Schweiz
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epa06160089 Swiss President Doris Leuthard (C-R) climbs from a helicopter as she arrives to inspect the site after a landslide in Bondo, Graubuenden in southern Switzerland, 24  August 2017. The village had been hit by a massive landslide yesterday. The main road between Stampa and Castasegna is disconnected. The village has been evacuated. Eight people have been reported missing.  EPA/GIAN EHRENZELLER

Dorfbewohner wurden aus Bondo evakuiert. Bild: EPA/KEYSTONE

Keine Ruhe in Bondo: Erneute Schlammlawine geht ins Tal

Die Bewohner des vom Bergsturz und Murgang betroffenen Dorfes Bondo können teilweise in ihre Häuser zurück. Wenig Hoffnung gibt es für die Vermissten. Und bereits gehen weitere Murgänge nieder.



Ein zweiter Murgang hat am Freitagnachmittag das Dorf Bondo im südbündnerischen Bergell erreicht. Einige Bewohner mussten erneut in Sicherheit gebracht werden. Ein Firmengelände wurde beschädigt. Verletzte gab es aber keine.

Der Murgang aus dem Seitental Val Bondasca habe um 16.27 Uhr wiederum Teile der Bergeller Ortschaft Bondo erreicht, teilte die Bündner Polizei mit. Diese Ortsteile lägen ausschliesslich innerhalb einer zuvor definierten Sperrzone. Beim Murgang wurde ein Firmengelände überflutet.

Drei bereits beim grossen Murgang vom Mittwoch beschädigte Häuser wurden erneut erfasst. Die Umleitungsstrecke für den Verkehr wurde vom Abgang nicht tangiert. Sie wurde aber aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Keine Verletzten

Nach ersten Erkenntnissen wurde niemand verletzt. Das seit Freitagmittag für die Bewohner wieder zugängliche Gebiet von Bondo ist vom Murgang zwar nicht betroffen. Jene Personen dieses Gebiets aber, die zwischenzeitlich in die Häuser zurückgekehrt waren, mussten diese aus Sicherheitsgründen erneut vorübergehend verlassen.

Sämtliche rund 120 Einsatzkräfte waren am Freitag noch im Einsatz. Die Lage wird durch Spezialisten des Amts für Wald und Naturgefahren sowie einen Geologen weiterhin laufend beurteilt.

Anna Giacometti, mayor of the community Bregaglia, shows a map of Bondo, with Roman Ruegg, spokesman police Graubuenden in the background, in Bondo, Graubuenden in South Switzerland, on Friday, August 25, 2017. The village had been hit by a massive landslide on Wednesday. The main road between Stampa and Castasegna is disconnected. The village has been evacuated. Eight people have been reported missing. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Anna Giacometti, Gemeindepräsidentin von Bregaglia informiert die Medien am Freitagmittag. Bild: KEYSTONE

Deutsche, Österreicher und Schweizer

Am Mittwochvormittag hatte sich eine gewaltige Felsmasse vom 3369 Meter hohen Piz Cengalo, der an der Grenze zu Italien steht, gelöst. Vier Millionen Kubikmeter Gestein donnerten ins Val Bondasca, einem Seitental des unteren Bergells. Die Masse an Gestein, Erde und Wasser wurde danach hinaus geschoben ins Haupttal, wo als einzige Ortschaft Bondo vom Murgang betroffen war.

Der Bergsturz vom Mittwoch ist einer der grössten in der Schweiz seit über 100 Jahren. Vermisst werden seither acht Personen. Es wird immer noch nach vier Deutschen aus dem Bundesland Baden-Württemberg, zwei Personen aus der Steiermark in Österreich und nach zwei Berggängern aus dem Kanton Solothurn gesucht.

Weitere Personenangaben machte die Polizei auf Anfrage nicht. Nicht bekannt ist, ob es sich um Frauen oder Männer handelt. Für sechs der acht Personen liegt eine Vermisstmeldung vor. Von zwei Personen wird angenommen, dass sie sich zum Zeitpunkt des grossen Bergsturzes im Gebiet oberhalb von Bondo befanden.

Bundespräsidentin Doris Leuthard hatte sich am späten Donnerstagnachmittag aus dem Helikopter einen Überblick über das Katastrophengebiet verschafft.  

«Wenn die Vermissten unter diesem Geröll sind, dann wächst mit jeder Stunde die Wahrscheinlichkeit, dass sie tot sind.»

