Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa05156363 A federal policemen wearing the body camera Reveal RS2-X2L at the central station in Berlin, Germany, 12 February 2016. As of today, the federal police in Berlin tests the body cam for one year.  EPA/KLAUS-DIETMAR GABBERT

Ein Polizist ausgerüstet mit einer Bodycam. Bild: EPA/DPA

Von der Verfolgungsjagd bis zum Schäferstündchen – was Bodycams alles aufzeichnen

Bodycam, der Helfer und Verräter des Polizisten. 3 Fallbeispiele.

29.08.18, 06:28 29.08.18, 17:15


Häufig steht nach einem Polizeieinsatz Aussage gegen Aussage. Auf der einen Seite die Beamten, auf der anderen die kontrollierte oder beschuldigte Person. Wer recht hat, lässt sich teilweise nicht mehr nachvollziehen. Ein mögliches Beweismittel: Die Aufnahmen von Bodycams, welche Polizisten im Einsatz tragen.

Damit lässt sich besser feststellen, was tatsächlich vorgefallen ist – weitgehend unabhängig von subjektiven Aussagen. Etwa, wer zuerst die Waffe gezogen und geschossen hat. 

Während in der Schweiz und Deutschland Bodycams noch in den Kinderschuhen stecken, werden die Kameras in Amerika bereits seit längerem eingesetzt. 

Warum Schweizer Polizisten noch misstrauisch sind

Hier drei Fallbeispiele von Bodycam-Aufnahmen, welche die US-Behörden veröffentlicht haben.

Fallbeispiel 1
Die Verfolgungsjagd

Wie Bodycams als Beweismittel dienen können, zeigt Beispiel 1.

Ein Polizeibeamte versuchen einen Ladendieb dingfest zu machen, der sich aber zuerst dem Zugriff durch die Polizisten entziehen kann. Was dann passiert, hält die Bodycam fest, die an der Brust des Beamten befestigt ist.

Und zwar kommt es zur Verfolgungsjagd über den Parkplatz des Supermarkts. Bereits nach wenigen Sekunden zieht der Ladendieb seine Pistole und schiesst mehrmals auf die Polizeibeamten.

«Alle unsere Taten basieren auf seinen Taten», kommentierte später ein Polizist die Filmaufnahmen gegenüber den Medien. «Indem er auf uns schiesst und vor uns flieht, erzeugt er die entsprechende Antwort von uns.»

Die Polizisten können den Flüchtigen letztendlich bei einem leeren Haus verhaften. Dieser hat nun eine Anklage am Hals. Unter anderem wegen versuchter Tötung. Als Beweismittel der Staatsanwaltschaft dient dabei die Aufnahme der Bodycam.

Fallsbeispiel 2
Schüsse auf Teenager

Bodycams sind nicht nur ein Beweismittel für die Polizei. Die Aufnahmen können auch dazu genutzt werden, um das Verhalten der Polizisten zu analysieren und allenfalls zu rügen. Wie in diesem Beispiel.

2016 fahndete die Polizei der Gemeinde Cobb im US-Bundesstaat Wisconsin nach einem gestohlenen Auto. Drei Tage nach dem gemeldeten Diebstahl war ein Beamte davon überzeugt, das fragliche Fahrzeug gefunden zu haben. In diesem sassen vier Jugendliche, als der Polizist mit gezückter Pistole auf das Fahrzeug hinlief. Einer der Teenager kriegte bei diesem Anblick Panik und rannte vor dem Polizisten davon. 

Der Beamte nahm die Verfolgung auf und machte Gebrauch von seiner Dienstwaffe. Insgesamt schoss er 8 Mal in Richtung des Teenagers, wie die veröffentlichen Aufnahmen der Bodycam zeigen. 7 Mal verfehlte der Polizist den Flüchtenden, doch ein Schuss traf ihn. Zu dessen Glück nur in sein Bein. 

Der zuständige Polizeichef verurteilte nach der Veröffentlichung der Aufnahmen den Beamten, der bereits zuvor gekündigt hatte. Michael Register: «Wir wollen sicher nicht, dass unsere Beamten die Öffentlichkeit weiter gefährden.»

