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Anfänglich hielt der Psychiater die Hand des Missbrauchsopfers, später kam es zum Geschlechtsverkehr – als Teil der Therapie.  Bild: shutterstock

Psychiater verging sich an Missbrauchsopfer – doch Kantonsarzt blieb untätig



Im Sommer 2007 beginnt Ruth Meier* eine Therapie bei Psychiater Ralf Ganz*. Sie will sexuelle Übergriffe verarbeiten, die sie als Kind erlebte – zwei Männer und eine Frau vergingen sich mehrmals an ihr. 

Doch die Therapie entpuppt sich als Albtraum. Meier wird in der Aargauer Klinik erneut zum Opfer. Dies berichtet die SonntagsZeitung, gestützt auf Gerichtsakten.

Geschlechtsverkehr als Therapie

In den Sitzungen hält der Therapeut anfangs ihre Hand, es folgen Küsse, dann Griffe unter den BH. Ganz behauptet dabei, der Körperkontakt sei Teil der Therapie.

Ab 2013 kommt es schliesslich immer wieder zum Geschlechtsverkehr, laut Anklage «auf Initiative des Beschuldigten». Obwohl Meier das Verhalten als befremdlich empfindet, kommt sie nicht vom Angeklagten los – er war für sie zu einer engen Bezugsperson geworden. 

Die Abhängigkeit zeigt sich auch, nachdem Ganz die Klinik verlässt. Er besteht darauf, dass die Therapie fortgesetzt wird. Sein Opfer leistet Folge und bleibt weiterhin seine Patientin. 

«Es ist kein sexueller Missbrauch, es ist Vergewaltigung»:

abspielen

Video: srf

Kanton blieb untätig

Erst im Frühling 2016 wendet sich die Betroffene an den Aargauer Kantonsarzt Martin Roth. Und dieser wusste bereits vom Fall – Ganz hatte sich kurz zuvor bei ihm selbst angezeigt. 

Roth gibt ein ärztliches Gutachten über den Psychiater in Auftrag. Darin steht: «Im Rahmen der Begutachtung konnte keine psychische Erkrankung diagnostiziert werden.» Das Rückfallrisiko sei gering. Daher verzichtet Roth auf jegliche Massnahme. Auch eine Aufsichtsbeschwerde beim Aargauer Departement für Gesundheit und Soziales (DGS) ändert daran nichts. 

Zwar stellte man beim DGS fest, dass «ein solches Verhalten eine klare Verletzung der Berufspflichten darstellt und sich unter keinen Umständen rechtfertigen lässt». Jedoch sei es nicht nötig gewesen, den Psychiater zu melden. Zudem wäre es «Sache der Staatsanwaltschaft» gewesen, Ermittlungen zu weiteren Opfern anzustellen.

Milde Bestrafung

«Weder Kantonsarzt noch Gesundheitsdepartement hatten mich je befragt. Ich wollte, dass mir endlich jemand zuhört», zitiert die SonntagsZeitung das Opfer. Schliesslich reicht sie Anzeige ein.

Und hat Erfolg: Das Bezirksgericht Aarau hat den Psychiater mittlerweile wegen mehrfacher Ausnützung einer Notlage zu einer Geldstrafe von 81'000 und einer Busse von 6000 Franken verurteilt. Das Opfer erhält zudem 45'000 Franken Entschädigung. Zwar wurde ein Behandlungsverbot verhängt, doch dieses gilt nur für weibliche Patienten und ist befristet auf zwei Jahre. Folglich arbeitet der Mann bis heute als Therapeut.

Er ist auch nach wie vor als Mitglied der Ärztevereinigung FMH eingetragen. Denn der Aargauische Ärzteverband erfuhr erst durch die SonntagsZeitung vom Fall. «Strafurteile werden nicht an uns weitergeleitet», sagt Präsident Jürg Lareida. «Sonst hätten wir sicher reagiert.»

Für Meier ist das Urteil wichtig, da sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben «erfolgreich gegen einen Täter wehren konnte». Jedoch hat sie Mühe mit dem milden Urteil: «Dass er bald auch wieder Frauen behandeln kann, ist nicht nachvollziehbar.» Sie will nun anderen Opfern Mut machen, nicht länger über solche Verbrechen zu schweigen. 

