DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Der Kampf um Boden für Skater in Interlaken wird mit grossen Worten geführt. bild: facebook/davidbacher

Aufregung in der Durchschnitts-Schweiz: Interlakens Skater proben den Aufstand

Seit die Interlakner Skater keinen eigenen Park mehr haben, rollen sie auf betonierten Schulanlagen hin und her. Weil den Anwohnern der Lärm zu viel wurde, gilt ab morgen ein Verbot. Jugendliche fühlen sich vertrieben – und rufen zum Widerstand auf.



Müsste man für die Schweiz einen Durchschnitts-Wert angeben, man könnte getrost die Gemeinde Interlaken nennen. Die Einwohnerzahl von 5700 Menschen: Durchschnitt. Interlaken ist weder städtisch noch ländlich, der Gemeinderat ist gutbürgerlich, der Ausländeranteil mit 20 Prozent ebenfalls: durchschnittlich. Und keine Gemeinde stimmt so oft genau gleich ab wie die Mehrheit der Schweizer. Interlaken ist, was sein Slogan verspricht: «Pure Switzerland».

Doch es geht ein Riss durch die Durchschnitts-Schweiz.

Hier die gutbürgerlichen Gartenpfleger, die nach Ruhe sinnen und Veränderungen verwünschen. Da die skatende Jugend, die sich je länger je mehr an den Rand gedrängt fühlt.

A Swiss Inter City IC train passes a street in the Swiss mountain resort Interlaken, Switzerland, November 17, 2015. REUTERS/Ruben Sprich

Schweizerisch, durchschnittlich: Interlaken. Bild: RUBEN SPRICH/REUTERS

Seit der einzige Skatepark der Region 2011 geschlossen wurde, weichen Skater auf die Schulanlagen aus. Zahlreiche Anwohner der Schulhäuser haben sich inzwischen beschwert, weil sie sich durch den Lärm belästigt fühlten. Die Konsequenz wird ab morgen spürbar sein. Denn ab morgen darf in Interlaken niemand mehr auf Schulanlagen der Kindergärten und Volksschulen Velo oder Skateboard fahren. So lautet der Beschluss der Änderung zum Polizeireglement des Grossen Gemeinderats vom vergangenen Dienstag.

«Sukzessive Verdrängung»

Für die skatende Jugend und deren Fürsprecher ein Skandal. Dimitri Rougy, Co-Präsident des Jugendparlaments Berner Oberland, etwa ist mehr als verärgert. Einen «schlechten Witz» nennt er das Verbot, einen «weiteren Schritt in die falsche Richtung».

Dimitri Rougy

Dimitri Rougy präsidiert das Jugendparlament Berner Oberland. bild: jugendparlament Berner oberland

Rougy ist entschlossen, etwas «gegen das Bünzlitum lärmempfindlicher Anwohner» zu unternehmen. «Kaum sitzt man mit einer Gitarre draussen, greift garantiert schon ein Anwohner zum Hörer, um die Polizei zu alarmieren», beschreibt er den Zustand in der Durchschnitts-Schweiz.

Das sei aber nicht das einzige Problem – auch die Politik, die solche Beschlüsse wie das Skater-Verbot erlasse, bestätige die intolerante Haltung eher, als dass sie einen Diskurs im Dorf anstrebe. Das wiederum fördere die «passiv-aggressive Stimmung», die in der Stadt herrsche, so Rougy. «Die Jungen können sich ohnehin schon nicht mit Interlaken identifizieren, jetzt werden sie weiter verdrängt», sagt der 19-Jährige. Jetzt bringt dieser Frust die Interlakner Volksseele zum Kochen. Zumindest die der Jugend.

Interlakens Skatepark-Song:

Denn die ältere Garde sieht das anders. Zum Beispiel Gemeinderat Peter Michel, SVPler und erfolgreichster Steinstösser, den die Schweiz je gesehen hat. Er sagt gegenüber der «Berner Zeitung», ein Skatepark sei das Bedürfnis einer kleinen Gruppe. Er finde, in Interlaken gebe es genügend Möglichkeiten, «wo sich speziell Jugendliche aufhalten können».

Der Gemeinderat macht es den Skatern besonders schwer: Vergangenen Dienstag hat er nicht nur das Verbot beschlossen, sondern auch, dass die Gemeinde dem Verein «Skatepark Bödeli», der mehrere 100 Mitglieder zählt, keine Unterstützung bei der Standortsuche leistet. Rougy spricht von «sukzessiver Verdrängung der Jugendlichen». «Das ist wie eine Blase, die sich während der letzten Jahre aufgebläht hat», sagt Rougy. «Und diese Blase platzt jetzt.» Die Interlakner Jugend probt den Aufstand.

Freiräume ja, aber bitte nicht in der Nachbarschaft

Damit könnte Interlaken ein Exempel statuieren. Denn was in der Durchschnitts-Gemeinde vor sich geht, passiert auch andernorts, nur die Protest-Partys blieben bislang aus: Schlieren versenkte erst vergangenen Sommer den Zusatzkredit für einen Skatepark, nachdem der sechs Jahre andauernde Streit mit den Anwohnern das Projekt verteuert hatte.

Auch in Biel mussten Skater 2015 einen Platz am See wieder räumen, weil Anwohner sich über Lärm beschwert hatten. Und die Zürcher Gemeinde Stäfa hat 2011 ein Projekt für eine Skateranlage beerdigt, weil sie nach mehreren Anläufen keinen geeigneten Standort gefunden hatte. Auch da hatte sich Widerstand bei potenziellen Anwohnern geregt. Man könnte das beliebig ausdehnen: Fussballplätze, die wegen einzelner Klagen verhindert werden, Clubs, die niemand in der Nachbarschaft will.

Christoph Hak, der Leiter der Schlieremer Jugendarbeit, urteilte damals nach dem Abschmettern des Skatepark-Kredits in der «Limmattaler Zeitung»: Man wolle den Jungen Freiräume geben, aber nicht bei sich in der Nachbarschaft.

Doch dieses Mal, in Interlaken, regt sich der Widerstand auf der Seite der Lärmenden. 400 Leute haben sich zur Kundgebung «Aktion für öffentlichen Raum» angemeldet. Gemeinsam wollen sie auf Rollen die Schulhausplätze umrunden und Partys an jenen Orten feiern, von denen sie wegen der Lärmklagen vertrieben wurden.

Update: Und so sah die Demo aus:

Und was hältst du davon?

Derweil in Afghanistan: Weil die Mädchen kein Velo fahren dürfen, greifen sie zum Skateboard

1 / 12
Weil die Mädchen kein Velo fahren dürfen, greifen sie zum Skateboard
quelle: https://www.facebook.com/skateistan?fref=ts
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Rauszeit

5 Strecken, die du besser mit dem Velo statt zu Fuss zurücklegst

Was Velofahren mit Broccoli und Blumenkohl zu tun hat? Du wirst staunen.

Der Grund, warum du diese Routen lieber mit dem Velo abradelst, ist ein kleines bisschen simpler als die Quantenmechanik: Mit dem Velo bist du bei diesen Strecken einfach sehr viel schneller am Ziel und wieder zurück! Aber Spass beiseite: Der Zeitgewinn erlaubt es dir, länger die schönen Ausblicke zu geniessen, zudem ersparst du dir allfällige Übernachtungen – und mit dem E-Bike sogar noch etwas Energie für andere watson-Ausflugsziele. Eine klassische win-win-win-Situation. Also, Dul-X …

Artikel lesen
Link zum Artikel