Die Brandkatastrophe in Crans-Montana ist einen Monat her – was seitdem geschah
Von der Nacht der Brandkatastrophe bis zu den jüngsten Entscheidungen der Behörden: ein chronologischer Rückblick auf die wichtigsten Ereignisse nach dem Flammeninferno von Crans-Montana VS.
1. Januar 2026
Die Bar «Le Constellation» in Crans-Montana wird durch einen Brand verwüstet. Ein umfangreiches Aufgebot wird eingesetzt, darunter 70 Feuerwehrleute, 150 Sanitätseinsatzkräfte, 13 Helikopter und 42 Ambulanzen. Erste Informationen machen das Ausmass der Tragödie deutlich. 40 Menschen, unter ihnen 20 Minderjährige, verlieren ihr Leben. 116 Personen werden verletzt, viele von ihnen schwer.
«Das Drama ist im Wallis beispiellos», erklärt Staatsrat Stéphane Ganzer anlässlich der ersten Pressekonferenz der Walliser Behörden. Bundespräsident Guy Parmelin begibt sich auf das Hochplateau. Die Ermittlungen beginnen, ebenso wie die Identifizierung der Opfer und der Verletzten.
2. Januar
Am Bundeshaus in Bern werden die Fahnen für fünf Tage auf Halbmast gesetzt – als Zeichen der Trauer nach der Tragödie. Im Wallis treffen Kamerateams aus aller Welt ein. Der italienische Aussenminister Antonio Tajani reist an den Ort des Geschehens.
Am Nachmittag erklärt die Walliser Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud an einer weiteren Pressekonferenz, dass das Feuer offenbar von brennenden Wunderkerzen ausgegangen sei, die auf Champagnerflaschen platziert und zu nahe an die Decke gebracht worden seien.
3. Januar
Bundesrat Beat Jans besucht den Ort des Dramas. Die ersten Identifizierungen werden bekannt gegeben. Die Walliser Staatsanwaltschaft teilt mit, dass ein Strafverfahren gegen die beiden Betreiber der Bar, Jacques und Jessica Moretti, eröffnet wurde.
4. Januar
Nach einer Gedenkmesse in Crans-Montana versammeln sich mehr als tausend Menschen in die Nähe des Unglücksortes, um zu trauern und Blumen, Kerzen und andere Zeichen des Gedenkens niederzulegen. Alle vierzig Todesopfer des Brandes sind identifiziert.
5. Januar
Auch die 116 Verletzten sind identifiziert.
6. Januar
Die Behörden von Crans-Montana räumen gegenüber der Presse ein, dass die Bar «Le Constellation» seit 2020 nicht mehr kontrolliert wurde. Das Ausbleiben einer Entschuldigung des Gemeinderats sorgt für heftige Kritik. In Sitten besucht Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider das Spital, um dem Pflegepersonal ihren Dank auszusprechen. Die Staatsanwaltschaft teilt mit, dass ein Team von vier Staatsanwältinnen unter der Leitung von Catherine Seppey den Fall übernehmen wird.
8. Januar
Die Hotline, die am 1. Januar eingerichtet worden war, wird deaktiviert. Insgesamt wurden über diesen Kanal 1300 Anrufe und 280 E-Mails bearbeitet.
9. Januar
Die Betreiber des «Constellation» werden von der Walliser Justiz erstmals als Beschuldigte einvernommen. Jacques Moretti wird festgenommen und in Untersuchungshaft gesetzt.
Die Schweiz gedenkt der Opfer an einem nationalen Trauertag. In Martigny findet eine Zeremonie statt, an der rund 700 Gäste teilnehmen, darunter 150 Angehörige der Opfer, Vertreter der Behörden und Rettungskräfte. Politiker aus rund dreissig Staaten darunter der französische Präsident Emmanuel Macron und der italienische Präsident Sergio Mattarella, sind anwesend. Die Gemeinde Crans-Montana entschuldigt sich erstmals offiziell durch ihre Vizepräsidentin Nicole Bonvin Clivaz.
12. Januar
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Wallis bestätigt die Untersuchungshaft von Jacques Moretti. Die Gemeinde Crans-Montana verzichtet darauf, im Verfahren als Privatklägerin aufzutreten.
13. Januar
Jessica Moretti bleibt auf freiem Fuss, doch das Zwangsmassnahmengericht verhängt sogenannte Ersatzmassnahmen. Der Eigentümerin des «Constellation» wird unter anderem verboten, die Schweiz zu verlassen; zudem muss sie sämtliche Ausweisdokumente abgeben und sich täglich bei einer Polizeistelle melden.
14. Januar
Zwei Wochen nach dem Brand verbietet der Kanton Wallis – wie auch andere Kantone – den Einsatz von pyrotechnischen Gegenständen in öffentlich zugänglichen Einrichtungen. Zudem kündigt der Kanton Wallis eine dringende finanzielle Unterstützung für die Opfer des Brandes an.
15. Januar
Papst Leo XIV. empfängt im Vatikan in einer Privataudienz rund zwanzig Angehörige der Opfer des Brandes.
18. Januar
Die Anwälte des Ehepaars Moretti äussern sich erstmals in den Medien. Sie sprechen von Lügen und Indiskretionen im Zusammenhang mit den laufenden Ermittlungen an und erklären, ihre Mandanten seien von der Tragödie zutiefst erschüttert.
20. und 21. Januar
Jacques und Jessica Moretti werden ein zweites Mal von der Staatsanwaltschaft vorgeladen.
23. Januar
Das Zwangsmassnahmengericht hebt die Untersuchungshaft von Jacques Moretti auf. Es werden Ersatzmassnahmen angeordnet, darunter eine Kaution von 200'000 Franken, die bezahlt wurde.
24. Januar
Italien ruft seinen Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado, aus Protest gegen die bedingte Freilassung von Jacques Moretti zurück.
27. Januar
Der Gemeindepräsident von Crans-Montana, Nicolas Féraud, räumt in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA Fehler in der Kommunikation ein. Dass er sich an der Medienkonferenz vom 6. Januar nicht im Namen der Gemeinde entschuldigt habe, sei ein Fehler gewesen. Er bittet um Vergebung und erklärt sich bereit, Verantwortung zu übernehmen.
29. Januar
Laut dem Westschweizer Radio und Fernsehen RTS und anderen Medien wird eine vierte Person beschuldigt. Es handle sich um den aktuellen Sicherheitschef der Gemeinde Crans-Montana.
Die Walliser Staatsanwaltschaft gewährt Italien Rechtshilfe gewährt, wie das Bundesamt für Justiz (BJ) mitteilte. Die Staatsanwaltschaft in Rom erhält nun insbesondere Zugang zu den bereits gesammelten Beweismitteln.
1. Februar
Vor genau einem Monat ereignete sich die Tragödie von Crans-Montana. Die Gemeinde, in der seit Freitag Rennen im Ski-Weltcup stattfinden, hat mehrere Gedenkveranstaltungen geplant, darunter eine kurz vor 11 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt werden alle Kirchenglocken im Ort läuten. Später am Tag findet in der Kathedrale von Sitten eine Gebetswache statt.
Vor der Abfahrt der Männer im Ski-Weltcup gedachten Bundesrat Martin Pfister, der Walliser Staatsrat Christophe Darbellay und Nationalratspräsident Pierre-André Page am Ort der Gedenkstätte der Opfer des Brandes. (hkl/sda)
