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Wird ab Montag in allen obligatorischen Schulen im Tessin Tatsache sein: Ein leeres Klassenzimmer mit den Stühlen auf den Pulten in Stabio.

Wird ab Montag in allen Schulen Tatsache sein: Ein leeres Klassenzimmer mit den Stühlen auf den Pulten in Stabio. Bild: KEYSTONE/Ti-Press

Die Schulen schliessen – haben die Schüler nun schulfrei? 10 Antworten zum Schulverbot

Es ist eine einschneidende Massnahme für alle Schüler, Studenten, Lehrer – und für die Eltern von schulpflichtigen Kindern: Der Bundesrat untersagt den Unterricht an allen Schulen wegen des Coronavirus.

Maja Briner / ch media



Was hat der Bund genau beschlossen?

An allen Schulen in der Schweiz darf in den kommenden drei Wochen kein Unterricht stattfinden. Das gilt auch für Hochschulen und Ausbildungsstätten. Prüfungen, die bereits angesetzt wurden, können durchgeführt werden – allerdings müssen Schutzmassnahmen getroffen werden. Welche genau, führte der Bundesrat nicht aus. Die Regel gilt mindestens bis am 4. April. Wie es danach weitergeht, ist offen.

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Können sich die Schüler auf schulfreie Wochen freuen?

Nicht unbedingt. Der Bundesrat verbietet alle Präsenzveranstaltungen an den Schulen; Unterricht übers Internet kann jedoch stattfinden. Die Präsidentin des Schweizer Lehrerverbands, Dagmar Rösler, geht davon aus, dass diejenigen Schulen, die technisch dafür ausgerüstet sind, davon Gebrauch machen. Das dürften vor allem Oberstufen sein. Die Schulen hätten sich darauf vorbereitet, sagt Rösler.

Der Bundesrat hatte sich lange gegen Schliessungen gestellt. Weshalb jetzt diese Kehrtwende?

Bisher argumentierte der Bund, wenn man die Schulen schliesse, würden viele Kinder von den Grosseltern betreut – und das gelte es zu verhindern. Gestern schwenkte er um. Bundesrat Alain Berset erklärte die Kehrtwende mit einer neuen Studie: Diese zeige, dass Schulschliessungen einen Effekt auf die Ausbreitung des Virus hätten. Zudem habe sich im Kanton Tessin gezeigt, dass die Bevölkerung es nicht verstehe, wenn einzig überobligatorische Schulen geschlossen werden. Eine Rolle gespielt haben offenbar auch die Schulschliessungen in anderen Ländern.

Sollen die Grosseltern jetzt hüten?

Nein, davon rät der Bundesrat dringend ab. Denn für ältere Personen ist das Coronavirus besonders gefährlich. «Wir müssen alles unternehmen, um eine Vermischung der Generationen zu verhindern», sagte Gesundheitsminister Berset.

Wer soll die Kinder dann betreuen?

Der Bundesrat appellierte an die Arbeitgeber, flexibel zu sein. Und er rief die Kantone dazu auf, Betreuungsangebote zu schaffen. Die Kantone hätten versichert, sie seien in der Lage, das zu organisieren, hiess es vom Bundesrat. Verpflichtet sind sie allerdings nicht dazu. Man wolle den Kantonen diese Freiheit geben, erklärt der Bund.

Schaffen die Kantone tatsächlich Angebote?

Das muss sich noch zeigen. Einzelne Kantone haben gestern bereits angekündigt, dass Betreuung angeboten wird. Das Vorgehen ist unterschiedlich: Der Aargau beispielsweise hat die Schulen beauftragt, eine Betreuungsmöglichkeit zu schaffen, in Luzern müssen die Gemeinden dies sicherstellen. Auch andere Kantone wie etwa Thurgau und Bern haben bereits angekündigt, dass sie ein Angebot schaffen werden.

Dort treffen sich die Kinder trotzdem. Ist das kein Widerspruch?

Nein, sagt der Bundesrat. Beim Unterricht befänden sich 20 bis 25 Kinder in einem Zimmer, da sei es unmöglich, Abstand zu halten, argumentierte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga. Anders bei Betreuungsangeboten: Es würden weniger Kinder kommen, dann sei es möglich, Abstand zu halten.

Was, wenn es keine Betreuungsmöglichkeit gibt? Haben Eltern Anspruch auf Lohn, wenn sie zuhause bleiben müssen, um ihre Kinder zu betreuen?

Das ist unklar. Laut Roger Rudolph, Professor für Arbeitsrecht an der Universität Zürich, ist das Recht in diesem Fall nicht eindeutig. Und von den Gerichten sei diese Frage bisher nicht entschieden worden. «Es bleibt wohl nur, auf ein Urteil zu warten», sagt er. Das könnte allerdings Jahre dauern. Klar ist laut Rudolph: Wenn ein Kind krank ist oder es zuhause bleiben muss, weil es Kontakt mit einer infizierten Person hatte, besteht Anspruch auf Lohn – zumindest für einige Tage.

