Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Weniger Familiendramen: Das erhofft sich der Bundesrat. Jährlich werden rund 100 Kinder von einem Elternteil ins Auslang gebracht. (Symbolbild) Bild: shutterstock

Entführung, Zwangsheirat, Dschihadreisen – so will der Bundesrat Kinder besser schützen

Rund 100 Kinder werden pro Jahr von der eigenen Mutter oder dem eigenen Vater ins Ausland verschleppt. Der Bundesrat verstärkt den Kampf gegen solche Dramen – und setzt dabei auf neue Schengen-Regeln.

KARI KÄLIN / ch media



Die gescheiterte Ehe gipfelt in einem erbitterten Streit um die Kinder – und bei binationalen Paaren regelmässig in Entführungen. Rund 100 Kinder werden jedes Jahr von ihren eigenen Müttern und Vätern von der Schweiz ins Ausland gebracht, um sie dem Ex-Partner oder der Ex-Partnerin zu entziehen.

Der Bundesrat hat letzte Woche neue Massnahmen im Kampf gegen die Kindesentführungen beschlossen. Künftig sollen Eltern ihre Kinder präventiv im Schengener Informationssystem SIS ausschreiben können. Ein entsprechender Verdacht muss jedoch durch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) und die Polizei bestätigt werden. Bis anhin landeten Kinder erst nach einer bereits erfolgten Entführung im SIS – als vermisste Personen.

Auf Nimmerwiedersehen in Nigeria

Besteht erhöhte Entführungsgefahr, können Kinder bereits heute im nationalen Fahndungssystem Ripol ausgeschrieben werden. Will ein Entführer von der Schweiz aus den Schengenraum verlassen, würde im Ripol ein Treffer aufleuchten. Dieses Problem können Täter derzeit relativ einfach umgehen: Es genügt, zuerst in einen anderen Schengenstaat, zum Beispiel Deutschland, zu reisen, um danach von dort aus das Weite zu suchen. Mit den neuen Regeln würden Entführer auch bei diesem Szenario gestoppt. Denn die Sicherheitsbehörden klären bei allen Personen, die den Schengenraum verlassen, automatisch ab, ob sie im SIS eingetragen sind oder nicht.

Was aber passiert, wenn es zu einer Kindsentführung gekommen ist? Die Schengen-Staaten gehören zu den rund 100 meist westlichen und südamerikanischen Staaten, die das Haager Übereinkommen zur Kindesentführung unterzeichnet haben. Wird ein Kind in einen Vertragsstaat gebracht, kann der zurückgebliebene Elternteil einen Antrag auf Rückführung stellen. Die Chancen, wieder mit seinem Kind leben oder zumindest in Kontakt treten zu können, stehen gut.

Anders präsentiert sich die Lage bei Ländern, die dem Haager Übereinkommen nicht beigetreten sind. Wenn der Entführer oder die Entführerin nicht einlenkt, sieht der allein gebliebene Elternteil seine Kinder im schlimmsten Fall nie wieder. So versteckt etwa ein nigerianischer Vater seit Jahren seine zwei Buben vor seiner Ex-Frau, die unterdessen den Schweizer Pass hat.

Der internationale Sozialdienst Schweiz vermittelt unter anderem bei Fällen, in denen Kinder in Nicht-Vertragsstaaten gebracht werden. Aus solchen Ländern sei eine Rückkehr der Kinder in die Schweiz fast unmöglich, sagt Stephan Auerbach, Abteilungsleiter und Mediator des Sozialdienstes. Der Sozialdienst versuche in solchen Fällen, mit seinen Partnerorganisationen vor Ort Hausbesuche zu organisieren und Elternbesuche vor Ort zu ermöglichen.

Francine Hungerbühler kümmert sich beim Bundesamt für Justiz um internationale Kindesentführungen im Rahmen des Haager Abkommens. Sie begrüsst die Möglichkeit, Kinder präventiv im Schengener Informationssystem SIS auszuschreiben: «Dies kann dazu beitragen, Entführungen durch einen Elternteil zu vereiteln.»

Im Jahr 2017 erreichten die Schweiz übrigens 62 Anträge aus dem Ausland um die Rückführung von Kindern gemäss Haager Übereinkommen. Rund ein Viertel davon stammte von den Nachbarländern Deutschland, Frankreich und Italien. Anträge ausserhalb des Schengenraums sind in der Minderzahl.

Kampf gegen Zwangsheiraten

Als Vorsichtsmassnahme können Kinder, Jugendliche und Erwachsene neu auch im SIS ausgeschrieben werden, wenn ihnen Zwangsheirat, Menschenhandel oder weibliche Genitalverstümmelung droht. Die Fachstelle Zwangsheirat prüft derzeit die Auswirkungen der neuen Regeln. «Gerade Heiraten mit Minderjährigen werden oft im Ausland geschlossen, um die Gesetze in der Schweiz zu umgehen», sagt Anu Sivaganesan, Präsidentin der Fachstelle Zwangsheirat. Schutzmassnahmen für Betroffene stünden für die Fachstelle im Vordergrund. Wenn internationale Lösungen dazu einen Beitrag leisteten, sei das zu begrüssen.»

