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Sex and the City

Doch noch den Mann fürs Leben gefunden? Die amerikanische Serie «Sex and the City».

Die moderne Frau in der «Sex-and-the-City»-Falle

Eine neue Studie zeigt: Männer müssen Bildungsnachteile mit Einkommen wettmachen.

Niklaus vontobel / ch media



Die Fernsehserie «Sex and the City» zeigt unsere Zukunft. Diese These stellte im Jahre 2003 ein US-Ökonom in einer Studie auf. Er spielte auf eine Serie an, die in den Nullerjahren ein Hit war. Eine Journalistin, eine Rechtsanwältin, eine Kunsthändlerin und eine Werbefachfrau verzweifeln darin an einem Mangel an heiratstauglichen Männern. Solche Nöte würden, so der Ökonom, künftig weit verbreitet sein unter gut ausgebildeten Frauen.

Im Jahr 2019 gibt es eine neue Studie, anhand derer sich für die Schweiz prüfen lässt, was dran ist an der «Sex-and-the-City»-These. Ausgangspunkt waren ein paar simple Fakten. In den USA heirateten Frauen mit guter Ausbildung bis in die Achtziger- und Neunziger noch mehrheitlich «nach oben». Also Männer, die eine höhere Ausbildung hatten. Die höhere Ausbildung galt als Garantie, dass der Mann später den höheren Lohn verdienen würde. Das waren die alten Zeiten.

In den neuen Zeiten hatten die Frauen die Männer in der Bildung überholt: Es gab Millionen mehr Frauen als Männer mit Hochschulabschluss. Rein zahlenmässig fehlte es an Männern, zu denen gebildete Frauen «hoch heiraten» konnten. Somit würde – so die These – «Sex and the City» zur Zukunft: Mehr gut ausgebildete Frauen bleiben Single. Soziale Normen wandeln sich: Mehr Frauen sind in ihren Familien die primäre Brotverdienerin. Anwältinnen heiraten öfter Physiotherapeuten.

In der Schweiz verlief der weibliche «Bildungsschub» vergleichsweise langsam, aber doch eindrücklich. In der Generation, die heute 55 bis 64 Jahre alt ist, haben Männer einen Vorsprung. 21 Prozent haben einen Abschluss an einer Universität oder einer Fachhochschule. Bei den Frauen sind es 15 Prozent. In der Generation von 25 bis 34 Jahren haben die Frauen überholt. 40 Prozent der Frauen haben Abschlüsse an Universität oder Fachhochschule. Bei den Männern sind es 35 Prozent.

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Diese Umkehrung in der Bildung hatte Folgen auf dem schweizerischen Heiratsmarkt. Nachgezeichnet werden diese in einer neuen Studie zur «Rolle von Bildung und Einkommen bei der Paarbildung». Die Studie ist diese Woche in der Reihe «Sozialer Wandel in der Schweiz» erschienen. Erarbeitet wurde sie an der Universität Neuenburg und am Schweizer Kompetenzzentrum Sozialwissenschaften (Fors).

In der Schweiz gehorchte das Heiraten früher ähnlichen Regeln wie in den USA. Ursina Kuhn, eine der Autorinnen, erklärt: Frauen waren wirtschaftlich vom Ehemann abhängig, da sie wenig oder gar nicht arbeiteten. «Es war auch gesellschaftlich nicht vorgesehen, dass Mütter einem Beruf nachgingen.» Also war für Frau wichtig, was Mann verdiente. Eine bessere Ausbildung versprach ein besseres Einkommen.

Dann kam der Bildungsschub, Frau und Mann passten sich an. Aber nicht gemäss «Sex-and-the-City»-These. Heute sind zwar die Chancen höher, dass eine Frau einen Mann mit tieferer Bildung heiratet. «Das ist eine direkte Folge davon, dass heute auf eine Frau mit hoher Bildung weniger Männer mit vergleichbarer Bildung kommen», sagt Kuhn. Doch der männliche Nachteil in der Bildung wird ausgeglichen: mit höheren Einkommen. «Bei solchen Paaren hat die Frau die bessere Ausbildung, der Mann verdient aber überdurchschnittlich gut.» Es sind also Männer, die im Beruf erfolgreicher sind. Offenbar hat sich, so Kuhn, die soziale Norm gehalten, dass Mann mindestens gleich gut gestellt sein muss wie Frau.

Frauen heiraten Männer mit schlechterer Ausbildung – das könnte aus mancher «Sex-and-the-City»-Falle geholfen haben. Denn die Gefahr, unfreiwillig Single zu bleiben, ist heute für gut ausgebildete Frauen nicht grösser als vor zwanzig Jahren. Im Gegenteil, heute leben gemäss Studie gar mehr solche Frauen in Partnerschaften. Was hingegen der Fall ist: Sehr gut ausgebildete Frauen leben immer noch eher allein als Frauen mit einer tieferen Bildung. Die moderne Frau leidet also unter gewissen Single-Nöten, doch sind diese nicht grösser als vor zwanzig Jahren.

This undated illustration provided by Tinder/Emojination shows new variations of interracial emoji couples. In the world of emojis, interracial couples had virtually no options in terms of skin tone. But the emoji gods, otherwise known as the Unicode Consortium, recently rectified that, approving 71 new variations. Using six skin tones already available for one-person emojis, vendors such as Apple, Google and Microsoft will now be able to offer couples of color. Additions are expected later this year. (Tinder/Emojination via AP)

Frauen heiraten Männer mit schlechterer Ausbildung – das könnte aus mancher «Sex-and-the-City»-Falle geholfen haben. Bild: AP/Tinder/Emojination

In manchen Industriestaaten hatte der weibliche Bildungsschub eine unerwartete Folge: Die wirtschaftliche Ungleichheit nahm zu. Es gab anteilsmässig mehr Paare, in denen Mann und Frau gut oder sehr gut verdienten. Weniger Paare mit klassischem männlichen Brotverdiener und Hausfrau ohne eigenes Salär. Mehr Paare mit zwei eher geringen Einkommen. «Die Schweiz hat sich diesem Trend bislang entzogen», sagt Kuhn. Viele Frauen – auch gut ausgebildete – würden ihre berufliche Karriere noch immer dem Mann anpassen. Je mehr Lohn dieser habe, desto mehr steckt die Frau beruflich zurück. Somit blieb in der Schweiz eine Zunahme der Ungleichheit aus.

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