Was ist eigentlich mit Kinderkrippen?

Der Bundesrat hat dazu nichts entschieden. «Für Kinderkrippen sind die Kantone zuständig», erklärte Berset. Kinderkrippen können also grundsätzlich weiterhin ihr Angebot aufrecht erhalten – sofern der jeweils zuständige Kanton nicht anders entscheidet.

Was halten die Lehrer von den Massnahmen?

Der Lehrerverband unterstützt diese. Das Verbot sei folgerichtig, denn gerade in den unteren Schulstufen sei es unmöglich, die geforderte Distanz einzuhalten, teilte er mit. Nun brauche es rasch Informationen und klare Weisungen von den Kantonen zu der Betreuung der Schüler.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Ambraham (FKA Housi von Wattenwyl) 15.03.2020 16:21
    Highlight Highlight Und die Lehrpersonen haben jetzt ab morgen bis und mit 19. April 2020 Ferien?
    • Fräulein P 15.03.2020 18:03
      Highlight Highlight Also an unserer Schule treffen wir Lehrer uns erst einmal zum Aufgaben verteilen (gewisse Schüler müssen ja auch beaufsichtigt werden) und Schlachtplan entwerfen für die nächsten Wochen. Material muss bereit gestellt werden, damit die Schüler von zuhause aus arbeiten können und es muss organisiert werden wie die Aufgaben kontrolliert und bewertet werden. Zudem muss geschaut werden, wie der „Unterricht“ möglichst gewinnbringend zuhause weitergeht. Also nein, nicht einfach gemütlich Ferien.
    • waschbär 15.03.2020 19:00
      Highlight Highlight Nein. Unsere durch den Berufsauftrag vorgegebenen Stunden die Woche müssen wir leisten.
  • Grötzu 15.03.2020 16:02
    Highlight Highlight OK, dass der BR Weisungen erlässt geht in Ordnung. Aber wie man sich daran halten kann, lässt er offen. Online sehe ich als gute Sache an. Aber hat jeder Haushalt einen Internet-Anschluss und 2-3 PCs, je nach dem wieviel Kinder im Haushalt leben. Es sind ja nicht nur Zwillinge oder Drillinge auf der gleichen Schulstufe in einem Haushalt.
    Entsorgte PCs wieder flott machen und verteilen dürfte ausreichen für Schulunterricht. Der verlangte Internetanschluss müsste eigentlich Berset oder der BR berappen.
  • kadric 15.03.2020 13:17
    Highlight Highlight Die Betreuungsstätten sollen offen bleiben weil man die kleinen Kinder besser auf Abstand halten kann als eine Schulklasse mit 25 Kids.
    Habt ihr eigene Kleinkinder stellt mir hier die Frage oder sind eure Kinder mit 10 Jahren zur Welt gekommen.
    Die Sabern, niesen und brauchen teils auch nähe was wiederum die Angestellten den kleinen entgegen bringen. Finde das ehrlich gesagt eines der größten Seuchenherde. Kleinkinder die infiziert sind aber dennoch syntomfrei bleiben. Scheiss situation für alle und es gibt kein Lösung die für alle stimmt. Zum Glück hat wenigstens meine ex home Office.
  • runner 15.03.2020 08:30
    Highlight Highlight in vielen Teilen der USA findet Unterricht nur online statt, was sollte das Problem sein??
  • Mirjjrim 14.03.2020 20:59
    Highlight Highlight Wir müssen alle zu den üblichen Zeiten in die Schule und für die Schüler geeignete Lernangebote (nicht nur digital) bereitstellen. Nix von Ferien, auch richtig so! Ist vielleicht eine Chance, neue Formen zu finden und den Unterricht so anpassen und ein wenig weiterführen.
  • luegeLose 14.03.2020 16:28
    Highlight Highlight Gemäss letzter Info, Kita und Hort bleiben offen in unserem Ort. Betreuung für die Kinder, welche es benötigen, wird organisiert. Es wäre für die Kinder einfach wahnsinnig langweilig 4-5 Wochen zuhause. War vorhin auf dem Schulhaus Spielplatz, hier hat es immer noch viele Kinder, nicht 50.
  • plaga versus 14.03.2020 16:19
    Highlight Highlight Unglaublich dilettantisch.
  • Inspektor 14.03.2020 15:57
    Highlight Highlight Müssen diese Kinder den zu Hause bleiben oder dürfen die sich treffen um zu spielen oder die Teenies zum rumchillen? Also wie bei Schulferien?
    Oder sollten die Kinder und Teenies 3 Wochen zu Hause sein?
    • tr3 14.03.2020 20:05
      Highlight Highlight Alle sollten zuhause bleiben. Du, ich, wir, alle. Sonst ist hier in zehn Tagen Bergamo.
    • maude 15.03.2020 00:28
      Highlight Highlight Realistisch betrachtet;natürlich treffen sich die Kinder und haben dann Spass zusammen. Wie sonst sollen sich viele Eltern, die noch arbeiten müssen organisieren wenn nicht mit anderen Eltern.
  • Scaros_2 14.03.2020 15:56
    Highlight Highlight Mein Cousin ist Lehrer und er wird ganz normal zur schule gehen und mit den kindern ganztags spiele spielen etc statt unterricht.
    • JimKnopf666 15.03.2020 00:03
      Highlight Highlight Da täuscht er sich wahrscheinlich übelst...Bin in der Betreuung tätig und kenne die Weisungen für Lehrpersonen im Kt. ZH
    • Roelli 15.03.2020 08:16
      Highlight Highlight Bravo
      Dein Cousin hat es leider auch nicht begriffen.
  • Nach der Welle ist vor der Welle 14.03.2020 15:33
    Highlight Highlight Bezgl. Punk 8, Lohnanspruch: wieso ist das Unklar?