* Namen geändert (vom)

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24
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    Alle Leser-Kommentare
  • Dragona 04.02.2019 17:27
    Highlight Highlight Psychiater sehnen sich danach wieder Elektroschocks breitflächig anwenden zu können, neu unter dem Namen "Elektrokonvulsionstherapie". So können sie sicher sein, dass die missbrauchten Patienten nicht mehr fähig sind, sich rechtlich gegen den Missbrauch zu wehren. Leider oft der Fall.
  • andrew1 03.02.2019 14:38
    Highlight Highlight Ist widermal tyisch für die schweiz. Nicht mal eine haftstrafe. Da gibt jemand der zu schnell fährt ohne unfall oder geschädigte gleich lang den ausweis ab wie er berufsverbot hat. Die busse unterscheidet sich auch nicht massgeblich. https://www.ghi.ch/le-journal/la-une/renvoye-au-pays-pour-un-exces-de-vitesse
  • Lisbon 03.02.2019 12:29
    Highlight Highlight Es ist zum k** diese Geschichte. Was ich nicht verstehe (unter vielem), dass dem FMH solche Straftaten nicht gemeldet werden. Natürlich muss nicht alles und jede Parkbusse, aber solche die im direktem Berufszusammenhang solltem dem FMH schon gemeldet werden, damit sie den Arzt auschliessen können, wenn es schon so lasche Strafen gibt. In erster Linie aber unverständlich, dass er weiterhin auf dem Beruf arbeiten darf.
  • leu84 03.02.2019 11:27
    Highlight Highlight Manchmal denke ich, solche Täter werden trotz Kenntnis von Behörden oder Kontrollorgane geschützt und können weiter machen. Steckt da Eigeninteresse im Raum? oder denken die (Frauen) wollen es auch so.
  • Walter Sahli 03.02.2019 10:14
    Highlight Highlight Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Und Ärzte sind sehr krähige Krähen!
  • Pianovilla 03.02.2019 09:49
    Highlight Highlight Hier wurden offensichtlich auf mehreren Ebenen gröbste Fehler gemacht. Auch muss ganz klar untersucht werden, wer beim Gesundheitsdepartement die entscheidenden Unterlassungen begangen hat. Hier muss m.E. der Aargauer RR eine Untersuchung einleiten. Aber die haben da ja sowieso recht Mühe mit solchen Dingen, wie der Chefarzt-Spesenskandal jüngst am KSA zeigte. Absolute Schweinerei. Da müsste man auch bei den zuständigen Aufsichtsstellen rigoros aufräumen.
  • salamandre 03.02.2019 09:23
    Highlight Highlight Sie hat Mühe mit dem milden Urteil...und mich reizt es bis zur Übelkeit!!!
  • Holzkopf 03.02.2019 09:21
    Highlight Highlight Das StGB sagt dazu:

    Art. 193
    1 Wer eine Person veranlasst, eine sexuelle Handlung vorzunehmen oder zu dulden, indem er eine Notlage oder eine durch ein Arbeitsver- hältnis oder eine in anderer Weise begründete Abhängigkeit ausnützt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.


    Bzgl. Berufsverbot gibt es leider keine klaren Vorgaben, weder im StGB noch in den Fachgesellschaften für Therapeuten.

    Die Reaktion des Kantonsarztes und des begutachtenden Psychiaters ist für mich unerklärlich...und wurde der Arbeitgeber nicht informiert? Das geschah ja in einer Klinik.
    • Dragona 03.02.2019 10:33
      Highlight Highlight Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken. Man sollte die Leitung der Klinik mal genauer prüfen und herausfinden was die selbst alles wussten. Vielleicht ist das ja auch nur die sichtbare Spitze.
  • Frank Eugster 03.02.2019 08:43
    Highlight Highlight Haha bei den Lehrern schreien alle lebenslanges Berufsverbot bei den Psychiatern 2Jahre. In etwa so scheinheilig wie russische Athleten als sauber zu bezeichnen
  • N. Y. P. 03.02.2019 08:30
    Highlight Highlight Wie gehabt.

    Kuscheljustiz.

    Gschpürsch mi - Typen kämmen sich gegenseitig die Haare. Danach darf der Psychiater, nach 2 Jahren Time out, wieder (in die Psyche der Frauen) eindringen.

    Es ist zum wegschauen.

    Der gehlrt für eine Weile ins Gefängnis.
    • dä dingsbums 03.02.2019 10:36
      Highlight Highlight Wie gehabt.

      Internet-Experten.

      Aus einem kleinen Artikel bei Watson die ganze Komplexität des Falles erfassen und Forderungen stellen.

      Ich habe noch nie erlebt, dass Ihr ein Urteil gerecht empfunden hättet.
    • N. Y. P. 03.02.2019 18:22
      Highlight Highlight Ja, Internet-Experte.

