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Weltweite Konflikte – in diesen Ländern herrscht aktuell Krieg

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Bild: unsplash/watson

Weltweite Konflikte – in diesen Ländern herrscht aktuell Krieg

Bombenanschläge, heftige Kämpfe und Todesopfer – jeden Tag stehen neue Kriegsgeschichten in den Medien. Im letzten Jahr wurde besonders häufig über den Ukrainekrieg und den Krieg in Nahost berichtet. Dabei gehen andere Konflikte oft vergessen – eine Übersicht zur Situation weltweit.
28.01.2024, 05:1128.01.2024, 14:10
Julia Neukomm
Julia Neukomm
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Die politische Lage in der Schweiz ist stabil und wir haben – «Houz ahlängä» – Frieden im Land. Trotzdem bekommen wir täglich eine Flut an Informationen über globale Konflikte und Kriege mit. Ob in Gaza, in Syrien, in der Ukraine oder in einem anderen Kriegsgebiet – Konflikte bringen hohe Verluste für die Bevölkerung mit sich. Nicht-Betroffene können nur schwer nachvollziehen, was das für die Menschen vor Ort bedeutet.

Über alle weltweiten Kriege Bescheid zu wissen, ist aufgrund der vielen News gar nicht so einfach. Hier bekommst du einen Überblick, wo auf der Welt überall Krieg herrscht.

Ein Überblick über das globale Kriegsgeschehen

Das Heidelberger Institut für internationale Konfliktforschung (HIIK) berechnet mit einem komplexen Verfahren, welche Länder aktuell von Krieg betroffen sind. Dabei unterscheiden sie zwischen «Streitigkeiten», «gewaltlosen Konflikten», «gewaltsamen Konflikten», «begrenztem Krieg» und «Krieg». Auf der Weltkarte (siehe unten) wurden nur letztere beide berücksichtigt. Der Unterschied zwischen begrenztem Krieg und Krieg liegt darin, dass in einem Krieg schwerere Waffen eingesetzt werden. Somit wird mehr Gewalt ausgeübt, es sind mehr als 400 Personen am Konflikt beteiligt und pro Monat werden über 60 Menschen getötet oder verletzt. Zudem flüchten in einem Krieg meist über 20'000 Menschen pro Monat und es wird eine massive Zerstörung hinterlassen.

Zu den HIIK-Daten
Es werden Waffen, Anzahl am Konflikt Beteiligte, Tote und Verletzte, Anzahl vertriebene Menschen und das Ausmass der Zerstörung berücksichtigt.

Die Karte ist ein Versuch, alle aktuellen Konflikte auf der Welt vollständig abzubilden. Da die Daten von HIIK nur bis Ende 2022 gehen, sind sie somit nicht hochaktuell. Deshalb ist die Karte mit aktuellen Informationen ergänzt worden. Zum Beispiel wurde der Konflikt in Israel auf der Karte nachgetragen. Dabei wurden die Kriterien von HIIK berücksichtigt.

Wir haben einen Krieg auf der Karte vergessen? Dann schreibe es uns in die Kommentare. ✍️

Die Kriege in Europa

Russisch-ukrainischer Krieg

Die von Wladimir Putin befohlene Invasion zielt auf das gesamte Staatsgebiet der Ukraine ab und startete am 24. Februar 2022. Obwohl nur das westliche Grenzgebiet in Russland von ukrainischen Streitkräften beschossen wurde, wird für das Staatsgebiet Russlands ein begrenzter Krieg angenommen. Laut den ukrainischen Streitkräften hat Russland 376'860 Soldaten verloren (Stand: 22. Januar 2024).

Die Berechnungen von Militärexperte Wolfgang Richter vom Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik sehen etwas anders aus: Er zählt auf russischer Seite rund 150'000 irreversible Verluste, davon sind 70'000 gefallen und ebenso viele schwer verwundet. Auf ukrainischer Seite soll es rund 120'000 irreversible Verluste gegeben haben.

Die Kriege in Mittel- und Südamerika

Die meisten Konflikte in Mittel- und Südamerika sind Drogenkriege. Hier sind einige davon beschrieben:

Mexiko

In Mexiko herrscht ein Drogenkrieg der Regierung und des Militärs gegen die Drogenkartelle. In diesem Krieg kamen von 2006 bis 2020 ungefähr 300'000 Menschen ums Leben. Allein 2022 wurden rund 31'936 Menschen getötet.

Kolumbien

Auch in Kolumbien gibt es zwischen paramilitärischen Gruppen und Drogenkartellen immer wieder Zusammenstösse. Dabei geht es um Ressourcenausbeutung, Erpressung und Drogenhandel in lukrativen Regionen. Zwischen 1985 und 2018 sind in Kolumbien mehr als 450'000 Tötungsdelikte dokumentiert worden. Trotz Friedensvertrag von 2016 finden immer noch etliche Vertreibungen statt. So gab es 2022 rund 123'000 individuelle Vertreibungen und 58'000 Massenvertreibungen. Alle diese Menschen waren gezwungen, ihre Häuser zu verlassen, um ihr Leben zu retten.