Die Fachstelle berät als Kompetenzzentrum des Bundes in der Schweiz jährlich rund 300 Personen, die zwangsverheiratet worden sind oder denen dieses Schicksal blüht. Rund ein Drittel davon sind minderjährig, mehr als 80 Prozent Frauen. Gemäss der Bundesstudie zu Zwangsheiraten von 2012 sind in der Schweiz die häufigsten Herkunftsländer der Betroffenen die Türkei, Sri Lanka oder Balkanländer wie Kosovo oder Mazedonien. Nicht immer wissen die Betroffenen, dass eine Reise ins Ausland mit einer unerwünschten Hochzeit endet. In solchen Fällen würde auch eine Ausschreibung im SIS nicht helfen.

Bis zu 340 Fälle pro Jahr: Zwangsheirat in den Sommerferien

abspielen

Video: srf

Barriere für Dschihadreisende

Präventiv im SIS erfasst werden können auch Kinder, die Opfer von terroristischen Straftaten werden könnten. Minderjährige, die Dschihadfantasien in einem Konfliktgebiet ausleben möchten, landen – auf Antrag der Eltern – zum Selbstschutz auch in der Datenbank und werden mit einer Ausreisesperre belegt.

All die erwähnten Massnahmen sind Teil eines Gesamtpakets, mit dem der Bundesrat die innere Sicherheit und die Terrorismusabwehr verstärken will. Als Schengen-Mitglied muss die Schweiz die neuen Bestimmungen der EU übernehmen. Unter anderem müssen neu Personen im SIS ausgeschrieben werden, von denen potenziell eine Terrorgefahr ausgeht. (aargauerzeitung.ch)

Das könnte dich auch interessieren:

Musk kam, sah und wurde fast von Ameisen gebodigt – das steckt hinter der Wut auf Tesla

Link zum Artikel

Instagram-Star Morena Diaz hat einen ehemaligen Freund wegen Vergewaltigung angezeigt

Link zum Artikel

Covid-19 zertrümmert den Mythos von der Effizienz des chinesischen Systems

Link zum Artikel

Attentat von Hanau: «Rechtsextreme Influencer radikalisieren die ‹einsamen Wölfe›»

Link zum Artikel

6 Schweizer Mythen im Faktencheck

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Das Verkehrsregel-Quiz: Wer hier versagt, muss den Bus nehmen

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Waadtländer wird von falscher Geliebter abgezockt – und zwar so richtig

Link zum Artikel

Schweizer Zahnärzte haben ein Hygiene-Problem – und niemand tut etwas dagegen

Link zum Artikel

Bill Gates hat sein erstes Elektroauto gekauft – jetzt rate, was für eins! 🙈

Link zum Artikel

«Der Drogenkonsum war nicht das Schlimmste» – Jasmin über ihr Leben bei süchtigen Eltern

Link zum Artikel

An dieser Monsterschlange mussten Skifahrer anstehen, um auf den Lift zu kommen 😨

Link zum Artikel

«Obwohl ich ihn heiraten will, kriege ich jetzt Panik …»

Link zum Artikel

«Natürlich hatte ich schon mit Piloten Sex»: Eine Swiss-Stewardess erzählt

Link zum Artikel

Du kannst mit dem letzten Penalty alles klar machen … UND DANN SCHIESST DU SO?!

Link zum Artikel

Du willst Polizist werden? Dann musst du zuerst dieses Deutsch-Diktat meistern

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Musk kam, sah und wurde fast von Ameisen gebodigt – das steckt hinter der Wut auf Tesla

184
Link zum Artikel

Instagram-Star Morena Diaz hat einen ehemaligen Freund wegen Vergewaltigung angezeigt

257
Link zum Artikel

Covid-19 zertrümmert den Mythos von der Effizienz des chinesischen Systems

101
Link zum Artikel

Attentat von Hanau: «Rechtsextreme Influencer radikalisieren die ‹einsamen Wölfe›»

91
Link zum Artikel

6 Schweizer Mythen im Faktencheck

32
Link zum Artikel

Das Verkehrsregel-Quiz: Wer hier versagt, muss den Bus nehmen

194
Link zum Artikel

Waadtländer wird von falscher Geliebter abgezockt – und zwar so richtig

10
Link zum Artikel

Schweizer Zahnärzte haben ein Hygiene-Problem – und niemand tut etwas dagegen

27
Link zum Artikel

Bill Gates hat sein erstes Elektroauto gekauft – jetzt rate, was für eins! 🙈

84
Link zum Artikel

«Der Drogenkonsum war nicht das Schlimmste» – Jasmin über ihr Leben bei süchtigen Eltern

41
Link zum Artikel

An dieser Monsterschlange mussten Skifahrer anstehen, um auf den Lift zu kommen 😨

115
Link zum Artikel

«Obwohl ich ihn heiraten will, kriege ich jetzt Panik …»

129
Link zum Artikel

«Natürlich hatte ich schon mit Piloten Sex»: Eine Swiss-Stewardess erzählt

228
Link zum Artikel

Du kannst mit dem letzten Penalty alles klar machen … UND DANN SCHIESST DU SO?!

