Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Maximilian Reimann, SVP-AG, stellt eine Frage, an der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 13. Juni 2017 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Maximilian Reimann (75) arbeitete in den 80er-Jahren selbst beim Schweizer Fernsehen. Bild: KEYSTONE

Interview

SVP-Reimann: «Der Teletext – das ist echter Service public!»

Maximilian Reimann ist SVP-Nationalrat – und ehemaliger SRG-Journalist. Die No-Billag-Initiative bringt ihn in eine Zwickmühle. 



Herr Reimann, Sie arbeiteten früher beim Schweizer Fernsehen. Was ist Ihre beste Erinnerung an die Zeit als TV-Mann?
Maximilian Reimann:
Ich war bei der «Rundschau» und der «Antenne», dem Vorläuferformat von «Schweiz aktuell». Damals durfte ich mit renommierten Koryphäen der Branche zusammenarbeiten, so etwa mit Annemarie Schwyter oder Heiner Gautschy, den beiden vormals bekannten Auslandkorrespondenten in Spanien beziehungsweise in den USA.

Sie waren in den 80ern auch Ansager. Ein Job, den es heute nicht mehr gibt. Was machten Sie da genau?
Wir haben den Zuschauern das Programm näher erläutert, meist vor oder nach der «Tagesschau». Zudem galt es, Spielfilme und andere Sendungen anzumoderieren. Ich kam aus purem Zufall zu diesem Job. Der erste männliche Ansager stieg plötzlich aus und musste kurzfristig ersetzt werden. Der damalige Programmdirektor fragte mich an und ich habe spontan zugesagt, für einen Tag pro Woche. Ich war also der einzige Mann unter lauter Damen. Und prompt haben mich diese zu ihrem Obmann gewählt!

«Hin und wieder habe ich im Namen des Ansager-Teams beim Fernseh-Direktor vorgesprochen. Beispielsweise wegen maskenbildnerischer Anliegen.»

Sie waren also eine Art Gewerkschafter in der SRG?
Ja. Ich war quasi der Boss der «kleinsten Gewerkschaft» in der Schweiz, mit rund einem halben Dutzend Mitgliedern. Hin und wieder habe ich im Namen des Ansager-Teams beim Fernseh-Direktor vorgesprochen. Beispielsweise wegen maskenbildnerischer Anliegen (lacht). An Details mag ich mich aber nicht mehr erinnern.

Der neu in den Nationalrat gewaehlte Aargauer Maximilian Reimann (SVP) sitzt im November 1987 im Nationalratssaal in Bern. (KEYSTONE/Str)

Maximilian Reimann sitzt seit 1987 im Parlament. Bild: KEYSTONE

Nun attackiert Ihre Partei die SRG frontal. Eine Mehrheit der SVP-Fraktion unterstützte im Nationalrat die No-Billag-Initiative – Sie enthielten sich. Warum?
Aus meiner Sicht brauchen wir eine SRG. Aber nicht in dieser Grösse, wie das heute der Fall ist, zwangsfinanziert selbst von unseren Unternehmen und Gewerbebetrieben. Ich war für den Gegenvorschlag meiner Partei, der eine Halbierung der Gebühren auf 200 Franken verlangte. Diesen hat das Parlament leider versenkt. Aber ich hoffe, dass der Stein nun anderweitig ins Rollen kommt.

«Aber nehmen Sie zum Beispiel Meteo: Ist es wirklich nötig, auf dem Dach eine mehrminütige Show abzuziehen?»

Worauf spekulieren Sie?
Medienministerin Doris Leuthard hat ja bereits angekündigt, dass sie die Gebühr auf einen Franken pro Tag senken will, also auf 365 Franken gegenüber 450 heute. Entsprechende Schritte werden bei einer Ablehnung der Initiative zweifellos folgen.

Wo würden Sie im Programm den Rotstift ansetzen?
Ich will mich da gar nicht zu sehr auf die Äste hinauslassen. Aber nehmen Sie zum Beispiel Meteo: Ist es wirklich nötig, auf dem Dach eine mehrminütige Show abzuziehen? Im zehnmal grösseren Deutschland schafft man Meteo kurz und bündig in ein bis zwei Minuten. Auch Auslandskorrespondenten haben wir meines Erachtens zu viele. Und im Tessin ist die SRG nach der Kantonsverwaltung grösster Arbeitgeber, in der Tat des Guten zu viel.

Nun gehen Sie ausgerechnet aufs Tessin los? In diesem kleinen Markt kann doch kein Privater ein journalistisches Vollprogramm anbieten.
Sicher gehe ich nicht aufs Tessin los, gehörte ich doch eben zu jenen Kräften in Bern, die der italienischen Schweiz wieder zu einem Bundesrat verholfen haben! Aber 1200 RSI-Mitarbeitende bei 350‘000 Einwohnern, finanziert durch die schweizerische Allgemeinheit, das ist schlicht und einfach unverhältnismässig! Und das alles geschieht unter dem Schlagwort des «nationalen Zusammenhalts». Man vergisst gern, dass die Schweiz schon vor der SRG existiert hat.

«Könnte man nicht auch den Fernsehkonsum, analog Strom oder Wasser, per Zähler in Rechnung stellen?»