Anders die Sicht des schiessenden Polizisten. Er ist weiter überzeugt davon, richtig gehandelt zu haben und bekam dabei Rückendeckung vom zuständigen Staatsanwalt, der dessen Verhalten gerechtfertigt findet. Die Begründung: Der Polizist sei davon ausgegangen, einen Autodieb und somit gewalttätigen Verbrecher zu jagen.

Und hier aus der Sicht der Bodycam

Video: YouTube/FOX23 News Tulsa

Fallbeispiel 3
Die Heldentat

Im Falle eines Autounfalls gehören Polizeibeamte meist zu den ersten, die vor Ort sind und den Verunfallten helfen. Was die Polizisten in solchen Situationen leisten, bleibt meist im Verborgenen.

Ihre Leistung wird durch Aufnahmen von Bodycams sichtbar, wie im Fall eines Autounfalls in der US-Stadt Atlanta. Dort retteten zwei Beamte einen Mann aus einem brennenden Auto.

Die Filmaufnahmen zeigen, wie einer der Polizisten den Brand mit einem Feuerlöscher bekämpft, während sein Kollege versucht den eingeklemmten Beifahrer durch das Seitenfenster herauszuziehen. Was ihm letztlich auch gelingt.

Und hier aus der Sicht der Bodycam

Video: YouTube/Associated Press

Die beiden Retter bleiben bei der Aktion so gut wie unverletzt. Auch der Beamte, dessen Hose beim Einsatz Feuer fing, trug lediglich Kratzer und blaue Flecken davon.

Bonus
Das Sex-Tape

Ein amerikanischer Polizist fand eine weitere Verwendung für seine Bodycam. Er nutzte sie, um sich beim Sex im Büro zu filmen. Das alleine ist schon unklug. Doch die vierminütige Aufnahme danach auf dem Arbeitscomputer abzuspeichern, ist noch viel dümmer – was sich dann auch bewahrheitete. Die Aufnahmen wurden entdeckt und in der Folge eine Untersuchung gegen den Polizisten eingeleitet.

Übrigens: Der Ordner mit den Sex-Aufnahmen trug den Namen «Fun Times».

Viele Kühe machen Mühe – Herde stoppt Autodiebin

Video: watson/nico franzoni

Aktuelle Polizeibilder: Stapel von Baustämmen gerät in Brand

Das könnte dich auch interessieren:

Wir haben kürzlich dieses BMW-Plakat gesehen – und hatten da ein paar Fragen

Riesen-Show von Shaqiri – deshalb wechselte ihn Klopp trotzdem in der Halbzeit aus

Unsere Liebe zu den Bauern endet beim Portemonnaie

Instagram vs. Realität – wie es hinter den perfekten Fotos wirklich aussieht

St.Gallen verbietet Burkas – 3 Dinge, die du dazu wissen musst

Genital-Check bei jungen Flüchtlingen: Jetzt intervenieren Fachleute und Politik

Das essen wir alles in einem Jahr

Wie ein Fussball-Teenie 600'000 Franken für Koks und Alk verprasste und abstürzte

Mehr als nur Sex zwischen Bäumen: Wie dieser Wald im Aargau zum «Schwulewäldli» wurde

Das passiert, wenn Manchester-Fans beim FC Basel nach Champions-League-Tickets fragen 😂

Diese 19 Comics zeigen, wie sich Depressionen und Angst anfühlen

Diese 9 Schweizer Orte liebt das Internet (zu sehr)

Trump Jr. postet dieses Fake-Bild – und wird vom Moderator komplett demontiert

Autistin flüchtet aus Angst vor SBB-Ticket-Kontrolle – und wird hammerhart bestraft

iOS 12 ist hier – das sind 13 nützliche Tipps für iPhone-User

Sex, Lügen und Politik: Der Fall Kavanaugh erinnert an die Hetze gegen Anita Hill

«NACHBARN AUFGEPASST» – Wie eine Touristin in Deutschland zur Einbrecherin erklärt wurde