    In den Pandemie Richtlinien des Seco steht: "Ist der Arbeitnehmer unverschuldet an der Arbeitsleistung ver- hindert, weil ihn eine gesetzliche Pflicht zur Betreuung seiner Kinder trifft (Art. 276 ZGB), muss ihm der Arbeitgeber während eines beschränkten Zeitraumes den Lohn gestützt auf Art. 324a OR weiter entrichten."

    Und OR 324a spricht von drei Wochen.

    Siehe https://www.seco.admin.ch/dam/seco/de/dokumente/Arbeit/Arbeitsbedingungen/Gesundheitsschutz%20am%20Arbeitsplatz/Pandemie/faq-pandemie-betriebe.pdf.download.pdf/faq_pandemia_de.pdf
  • Kurt_Faber 14.03.2020 15:11
    Highlight Highlight Kaum zu glauben: Unsere Schule (eine Oberstufe im Aargau) wäre ab Montag bereit, den Unterricht digital weiterzuführen. Doch der Kanton verbietet es ohne Angabe von Gründen. 🤦🏻‍♂️ Und am Ende wird es wieder heissen: die faulen Lehrer, blablabla.
    • Maxim R 14.03.2020 15:38
      Highlight Highlight Das hört sich nun wirklich seltsam an. Wieso sollte man sowas verbieten? Hat der Kanton den Unterschied zwischen echten und virtuellen Viren nicht verstanden?! 😂
    • lilie 14.03.2020 21:23
      Highlight Highlight @Kurt: Aber der Grund ist ja wohl klar. 🤔🤷‍♀️
    • BNnn 15.03.2020 12:00
      Highlight Highlight Ich denke da gibt es ein grösseres Missverständnis im Kanton Aargau.
      Das mit den keinen Aufgaben bezieht sich meiner Meinung nach nur auf das Betreuungsprogramm in der Schule, wird aber als generells Verbot für Hausaufgaben aufgefasst.
      https://www.ag.ch/de/themen_1/coronavirus_2/informationen_zum_schulbetrieb/informationen_zum_schulbetrieb.jsp
  • loki 14.03.2020 14:37
    Highlight Highlight Und wie sieht‘s aus mit Lehrer die selber Eltern sind?
    • Steckenpferd 14.03.2020 14:45
      Highlight Highlight Bei uns müssen sich diese LP's bei der Schulleitung melden. Denke dann übernimmt entweder eine andere Lehrperson die Klasse (bzw. die Kinder die kommen) oder diese zwei, drei Kinder welche auftauchen, werden zu einer anderen Lehrperson in die Klasse geschickt.
    • danmaster333 14.03.2020 22:50
      Highlight Highlight Meine Frau ist Primarlehrerin und ich arbeite dummerweise an dem halben Tag, an dem sie atbeitet. Unsere Kinder sind an diesem Morgen dann entweder mit mir (ich arbeite in einem Schichtbetrieb) oder den Schwiegereltern bei uns zu Hause. Nun geht beides nicht mehr. Da sie im Aargau arbeitet, muss sie nun Kinder beaufsichtigen anstatt zu unterrichten... Die Schulleitung hat bis jetzt noch keine klaren Anweisungen kommuniziert.
    • Mimimi_und_wow 15.03.2020 08:44
      Highlight Highlight Die bleiben zu Hause, wie die Schüler und betreuen die eigenen Kinder und geben die Hausaufgaben per Mail/online an ihre Schulklasse. Korrigieren und präppen Lektionen dann wenn die eigenen Kinder Hausaufgaben erledigen die sie von ihren eigenen Lehrern elektronisch od schriftlich erhalten haben.... So stelle ich es mir vor. In etwa genauso wie alle anderen Eltern die wegen Kinderbetreuung Home-Office machen, genauso machen es Lehrer die auch Eltern sind.

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