10
Link zum Artikel

Du willst Polizist werden? Dann musst du zuerst dieses Deutsch-Diktat meistern

118
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Musk kam, sah und wurde fast von Ameisen gebodigt – das steckt hinter der Wut auf Tesla

184
Link zum Artikel

Instagram-Star Morena Diaz hat einen ehemaligen Freund wegen Vergewaltigung angezeigt

257
Link zum Artikel

Covid-19 zertrümmert den Mythos von der Effizienz des chinesischen Systems

101
Link zum Artikel

Attentat von Hanau: «Rechtsextreme Influencer radikalisieren die ‹einsamen Wölfe›»

91
Link zum Artikel

6 Schweizer Mythen im Faktencheck

32
Link zum Artikel

Das Verkehrsregel-Quiz: Wer hier versagt, muss den Bus nehmen

194
Link zum Artikel

Waadtländer wird von falscher Geliebter abgezockt – und zwar so richtig

10
Link zum Artikel

Schweizer Zahnärzte haben ein Hygiene-Problem – und niemand tut etwas dagegen

27
Link zum Artikel

Bill Gates hat sein erstes Elektroauto gekauft – jetzt rate, was für eins! 🙈

84
Link zum Artikel

«Der Drogenkonsum war nicht das Schlimmste» – Jasmin über ihr Leben bei süchtigen Eltern

41
Link zum Artikel

An dieser Monsterschlange mussten Skifahrer anstehen, um auf den Lift zu kommen 😨

115
Link zum Artikel

«Obwohl ich ihn heiraten will, kriege ich jetzt Panik …»

129
Link zum Artikel

«Natürlich hatte ich schon mit Piloten Sex»: Eine Swiss-Stewardess erzählt

228
Link zum Artikel

Du kannst mit dem letzten Penalty alles klar machen … UND DANN SCHIESST DU SO?!

10
Link zum Artikel

Du willst Polizist werden? Dann musst du zuerst dieses Deutsch-Diktat meistern

118
Link zum Artikel

Kein Nachschlag! So sahen die letzten Mahlzeiten von Mördern aus:

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Little J 18.02.2019 11:36
    Highlight Highlight In Frankreich müssen alle Kinder unter 18, die nicht mit beiden Eltern reisen, ein Formular von beiden Erziehungsberechtigent plus Passkopie vorlegen. Ohne dies dürfen sie nicht in ein Flugzeug steigen. Wurde ursprünglich eingeführt um die Kinder daran zu hindern dem IS beizutreten. Finde es aber gar keine schlechte Idee das auch bei uns einzuführen.
  • Unkel Wullewu 18.02.2019 05:30
    Highlight Highlight Ja, wenn man die Kinder vor ein paar Dutzend phösen Ausländer schützen will, dann rennt man hier offene Türen ein. Wenn dagegen wir alle unser Verhalten ändern sollten, um der Jugend eine wenigsten halbwegs vernünftige Zukunft zu ermöglichen, dann fallen uns immer zig Argumente ein, warum die gerade vorgeschlagene Massnahme nicht oportun ist.

Aargau ist nicht allein: In diesen Kantonen sind die Einbürgerungshürden besonders hoch

Im Kanton Aargau gelten nach der gestrigen Abstimmung höhere Hürden für die Einbürgerung von Ausländerinnen und Ausländern. Wer den roten Pass will, darf während zehn Jahren keine Sozialhilfe bezogen haben. In zwei anderen Kantonen gelten ebenfalls strenge Regeln.

Schweizerin und Schweizer zu werden ist nicht ganz einfach. Um den roten Pass zu kriegen, müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden.

Im Kanton Aargau wurden die Bedingungen am Sonntag verschärft. Mit 101'716 Ja- zu 55'238 Nein-Stimmen hiess die Aargauer Stimmbevölkerung eine Verschärfung des Einbürgerungsgesetzes gut. Wer Schweizerin oder Schweizer werden will, darf während zehn Jahren keine Sozialhilfe bezogen haben.

Die Stimmberechtigten bestätigten damit die von den bürgerlichen Parteien …

Artikel lesen
Link zum Artikel