highlight Die Aussage ist eine Relativierung der Gewalt und in diesem Sinne auch eine nonverbale Rechtfertigung. Also genau das was er anderen, der AfD, ankreidet.
      Er steckt vermutlich zu tief im Kuchen drin, als dass er es noch bemerken könnte, wie er selber durch Genderismus, Dekonstruktion und PC indoktriniert ist. All das sind Waffen einer obskuren Ideologie, ausgehend von am. Unis, die auch hier immer mehr an Boden gewinnen.
      Es ist der Versuch mit der Sprache eine kommunismusähnliche Ideologie zu implementieren. Ohne genderisierte Sprache wird z.B. jede Doktorarbeit abgelehnt, egal um was es geht.
    • Rabbi Jussuf 14.01.2019 18:31
      Highlight Highlight Es führt dazu, dass Leute mit abweichenden Meinungen sozial isoliert werden, wenn sie nicht wieder auf Linie gebracht werden können. (Frei noch Tocqueville)
      Wir sind schon sehr weit fortgeschritten im Akzeptieren dieser sublimen Gewalt, die von PC und Gendertheorien ausgehen.
      Die plumpeste Form davon spricht er ja selber an: Alles als Rechtsextrem und als Nazi zu bezeichnen, was nicht der eigenen Linie entspricht. Dass seine Ideologie wesentlich dazu beiträgt, scheint ihm nicht bewusst zu sein.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Eh Doch 14.01.2019 16:19
    Highlight Highlight Sprache hat performativen Charakter und ist demzufolge ein Handeln, das auf die Welt, unser Denken und unsere Wahrnehmung einwirkt.

    Fokus auf Denken.
    Und genau darum werden gender anpassungen in der Sprache vorangetrieben, nicht um zu dramatisieren oder zu nerven sondern weil Sprache immer auch unser Denken beeinflusst und umgekehrt
    • Diavolino666 14.01.2019 17:14
      Highlight Highlight "vorangetrieben" ist genau das, was falsch läuft. Wir leben in einer FREIEN Gesellschaft, wo keine mündigen Bürger (yep - ich hab' nur die männliche Form geschrieben und trotzdem auch die Frauen damit gemeint. Eifach so) erzogen werden müssen.
      Ich schaffe es tatsächlich au so, Frauen und generell anderen Menschen gegenüber anständig gegenüberzutreten.

      Ansonsten ist die Sprache nicht mehr lebendig, wenn ständig Frauen gesondert miteinbezogen werden müssen. Man muss nur den Politikern (*ätsch) zuhören, wie sie über die gegenderte Sprache stolpern...
    • dmark 14.01.2019 19:19
      Highlight Highlight "...weil Sprache immer auch unser Denken beeinflusst und umgekehrt..."
      Aha, man möchte also durch Abwandeln der Sprache unser Denken beeinflussen, bringt aber dadurch erst mal die Leute dazu, sich dagegen zu stellen. Oder anders gesagt - man hat z.B. durch Umschreiben des Begriffes "Mohrenkopf" diesen erst zu dem gemacht, was er nun ist.
      Genau betrachtet laufen diese Beeinflussungen eher ins Gegenteilige, wie es von so manchen vorab gedacht wurde.
      Sorry, aber ich finde es eher - ja, sagen wir ruhig lächerlich, unsere Sprache in eine transparente Form der Kommunikation umbauen zu wollen.
    • Rabbi Jussuf 14.01.2019 19:42
      Highlight Highlight dmark
      "Lächerlich" ist wohl ein zu harmloser Ausdruck.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Eh Doch 14.01.2019 16:12
    Highlight Highlight Indem sie immer wieder bewusst Tabubrüche vollzieht und dann wieder zurückrudert, um sich selbst als Opfer medialer Kampagnen zu inszenieren.

