DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Frauen eingeflogen, 82 Einheiten Schnaps – Spesenexzess der Armeespitze bleibt ungesühnt



2017 wurde der Oberfeldarzt Andreas Stettbacher wegen angeblichen Spesenexzessen vorübergehend freigestellt, gegen ihn wurde eine Untersuchung angeordnet. Es ging um teure Kosten für ein Weihnachtsessen: 32 Personen wurden für 15'000 Franken verköstigt.

Wie der Tages-Anzeiger berichtet, ist Stettbacher im Zuge dieser Untersuchung der Kragen geplatzt. Er packte gegen seine Vorgesetzten aus. Namentlich Daniel Baumgartner, heute Ausbildungschef der Armee, und den heutigen Armeechef Philippe Rebord belastete Stettbacher schwer.

Andreas Stettbacher, den Oberfeldarzt der Schweizer Armee

Packte aus: Andreas Stettbacher. bild: zvg

So soll Rebord Frauen und Freundinnen von Stabsoffizieren von verschiedenen Stützpunkten aus mit Helikoptern an Seminare eingeflogen haben. Zudem wurde bei den mehrmals jährlich durchgeführten Veranstaltungen bei Speis und Trank nicht gespart.

Regelmässig soll es dem Bericht zufolge bei Seminaren auch zu Alkoholexzessen gekommen sei. Einige Mitarbeiter sollen dermassen betrunken gewesen sein, dass sie am nächsten Tag nicht zur Arbeit erschienen. 

Korpskommandant Philippe Rebord, Chef der Schweizer Armee, spricht waehrend einer Medienkonferenz von die ersten 100 Tage als Chef der Schweizer Armee, am Montag, 10. April 2017 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Philippe Rebord, seit Januar 2017 Chef der Schweizer Armee.  Bild: KEYSTONE

Im Jahr 2015 soll Baumgartner, der damals noch Chef der Logistikbasis der Armee war, den Jahresrapport für eine halbe Million Franken organisiert haben. In den gemieteten Velodrome in Grenchen wurden 3500 Mitarbeiter und 500 Gäste geladen. Für musikalische Unterhaltung sorgte Fabienne Louves.

Armee fliegt kostenlos Trinkwasser auf die Alp:

Video: srf

Bericht bestätigt Anschuldigungen

Nachdem Stettbacher ausgepackt hatte, wurde er von Bundesrat Parmelin entlastet und das Verfahren eingestellt. Jedoch wurden Ermittlungen gegen Baumgartner und Rebord aufgenommen. Der Untersuchungsbericht, aus dem die jetzt veröffentlichten Details stammen, wurde im Dezember 2017 beim VBS eingereicht.

Die Armeespitze wollte diesen unter Verschluss behalten – warum, dürfte klar sein. Dank dem Einspruch des «Tages-Anzeigers» und «La Liberté» gelangte der brisante Bericht doch noch an die Öffentlichkeit.

Divisionaer Daniel Baumgartner, Chef LBA, spricht zu den Delegierten anlaesslich des Jahresrapports der Logistikbasis der Armee (LBA) am Samstag, 10. Januar 2015 im Velodrome in Grenchen. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Daniel Baumgartner. Bild: KEYSTONE

Jedenfalls bestätigten sich Stettbachers Aussagen. Der Bericht kommt mehrmals zum Schluss, dass «dem Grundsatz der Sparsamkeit zuwidergehandelt wurde».

Laut dem Tages-Anzeiger sollen an einem Abend im Jahr 2014 22 Militärangehörige und 6 Gäste «7 Bier, 82 Einheiten Spirituosen (1 Kaffee Zwetschgen Luz, 53 Appenzeller, 17 Grappa Barolo, 4 Scotch Whisky, 6 Vieille Prune Morin, 1 Williams Theiler Pianta), 10 Flaschen Weisswein, 12 Flaschen Rotwein» konsumiert haben – pro Person beliefen sich die Kosten auf 78.87 Franken. Dazu kamen noch das Essen und neun Zigarren. 

Zudem erlaubte Baumgartner für Weihnachtsessen der Militärspitze ein Budget von 250 Franken und mehr – pro Person. Die Kosten für die auch eingeladenen Partnerinnen und Partner trug ebenfalls der Steuerzahler. 

Massnahmen, aber keine Strafen

Erst nachdem der Untersuchungsbericht eingereicht worden war, wurde ein Spesenreglement erstellt. Der Transport von Begleitpersonen per Helikopter ist seither untersagt. Das Konsumverhalten wurde teilweise als kritisch bewertet. Aber da es vorher keine Richtlinien gab, konnten Rebord und Baumgartner auch nicht belangt werden – sie hätten nach einer «Art Tradition» gehandelt. 

Rebord habe sich bei der Untersuchung kooperativ gezeigt, Baumgartner jedoch nicht. Ihm droht zudem eine Disziplinaruntersuchung, da er über sein Armee-Budget vier Helvetia-Goldmünzen im Wert von je 1200 Franken bezog und an Mitarbeiter verschenkte – sowie eine an sich selber. Ein Strafverfahren braucht er aber trotzdem nicht zu fürchten, wie der «Tages-Anzeiger» weiter schreibt. Baumgartner wollte gegenüber der Zeitung keine Stellung beziehen. (vom)

Von dieser Geheimarmee wussten nicht einmal alle Bundesräte:

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

London hält Zahlen über Impfstoffexporte zurück

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Aktuelle Polizeibilder:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

Gerangel um die Armeeapotheke: In der Krise ignorierten die Generäle ihre eigenen Experten

Mitten in der Corona-Krise unterstellte die Spitze des Militärs die Armeeapotheke plötzlich der Logistikbasis statt der Sanität – ohne ihre hochkarätig besetzte Medizinerkommission zu konsultieren, wie Recherchen zeigen.

Sie ist eine hochkarätige ausserparlamentarische Kommission, deren derzeit zwölf Mitglieder vom Bundesrat eingesetzt wurden: Die Eidgenössische Kommission für Militär- und Katastrophenmedizin, kurz EKMK. Sie steht zur Verfügung von Oberfeldarzt Andreas Stettbacher.

Präsident der EKMK ist Jörg Leuppi, Chefarzt der Medizinischen Universitätsklinik am Kantonsspital Baselland und klinischer Professor für Innere Medizin an der Universität Basel. Leuppi ist unter anderem auch Präsident der …

Artikel lesen
Link zum Artikel