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Daily Newsletter

18
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • hueberstoebler 29.08.2018 12:47
    Highlight ich verstehe nicht warum immer dieses trara um den gebrauch von schusswaffen gemacht wird. wenn die vermuteten Täter mehrfach mündlich auf die anwesenheit der polizei hingewiesen werden und trotzdem davon rennen, muss ich damit rechnen gewalttätig gestoppt zu werden. ob genickbruch durch tackle oder schuss ins bein sehe ich keinen unterschied (ausser dem medizinischen)....

    aber klar: schussabgabe bei verdächtigen, die stehen bleiben oder nicht über die anwesenheit der polizei informiert wurden, sind nicht tolerierbar.
    7 24 Melden
    • Tikvaw 29.08.2018 13:43
      Highlight Das ignoriert aber völlig, dass Menschen sich halt öfters irrational verhalten. Insbesondere durchschnittliche Teenies die plötzlich eine Waffe vor der Nase haben. Es hat ja seine Gründe wieso Polizisten ebenfalls darauf trainiert werden müssen, sich in solchen Situationen möglichst rational zu verhalten, da es offensichtlich nicht einfach ist.
      17 1 Melden
    • Blutgrätscher 29.08.2018 14:35
      Highlight Das liegt daran, dass das menschliche Leben das höchste Gut ist, dass unsere Rechtsordnung kennt.
      Man braucht deshalb auch einen extrem guten Grund (die unmittelbare Gefährdung anderer Leben), um dieses Recht zu beschneiden.

      Das Nichtbefolgen mündlicher Anweisungen ist kein solcher Grund.

      Ausserdem werden unbeteiligte Leben gefährdet, wenn ein Polizist seine Waffe 8 mal abfeuert.
      17 1 Melden
    • hueberstoebler 29.08.2018 14:37
      Highlight es gibt ja auch die option taser oder betäubungsgewehr oder was weiss ich. klar ist es immer schwierig, aber im zweifelsfalle kann ich verstehen wenn ein polizist lieber auf nummer sicher gehen will statt sein leben zu riskieren
      5 6 Melden
    • Shikoba 29.08.2018 23:32
      Highlight Inwiefern riskiert ein Polizist sein Leben, wenn ein Jugendlicher aus Angst davon rennt?
      3 1 Melden
  • Hardy18 29.08.2018 12:23
    Highlight Wenn im halb dunklen ein Mann mit gezogener Waffe auf mich zukommt, würde ich aber auch das Weite suchen.
    15 2 Melden
  • Snowy 29.08.2018 09:31
    Highlight "Die Begründung: Der Polizist sei davon ausgegangen, einen Autodieb und somit gewalttätigen Verbrecher zu jagen."

    Autodieb = gewalttätiger Verbrecher?

    Ein Diebstahl rechtfertigt niemals eine eventualvorsätzliche Tötung eines Autodiebes durch einen Polizisten!
    Lerider aber keine Seltenheit in den USA.
    74 8 Melden
  • Pyrojelly 29.08.2018 08:10
    Highlight Wtf.. da hat einer Nacktfotos von seinem Kind auf dem PC. Was passiert? Nichts.
    Und die Aussage von diesem Staatsanwalt. Seit wann ist Diebstahl ein Gewaltverbrechen? Naja, die Rechtslage in den USA ist ein ganz anderes Thema...
    23 2 Melden
  • Kalsarikännit 29.08.2018 08:09
    Highlight "Der Polizist sei davon ausgegangen, einen Autodieb und somit gewalttätigen Verbrecher zu jagen." Also wenn das den Einsatz der Waffe rechtfertigt, kann ich nur noch den Kopf schütteln. Haben die Polizeibeamten keine andere Mittel zur Verbrechensbekämpfung, etwa einen Taser?
    40 3 Melden
    • DerSimu 29.08.2018 16:10
      Highlight Ein Dieb ist ein Fluchttier und i.d.R. nicht gefährlich, daher ist der Schusswaffengebrauch ganz sicher nicht gerechtfertigt.