    Schöne Analyse der AFD
    • Palpatine 14.01.2019 17:45
      Highlight Highlight Genau diese Passagw hat mir auch sehr gut gefallen.
    • LeChef 14.01.2019 18:25
      Highlight Highlight Ich glaube nicht so recht daran, dass das eine bewusste Strategie ist. Der „Fliegenschiss“ von Gauland z.b. Das kann man durchaus als Verharmlosung auslegen. Aber wörtlich ist es natürlich durchaus korrekt, dass 10 Jahre ein Fliegenschiss in der deutschen Geschichte sind.

      Solange man nicht in die Köpfe der Leute schauen kann, können wir uns auch über tatsächliche Intentionen nie sicher sein. Ich persönlich tendiere dazu, den Menschen zu glauben, die sich entschuldigen, und sagen dass die falsch verstanden wurden.
    • chorax 14.01.2019 18:50
      Highlight Highlight Nicht der AfD, sondern der SPD.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Weiterdenker 14.01.2019 16:08
    Highlight Highlight Bezüglich der "Goldenen Regel" frage ich mich aber: Muss man dem Betroffenen nicht erst beibringen, dass "Mohrenkopf" neben einer leckeren Süssigkeit auch einmal eine Bezeichnung für einen Kopf eines Schwarzhäutigen war? Oder anders ausgedrückt: In meiner Kindheit haben ich und auch meine schwarzen Freunde "Mohrenkopf" verwendet, ohne überhaupt einen rassistischen Hintergedanken zu erahnen. Schlussendlich kann man gewisser Rassismus in der Sprache auch herbeizwingen. Wenn ich "geil" höre, denke ich auch nicht mehr zwangsmässig an etwas sexuell erregendes.
    • aglio e olio 14.01.2019 18:23
      Highlight Highlight Sexuelle Erregung ist im Gegensatz zu Rassismus nichts negatives. Von daher würde ich "geil" und "Mohrenkopf" nicht miteinander vergleichen.
      Eher könnte man dem "Mohrenkopf" den "Franzmann" gegenüberstellen.
    • Rabbi Jussuf 14.01.2019 18:40
      Highlight Highlight Man muss nur weit genug zurückgehen und man wird für fast jedes Wort eine "rassistische", "frauenverachtende" oder "sexistische" Bedeutung finden können.
      Man sollte es wirklich nicht zu weit treiben.

      Zum Glück gibt es noch Mohrenköpfe!
    • chorax 14.01.2019 18:50
      Highlight Highlight @aglio
      Mohrenkopf ist nicht rassistisch. Es ist lecker.
    Weitere Antworten anzeigen
  • häxxebäse 14.01.2019 16:03
    Highlight Highlight Ebe...

    Dass gerade jene, die in den letzten Jahren wesentlich dazu beigetragen haben, Feindbilder aufzubauen und die Gesellschaft zu polarisieren, nun schnell dabei sind, wenn es darum geht, sich selbst als Opfer zu stilisieren. Das entschuldigt den Angriff auf einen Bundestagsabgeordneten natürlich in keiner Weise.
  • The oder ich 14.01.2019 14:50
    Highlight Highlight Wenn ein Wort in Klemperers LTI schon erwähnt ist, hört man die Nachtigall gar deutlich trapsen
    Benutzer Bild
  • geissenpetrov 14.01.2019 14:49
    Highlight Highlight Gutes Interview!
    Die goldene Regel ist mal ein guter Anfang. In der Kommunikationswissenschaft wird über dies hinaus gelehrt, sogenannte Ich-Botschaften zu formulieren. So ist jede Aussage immer als Meinung zu erkennen, was weitaus weniger verletzend ist für das Gegenüber und unfruchtbare Konfrontationssituation verhindert.
    • Eh Doch 14.01.2019 16:19
      Highlight Highlight Ja, Kommunikation für dummies
    • Fabio Haller 14.01.2019 17:24
      Highlight Highlight Also diese Ich-Botschaften lernt man nicht erst in der Kommunikationswissenschaft. Ich lerne diese in meinem Lehrbetrieb und in der Schule...

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