Haiti

Die staatlichen Institutionen haben seit dem Mord an Präsident Moïse (2021) die Kontrolle über die immer stärker werdenden Gangs verloren. Sein Mord war mutmasslich eine Abrechnung unter korrupten Politikern und Geschäftsleuten. Besonders die Hauptstadt ist von Bandenkriminalität betroffen. Seit Anfang 2023 sind rund 2400 Menschen aufgrund der Bandenkriminalität und Korruption im Land ums Leben gekommen und 900 Personen wurden verletzt.

A woman walks past burning tires set on fire by protesters to call attention to the country's insecurity and demanding the resignation of the prime minister, in Port-au-Prince, Haiti, Thursday, J ...
Eine Frau geht an brennenden Reifen vorbei, die von Demonstranten angezündet wurden.Bild: keystone

Die Kriege in Asien

In Asien herrschen fünf grosse Kriege und etliche begrenzte Kriege. Hier bekommst du einen Überblick:

Türkei

Zwischen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der türkischen Regierung herrscht ein begrenzter Krieg. Die PKK kämpft für die politische Autonomie der kurdisch besiedelten Gebiete in der Türkei. Die Crisis Group hat seit Juli 2015 bis Ende 2023 den Tod von 4573 PKK-Kämpfer/innen bestätigt.

Residents are seen through a hole in a damaged building in the mostly-Kurdish town of Silopi, in southeastern Turkey, near the border with Iraq, Tuesday, Jan. 19, 2016. Turkey's prime minister an ...
Die mehrheitlich kurdische Stadt Silopi im Südosten der Türkei.Bild: AP/AP

Krieg in Israel und Gaza

Die Terrororganisation Hamas hat am 7. Oktober 2023 einen Angriff auf israelisches Staatsgebiet verübt. Seit diesem Anschlag sind 1200 israelische und ausländische Menschen von der Hamas umgebracht worden, 5431 wurden verletzt. Durch Gegenschläge des israelischen Militärs, sind im Gazastreifen circa 25'105 Menschen gestorben, 62'681 wurden verletzt.

Afghanistan

Der Krieg (seit 1994) zwischen den Taliban, anderen islamistischen Gruppen und der NATO-«Resolute Support Mission», die von den USA unterstützt wurde, ist vorbei. Die Taliban haben in Afghanistan wieder die Macht. Trotz des Endes des Krieges gibt es immer wieder Angriffe auf die Zivilbevölkerung. Mädchen und Frauen sind davon besonders betroffen. Verschiedene NGOs prognostizieren, dass im Jahr 2024 mehr als die Hälfte der Bevölkerung Afghanistans humanitäre Hilfe benötigen wird.

An Afghan refugee girl stands for a portrait in a camp near the Pakistan-Afghanistan border, in Torkham, Afghanistan, Saturday, Nov. 4, 2023. Many Afghan refugees arrived at the Torkham border to retu ...
Ein afghanisches Flüchtlingsmädchen posiert für ein Porträt in einem Lager nahe der pakistanisch-afghanischen Grenze.Bild: keystone

Irak

Als der Irak-Krieg vor 20 Jahren begann, war mehr als die Hälfte der heutigen irakischen Bevölkerung noch nicht auf der Welt. Die USA konnten keine Stabilität oder eine funktionierende Demokratie im Land etablieren. Ethno-religiöse Konflikte, Korruption und erhebliche Mängel in der Grundversorgung der Bevölkerung prägen derzeit den Irak. Die militante Gruppe «Islamischer Staat» verübt immer wieder Anschläge. Zudem kommt es auch vermehrt im Inland durch Proteste der Bevölkerung zu Ausschreitungen. Auch die Grenzgebiete zu Iran und Syrien sind nicht von Angriffen verschont.

Myanmar

Myanmar hat einen der längsten andauernden Bürgerkriege der Welt. Bewaffnete Minderheitengruppen kämpfen gegen die Armee. Vor drei Jahren gab es einen Militärputsch und seitdem ist der Konflikt noch komplexer geworden. Fast im ganzen Land herrscht Krieg. Schätzungen zufolge kontrolliert das Militär nicht einmal mehr als ein Viertel des Landes.

Syrien

Zerstörung, Verfolgung, Unterdrückung – seit dem Jahr 2011 herrscht in Syrien Krieg. Mehr als eine halbe Million Menschen sind dabei schon umgekommen. Über 60 Prozent der syrischen Bevölkerung litten 2022 an Hunger. Zudem ist der Nordosten des Landes der ständigen Gefahr von Angriffen durch Extremisten des «IS» ausgesetzt.