Doris Leuthard, Bundespräsidentin

Leuthard zeigte sich tiefst erschüttert über das Ausmass der Zerstörung. «Solche Katastrophen zeigen deutlich, welche Macht die Natur hat und wie machtlos der Mensch dieser gegenübersteht», sagte sie an einer Pressekonferenz nach der Besichtigung. Man könne nicht viel mehr machen als in Frühwarnsysteme, Hochwasserschutz und weitere Präventionsmassnahmen investieren, ergänzte die Bundespräsidentin.

Nicht überrascht

Für Reto Salis-Hofmeister, der Hüttenwart der Sciora-Hütte kam der Fellssturz nicht überraschend.  Er habe seine Gäste gewarnt, denn bereits in der Vergangenheit sei es zu mehreren Felsstürzen gekommen, sagte er zu SRF. Die Warnung wurde anscheinend von den Gästen nicht beachtet.

«Acht von ihnen sind kurz vor dem Bergsturz am Morgen um 8 Uhr losgezogen – ins Gefahrengebiet»

Reto Salis-Hofmeister

Auch die Gemeinde hat die Gefahr erkannt und darauf hingewiesen. «Wir haben viersprachige Tafeln im Dorf aufgestellt», sagt Anna Giacometti, Gemeindepräsidentin von Bregaglia, zum «Blick». Auch an den Wanderwegen sei gewarnt worden. 

Suche wieder aufgenommen

Vermisste Personen

Die vermissten Personen stammen aus dem Bundesland Baden Württemberg in Deutschland, aus der Steiermark in Österreich und aus dem Kanton Solothurn in der Schweiz.

Die Polizei geht davon aus, dass sich die Vermissten im Val Bondasca aufhielten, als die Felsmassen am Mittwoch ins Seitental hinter dem Bergdorf Bondo krachten.

epa06160013 A group of hikers ducks after beeing evacuated from a cut-off mountain hut by a helicopter in Bondo, Graubuenden in southern Switzerland, 24  August 2017. The village had been hit by a massive landslide yesterday. The main road between Stampa and Castasegna is disconnected. The village has been evacuated. Eight people have been reported missing.  EPA/GIAN EHRENZELLER

Noch immer werden acht Personen vermisst. Bild: EPA/KEYSTONE

Am Donnerstag war am Boden und aus der Luft nach den Vermissten gesucht worden. Im Einsatz standen Helikopter, Suchmannschaften mit Hunden, Wärmebildkameras und Geräte zur Ortung von Handystrahlen. Auch am Freitag dürfte wieder eine Hundertschaft an Rettungskräften zum Einsatz kommen.

4 Millionen Kubikmeter Gestein

Das Dorf Bondo war von einem gewaltigen Murgang gestreift und evakuiert worden. Die rund 100 Bewohner konnten vorerst noch nicht in ihre Häuser zurückkehren. Am Freitagvormittag soll die Lage neu beurteilt werden.

Nach ersten Schätzungen waren am Mittwochmorgen am Piz Cengalo zuhinterst im Val Bondasca vier Millionen Kubikmeter Gestein zu Tal gedonnert, wie Martin Keiser vom kantonalen Amt für Wald und Naturgefahren an der Medienkonferenz vom Donnerstag erklärte. Verursacht wurde der Bergsturz laut dem Geologen von einer Kombination aus auftauendem Permafrost und dem Druck von Wasser im Gestein. (viw/sda)

