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12-jähriger Paul aus Gunzgen in Düsseldorf befreit
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Paul lernte seinen mutmasslichen Entführer im Internet kennen – 5 Fragen und Antworten zu den Gefahren von Chatrooms

Paul spielte intensiv Internetgames, am liebsten Minecraft. Deshalb war bei den Ermittlungen zum Verschwinden des 12-Jährigen rasch ein Mann im Visier, der über das Spiel den Jungen kontaktierte. Welchen Gefahren sind Kinder in Chaträumen ausgesetzt? Und wie können sie sich schützen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
26.06.2016, 20:4727.06.2016, 08:14

Wie rasselte Paul in die «Chat-Falle»?

Viel Konkretes darüber, wie und warum Paul und sein mutmasslicher Entführer in Kontakt gekommen sind, ist noch nicht bekannt. Worüber haben die beiden geredet? Was haben sie abgemacht? Hat sich der 35-jährige Mann als jemand anderes ausgegeben? Diese Fragen sind Gegenstand der Ermittlungen.

Sicher ist: Über ein Internetgame oder ein spielspezifisches Chatforum kontaktierte der Mann Paul. Gut möglich, dass es sich dabei um Minecraft handelt – das Game, das Paul am intensivsten spielte. Im Minecraft-Forum ist Paul mit den Angaben zu seinem Alter und seinem Wohnort vertreten.

Pauls Avatar und Profil auf Minecraft.
Pauls Avatar und Profil auf Minecraft.bild: blick.ch

Sharmila Egger von Zischtig, der Verein «für Sicherheit und Medienkompetenz» sagt, der mutmassliche Entführer könnte sich «als verständnisvoller, cooler Minecrafter» ausgegeben haben. Aus irgendeinem Grund habe der Junge den Mann treffen wollen. «Vielleicht war Paul fasziniert, weil er spezielle Hacks kannte.»

Wie funktionieren die Chats?

Bei Minecraft baut man sich Welten auf und versucht, darin zu überleben. Über eigenes WLAN kann man Spieler in die eigene Welt einladen. Oder man spielt über andere Server, die über Minecraft-Foren bekannt gegeben werden. Chats sind bei Minecraft nicht direkt integriert. Meist läuft der Austausch unter Spielern über andere bekannte Foren für Minecrafter.

Weil es nicht wirklich darum gehe, gegeneinander zu spielen, sondern vielmehr, in einer Spielwelt zu überleben, Dinge zu bauen und kreativ zu sein, sei es üblich, dass sich die Spieler vernetzen würden, erklärt Egger. Vor allem neuere Spieler seien oft auf Hilfeleistungen von erfahrenen Minecraftern angewiesen. Unter Primarschülern ist es zurzeit das beliebteste Spiel.

Welche Gefahr geht von Web-Chats aus?

Die meisten Internetgames verfügen über Chatfunktionen, die es den Nutzern ermöglichen, miteinander zu kommunizieren. Chats, die in Spiele, Apps oder Communities integriert sind, haben selten einen erkennbaren Betreiber. Sie unterliegen keinerlei Kontrolle und keinerlei Schutz. 

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Screenshot eines Minecraft-Games
bild: play.google.com

Wenn es keine oder keine ausreichende Moderation gibt und sich Chatter zu einem Gespräch «unter vier Augen» zurückziehen, kann es zu sexuellen Belästigungen kommen.

Selbst wenn Kinder nicht direkte Opfer von Belästigungen werden, können sie in Chats Diskussionen mitverfolgen oder auf Seiten gelenkt werden, die nicht für sie geeignet sind. Teilweise kann auch der rüde Ton in Chats oder eine sexuell gefärbte Sprache Kinder verunsichern und verstören. 

Warum ist die Privatsphäre der Kinder nicht geschützt?

Egger sagt, das Hauptproblem liege darin, dass Kinder nicht wissen, dass sie ihre Privatsphäre schützen müssen und wie sie das tun können. Es sei heikel, wenn in den Chats nach persönlichen Informationen wie Wohnort, Geschwister, Alter und Hobbies gefragt werde. Egger: «Damit geben die Kinder Informationen preis, die missbräuchlich verwendet werden könnten.»

Gerade bei Spielen wie Minecraft, die ein junges Publikum ansprechen würden, täten sich problematische Begegnungsmöglichkeiten zwischen Kindern und Erwachsenen auf.

«Kinder machen immer den einen kapitalen Denkfehler: Angenommen, Lisa chattet mit Anna123, die behauptet, die Anna aus der gleichen Schulklasse zu sein. Wie überprüft Lisa, dass es wirklich ihre Schulkollegin ist? Die Antwort der Kinder auf diese Frage ist immer dieselbe: Ich frage sie nach Alter, Wohnort und Hobbies», sagt Egger. Genau das seien aber Informationen, die die Kinder im Internet nicht preisgeben sollten und deshalb von anderen nicht verlangt werden dürfen. Egger: «Es gibt eine Privatsphäre-Grenze, die sie einhalten müssen.» 

Wie können Kinder geschützt werden?

Egger empfiehlt Eltern, ihre Kinder beim Gamen zu begleiten und sich das Spiel erklären zu lassen. «In der Primarschule spielt praktisch ein Drittel der Kinder Minecraft. Das Game als Eltern zu verbieten, wäre falsch», sagt Egger.

Es helfe, die Faszination von Minecraft verstehen zu wollen und mit dem Kind ein Gespräch anzuregen. «Eltern sollten die Kinder fragen, wie sie mit dem Spiel umgehen, mit wem sie chatten, und über was», empfiehlt Egger. Internetgames seien überhaupt nicht gefährlich per se, Kinder müssten nur lernen, wie sie sich in Chats zu verhalten hätten.

Ausserdem solle man dem Kind immer wieder erklären, dass es in Chats nie wissen kann, wer sein Gegenüber in Wirklichkeit ist. Und das deshalb Vorsicht angebracht ist. Egger: «Wenn sie das im Griff hätten, wäre gamen in dieser Hinsicht kein Problem.»

Mehr Tipps zum Schutz vor Übergriffen im Netz >>

(dwi)

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