Ein Soldat des IS 2017 in Syrien
Ein Soldat des «IS» in Syrien.Bild: Shutterstock

Die Kriege in Afrika

In mindestens 14 Ländern herrscht in Afrika Krieg. Im Vergleich zu den anderen Kontinenten hat Afrika somit am meisten Konflikte. Hier werden einige davon erklärt:

Äthiopien

Hunderttausende Tote forderte der Krieg in Äthiopiens Tigray-Region, welcher durch ein Friedensabkommen beendet wurde. Doch im letzten Jahr ist ein neuer Konflikt aufgeflammt, diesmal in der Nachbarregion Amhara. Hunderte Menschen wurden dabei getötet. Dabei geht es um die Gegend West-Tigray. Amhara erhebt Ansprüche auf das Gebiet.

Nigeria

Ungefähr 2,6 Millionen Menschen aus Nigeria sind derzeit auf der Flucht, weil in ihrem Land Krieg herrscht. Verschiedene radikalislamische Gruppen wie Boko-Haram und der «IS »sind für den Krieg verantwortlich.

People gather at the site of an explosion in Ibadan, Nigeria, Wednesday, Jan. 17, 2024. Several people died and many others were injured after a massive blast caused by explosives rocked more than 20  ...
Menschen versammeln sich am Ort einer Explosion in Ibadan, Nigeria, Mittwoch, 17. Januar 2024.Bild: keystone

Demokratische Republik Kongo

Krieg, zivile Unruhe und lokale Dispute beherrschen die Demokratische Republik Kongo. Das Land hat mit mehreren Kriegen gleichzeitig zu kämpfen. Hunderttausende von Menschen befinden sich derzeit auf der Flucht. In Kongo kämpfen kongolesische Regierungstruppen gegen Rebellengruppen und militante religiöse Gruppen. Dabei geht es um Ressourcenkonkurrenz und ethnische Identitäten.

Sudan

Seit April 2023 kämpft im Sudan das Militär gegen die Miliz Rapid Response Forces. Beide Parteien wollen die Vorherrschaft. Mehr als 10'000 Menschen wurden bisher getötet. Fast fünf Millionen Menschen sind innerhalb des Landes auf der Flucht.

Migrants from Eritrea, Libya and Sudan sail a wooden boat before being assisted by aid workers of the Spanish NGO Open Arms, in the Mediterranean sea, about 30 miles north of Libya, Saturday, June 17, ...
Migranten aus dem Sudan in einem Holzboot auf dem Mittelmeer, 17. Juni 2023.Bild: keystone

Das sind die mächtigsten Armeen der Welt

Das Militär ist fast in alle Kriege verwickelt. Doch nicht jedes Land hat eine gleich starke Armee.

Der Index Global Firepower (GFP) hat 145 Länder nach ihrer militärischen Stärke untersucht. Folgende Kriterien wurden für das Ranking berücksichtigt: Rüstungs- und Truppenkapazitäten, die finanzielle Ausstattung, geografische Lage sowie verfügbare Ressourcen. Laut diesem Ranking haben die USA, dicht gefolgt von Russland und China, die mächtigste Armee weltweit. Die Schweiz liegt auf Platz 43.

Unter Experten ist der Global-Firepower-Index jedoch umstritten. Es wird kritisiert, dass viele Quellen nicht offen zugänglich seien und Faktoren wie die militärische Ausbildung sowie nachrichtendienstliche Fähigkeiten nicht berücksichtigt werden.

Trotz der Kritik liefert das Ranking einige interessante Ergebnisse. So kann zumindest eine globale Wahrnehmung, welches Land die stärkste Armee hat, festgestellt werden. Den Global-Firepower-Index gibt es seit 20 Jahren, er wird jährlich veröffentlicht.

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Diese Bilder zeigen: Der Krieg verschont die Kinder nicht
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Diese Bilder zeigen: Der Krieg verschont die Kinder nicht
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Dieses Video soll zeigen, in welchem Luxus die Hamas-Anführer leben
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72 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Sawa Pädi
28.01.2024 06:17registriert März 2020
Ein Artikel mit einer Karte welche einen ziemlich falschen Eindruck vermitteln, zumindest für Afrika.

Die Region Ostafrika zum Beispiel ist wirlich ruhig mit Ausnahme des östlichen Kongo-Kinshasas. Warum Kenia wo ich seit Jahren wohne dunkelrot eingefärbt ist entzieht jeder Realität. Potentiell rufschädigend.

Und im Blück lese ich wie in Züri ein Tram vom Mob eingenommen wurde. Es ist Krieg, violett!
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Schlaf
28.01.2024 08:32registriert Oktober 2019
Die USA und Ruzzland sind militärisch gesehen ganz wo anders.
Nur schon die Ausbildung der Militärs, dass Material sind bei den Amis von einem anderen Stern.

Schützenpanzer der Amis aus den 80ern zerlegen moderne Kampfpanzer der Russen ist da nur ein Bsp.
Wenn die Marine, die Luftstreitkräfte zum Zuge kämen, würde es etwa gleich aussehen.

Hätten die Ruzzen keine A-Waffen, müsste der Westen in Ruzzland einmarschieren und dem Kreml die rote Linie aufzeigen.
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gmacht
28.01.2024 06:19registriert Mai 2021
Der Mensch muss ein Fehler der Evolution sein. Anders kann ich mir das echt nicht erklären.
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