Schweiz
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Teenies in Pfäffikon SZ fotografiert und ins Netz gestellt: Facebook jagt den Foto-Spanner

Ein Aufschrei geht durch das Internet. Gestern Abend tauchte ein unheimlicher Flickr-Account in der Facebook-Gemeinde auf: Ein User der sich Michael Photozoom nennt, fotografiert am Bahnhof Pfäffikon SZ mit Vorliebe junge Frauen und stellt die Bilder unter dem Label «Birdwatch» ins Internet. Er ist auch in anderen Gemeinden rund um den Zürichsee aktiv. 



Sie wühlen in ihren Taschen, warten auf den Bus, unterhalten sich mit ihren Freundinnen – und haben keine Ahnung, dass sie gerade fotografiert werden: Junge, gut aussehende Frauen am Bahnhof Pfäffikon SZ. Einige Bilder stammen aus anderen Zürichsee-Gemeinden.**

Ein Fremder, der sich auf Flickr Michael Photozoom nennt, fotografiert die Frauen offenbar von weitem mit gutem Objektiv und stellt die Bilder anschliessend ins Internet. 

Der Aufschrei auf Facebook ist dementsprechend gross: «Ziemlich creepy», schreibt Meret Steiger auf Facebook und ihre Freunde reagieren sofort: «Öffentlich machen, alle Fotografierten zu Persönlichkeitsklagen aufrufen», sagt Andreas*, «das ist offensichtlich nicht in Ordnung», ist auch Lukas* überzeugt.

Bald darauf erkennen sich einige junge Frauen wieder: Während Susanne* es noch locker nimmt: «omg, hahaha», fällt Sabrinas* Reaktion schon weniger amüsiert aus: «Alter, wer macht das???»

User eröffnen Suche nach dem Standort des Fotografen

Kurz darauf gehen die Spekulationen los, von welchem Haus die Bilder wohl gemacht wurden: «Man könnte ja mal vorbei gehen und klingeln...», schreibt einer. Andere posten die möglichen Adressen des Fotografen.

Wenige Stunden später ist der Account auf Flickr nicht mehr zu erreichen. Auf einem anderen Account mit geändertem Namen birdwatching62 tauchen die Bilder teilweise komisch verpixelt wieder auf. Die Geodaten der Bilder werden nach und nach gelöscht. 

Bild

Die verbotenen Bilder tauchen komisch verpixelt wieder auf.
Screenshot: flickr/birdwatch12

Die ursprüngliche Posterin Meret Steiger bleibt dabei: «So was geht doch nicht», sagt sie. Sie möchte aber auch betonen: «Ich wollte keine Hetzjagd gegen den Typen starten. Ich wollte bloss meine Freundinnen darauf aufmerksam machen, das da Mädchen fotografiert werden», sagt Steiger auf Anfrage von watson.

Der Kantonspolizei Schwyz ist der Fall bereits bekannt. «Das Vorgehen erfüllt keinen strafrechtlichen Tatbestand, weshalb wir nicht weiter ermitteln», sagt Sprecher Florian Grossmann und fügt an: «Trotzdem möchte ich betonen, dass die Veröffentlichung solcher Aufnahmen nicht angebracht ist.» Grossmann bestätigt zudem, dass neben Pfäffikon SZ weitere Gemeinden im Raum Zürichsee betroffen sind.

«Die Betroffenen müssen sich bei der Onlineplattform melden und die Löschung der Daten fordern», sagt Grossmann weiter. Sie müssten sich auf zivilrechtlichem Weg wehren und Klage einreichen.

Für Medienrechtsanwalt Martin Steiger ist der Fall klar: «Die Betroffenen werden in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt», sagt er. «Auch wenn man sich im öffentlichen Raum bewegt, muss man sich nicht gefallen lassen, fotografiert und ins Internet gestellt zu werden. Jeder hat ein Recht am eigenen Bild», sagt Steiger. Er rät den Betroffenen, sich zu wehren.  

* Namen von der Redaktion geändert

** Diese Zusatzinformation war in der ersten Fassung des Artikels nicht enthalten. 

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