DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Von wegen «alternierende Obhut»: Meist bleiben die Kinder beim Mami – und Papi muss zahlen

08.12.2017, 10:3008.12.2017, 19:55
Was tun, wenn die Ehe zerbricht?
Was tun, wenn die Ehe zerbricht?Bild: KEYSTONE

Schrecklich technisch hört er sich an, der Begriff: «alternierende Obhut». Doch eigentlich meint er etwas ganz natürliches: Dass nach einer Trennung die Eltern ihre Kinder gemeinsam betreuen; die Mutter die Kinder zum Beispiel von Montag bis Donnerstag, der Vater von Freitag bis Montag.

Es ist ein Modell, dass von der Politik aktiv gefördert wird. So liess das Parlament 2014 bei der Revision des Unterhaltsrechts einen Passus ins Gesetz schreiben, wonach die Gerichte die alternierende Obhut auf Antrag prüfen müssen.

Das Parlament wollte damit vor allem ein Signal aussenden, schreibt der Tages-Anzeiger heute. Die Gerichte müssten eigentlich von sich alle in Frage kommenden Betreuungsmodelle prüfen. 

Heute wird der Bundesrat einen Bericht zur alternierenden Obhut veröffentlichen. Wirklich neues wird er nicht verkünden, schreibt die Zeitung weiter: Wünschbar sei das Modell schon, doch es scheitere oft an praktischen Problemen wie geografischer Distanz, Zerstrittenheit, Geldknappheit.

Noch immer der Normalfall nach einer Trennung: Die Kinder bleiben hauptsächlich bei der Mutter.
Noch immer der Normalfall nach einer Trennung: Die Kinder bleiben hauptsächlich bei der Mutter.Bild: shutterstock.com

Trotz des Hinweises des Parlaments: In der Praxis entscheiden die Gerichte oft anders. Auch wenn der Vater vor der Trennung Teilzeit arbeitete und sich in der Betreuung der Kinder entsprechend engagierte, bleibt das Risiko, nach dem Gerichtsurteil als zahlender Elternteil zurückzubleiben.

So auch in einem Fall, den der «Tagi» exemplarisch aufzeigt.

Die Situation: Vater, Mutter, drei Kinder. Er arbeitet vor der Trennung als Logopäde Teilzeit, betreut während zweier Tage die Kinder. Die Mutter arbeitet als Innendekorateurin, kleines Pensum, bescheidener Lohn. 

Es kommt zur Trennung. Vor Gericht setzt sich der Vater dafür ein, dass er seine Kinder weiterhin an zwei Tagen pro Woche betreuen kann. Erfolglos. Das Gericht entscheidet: Die Kinder kommen in die Obhut der Mutter. Der Vater betreut die Kinder jeweils am Montag und jedes zweite Wochenende.  

Die Folgen, laut «Tages-Anzeiger»: Der Vater muss sein Pensum aufstocken, damit er die Alimente bezahlen kann. Die Mutter kündigt ihren Job, weil sie für die Kinderbetreuung als jetzt Alleinerziehende mehr Zeit braucht. 

Doch warum bleibt Vätern die alternierende Obhut oft verwehrt?

Im «Tagi» kommt der Zürcher Rechtsanwalt und FDP-Gemeinderat Andreas Egli zu Wort. Er vermutet, dass die Gerichte dem ökonomischen Aspekt ein grosses Gewicht schenken und deshalb auf das traditionelle Modell zurückgreifen: Weil der Vater meist mehr verdient, soll er sein Pensum aufstocken, während die Mutter derweil zu den Kindern schaut. «Die Gerichte pochen zu wenig darauf, dass beide arbeiten gehen», sagt Egli, der auf Familienrecht spezialisiert ist. (mlu)

11 Eltern-Typen, die auch du kennst

Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Lya Saxer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Abonniere unseren Newsletter

57 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
stadtzuercher
08.12.2017 10:50registriert Dezember 2014
Das Bundesgericht hat die alternierende Obhut wie auch das geteilte Sorgerecht nach dessen theoretischen Inkrafttreten gleich wieder ausgehebelt: Indem es der Frau ein Vetorecht gegeben hat. Unter dem Jubel der linken Feministinnen.

In Sachen Gleichstellung ist die Schweiz eine der rückständigsten Staaten in Europa - es sind jedoch nicht Frauen, die per Rechtssprechung und Gesetz schlechtergestellt sind, sondern die Männer.
41646
Melden
Zum Kommentar
avatar
Texas Florida CH seit Öffnung vs D F I BEL ESP et
08.12.2017 11:00registriert August 2016
Tja, gelebte Gleichberechtigung 2017...
Daneben gibt’s sogar Gesetze, die Frauen bevorzugen. Wenn jemand benachteiligt ist, ist’s nicht Frauen.
29847
Melden
Zum Kommentar
avatar
Snowy
08.12.2017 11:43registriert April 2016
Gleichberechtigung ist in der Schweiz immer so lang gut, bis es dem Mann Vorteile gegenüber der Frau bringt.

Wette 80% der Männer U30 haben keine Ahnung von dieser Ungerechtigkeit:

Frau und Mann haben ein Kind (ohne Heirat!). Nach der Geburt arbeitet er weiterhin 100% und sie 40% .
Mann trennt sich. Das Kind ist 3 Jahre alt. So weit so normal.
Der Mann verdient 7000/Mon. Die Frau 1200/Mon.
Der Mann zahlt künftig für Frau und Kind 3000.- pro Monat bis das Kind 12 Jahre (!) da die Frau ja nicht mehr arbeiten muss.

Erstaunt es da noch irgendjemanden, dass Männer keine Kinder mehr wollen?
13821
Melden
Zum Kommentar
57
Zahl der Erwerbstätigen nimmt im zweiten Quartal weiter zu

Der Schweizer Arbeitsmarkt hat auch im zweiten Quartal 2022 weiteren Schub erhalten. Die Zahl der Erwerbstätigen nahm von April bis Juni 2022 gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal um 1.6 Prozent auf 5.1 Millionen zu.

Zur Story