      Wenn man den Text liest, kann man nur noch den Kopf schütten.

      Der Psychiater kriegt insgesamt 200'000 Franken aufgebrumt.
      Und als ob nichts wäre, weil ja bei ihm keine psychische Krankheit diagnostiziert wurde, kann er bald wieder Frauen in seiner Praxis "betreuen".

      Das kann man einfach nicht ernst nehmen.
    • Gawayn 03.02.2019 23:02
      Highlight Highlight @Dingsbums...

      So schwierig ist das nicht.
      Das er mit seiner Patientin geschlafen hat, ist Fakt.
      Es geschah wärend einer Sitzung. Auch Fakt.

      Nur schon damit hat er gegen einige Regeln verstossen.

      Das eine traumatisierte Frau, kaum in Liebe entflammt sich dem Typen hin gegeben hat, davon kann man ausgehen.

      Nur schon Anhand des Wenigen das wir hier haben, reicht es allemal, jedem Therapeuten seine Aprobation zu entziehen. Dazu sicher noch Gefängnisstrafe aufbrummen.

      Dieses Urteil wie der Verlauf ist ein Hohn!
  • Gawayn 03.02.2019 08:21
    Highlight Highlight Echt schräg diese Geschichte.
    Jedem Therapeuten, wird während seiner Ausbildung eingebläut:
    "Lass die Finger von deinen Patientinnen!"

    Wie kann die Ärztevereinigung das durchgehen lassen?!
    Nur schon Sex als Therapie ausgeben lassen.
    Da müsste nicht nur der Psychiater, sondern auch der vom DGS, wie der Kantonsarzt auf die Anklagebank und hochkant raus geschmissen werden!
  • Butschina 03.02.2019 08:14
    Highlight Highlight Mir ist bewusst, dass Psychiater in der Schweiz Mangelware sind. Dennoch entschuldigt dies nicht das kurze Behandlungsverbot. Ein Lehrer der sich an einem Kind vergeht, arbeitet danach nicht mehr als Lehrer. Sein Vorgehen war von langer Hand geplant. Er beeinflusste die Patientin in kleinen Schritten, bis er zum gewünschten Ziel kam. Ich bin sprachlos über den laschen Umgang des Kantonsarztes.
    • Dragona 04.02.2019 17:26
      Highlight Highlight Psychiater sind nicht Mangelware, es gibt mehr als genug davon. Ich hoffe die Berufsgattung stirbt langsam, wie es ihre mit Psychopharmaka und Elektroschock behandelten Patienten tun. Solange diese staatlichen Erfüllungsgehilfen aber noch anerkannt sind, können sie weiter ihr Unwesen treiben.
  • Coffeetime 03.02.2019 08:11
    Highlight Highlight Einfach nur 🤦‍♀️...
  • Benno Schoenholzer 03.02.2019 07:52
    Highlight Highlight OmG!! Ist das ein Sumpf!!! Die decken sich ganz einfach gegenseitig!! Das Psychiater -Umfeld in der Schweiz ist total korrupt!!
    • Flötist 03.02.2019 08:05
      Highlight Highlight Dass das Psychiater Umfeld total korrupt sei in der Schweiz, zeigt der Artikel mitnichten. Das sind abartige Einzelfälle. Die meisten Psychiater vergehen sich nicht an ihren Patienten.
    • Holzkopf 03.02.2019 09:13
      Highlight Highlight Ganz toll diese Verallgemeinerungen...
  • öpfeli 03.02.2019 07:49
    Highlight Highlight Was für ein Widerling!
    Zum Schutze aller (zukünftigen) Therapie- Aufsuchenden sollte der Namen bekannt sein. Dass dieser Mann nach wie vor im Beruf arbeitet ist wahnsinn.
    Der Kantonsarzt sollte ebenfalls im hohen Bogen rausfliegen und seine Zulassung verlieren.
    • John Mircovic 03.02.2019 18:28
      Highlight Highlight Das war mein erster Gedanke! Der Name muss veröffentlicht werden...
  • who cares? 03.02.2019 07:23
    Highlight Highlight Ungeheuerlich. Da lässt man einen Vergewaltiger (es ist das und nichts anderes) mit grossem Talent zur Manipulation wieder mit psychisch unstabilen Menschen und sogar Missbrauchsopfern arbeiten. Es ist nur eine Frage der Zeit bis der nächste Fall auftritt. Ein heftiger Missbrauch seiner Therapeutentätigkeit und klar ein Behördenversagen, dass dieser Mann noch länger praktizieren darf.

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