      Aber um deine Frage zu beantworten: Taser haben eine Reichweite von allerhöchstens etwa 7 oder 8m, deshalb wohl die Schusswaffe (was wie gesagt absolut unangebracht war, ich versuche nur dem Gedankengang des Cops zu folgen).
      0 0 Melden
  • _kokolorix 29.08.2018 07:46
    Highlight Nach diesem Bericht spricht absolut nichts gegen diese Bodycams. 🙂
    53 2 Melden
  • McStem 29.08.2018 07:45
    Highlight Fall zwei ist typisch USA. Nach dem Motto er hat keine sichtbare Waffe, vielleicht aber schon. Ergo Schuss gerechtfertigt.
    24 0 Melden
  • walsi 29.08.2018 07:26
    Highlight Das erste Video zeigt, dass selbst bei einem gewöhnlichen Ladendieb in den USA damit gerechnet werden muss, dass dieser auf Polizisten schiesst.

    Beim zweiten Video flieht ein mutmasslicher Autodieb und der Polizist eröffnet das Feuer. Nun wird ihm ein Fehlverhalten vorgeworfen. Hätte er warten müssen bis der Flüchtige zuerst schiesst und darauf hoffen, dass er nicht getroffen wird?

    In den USA sitzen den Kriminellen die Waffen lockerer als hier in der Schweiz folglich passen sich die Polizisten an. Man sollte die US Polizisten folglich nicht aus unserer Schweizer Sicht beurteilen.
    13 34 Melden
    • Snowy 29.08.2018 09:59
      Highlight Der Einsatz einer Schusswaffe ist nur unter striktester Beachtung des Verhältnismässigkeitsprinzips zulässig. Unverhältnismässig ist eine potenziell tödliche Gewaltanwendung zur Festnahme einer Person, die keine Gefahr für Leib und Leben anderer Personen darstellt und nicht verdächtigt wird, ein Gewaltverbrechen begangen zu haben.
      20 6 Melden
  • reaper54 29.08.2018 07:09
    Highlight Die Entscheidung über die Verwendung von Bodycams sollte wenn schon beim jeweiligen Beamten liegen. Niemand hier würde sich freiwillig nonstop bei der Arbeit filmen lassen wollen.

    Zudem kennen die wenigsten hier die Arbeit der Polizei. Ich habe gestern die meisten Kommentare unter dem Vorgängerartikel gelesen und bin erschrocken, was da Teilweise für Klischeebehaftete Meinungen wiedergegeben wurden.
    12 21 Melden
    • TJ Müller 29.08.2018 12:37
      Highlight Du siehst aber schon den Unterschied zwischen Polizisten, die von Gesetzeswegen das Gewaltmonopol ausüben und allen anderen Berufen? Ich darf bei meiner Arbeit auch keine Gewalt gegen andere Menschen ausüben, weshalb soll ich dann nonstop überwacht werden?
      12 3 Melden
    • Blutgrätscher 29.08.2018 14:43
      Highlight Ok, um es fairer zu machen:
      Lasst uns alle Berufsgruppen überwachen, die mit geladener Handfeuerwaffe in Gruppen andere Menschen kontrollieren und ggf. gegen ihren Willen festhalten.

      Da gibt es nämlich viel mehr Missbrauchs- und Konfliktpotenzial als wenn ich im Kino mal vergesse, den Mülleimer zu leeren.
      12 2 Melden
  • .:|Caballito de Mantequilla|:. 29.08.2018 06:53
    Highlight Bodycam, dein Freund und Verräter.
    12 1 Melden

Autor Linder: «Mit meinem Buch kann man nirgendwo mitreden oder an Partys auftrumpfen»

Eigentlich hat die Schweiz ihn ja schon seit 34 Jahren, aber bisher hat Lukas Linder ausschliesslich fürs Theater geschrieben. Nun endlich ist sein Erstlingsroman erschienen – ein Anlass für uns, ihm 37 höchst existentielle Fragen zu stellen.

Die NZZ hat ihn einen «aufstrebenden Erzähler» genannt, ich nenne ihn ein Phänomen. Das wage ich zu sagen, weil ich Lukas Linder kenne. Nur, dass ihr gleich Bescheid wisst und hinterher nicht klagt, ich hätte hier schamlos Schleichwerbung für einen guten Freund betrieben. 

Überdies hat Reich-Ranicki einmal gesagt: «Es gibt Menschen, die auf eine hinreissende Weise Blödes von sich geben.» 

Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob er damit Linder gemeint hat. Jedenfalls ist Reich-Ranicki …

Artikel lesen