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Olivier Kessler kämpft an vorderster Front gegen die Billag-Gebühren – und schlägt einem Journalisten gleich selber vor, welche Fragen zu stellen sind. Challenge accepted!
Olivier Kessler kämpft an vorderster Front gegen die Billag-Gebühren – und schlägt einem Journalisten gleich selber vor, welche Fragen zu stellen sind. Challenge accepted!
Bild: KEYSTONE

No-Billag-Kessler befragt sich selbst: «Saurons Auge über dem Leutschenbach ist erloschen»

Olivier Kessler (SVP) ist der Kopf hinter «No Billag». Über seinen privaten Medienkonsum wollte er der «Berner Zeitung» keine Auskünfte geben – stattdessen schlug er dem Journalisten seine eigenen Fragen vor. Wir haben den Ball aufgenommen und präsentieren: Kessler befragt Kessler – im Jahr 2019, in einer Schweiz ohne SRG.
05.11.2017, 13:12
Falschmeldung
Satire - (fast) kein Wort ist wahr!

Die «Berner Zeitung» (kostenpflichtiger Artikel) wollte am Freitag von den «No Billag»-Initianten wissen, welche Medien sie privat konsumieren. Von SVP-Nationalrat Lukas Reimann erfahren wir, dass er die NZZ und das «St. Galler Tagblatt» abonniert hat. Der Jungfreisinnige Maurus Zeier liest unter anderem die «Financial Times».

Alle Angefragten gaben Auskunft – ausser Olivier Kessler (SVP). Der umtriebige Kopf hinter der Initiative und ehemalige Chefredaktor der «Schweizerzeit» schlug dem Journalisten stattdessen vier «wichtige ordnungspolitische Fragen» vor, die er stellen könnte.

Als Gedankenexperiment haben wir uns vorgestellt, welche Fragen Olivier Kessler im Jahr 2019 gerne gestellt bekommen würde – in einer Zukunft, in welcher die No Billag-Initiative angenommen und die SRG aufgelöst worden ist.

Olivier Kessler, vor gut einem Jahr haben Sie es dem Establishment gezeigt: Die No Billag-Initiative wurde angenommen. Wir gratulieren!
Olivier Kessler:
Ach, jetzt schmeicheln Sie mir aber, da erröte ich ja regelrecht (errötet nicht). Der Erfolg hatte viele Väter, ich war nur einer davon.

Ist es übertrieben zu sagen, dass kein Mensch in der Schweiz so freiheitlich denkt wie Sie?
Uiuiui, jetzt kommen Sie aber direkt mit den harten Brocken. Da möchte ich mich nicht auf die Äste herauswagen: Ich weiss es schlicht nicht. Aber nach dem Abstimmungserfolg gab es Begegnungen mit wildfremden Leuten auf der Strasse, die das behaupteten. Die können diese Frage besser beantworten als ich.

Nach dem Ja zu «No Billag» und der Einstellung des Sendebetriebs in Leutschenbach ist das Meteo-Studio auf dem Dach verwaist. Es ist, als wäre das Auge Saurons auf der Festung Barâd-Dur erloschen. Ein treffender Vergleich?
Ich muss sagen, Ihre Fragen sind wirklich spitze. Das Sprachbild gefällt mir gut. Früher zogen die Billag-Kontrolleure ja wie marodierende Uruk-hais übers Land. Um bei «Herr der Ringe» zu bleiben: Die dunklen Wolken der gelenkten Staatsmedien haben sich verzogen und blau erstrahlt der Himmel der Freiheit.

Interessant ist ja: Die No-Billag-Gegner warnten immer davor, dass es bei einem Ja keine Informationssendungen für die sprachlichen Minderheiten mehr geben werde. Das Tessin beweist das Gegenteil.
Sie spielen auf «Lega TV» an. Da muss man tatsächlich von einem Beweis der Vitalität der freien Marktwirtschaft auch in kleinen Märkten sprechen. «Lega TV» zeigt zwar nach dem Vorbild des deutschen «n-tv» hauptsächlich Dokumentationen über den verstorbenen Lega-Vorsitzenden Giuliano Bignasca in Endlosschleife. Aber Bignascas Worte sind schliesslich zeitlos. Da kann der Zuschauer mehr übers Weltgeschehen lernen als früher bei der «Tagesschau»!

Auch in der Deutschschweiz florieren die privaten TV-Sender. Trotzdem die kritische Zwischenfrage: Wo konnte der Service public der SRG nicht adäquat ersetzt werden?
Ich bin ehrlich gesagt selber erstaunt, wie viele hochwertige Formate entstanden sind. Hervorzuheben ist beispielsweise die neue Schüler-Sendung auf Teleblocher «Wo klemmt’s? Frag EMS.» Der nächste Schweizer Chemie-Nobelpreisträger ist nur eine Frage der Zeit! Aber auch die «Sternstunde Philosophie» wurde mehr als nur ersetzt. Die Sendung «Roger Köppel im Zwiegespräch mit sich selber» finde ich überraschender als der dröge Vorgänger auf SRF.

Und im Nachrichtenbereich?
Dank «RTL aktuell» mit dem einminütigen Schweiz-Fenster am Ende der Sendung vermisse ich weder «Tagesschau» noch «10 vor 10». Und mit Alena Gerber konnte eine hervorragende Moderatorin dafür gewonnen werden. Erich Hess wollte sie ja einst aus der Schweiz werfen, weil Alena Gerber usgang.tv nicht auf Schweizerdeutsch moderierte. Das zeigt: Die Angst, bei einem SRG-Ende nehme der Einfluss der SVP überhand, war unbegründet.

Sie war mal berühmt in der Schweiz: Model und Moderatorin Alena Gerber.
Sie war mal berühmt in der Schweiz: Model und Moderatorin Alena Gerber.
Bild: EPA/DPA

Ein Flaggschiff des SRF war ja die «Arena». Die Linken beschweren sich, es gebe heute keine ausgeglichenen politischen Diskussionssendungen mehr.
Da kann ich nur lachen. Die «Herrliberger Pool-Gespräche» unter der Leitung von Matthias Ackeret beleuchten die aktuellen politischen Themen jeweils sehr kontrovers und aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Da sind auch immer wieder Linke eingeladen, wie etwa Philipp Müller.

Eine letzte Frage: Wo schauen Sie eigentlich Skirennen?
Auf dem ORF.

Aber der ORF ist doch auch ein gebührenfinanzierter Sender.
Das stimmt. Aber in Österreich sitzen jetzt die Freiheitlichen in der Regierung. Da kann ich als freiheitlich denkender Mensch ohne schlechtes Gewissen einschalten.

Doris Leuthard über die neue Billag-Gebühr

Video: srf
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