Der Bergsturz bei Bondo GR in Bildern

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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 26.08.2017 08:07
    Highlight Highlight Diese Schlammlawinen sind das Werk von Linken!
    Die wollen uns doch damit bloss suggerieren, dass es den Klimawandel gibt!
    Fake News!
    Alles ist in bester Ordnung!
    Oder glaubt Ihr der mainstream-Lügenpresse etwa?!
    Diese "Aufnahmen aus Bondo" stammen aus Fernsehen-Archiven und sind in Studios mit Schauspielern nachgestellt worden!
    Hinter all dem stecken der Mossad und die CIA!
  • phpp28 25.08.2017 18:36
    Highlight Highlight Solche Bergstürze werden sich häufen.
    Der Permafrost hält unserer Berge zusammen, die oft nur aus Geröll bestehen.
    Die Gletscher schmelzen und bilden in naher Zukunft hunderte von neuen Seen, die wiederum die darunterliegenden Talschaften bedrohen.
    • dracului 26.08.2017 08:55
      Highlight Highlight Permafrost herrscht nur im Bundeshaus. Wenn es um das Klima geht, bläst dort nur ein laues Windchen. Die Schweiz hätte das Geld und könnte massiv mehr machen für ihre Berge und vor allem ihre Bürger. Während die Politiker nach alter Grossväter Sitte regieren, verkünden andere Städte (Paris/London) bereits verbrennungsmotorfreie Städte - nicht weil es einfach ist ... Kein Land hat mehr Hubraum pro Person als wir! Gerne wäre ich auf Anderes stolz und es sind auch nicht neue Militärflieger, welche für die Politiker dringender sind und heisser diskutiert werden, als unsere wirklichen Probleme!
  • P.Kiesel 25.08.2017 16:25
    Highlight Highlight «Wenn die Vermissten unter diesem Geröll sind, dann wächst mit jeder Stunde die Wahrscheinlichkeit, dass sie tot sind.»
    Tolles Statement unserer BR
    • Licorne 25.08.2017 16:55
      Highlight Highlight Was wäre denn ein besseres Statement gewesen?
    • Nukular! Das Wort heisst Nukular. 25.08.2017 17:19
      Highlight Highlight @Kiesel
      Was ist falsch an diesem Statement?
      Es ist nur eine realistische Einschätzung der Lage.
    • iNDone 25.08.2017 18:03
      Highlight Highlight @Licorne Nukular Rendel Also wenn sie drunter sind sind sie tot. Ist keine Schneelawine bei der noch eine kleine Hoffnung bestehen würde.
    Weitere Antworten anzeigen
  • redsnapper 25.08.2017 14:01
    Highlight Highlight die bildlegende beim 1. bild ist eher heikel: eine "dorfbewohnerin" ist frau bundespräsident definitiv nicht....
    • trio 25.08.2017 19:36
      Highlight Highlight Warum blitzt man das. Auf dem Bild ist eindeutig Bundespräsidentin Doris Leuthard zu sehen. Und sie ist weder Dorfbewohnerin, noch wurde sie evakuiert.
  • lichtler 25.08.2017 11:59
    Highlight Highlight Finde es immer ziemlich schräg, wenn Politiker sich vor Ort begeben um sich einen "überblick" zu verschaffen. Lasst die Retter ihre arbeit tun statt Ressourcen zu binden.
    • lichtler 25.08.2017 16:05
      Highlight Highlight Ja ich weiß schon warum man das macht, macht jedoch eher Sinn wenn das ganze beendet ist
    • Friction 25.08.2017 18:44
      Highlight Highlight @lichtler: kann Ihre Kritik durchaus nachvollziehen. Und finde es manchmal auch ein wenig häuchlerisch. Andererseits, würde sie es nocht machen, wären gegenteilige Reaktionen sehr viel gewaltiger und würden von der Tragik ablenken. Zudem hat der Bund hier auch Überwachung geleistet und da ist es richtig, dass jemand hin steht. Also meines Erachtens auch Kontextabhängig...
    • SemperFi 25.08.2017 19:37
      Highlight Highlight Also wir haben es geschätzt, wenn die Politiker Flagge gezeigt haben. Eine gute Chefin zeigt sich vor Ort.
  • coronado71 25.08.2017 11:24
    Highlight Highlight Vor ein paar Tagen wurde auf dieser Website die bevorstehende Hitzewelle mit "Judihu" gefeiert. Dass der Klimawandel (und solche Hitzewellen wie in diesem Sommer) massive Auswirkung auf die Natur, Tiere und Menschen hat, wird aber kaum thematisiert. Wie wäre es, mal über die Hintergründe zu recherchieren - nicht nach dem Motto "Sommer = toll / Winter = doof?
    • Silent_Revolution 25.08.2017 14:02
      Highlight Highlight Wenn der Klimawandel hauptsächlich von Politikern thematisiert wird, die sich mit dem Helikopter "einen Überblick verschaffen", können wir die Debatte auch gleich versenken.

      Es kommt wie es kommen muss.
    • Kommentiert 25.08.2017 18:05
      Highlight Highlight Mich würde das als Retter motivieren wenn die Bundesrätin einen Besuch abstattet.
    • coronado71 25.08.2017 18:56
      Highlight Highlight Danke für den Link @Rendel. Ich verstehe die vielen Blitze trotzdem nicht. Es geht doch um die Problematik des schwindenden Permafrostes in hochalpinen Regionen, der Piz Cengalo ist da mutmasslich keine Ausnahme.

      Oder ist die Kommentarspalte hier dazu da um über BR Leuthard zu ätzen?
    Weitere Antworten anzeigen

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