Wie sähe heute eine Schweiz ganz ohne die SRG aus?
Das wird es nie geben. Die SRG würde auch bei einem Ja zu No Billag auf andere Weise, auf Basis einer anderen Rechtsform, weiterexistieren, da bin ich überzeugt.

Wie soll sie ohne Gebührengelder einen Service public anbieten können?
Ich könnte mir einen Grundbeitrag des Staates zur Abgeltung dieses Service public durchaus vorstellen, aber dieser müsste endlich einmal klar definiert werden. Privaterseits kämen Jahres-Abos pro Haushalt dazu, wie das im Bereich der gedruckten Medien üblich ist. Und wir leben in einer Ära, in der technisch bald alles möglich ist. Könnte man da nicht auch den Fernsehkonsum, analog zu Strom oder Wasser, per Zähler in Rechnung stellen? Zudem verbleiben ja die Werbeeinnahmen.

Und das käme den Konsumenten dann unter dem Strich günstiger, glauben Sie?
Auf jeden Fall, vorausgesetzt, die SRG kommt programm- und produktionsmässig vom hohen Ross herunter und produziert massiv weniger. Mit weniger Personal, auf weniger Kanälen und weniger aufgeblasener Bürokratie.

Gehen Sie davon aus, dass in einem freiwilligen Modell noch genügend Geld zusammenkäme für eine seriöse Polit-Berichterstattung?
Das würde sich dann zeigen. Es gibt ja auch viele Private, die hier gute Arbeit leisten, mit wesentlich schlankeren Budgets.

«Natürlich ist es praktisch, wenn die SVP künftig vor Wahlen und Abstimmungen vermehrt in diesen Zeitungen inserieren kann, anstatt ihr Budget in linkslastigen Medien zu verbraten.»

Viele Menschen beunruhigt es, dass Christoph Blocher sein Medienimperium laufend ausbaut. Können Sie die Furcht vor einer Berlusconisierung der Schweizer Medienlandschaft nachvollziehen?
Diese lokalen Anzeiger wären sonst vermutlich früher oder später eingegangen! Indem Christoph Blocher sie aufgekauft hat, trägt er zum Erhalt der Medienvielfalt bei, ohne jegliche staatliche Gebühren.

… und kann die politischen Botschaften der SVP ganz nebenbei in Hunderttausende Schweizer Stuben tragen.
Es ist abwegig, den Teufel schon auf Vorrat an die Wand zu malen. Natürlich ist es praktisch, wenn die SVP künftig vor Wahlen und Abstimmungen vermehrt in diesen Zeitungen inserieren kann, anstatt ihr Budget in linkslastigen Medien zu verbraten. Aber von einer SVP-Unterwanderung im redaktionellen Teil kann keine Rede sein. Das würde sich auf kurz oder lang bei der Leserschaft rächen: Die Abbestellung oder der rasche Wurf ins Altpapier wären die logische Folge.

Sie waren Mitinitiant von Tele M1. Auch regionale TV-Sender bekämen bei einer Abschaffung der Billag nichts mehr aus dem Gebührentopf. Kann das in Ihrem Sinn sein?
Bei diesen Regionalsendern chrampfen die Mitarbeiter noch richtig – und erst noch zu tieferen Löhnen. Auch sie erbringen regionalen und kantonalen Servic public, der öffentlich-rechtlich abgegolten werden kann. Natürlich bedarf das einer gesetzlichen Basis. Aber es ist ja klar: Bei einer Annahme von No Billag müsste die nationale Radio- und TV-Gesetzgebung ohnehin einer gründlichen Totalrevision unterzogen werden.

Ihr Neffe Lukas Reimann ist ein feuriger No-Billag-Befürworter. Gibt es da zuweilen auch Diskussionen in der Familie?
Natürlich! Ich habe ihm gesagt, dass mir die Initiative zu weit geht. Bei einer Ablehnung müsste aber eine neue lanciert werden, etwa im Rahmen des SVP-Gegenentwurfes, der von den eidgenössischen Räten abgelehnt wurde.

Auf welches SRG-Angebot würden Sie persönlich ungern verzichten?
Ich schaue mir viele Informationssendungen an und ebenso Topevents im Sport. Auch den Teletext nutze ich oft per Handy – das ist echter Service public!

Doris Leuthard über die neue Billag-Gebühr

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Bund erlaubt Öffnung von Kantinen am Mittag

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

«Mussten blutte Spaghetti essen»: Soldaten beschweren sich über mangelnde Vegi-Menüs

Auf dem Menüplan der Schweizer Soldaten steht vor allem eines: Fleisch. Häufig zwei bis drei Mal pro Tag. Auf Vegetarier werde überhaupt keine Rücksicht genommen, beschweren sich Soldaten. Die Armee widerspricht.

Als C.S.* vor zwei Wochen seinen letzten Wiederholungskurs (WK) als Richtstrahlpionier antrat, wollte er ein Experiment machen: Er meldete sich als Vegetarier an.

Einerseits, weil er wissen wollte, wie man in der Armee als Vegetarier behandelt wird und andererseits aus Solidarität. «Bei unserem letzten WK habe ich die meiste Zeit mit einem anderen Soldaten verbracht, der seit einigen Jahren vegetarisch lebt. Er meldete dies auch vor Beginn des WKs an, musste aber feststellen, dass auf seine …

Artikel lesen
Link zum Artikel